Johann VIII. (Nassau-Siegen)

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Johann VIII. von Nassau-Siegen, von Jan Anthoniszoon van Ravesteyn

Johann VIII. zu Nassau-Siegen, auch: Johann VIII., der Jüngere, (* 29. September 1583 in Dillenburg; † 17. Juli 1638 in Renaix) war der Graf von Nassau, Graf zu Katzenelnbogen, Vianden und Diez, Marquess de Monte-Caballo und Baron zu Beilstein d.J.. Er war kaiserlicher und spanischer General im Dreißigjährigen Krieg.

Leben[Bearbeiten]

Er war der zweite Sohn von Johann VII. von Nassau-Siegen (1561–1623) und Gräfin Magdalena von Waldeck-Wildungen (1558–1599). Er wurde mit seinen Brüdern streng calvinistisch erzogen, trat aber am 25. Dezember 1613 zum Katholizismus über, was er seinem Vater aus Den Haag mitteilte.[1] Bis 1595 besuchte er die Hohe Schule Herborn. Danach setzte er die Ausbildung am Collegium Mauritianum in Kassel und in Genf fort. Nach dem Studium folgte 1603 die Grand Tour durch Frankreich und Italien. Hierbei wurde er in Neapel inhaftiert, da man ihn für einen Bruder von Moritz von Oranien hielt. Erst durch Intervention des Kaisers und Papst Clemens VIII. wurde die Gefangenschaft beendet. Auf der Rückreise von Neapel traf Johann daher Papst Clemens VIII.

Erste militärische Erfahrungen sammelte Johann VIII. im kaiserlichen Heer in Ungarn in den Türkenkriegen. Seine Offizierskarriere setzte er, der oranisch-nassauischen Familientradition folgend, jedoch in der niederländischen Armee fort. 1610 war er an der Eroberung von Jülich beteiligt.

Johann VIII. trat bereits 1608 zum katholischen Glauben über, hielt dieses jedoch vorerst geheim. 1612 hielt er sich zur Kaiserkrönung in Frankfurt auf und wurde durch Kaiser Matthias zum kaiserlichen Kammerherrn bestellt. Im Dezember desselben Jahres bekannte sich Johann in Rom offiziell zum katholischen Glauben. Hieraufhin wurde er von seinem Vater Johann VII. enterbt, indem dieser Heinrich von Nassau-Siegen durch Testament zum Nachfolger bestimmte. Da der Wechsel von der katholischen Seite medial als Sieg gefeiert wurde, ist in der älteren Literatur zum Teil nur dieses Datum für den Glaubenswechsel enthalten.

1614 wechselte Johann in den militärischen Dienst des Herzogtums Savoyen, eines Verbündeten der Niederlande. Durch Herzog Karl Emanuel I. wurde Johann in den Annunziaten-Orden aufgenommen und zum Marques de Monte-Caballo ernannt. Von 1615 bis 1617 stand Johann VIII. dann im Dienst des französischen Königs.

Nach dem Tod seines Bruders Johann Ernst 1617 beanspruchte Johann VIII das väterliche Erbe. Kaiser Matthias unterstützte ihn, indem er das väterliche Testament für ungültig erklärte. Nach dem Tod Johann VII. im Jahr 1623 besetzte Johann VIII. Nassau-Siegen mit kaiserlichen Truppen. Bereits 1624 begann er gemeinsam mit Jesuiten aus Köln mit der Rekatholisierung der Grafschaft. Bis zu seinem Tod blieb er Graf von Nassau-Siegen. Johann VIII. versuchte die frühen kaiserlichen Erfolge im Dreißigjährigen Krieg für sich zu nutzen und den gesamten Besitz des ottonischen Hauses Nassau zu übernehmen. Er wies den Kaiser darauf hin, dass die übrigen Seitenlinien 1619/20 den Winterkönig Friedrich V. von Böhmen unterstützt hatten. Der Übertritt von Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar zum katholischen Glauben 1629 verhinderte jedoch den Erfolg für Johann VIII.

Mit der Heirat von Ernestine Yolande Prinzessin de Ligne 1618 kam es in seiner militärisch-politischen Biografie zu einem Bruch. Johann wechselte in den Dienst des spanischen Hauses Habsburg, dem Gegner der Niederländer im Achtzigjährigen Krieg. Johann wurde 1623 Mitglied des kaiserlichen Hofkriegsrats. 1625 belagerte er gemeinsam mit Ambrosio Spinola Breda, das jedoch von seinem Großcousin Justinus von Nassau erfolgreich verteidigt wurde. Im Jahr 1628 war sich Johann VIII. für den Kaiser als Diplomat unterwegs. Er hatte den Auftrag die Ansprüche der Habsburger auf das Herzogtum Mantua durchzusetzen. Obwohl Johann VIII. die Anerkennung der Ansprüche durch Frankreich erreichte, brach im Folgejahr der Mantuanischer Erbfolgekrieg aus. Am 1. Juli 1629 wurde Johann kaiserlicher Feldmarschall, 1630 Ritter des Orden vom Goldenen Vlies. Im Juni 1630 geriet er in niederländische Gefangenschaft, aus der er erst Ende des Jahres gegen Zahlung eines hohen Lösegeldes frei kam. Ab 1631 war Johann VIII. General der spanischen Kavallerie.

Während Johann VIII. in den Niederlanden und Frankreich kämpfte, besetzen Schwedische Truppen 1632 seine Grafschaft Nassau-Siegen. Sein Halbbruder Johann Moritz (der Brasilianer) nutzte die Gelegenheit die Rekatholisierung rückgängig zu machen und die Jesuiten zu vertreiben.

Johann VIII. starb am 17. Juli 1638 auf seinem Schloss bei Renaix. Die Todesursache war vermutlich eine Dysenterieinfektion.

Familie[Bearbeiten]

Porträt von Ernestine Yolande Prinzessin de Ligne

Johann heiratete am 13. August 1618 in Brüssel Ernestine Yolande Prinzessin de Ligne (* 2. November 1594 bis 4. Juni 1668 in Renaix), die aus einer der führenden katholischen Familien der Spanischen Niederlande stammte. Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:

  • Maria (1619–1620)
  • Tot geborene Tochter (1620)
  • Klara Maria (1621–1695)
∞ 1634 Albert Heinrich von Ligne
∞ 1642 Claude Lamoral 3. Fürst von Ligne

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Glawischnig: Johann VIII.. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 501 f. (Digitalisat).
  •  Holger Th. Gräf: Graf Johann VIII. von Nassau-Siegen (1583–1638). In: Nassauische Annalen. Bd. 119, 2008, S. 131–145.
  • Ernst Joachim: Johann VIII. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 266–268.
  •  Otto Renkhoff: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau. Bd. 39). 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1992, ISBN 3-922244-90-4, S. 558 f.
  • Gerhard Specht: Johann VIII. von Nassau-Siegen und die katholische Restauration in der Grafschaft Siegen (= Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte. Bd. 4, ZDB-ID 503931-9). Bonifatius-Druckerei, Paderborn 1964.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adolf Müller: Meilensteine aus der Siegerländer Vergangenheit. In: Siegerländer Heimatkalender. Bd. 41, 1966, ZDB-ID 529717-5, S. 98.
Vorgänger Amt Nachfolger
Johann VII. Graf von Nassau-Siegen
1623–1638
Georg Friedrich