Maiglöckchen

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Maiglöckchen
Maiglöckchen (Convallaria majalis)

Maiglöckchen (Convallaria majalis)

Systematik
Monokotyledonen
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Spargelgewächse (Asparagaceae)
Unterfamilie: Nolinoideae
Gattung: Convallaria
Art: Maiglöckchen
Wissenschaftlicher Name
Convallaria majalis
L.

Das Maiglöckchen (Convallaria majalis) ist eine Pflanzenart aus der artenarmen Gattung Convallaria in der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). In der Deutschschweiz wird der Trivialname Maieriesli verwendet. Es wurde 2014 zur Giftpflanze des Jahres gewählt.[1]

Beschreibung[Bearbeiten]

Blätter
Illustration
Blüten am Stielchen mit Hochblatt
Fruchtstand

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Das Maiglöckchen ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 30 cm erreicht. Es besitzt ein bis zu 50 cm tief wurzelndes Rhizom als Speicher- und Überdauerungsorgan und wird daher zu den Rhizomgeophyten gezählt. Das relativ dünne, kriechende und ausläuferartige Rhizom verzweigt sich monopodial. Die oberirdischen Sprosse bilden sich daher jeweils hinter der Rhizomspitze. Mit Hilfe ihrer anfangs kegeligen Form durchbrechen die jungen Sprosse im Frühjahr den Erdboden. Der ansonsten unbeblätterte, aufrecht wachsende und kantige Stängel besitzt an seiner Basis meist zwei Laubblätter, die ihn scheidig einhüllen.

Blätter[Bearbeiten]

Das Maiglöckchen zeigt zwei bis drei Laubblätter, die direkt dem Rhizom entspringen. Sie gliedern sich in eine stielähnliche, einen Scheinstängel bildende Blattscheide und die Blattspreite.[2] Die Länge der Scheide beträgt etwa 4 bis 30 Zentimeter.[3] Die ganzrandige Blattspreite ist unbehaart. Ihre Länge variiert zwischen 12 und 20 Zentimeter, die Breite umfasst zwischen 2,5 und 5 Zentimeter. Sie ist breit-lanzettlich geformt und läuft in einer kurz zugespitzten Blattspitze aus. Blattober- und Blattunterseite zeigen eine dunkelgrüne Färbung, die Blattoberseite ist deutlich glänzend. Zum Blattgrund hin verschmälert sich das Blatt in den Scheinstängel, wobei die stielähnliche Scheide des niedriger stehenden Blattes die des höher stehenden Blattes scheidenförmig umschließt. Zusätzlich umhüllen mehrere sich umfassende häutige Niederblätter scheidig die Basis der Scheinstängel.

Blütenstand und Blüte[Bearbeiten]

Zwischen April und Juni entwickeln sich in einem mehr oder weniger einseitswendigen traubigen Blütenstand fünf bis zehn nickende, breitglockige Blüten. Jede Blüte steht über einem häutigen, 4 bis 20 mm langen, lanzettförmigen Tragblatt, das in etwa halb so lang wie das 5 bis 11 mm lange Blütenstielchen ist und dieses an der Basis umhüllt. Kennzeichnend für die Blüten des Maiglöckchens ist der charakteristische, intensiv süßliche Duft, über den potenzielle Bestäuber angelockt werden. Bestimmend für die Duftnote gilt das aromatische Aldehyd Bourgeonal. Die reinweiße Blütenhülle des Maiglöckchens ist einheitlich gestaltet und, wie bei der Unterfamilie Nolinoideae weit verbreitet, erfolgt keine Unterteilung in Kelch und Krone. Die sechs 5 bis 9 mm langen Perigonblätter sind bis auf ihre sechs kurzen, 1 bis 3 Millimeter langen, zurückgebogenen Zipfel fast vollständig glockenförmig miteinander verwachsen. Die Perigonblätter sind mit mikroskopisch kleinen Drüsen besetzt. Das Perigon ist meist rein weiß, selten haben Exemplare innen, wo die Staubblätter eingefügt sind, sechs purpurviolette Flecken (var. picta Wilczek)[4]. Die Blüte des Maiglöckchens ist zwittrig, d. h. sie enthält Staub- und Fruchtblätter in einer Blüte.[5] Es sind zwei Kreise mit je drei untereinander freier, fertiler Staubblättern vorhanden. Die kurzen, meist schwach rötlich gefärbten Staubfäden sind mit der Basis der Blütenhüllblätter verwachsen und überragen diese nicht. Die gelben, länglichen bis lanzettlichen Staubbeutel besitzen zwei Theken. Sie öffnen sich auf beiden Seiten von oben nach unten mit einer Längsspalte um den Pollen zu entlassen. Drei Fruchtblätter sind zu einem rundlichen, oberständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen. Jede Fruchtknotenkammer beinhaltet vier bis acht Samenanlagen. Den kurzen, dicken, gerade stehenden Griffel schließt eine kleine, schwach dreilappige bis kopfige Narbe ab. Der Griffel überragt die Blütenhülle nicht.[3]

Frucht und Samen[Bearbeiten]

Die mit einem Durchmesser von sechs bis zwölf Millimeter kugeligen, dreifächerigen Beeren färben sich bei Reife leuchtend rot. Sie enthalten Pulpe und ein bis fünf Samen. Die gelben bis hell-braunen Samen sind etwa drei bis vier Millimeter lang und fast kugelig bis kantig geformt.[3] Sie benötigen Kälte zum Keimen und gelten als kurzlebig.[6]

Chromosomenzahl[Bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 19. Bei der Wildpflanze liegt ein diploider Chromosomensatz von 2n = 38 vor.[3]

Ökologie[Bearbeiten]

Botanisch gesehen handelt es sich beim Maiglöckchen um Glockenblumen mit Streueinrichtung.

Das Maiglöckchen bietet keinen Nektar an, besitzt jedoch am Grund des Fruchtknotens anbohrbares saftreiches Gewebe.[7] Die Bestäubung der Blüten erfolgt über Insekten, wobei Bienen als Hauptbestäuber in Erscheinung treten. Das Maiglöckchen verfügt über zwei Strategien, Fremdbestäubung zu fördern. Zum einen bilden die Blüten des Maiglöckchens – auf verschiedene Individuen verteilt – unterschiedlich lange Griffel aus, was botanisch als Heterostylie bezeichnet wird und bezogen auf die einzelne Pflanze eine Bestäubung der Blüten untereinander verhindern soll.[7] Zum anderen reifen innerhalb derselben Blüte die Staubbeutel vor den Narben. Diese Strategie – in der Botanik Proterandrie genannt – soll eine Bestäubung der Einzelblüte mit sich selbst vermeiden. Dennoch führt beim Maiglöckchen auch Selbstbestäubung zum Fruchtansatz.[7]

Wie viele Pflanzen bedient sich auch das Maiglöckchen mehrerer Ausbreitungsmechanismen (Polychorie). Die Früchte, rote Beeren, entwickeln sich im Sommer und werden von Tieren, die deren gelbliche und birnenförmige Samen wieder ausscheiden, verbreitet. Insbesondere Amsel und Rotdrossel (Vogelausbreitung) tragen zur endochoren Ausbreitung bei. Als beliebte Garten- und Friedhofspflanze (bewusste Saatgutausbreitung durch den Menschen: Ethelochorie) gelingt es dem Maiglöckchen, sich von diesen kultivierten Standorten in die nähere Umgebung auszubreiten. Noch häufiger nutzt das Maiglöckchen über sein Rhizom die Möglichkeit der vegetativen Selbstausbreitung.

Krankheiten[Bearbeiten]

Das Maiglöckchen wird vom Rostpilz Puccinia sessilis var. sessilis mit Spermogonien und Aecien befallen.[8]

Giftigkeit[Bearbeiten]

Das Maiglöckchen wird insgesamt als sehr stark giftig eingestuft. Alle Pflanzenteile sind giftig, besonders aber Blüten und Früchte.

Es wurden 38 Glykoside in der Pflanze gefunden, die sich von 9 Aglyka ableiten lassen. Hauptwirkstoffe: Convallotoxin, Convallotoxol, Convallosid und Desglucocheirotoxin.

Vergiftungserscheinungen: Bei äußerlichem Kontakt mit der Pflanze treten Haut- und Augenreizungen auf.

Bei Aufnahme durch den Mund treten Übelkeit, Durchfall, Herzrhythmusstörungen, Schwindel und Brustbeklemmung auf. Zunächst tritt hoher Blutdruck und rascher Puls, später verminderter Blutdruck, sehr langsame und tiefe Atmung und schließlich Herzstillstand ein. Nach dem Genuss von einer bis fünf Beeren sind höchstens kurzzeitige Sinusarrhythmien beobachtet worden, meist keine Symptome. Bei größeren Mengen muss wie bei einer Herzglykosid-Vergiftung behandelt werden.

Durch Beeren, Blüten und Blätter sind besonders Kinder gefährdet. Bei Aufnahme von Teilen der Pflanze sollten der Giftnotruf bzw. ein Arzt konsultiert werden.

Schwere Vergiftungen von Tieren können bei der Waldmast auftreten. Auch Geflügel ist gefährdet.

Verbreitung[Bearbeiten]

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Das Maiglöckchen ist in fast ganz Europa weit verbreitet. In Nordamerika gilt es als eingebürgert. Im südeuropäischen Raum sind seine Bestände gewöhnlich auf Gebirgslagen begrenzt.[5][9] Zuchtformen des Maiglöckchens, wie z. B. die blass-rosa blühende Sorte 'Rosea', sind jedoch weltweit verbreitet.

Das gesellig wachsende Maiglöckchen gilt als Klassen-Charakterart der Buchen- und sommergrünen Eichenwälder Europas. In trockenen bis leicht feuchten, lichten Laubwäldern, insbesondere in Buchen- und Eichenwäldern mittleren Artenreichtums und lichten Kiefernwäldern bildet es oft dichte Bestände aus. Im Gebirge ist das Maiglöckchen bis in Höhenlagen von 1900 m auf Bergmatten, Geröllhalden und in lichten Gebüschen beheimatet.
Das Maiglöckchen gilt als Kennart des Maiglöckchen-Haselgebüschs (Convallario-Coryletum), eine Assoziation, die dem Verband Wärmeliebende Gebüsche (Berberidion) zugeordnet ist. Das bisher nur aus dem Schweizer Jura bekannt gewordene Gebüsch wird von der Hasel dominiert und entwickelt sich als Pioniergesellschaft auf Kalkböden potenziell natürlicher Ahorn-Linden-Wälder. Es besiedelt gewöhnlich hochkolline bis montane Lagen und tritt dort als Waldmantel in Erscheinung. Neben den Kennarten Hasel und Maiglöckchen bilden Gemeiner Efeu (Hedera helix), Alpen-Kreuzdorn (Rhamnus alpina) und insbesondere die (sub-)mediterranen Arten wie Gemeine Pimpernuss (Staphylea pinnata), Strauch-Kronwicke (Coronilla emerus) und Gemeine Schmerwurz (Tamus communis) die diagnostischen Sippen.[10]

Das Maiglöckchen bevorzugt sommerwarme Klimalagen und halbschattige Standorte. Es gedeiht sowohl auf kalkreichen als auch auf sauren Böden. In sehr schattigen Waldlagen bildet die Pflanze oftmals nur Blätter, jedoch keine Blüten aus. Die Ausbreitung erfolgt hier überwiegend vegetativ über die Wurzelausläufer.[11] Das Maiglöckchen ist ein Mullbodenkeimer und ist hierbei auf Wurzelpilze angewiesen.[9]

Systematik[Bearbeiten]

Mit Convallaria majalis als Typusart wurde die Gattung Convallaria 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, 1, S. 314–316 erstveröffentlicht.[12] Das Artepitheton majalis bezieht sich auf den Monat Mai.

  • Maiglöckchen (Convallaria majalis L.): Mit zwei Varietäten:
    • Convallaria majalis L. var. majalis
    • Convallaria majalis var. transcaucasica (Utkin ex Grossh.) Knorring (Syn.: Convallaria transcaucasica Utkin ex Grossh.)[13]

Pharmazie- und Botanikgeschichte[Bearbeiten]

Lilium convallium Meyblomen. Abbil­dung im Gart der Gesundheit. Mainz 1485.

Als Heilpflanze wurde das Maiglöckchen erstmals in Gabriel von Lebensteins Abhandlung „Von den gebrannten Wässern“ erwähnt, deren ältester bekannter Textzeuge aus dem 1. Viertel des 15. Jh. stammt. Darin wurde das Maiglöckchen als Marienblume beschrieben: „Lilium convalium. Es hat auch vnser libe fraw gesprochen in dem puch der libe: Ich pin ein plvm des tals vnd auch des grvnen waldes.“ Lebenstein schrieb dem aus Maiglöckchenblumen gebrannten Wasser folgende Heilwirkungen zu:

  • Allgemeine Wirkung bei innerer Anwendung: Vorbeugung gegen „hohen siechtag“ (lässt sich als Epilepsie oder als Schlaganfall deuten), stärkt das Herz und alle Organe des Menschen.
  • Innere Anwendung: gegen Wehenschwäche, Lähmung nach Schlaganfall („von paraliß geschlagen“), Verlust des Sprechvermögens, Wassersucht, Weh in den Lenden, Menstruationsbeschwerden, Hauterkrankungen („ausseczig“), Harnentleerungsstörungen, „Faulen“ der Leber, Atemwegserkrankung („Wachsen der Lunge“), Heiserkeit, Halsschwellung.
  • Äußerliche Anwendung: gegen Augenrötung, Entzündung an den männlichen Geschlechtsteilen, „Erbgrind“ auf dem Kopf, graue Haare, übler Geruch aus Nase und Mund.

In dem Michael Puff aus Schrick zugeschriebenen Büchlein von den ausgebrannten Wässern wurden Lebensteins Indikationen in gestraffter Form wiederholt und durch die Angabe „wirkt giftwidrig“ ergänzt. Im Mainzer Gart der Gesundheit von 1485 (Cap. 230) bildete Erhard Reuwich das Maiglöckchen naturgetreu ab. Der Text erwähnte die wohlriechenden Blumen, verglich die Blätter mit den Wegerichblättern und beschrieb die Herstellung eines Destillats aus den Blumen:

„Disse blomen synt besser an irer krafft wan das krut. Vnd die wůrtzeln besser dan die blomen. Item nym disser blomen eyn halb phunt vnd thu darvber gůten lutern wyn vnd laiß die dar inne beyssen vier wochen. Darnach seyge den wyn abe vnd distillier den durch eyn alembig funff male. Disser wyn also distillieret ist besser dan golt. Wer dissen wyn mischet mit vi. pfeffer korner vnd wenig lavendel wasser der darff sich den selbigen monat nit besorgen fur dem slage.“

Bis zur Mitte des 19. Jh. wurde das Maiglöckchen von der Schulmedizin vernachlässigt, dann aber – aus der russischen Volksmedizin auftauchend – wiederentdeckt und als Surrogat der Digitalis und der Scilla bei Herzmuskelschwäche mit Wasserstauung eingesetzt.[14] 1858 stellte der Heidelberger Chemiker Georg Friedrich Walz (1813–1862) aus dem Maiglöckchen die Glycoside Convallamarin und Convallarin dar. 1867 machte der Göttinger Wilhelm Marmé Tierversuche mit Convallamarin, bewies dessen Herzwirkung, ermittelte die für Hunde tödliche Dosis und reihte es unter die Digitaloide ein. Das Convallarin erkannte er als Abführmittel und schied es für die Herztherapie aus.[15]

Nutzung[Bearbeiten]

Zierpflanzenbau[Bearbeiten]

Das Maiglöckchen eignet sich als Zierpflanze im Garten besonders für Gehölzgruppen und schattige Rabatten. Es bevorzugt halbschattige Standorte. Eine Kompostauflage im Herbst wird empfohlen.[16] Das Maiglöckchen wird auch als Schnittblume und Topfpflanze angebaut. Bei der vegetativen Vermehrung durch Teilung der Rhizome ist zu beachten, dass im ersten Jahr, wenn das „Auge“ austreibt, nur Blätter gebildet werden; erst im zweiten Jahr entwickeln sich dann die Blüten. Ein geübter Blick erkennt vegetative und blühfähige Rhizomteile, sie müssen entsprechend sortiert werden, damit nur blühfähige Rhizomteile in die „Treiberei“ kommen. Maiglöckchen findet man auch in vielen Parks und Gärten.

Die Stadt Drossen (heute Ośno Lubuskie, PL) war bis 1945 wegen der dortigen Maiglöckchenzucht als die „Maiblumenstadt“ bekannt. Ein heutiges Anbaugebiet ist die Samtgemeinde Elbmarsch in der Nähe von Hamburg. Das Blütenöl des Maiglöckchens wird häufig Parfüms zugesetzt.

Medizin[Bearbeiten]

Als Heildroge dienen die getrockneten oberirdischen Teile der Pflanze; meist auch von nahestehenden Arten wie Convallaria keiskei MIQ.

Wirkstoffe sind herzwirksame Steroid-glykoside (etwa 40 Cardenolide), vor allem Convallotoxin, Convallotoxol, Convallosid, Lokundjosid, Desglucocheirotoxin; Steroid-saponine, Flavonoide.

Anwendungen: Die Anwendung der Droge selbst ist wegen der Giftigkeit nicht vertretbar, ausschließlich das auf einen bestimmten Wirkwert (von Convallotoxin) eingestellte Pulver bzw. entsprechende Extrakte oder Reingykoside setzt man gegen leichte Herzmuskelschwäche, bei Altersbeschwerden und zur Ausschwemmung herzbedingter Wasseransammlungen ein.

Die Präparate enthalten häufig Extrakte weiterer herzwirksamer Drogen wie Adoniskraut, Meerzwiebel, oder Oleanderblätter, gelegentlich auch Weißdorn mit komplett anderer Wirkzusammensetzung.

Das Maiglöckchen als Motiv[Bearbeiten]

In der bildenden Kunst[Bearbeiten]

Kopernikus mit einem Maiglöckchen in der Hand
Das Paradiesgärtlein mit Maiglöckchen am unteren Bildrand

Früher war es für bedeutende Ärzte üblich, sich mit bestimmten medizinischen Symbolen porträtieren zu lassen. Als Symbol für die Heilkunde fungierte oft das Maiglöckchen. So hat sich beispielsweise Nikolaus Kopernikus mit einem Maiglöckchen in der Hand abbilden lassen. Ein solches von Tobias Stimmer (1534–1584) gemaltes Bild hängt im Straßburger Münster neben der bekannten astronomischen Uhr.

Darüber hinaus zählte das Maiglöckchen in der christlichen Ikonographie neben der Lilie, der Rose und anderen Pflanzen zu den sogenannten Marienblumen; mit seinen kleinen weißen, nickenden Blüten war es Symbol für die keusche Liebe, die Demut und die Bescheidenheit von Maria. Entsprechend ist das Maiglöckchen auf den Gemälden meist unauffällig und klein am unteren Bildrand dargestellt; ein typisches Beispiel dafür ist das bekannte Gemälde Paradiesgärtlein von einem unbekannten Meister aus dem 15. Jahrhundert.

In der Literatur[Bearbeiten]

Das wohlriechende und frühblühende Maiglöckchen hat seit jeher die Phantasie zahlreicher Dichter beflügelt. Beispielhaft seien hier Eichendorff und Fallersleben erwähnt. Der schwedische Dichter Gustaf Fröding schrieb ein Gedicht Kung Liljekonvalje ("König Maiglöckchen"), das vor allem durch David Wikanders Vertonung bekannt wurde.

Quellen[Bearbeiten]

  • Frederick H. Utech: Convallaria. In: Flora of North America. Volume 26, 2002, S. 205. (online)
  • Liang Songyun (梁松筠), Minoru N. Tamura: Flora of China. Volume 24, 2000, S. 234. Die monotypische Gattung Convallaria. (Abschnitt Beschreibung)
  • Angelika Lüttig: Hagebutte & Co. Fauna-Verlag, ISBN 3-935980-90-6.
  • Peter Schmersahl: Das Maiglöckchen – Symbol des Arztes, der Maria und der Liebe. In: Deutsche Apotheker Zeitung. 140, 2056, 2000.
  • Werner Rothmaler (Begr.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen, Grundband. Spektrum-Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 3-8274-1359-1.
  • Gerhard K. F. Stinglwagner, Ilse Haseder, Reinhold Erlbeck: Das Kosmos Wald-und Forstlexikon. Kosmos-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10375-7.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands, Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim 2006, ISBN 3-494-01397-7, S. 141 f.
  • Bernhard Auerswald, Emil Adolf Roßmäßler: Botanische Unterhaltungen zum Verständniß der heimathlichen Flora. Verlag Hermann Mendelssohn, Leipzig 1858. (2. Auflage. 1863, DNB 994005423) (online)
  • Roth/Daunderer/Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. 6., überarb. Aufl. (2012), ISBN 978-3-86820-009-6
  • Ingrid und Peter Schönfelder: Das neue Buch der Heilpflanzen. Franckh-Kosmos Verlag, 2011, ISBN 978-3-440-12932-6
  • Gernot Rath. Die Convallaria majalis. Ihr Weg durch die Geschichte. Köln: Madaus 1959.
  • Gerhard Eis und Hans Josef Vermeer. Gabriel von Lebensteins Büchlein „Von den gebrannten Wässern. Stuttgart : Wiss. Verl. Ges. 1965.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Maiglöckchen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Maiglöckchen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maiglöckchen (Convallaria majalis) - Giftpflanze des Jahres 2014. Hamburg.de, abgerufen am 5. Februar 2014.
  2. Werner Rothmaler: Krautige Nutz- und Zierpflanzen. Spektrum akademischer Verlag 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 400.
  3. a b c d Frederick H. Utech: Convallaria. In: Flora of North America. Volume 26, 2002, S. 205. (online)
  4. Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band II, Seite 345. München 1939
  5. a b Angelika Lüttich: Hagebutte & Co S. 188 f.
  6. Werner Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin, 20. Auflage. 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3, S. 191.
  7. a b c Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands S. 140 ff.
  8. Peter Zwetko: Die Rostpilze Österreichs. Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales. (PDF; 1,8 MB).
  9. a b Stinglwagner, Haseder, Erlbeck: Das Kosmos Wald-und Forstlexikon S. 558.
  10. Heinrich E. Weber: Gebüsche, Hecken, Krautsäume. Ulmer Verlag 2003, ISBN 3-8001-4163-9, S. 111.
  11. Das Maiglöckchen im Naturlexikon
  12. Convallaria. bei Tropicos.
  13. Convallaria. bei GRIN.
  14. Theodor Husemann. Handbuch der gesamten Arzneimittellehre. Berlin : Springer 1883, S. 1172.
  15. Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis. Berlin : Springer 1903. Bd I, S. 956. - Rath 1959, S. 33.
  16. Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 737.