Direktmandat

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Ein Direktmandat ist der Wählerauftrag, den bei einer Parlamentswahl derjenige Direktkandidat erhält, der innerhalb seines Wahlkreises die relative Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Direktmandate werden in Demokratien vergeben, in denen entweder das Mehrheitswahlrecht gilt, wie etwa in Großbritannien, oder ein gemischtes System aus Mehrheits- und Verhältniswahlrecht, wie in Deutschland.

Deutschland[Bearbeiten]

Bundestagswahlen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wahlrecht#Deutschland

299 Abgeordnete des Deutschen Bundestages werden direkt in ihrem Bundestagswahlkreis gewählt; mindestens 299 (nämlich 299 plus eventuelle Überhangmandate) werden über die Wahlliste ihrer Partei gewählt (Listenkandidat). Erststimme und Zweitstimme können unabhängig voneinander gegeben werden. Die Direktmandate werden bei der Wahl zum Deutschen Bundestag nach dem Bundeswahlgesetz durch die Erststimmen vergeben.

Nach dem Bundestagswahlrecht treten in jedem Wahlkreis Kandidaten der politischen Parteien und eventuell unabhängige Kandidaten gegeneinander an. Gewählt wird dabei nach dem relativen Mehrheitswahlrecht, der Kandidat mit den meisten Stimmen ist gewählt, auch wenn die anderen zusammen mehr haben als er.

Der Kandidat, der das Direktmandat gewonnen hat, zieht automatisch in den Bundestag ein. Gehört er zu einer Gruppierung von genügend vielen Abgeordneten, so kann diese nach der Geschäftsordnung des Bundestages den Gruppenstatus im Bundestag oder den Status einer Fraktion bekommen.

Kann eine Partei mindestens drei Direktmandate gewinnen, so erhält sie auch dann Mandate gemäß ihrem Zweitstimmenanteil, wenn sie weniger als fünf Prozent der Zweitstimmen gewonnen hat (Grundmandatsklausel). Dies war zuletzt 1994 der Fall, als die PDS zwar vier Direktmandate, aber nur 4,4 % der Zweitstimmen erringen konnte. Die Gesamtzahl der Mandate, die eine Partei erhält, bestimmt sich nach ihrem Anteil an den Zweitstimmen. Von den ihr nach diesem Anteil zustehenden Mandaten werden die Direktmandate abgezogen, die übrigen werden mit Bewerbern von der Liste besetzt. Hat eine Partei mehr Direktmandate, als ihr nach Zweitstimmen zustünden, kommt es zu Überhangmandaten.

Wahl CDU CSU SPD FDP Bayern-
partei
Deutsche-
partei
Zentrum PDS/
Die Linke
Bündnis 90/
Grüne
Unabhängige
1949 91 24 96 12 11 6 3
1953 136 42 45 14 10 1
1957 147 47 46 1 6
1961 114 42 91
1965 118 36 94
1969 87 34 127
1972 65 31 152
1976 94 40 114
1980 81 40 127
1983 136 44 68
1987 124 45 79
1990 192 43 91 1 1
1994 177 44 103 4
1998 74 38 212 4
2002 82 43 171 2 1
2005 106 44 145 3 1
2009 173 45 64 16 1
2013 191 45 58 4 1

Landtagswahlen[Bearbeiten]

Die Abgeordneten der Landtage werden zu einem Teil direkt in ihrem Wahlkreis und zum anderen Teil über die Wahlliste ihrer Partei gewählt (dabei darf ein Kandidat nur in einem Wahlkreis antreten[1]). Der Anteil der Direktmandate an der Gesamtzahl der Sitze variiert zwischen den verschiedenen Bundesländern. Prinzipiell wird bei der Sitzverteilung ähnlich verfahren, jedoch sind in einigen Ländern im Fall von Überhangmandaten, Ausgleichsmandate vorgesehen, sodass im Landtag die Verteilung der Sitze immer der Verteilung der Zweitstimmen entspricht. Dies ist zum Beispiel im Land Berlin der Fall.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bundeswahlgesetz § 20 (1): "Jeder Bewerber kann nur in einem Wahlkreis und hier nur in einem Kreiswahlvorschlag benannt werden."