Johann Christian Senckenberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Christian Senckenberg, Gemälde von Anton Wilhelm Tischbein, 1771/72
Grab am Bürgerhospital

Johann Christian Senckenberg (* 28. Februar 1707 in Frankfurt am Main; † 15. November 1772 ebenda) war ein deutscher Arzt, Stifter, Naturforscher und Botaniker[1]. Ihm zu Ehren wurde 2011 ein Asteroid benannt: (207687) Senckenberg.

Leben[Bearbeiten]

Johann Christian Senckenberg kam am 28. Februar 1707 in der Frankfurter Hasengasse zur Welt. Er war der zweitälteste Sohn des Frankfurter Stadtphysikus (Physikus primarius) Johann Hartmann Senckenberg (1655–1730) und seiner zweiten Ehefrau Anna Margaretha geb. Raumburger (1682–1740). Sein Studium absolvierte er zunächst ab 1730 mit Hilfe eines Stipendiums an der jungen preußischen Universität Halle. Während seines dreisemestrigen Aufenthaltes waren seine Lehrer u.a. Friedrich Hoffmann und Georg Ernst Stahl. In Halle ließ sich der engagierte Senckenberg offenbar in theologische Auseinandersetzungen hineinziehen, die dazu führten, dass er die Stadt bereits nach drei Semestern verlassen musste, obwohl er sehr fleißig studiert haben soll. 1737 wurde er an der Georg-August-Universität Göttingen über die Heilkraft des Maiglöckchens in Medizin unter dem Vorsitz Albrecht von Hallers promoviert. Ursprünglich wollte er eine Dissertation über die Melancholie schreiben. Anschließend begann Senckenberg in Frankfurt am Main zu praktizieren.

Nach dem Tod seiner Mutter heiratete Senckenberg seine erste Frau, die zwei Jahre später am Kindbettfieber starb. Auch seine zweite Ehe endete bald mit dem Tod der Frau infolge einer Erkrankung an Tuberkulose. Ebenso starben die Kinder aus den beiden Ehen. Auch eine dritte Ehe endete nach zwei Jahren, da seine Frau an Krebs starb. Senckenberg blieb von da an Witwer.

Etablierung der Stiftung[Bearbeiten]

Büste im Senckenberg Naturmuseum

Nach drei Ehen entschloss er sich, sein Vermögen pro bono publico patriae zur Verfügung zu stellen. Am 18. August 1763 errichtete er die Dr. Senckenbergische Stiftung, deren Ziel es war, das Frankfurter Medizinalwesen, die Krankenversorgung und die Ausbildung der Ärzte zu verbessern. Auf dem im Jahre 1766 erworbenen ersten Stiftungsgelände östlich des Eschenheimer Tores entstand in den folgenden Jahren ein medizinisches Institut mit Bibliothek, Laboratorium chymicum, Gewächshäusern und einem Theatrum anatomicum, sowie das Bürgerhospital. Die Dr. Senckenbergische Anatomie, die sich aus diesem Theatrum anatomicum entwickelte, ist damit wesentlich älter als die im Jahre 1914 gegründete Johann Wolfgang Goethe-Universität. Sie ist auch eines der Gründungsinstitute dieser Universität.

Die Senckenbergische Bibliothek ist seit 1. Januar 2005 vereinigt mit der „Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main“ zur zentralen Bibliothek der Universität Frankfurt mit dem neuen Namen „Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg“.

Johann Christian Senckenberg selbst hat die Fertigstellung seines Bürgerhospitals nicht mehr erlebt, er stürzte am 15. November 1772 vom Baugerüst der Kuppel des Hospitals und verstarb. Nur zwei Tage später wurde sein Leichnam in dem von ihm gestifteten Theatrum anatomicum – wegen der gewaltsamen Todesursache – öffentlich seziert. Testamentarisch hatte Senckenberg jedoch eine Sezierung seines Leichnams abgelehnt.

Tagebuchseite vom 9. Juli 1762

Dieser unerwartete Tod tat dem Projekt nicht gut, die Stadt nutzte das Bürgerhospital als Verwahranstalt. Goethe kritisierte: Der Stiftung fehle es nicht am Materiellen, sondern am Intellekt.

Aus der Senckenbergischen Stiftung gingen später u. a. das Naturmuseum Senckenberg und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung hervor.

Die Tagebücher Senckenbergs[Bearbeiten]

Bis heute warten 53 Tagebuchbände Senckenbergs mit insgesamt 40.000 Seiten darauf, wissenschaftlich ausgewertet zu werden, was sich aber wegen seiner schwer lesbaren Handschrift, einer Mischung aus Deutsch, Frankfurterisch, Latein, Griechisch, Französisch und Englisch sowie zahlreichen eigenen Abkürzungen als zeitlich äußerst aufwändig darstellt. Seit 2011 wird jedoch in einem Projekt der Frankfurter Universitätsbibliothek, wo die Schriften eingelagert sind, daran gearbeitet, bis 2016 zunächst rund 13.000 Tagebuch-Seiten aus den Jahren 1730 bis 1742 in eine heute lesbare Form zu bringen und als Digitalisate online verfügbar zu machen.[2]

Literatur[Bearbeiten]

Westdeutsche Briefmarke (1953) der Serie Helfer der Menschheit
Briefmarke (2007) zum 300. Geburtstag
  • Rudolf JungSenckenberg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 1–5. - Familienartikel
  • August de Bary: Johann Christian Senckenberg (1707–1772). Sein Leben auf Grund der Quellen des Archivs der Dr. Senckenbergischen Stiftung dargestellt von Dr. August de Bary. Verlag von Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1947
  • Thomas Bauer: Johann Christian Senckenberg. Eine Frankfurter Biographie 1707–1772. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2007; Rezension Julia Voss in: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 50, 28. Februar 2007, S. 34 (Feuilleton: Neue Sachbücher)
  • Udo Benzenhöfer: Senckenberg, Johann Christian. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 24, Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 247 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Christian Senckenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ludwig Spilger (1941): Senckenberg als Botaniker. Abhandlungen der senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft 458:1-175
  2. „Rätsel um Tagebücher des Stifters Senckenberg soll gelöst werden.“ Focus online vom 9. Juli 2013