Johannes Daniel Falk

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Daniel Falk, Pastell eines unbekannten Künstlers, um 1800, Gleimhaus Halberstadt

Johannes Daniel Falk (* 28. Oktober 1768 in Danzig; † 14. Februar 1826 in Weimar) war evangelischer Laientheologe, Schriftsteller und Kirchenlieddichter und gilt als Begründer der Jugendsozialarbeit.

Stationen seines Lebens[Bearbeiten]

Danzig[Bearbeiten]

Johannes Daniel Falk wurde 1768 als Sohn eines Perückenmachers in Danzig geboren. Mit Hilfe verschiedener Förderer gelang es Falk, gegen den väterlichen Willen das örtliche Gymnasium zu besuchen und abzuschließen. Schon dort fiel er durch eine Begabung für Sprachen und bissigen Humor auf, der sich gegen die Auswüchse der Standesgesellschaft richtete.

Durch die in dieser Zeit dominierende rationalistische Theologie sowie sein frommes Elternhaus geprägt, vereinte er zeitlebens eine an der Vernunft ausgerichtete scharfsichtige und intellektuelle Kritik der bestehenden politischen und kirchlichen Verhältnisse mit einem frommen Bewusstsein, das auch zur Kritik der gesellschaftszerstörerischen Auswüchse der Aufklärungsphilosophien fähig war.

Halle (Saale)[Bearbeiten]

Mit einem Stipendium des Danziger Senates nahm er 1787 ein Studium der Theologie in Halle auf. Beabsichtigt war seine Rückkehr in die Heimatstadt als Pfarrer. Dazu kam es nicht. Weder schloss er sein Studium ab, noch kehrte er nach Danzig zurück.

Weimar[Bearbeiten]

Weimar, Graben/Teichgasse: Denkmal für Johannes Daniel Falk
Grabplatte am Grab vom Johannes Daniel Falk

Nach der Heirat zog Falk 1797 nach Weimar, wo er zeitweise mit Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder und Christoph Martin Wieland verkehrte. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Publizist, unter anderem durch die Herausgabe des Taschenbuch für Freunde des Scherzes und der Satyre (1797 - 1803). Mit der französischen Besatzung Weimars nahm er ab 1806 politische Funktionen wahr, die zur Erleichterung der Besatzung führten. 1807 wurde er zum Legationsrat ernannt

Schon in der ersten Hälfte des Jahres 1813 beabsichtigte Falk mit Bürgern Weimars die Gründung der Gesellschaft der Freunde in der Not, um in bürgerschaftlichem und christlichem Geist die Not zu lindern. Dazu wurde er auch durch das Erlebnis des Todes von vier seiner Kinder an Typhus bewegt. Als im Umfeld der Völkerschlacht bei Leipzig auch Weimar von Kämpfen betroffen wurde und besonders aufgrund der anschließend erkennbar werdenden sozialen Folgen der napoleonischen Kriege wurde die Gesellschaft zu einem Zentrum sozialer Arbeit. Falk gab seine literarischen Projekte auf und setzte sich praktisch und publizistisch für die Integration der durch die Kriege heimatlos gewordenen Jungen ein. Dazu richtete er im Lutherhof ein Rettungshaus ein, das zum Vorbild für das Rauhe Haus in Hamburg wurde. Zu Weihnachten 1816 dichtete er für die Waisenkinder das Allerdreifeiertagslied, in dem drei Feste des Kirchenjahres (Weihnachten, Ostern, Pfingsten) besungen werden. Jede Strophe beginnt mit den Worten O du fröhliche und schließt dann die Benennung der Festzeit an (Weihnachtszeit, Osterzeit, Pfingstzeit). Bis heute ist O du fröhliche in seiner Bearbeitung durch Heinrich Holzschuher im Jahr 1826 als Weihnachtslied bekannt. Aber erst langsam setzte es sich im 19. Jahrhundert als Weihnachtslied durch. Theodor Körners Schlachtenlied - nach derselben Melodie - klingt noch lange mit.[1]

Bedeutung[Bearbeiten]

Sein Wirken hatte eigenes Gepräge, das später bei Johann Hinrich Wichern zum Programm der Inneren Mission ausgebaut wurde. Neben die Befriedigung elementarer Bedürfnisse stellte er die berufliche Ausbildung der Jugendlichen. Dazu kam auch eine religiöse Unterweisung, die in ihrer Form Falk die Charakterisierung als Pietist eintrug. Vielfältige fromme Publikationen, die er in diesen Jahren veröffentlichte, weisen ihn als solchen aus. In seinem schriftlichen Nachlass, der nicht zur unmittelbaren Publikation bestimmt war, finden sich allerdings auch erhebliche zeitkritische Äußerungen.

Zitate[Bearbeiten]

  • „Unter diesen gruenen Linden / ist durch Christus frei von Suenden / Herr Johannes Falk zu finden. // Kinder, die aus deutschen Staedten / diesen stillen Ort betreten, / sollen fleissig für ihn beten: // Ewger Vater, dir befehle / ich des Vaters arme Seele / hier in dunkler Grabeshoehle! // Weil er Kinder angenommen, / lass ihn einst zu allen Frommen / als dein Kind auch zu dir kommen.“ (von Johannes Daniel Falk auf dem Sterbebett diktierte Inschrift seines Grabsteins auf dem Weimarer Friedhof)[2]

Würdigung[Bearbeiten]

Zahlreiche Sozialeinrichtungen tragen den Namen von Johannes Falk - unter anderem:

Die Evangelische Kirche in Deutschland erinnert mit einem Gedenktag im Evangelischen Namenkalender am 14. Februar an Johannes Daniel Falk.[3]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Das Vater unser, in Begleitung von Evangelien und uralten christlichen Chorälen, wie solches in der Weimarischen Sonntagsschule mit den Kindern gesungen, durchgesprochen und gelebt wird. Acht Bogen Text, mit dreizehn Noten- und zehn Kupfer-Tafeln. Im Anhange eine kurze Geschichte der Anstalt der Freunde in der Noth zu Weimar. Zum Besten eines von den Kindern selbst zu erbauenden Beth- und Schulhauses herausgegeben von Johannes Falk. (Preis bis zu Neujahr 1823 1 rthl. Sächsisch, oder 1 fl. 48 Kr. Rheinisch. Illuminierte Exemplare, auf feinem Papier, im Futteral, mit vergoldetem Schnitt, das Stück 1 thl. 12 gr. Sächs. oder 2 fl. 42 Kr. Rheinisch.) Zu finden in der Expedition der Freunde in der Noth zu Weimar, zu Leipzig bei Brockhaus, zu Hamburg bei Perthes und Besser, zu Frankfurt in der Herrmannschen Buchhandlung. [1822].
  • Dr. Martin Luther und die Reformation in Volksliedern von Johannes Falk. [Kleines Kupfer.] Zum Besten der eigenen Waisen des seligen Vaters armer Kinder. [Herausgegeben von Karl Reinthaler.] Im Lutherhofe zu Weimar, im Martinsstifte zu Erfurt und bei K. H. Reclam in Leipzig. 1830; enthält ein Vorwort von Reinthaler (1830), danach Letzte Bitte des Johannes Falk an seine Freunde um Verbreitung des Volksbüchleins Dr. Martin Luther und die Reformation (1826); der Haupttext: Luthers Leben und Werk in gereimten Versen mit Liedern, danach die kürzeren Texte: Leydens Belagerung durch die Spanier, Die Armada oder Spaniens unüberwindliche Flotte,Christus, ein Welten-Hymnus, danach von Karl Reinthaler Gedächtnisstätten und Denkmahle Luthers, zuletzt 14 Seiten Noten (vierstimmige Sätze)
  • Goethe aus näherm persönlichen Umgange dargestellt. Ein nachgelassenes Werk. Leipzig: Brockhaus 1832[4]
  • Goethes erste Bekanntschaft mit Schiller. In: Montagsblatt, das Heimatblatt Mitteldeutschlands / Wissenschaftliche Beilage der Magdeburgischen Zeitung. Nummer 3, Magdeburg, 16. Januar 1933, 75. Jahrgang[5]
  • Erziehungsschriften, neu hrsg. von Ralf Koerrenz, Alexandra Schotte, Jena 2012, ISBN 978-3-941854-84-0.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerd Bockwoldt: Geschichte eines Weihnachtslieds, O du fröhliche, o sanctissima… (Version vom 27. Oktober 2009 im Internet Archive), Süddeutsche Zeitung vom 24. Dezember 2007
  2. Christian Feldmann: Poet und Freund der Kinder, Evangelische Kirchenzeitung vom 23. Dezember 2012, Nr. 52/53, S. 11
  3. Johannes Daniel Falk im Ökumenischen Heiligenlexikon
  4. Online-Veröffentlichung
  5. Online-Veröffentlichung im Projekt Gutenberg-DE