Jeremias Mayer

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Jeremias Mayer (auch Jeremiah Meyer; geboren als Jeremias Majer, * 18. Januar 1735 in Tübingen; † 19. Januar 1789 in Kew bei London (heute ein Stadtteil von London)[1]) war ein englischer Maler deutscher Herkunft. Er reiste im Alter von 15 Jahren mit seinem Vater Wolfgang Dietrich Majer nach London, wo er blieb und die meiste Zeit lebte. Er war ein berühmter Miniatur- und Email-Maler.

König Georg III. (Schabkunst von John Raphael Smith nach einem Gemälde von Jeremias Mayer, 1763, National Portrait Gallery, London)
Georg, Princa of Wales, der spätere König Georg von Hannover (Elfenbeinminiatur im goldenen Rahmen, um 1773, Walters Art Museum, Baltimore)
Friedrich August, Bischof von Osnabrück, der spätere Herzog von York (1763-1827) (Elfenbeinminiatur im vergoldetem Rahmen, um 1773, Walters Art Museum)
General Thomas Gage (Elfenbeinminiatur, um 1775, National Portrait Gallery, London)
Thomas Alphonso Hayley (1780-1800) (Elfenbeinminiatur, um 1783, Christie’s, London)

Leben[Bearbeiten]

Kindheit[Bearbeiten]

Mayer war das vierte von fünf Kindern des Tübinger Malers, Wolfgang Dietrich Majer und seiner ersten Frau Anna Barbara geb. Sturmin, aber das einzige dieser Kinder, das die Kindheit überlebte. Seine Mutter starb, als er erst zwei Jahre alt war. Seit der Erkrankung der Mutter in den letzten Tagen Dezember 1736 wuchs er zwei Jahre unter der Obhut der Tante Maria Katharina Majer, die die Haushaltsführung bis zu ihrer Verheiratung übernahm, später wohl unter Obhut anderer Frauen, da sein Vater damals viel auf dem Hof in Stuttgart arbeitete.[2]

Aus dem Wunsch, dem damals sechsjährigen Sohn Jeremias eine bessere Erziehung angedeihen zu lassen, gab ihn der Vater im Januar 1741 in die Obhut seines Schwagers Schwalb, der ein Beamter – damals in Rosenfeld und seit 1743 in Ebingen – war. Jeremias musste zunächst von der Tante vom Ungeziefer, das ihn plagte, gereinigt werden. Das ist ein Hinweis dafür, in welchen Verhältnissen er die ersten Jahre seines Lebens verbrachte. Den zivilisierten Sohn holte der Vater am 25. Juli 1744 ab. Jeremias’ Aufenthalt bei seinem Onkel gab Anlass zu Streitigkeiten, weil der Vater das vereinbarte Pflegegeld in Höhe von 35 fl. jährlich nicht voll bezahlte.[3]

Jugend[Bearbeiten]

Die folgenden Jahre verbrachte Jeremias Majer in Tübingen. Er besuchte als „wohlanständiger Lateindisziplinus“ die Schule und lernte von seinem Vater malen. Wohl 1749 kaufte dieser ein Haus in der Münzgasse für 500 fl. Da seine Ersparnisse inzwischen nicht mal für ein Viertel des Kaufpreises reichten; wurde der Rest aus dem großväterlichen Erbteil von Jeremias finanziert.[4] Um der Misere des Lebens in Tübingen zu entkommen, entschloss sich Vater Majer nach London zu reisen und den 15-jährigen Jeremias, der schon gute Fortschritte im Malen gemacht hatte, mitzunehmen. Sie verließen Tübingen am 20. Oktober 1750.[5]

In London studierte Jeremias Majer an der Shipleys Academy in der St. Martin’s Lane. Als sein Vater 1755 nach Tübingen zurückkehrte, war er noch in der Ausbildung. 1757–1758 war er Schüler des deutschen, in London lebenden Malers Christian Friedrich Zincke, dem er für den Unterricht und Materialien 400 £ zahlte. Der Kontakt entstand einige Jahre zuvor durch seinen Vater, der mit Zincke befreundet war.[6] Er studierte auch bei Joshua Reynolds, der seinen Malstil deutlich beeinflusste.[7]

Erfolg[Bearbeiten]

Jeremias Mayer spezialisierte sich auf Email- und Miniaturmalerei und, innerhalb weniger Jahren, erreichte er große Bekanntheit. Seit 1760 stellte er regelmäßig in den Ausstellungen der Royal Society of Arts aus. 1761 gewann er einen Preis (20 £) für ein Profilbild des Königs für eine Münze. 1762 nahm er die englische Staatsangehörigkeit an[6] und 1763 heiratete er die Porträtzeichnerin Barbara Marsden, mit der er mehrere Kinder hatte und die ihn überlebte.[7] Im gleichen Jahr, während des Erbschaftsverfahrens im Zusammenhang mit dem Tod seines Vaters 1762, verzichtete er faktisch auf sein Erbteil zugunsten seiner Stiefmutter, weil sie ohne Mittel mit acht Kindern zurückblieb und nicht daran dachte, noch mal zu heiraten.[8]. Bereits damals wurde seine finanzielle Situation als „gesegnet“ bezeichnet. Zu dieser Zeit wurde er auch Hofmaler des Königs, zunächst als Miniaturmaler und 1764 als Emailmaler. Sein Ansehen war groß und er nahm eine führende Rolle in der vereinigten Künstlergesellschaft ein. 1769 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy of Arts. Auf Mayers Anregung wurde 1775 eine Ruhegehaltskasse für die Mitglieder der Academy gegründet.[6]

Mayer war gut befreundet mit dem Maler George Romney (1734–1802). Er wohnte mehrere Jahre in Travistock Row in Covent Garden und später, bis zu seinem Tod, in Kew bei London. Mayer starb an Fieber im Alter von 54 Jahren. Er wurde auf dem Kirchhof der Annenkirche[9] von Kew begraben, in der Kirche selbst wurde eine marmorne Gedenktafel mit seinem Medaillonbildnis und Versen von William Hayley eingesetzt.[7]

Nachdem Mayer 1750 Deutschland verlassen hatte, kam er nie wieder zurück. Seine Deutschkenntnisse ließen im Laufe der Zeit nach. Bereits in der Korrespondenz von 1763 stellt man sprachliche Mängel fest, die auf den Einfluss des Englischen zurückzuführen sind.[10]

Leistung[Bearbeiten]

Mayer malte in Öl, Aquarell und Email. Seine Miniaturen auf Elfenbein waren unvergleichlich an Lebenswahrheit. Man fand ihre Farbgebung bezaubernd schön. Viele Jahre war er als Miniatur- und Emailmaler unübertroffen. Als Mensch wurde Mayer ebenso geschätzt wie als Maler.[7] Viele seiner Werke waren im Besitz der königlichen Familie und befinden sich u. a. in Windsor Castle, British Museum, Ashmolean Museum in Oxford und in der Sammlung des Herzogs von Cumberland.[11]

Berühmtere Arbeiten[Bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. L. Oelenheinz: Die Tübinger Malerfamilie Majer, S. 212 bzw. 227
  2. L. Oelenheinz: Die Tübinger Malerfamilie Majer, S. 212-213
  3. L. Oelenheinz: Die Tübinger Malerfamilie Majer, S. 214-215
  4. L. Oelenheinz: Die Tübinger Malerfamilie Majer, S. 213
  5. L. Oelenheinz: Die Tübinger Malerfamilie Majer, S. 216 – In manchen Lexika findet sich falsche Angabe 1749.
  6. a b c L. Oelenheinz: Die Tübinger Malerfamilie Majer, S. 226
  7. a b c d L. Oelenheinz: Die Tübinger Malerfamilie Majer, S. 227
  8. L. Oelenheinz: Die Tübinger Malerfamilie Majer, S. 223/226
  9. St. Anne's Church, Kew in der englischsprachigen Wikipedia
  10. L. Oelenheinz: Die Tübinger Malerfamilie Majer, S. 225
  11. Jeremias Mayer. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 24, E. A. Seemann, Leipzig 1930, S. 480..

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jeremias Mayer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien