Johannes Hartlieb

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Johannes Hartlieb, auch Hans Hartlieb genannt, (* um 1400; † 18. Mai 1468 in München) war ein Arzt, Hofdichter und Übersetzer des Spätmittelalters.

Leben[Bearbeiten]

Das Leben des Johannes Hartlieb ist erst ab dem Jahre 1440 kontinuierlich in Urkunden nachweisbar. Davor gibt es Unstimmigkeiten mit der Zuordnung der Namensnennung des späteren Leibarztes der Wittelsbacher, da es zu dieser Zeit offenbar mehrere Personen mit diesem Namen gab.

Johannes Hartlieb wurde um 1400 in der Gegend bei Ludwigsburg, Württemberg geboren. Erstmals namentlich genannt wird er in seinem Werk Kunst der Gedächtnüß (zwischen 1430 und 1432 fertiggestellt), das er im Auftrag von Herzog Ludwig VII. dem Bärtigen von Bayern-Ingolstadt auf Schloss Neuburg an der Donau schrieb. 1437 war er geistlicher Vorstand der Pfarrkirche in St. Moritz, wurde jedoch noch im selben Jahr von Ludwig VII. aus diesem Amt enthoben, da er seine Pflichten vernachlässigte. 1439 promovierte Johannes Hartlieb in Padua, ehe er 1440 in die Dienste von Herzog Albrecht VI. von Österreich trat, für den er Tractatus de amore von Andreas Capellanus ins Deutsche übersetzte. Im Herbst 1440 wurde Hartlieb zum Leibarzt, Rat und Übersetzer von Albrecht III. von Bayern-München. Er blieb bis zu seinem Tod 1468 im Dienste dieser Familie. Um 1450 übersetzte er für das Herrscherpaar den Alexanderroman. Daneben schrieb Hartlieb mehrere klassische Werke, darunter die Teilübersetzung des Dialogus miraculorum (Buch 7 bis 12) des Zisterziensers Caesarius von Heisterbach, die von Karl Drescher herausgegeben wurde. 1456 schrieb er Das puch aller verpoten kunst, ungelaubens und der zaubrey (Das Buch aller verbotenen Künste), welches die erste bekannte Aufzeichnung eines Hexensalbenrezeptes enthält. Das Buch der verbotenen Kunst stellt zugleich auch eine interessante Wende in Hartliebs Leben dar. So distanziert sich Hartlieb in diesem Buch von den verbotenen Künsten, obwohl er sich in seinen früheren Werken (Mondwahrsagebuch, Namenmantik) durchaus der Magie zugetan zeigt. Dieser Wandel lässt sich auf die Begegnung mit Kardinal Nikolaus von Kues in den Jahren 1451 und 1454 zurückführen. Nikolaus von Kues hat Hartlieb bezüglich der Sündhaftigkeit der Magie und des Aberglaubens überzeugt und ihn so zu einer religiösen Haltung bekehrt.

Johannes Hartlieb war verheiratet mit Sibilla Newfarer, angeblich eine Tochter Herzog Albrechts III. Sie hatten drei Kinder.

Wichtigste Werke[Bearbeiten]

De amore[Bearbeiten]

De amore wurde ursprünglich unter dem Titel Puech Ovidy von der lieb zu erwerben, auch die lieb zu versmähen 1440 in Wien als Auftragswerk des Herzogs Albrecht VI. von Österreich geschrieben. Es handelt sich hierbei um eine Übersetzung des Tractatus de amore von Andreas Capellanus und stellt ein Regelbuch der höfischen Liebe dar. Hartlieb hielt sich bei der Übersetzung nah an seiner lateinischen Vorlage, wobei er zunächst nur die ersten beiden Bücher übersetzte und erst auf Anregung der Hofgesellschaft sich auch dem dritten Teil widmete. Derzeit sind von De amore insgesamt 13 Handschriften und drei Inkunabeldrucke erhalten.

Alexander[Bearbeiten]

Alexander entstand unter dem ursprünglichen Titel Die histori von dem großen Alexander um 1450. Bei diesem Werk handelt es sich um einen Fürstenspiegel, der von Hartlieb im Auftrag von Albrecht III. und Anna von Braunschweig verfasst wurde. Hartlieb übersetzt hierbei eine Pariser Handschrift des Liber de preliis des Archipresbyter Leo und ergänzt diese mit eigenen Kommentaren und Zusätzen, so dass Alexander als Idealbild eines Herrschers dargestellt wird und somit als Vorbild für die adeligen Rezipienten dient. Alexander ist in 22 Handschriften und 18 Druckauflagen überliefert.

Dialogus miraculorum[Bearbeiten]

Hartliebs Dialogus miraculorum ist vermutlich zwischen 1456 und 1467 entstanden. Es handelt sich um eine Teilübertragung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach in Form eines Zwiegespräches zwischen einem Mönch und einer Novizin mit Hilfe eines Frage-Antwort-Dialogs über christliche Themen. Hartlieb hält sich hierbei recht genau an die lateinische Vorlage und fügt lediglich einen eigenen Prolog hinzu. Von Hartliebs Dialogus miraculorum ist nur eine einzige Überlieferung in einem Codex der British Library erhalten.

Kräuterbuch[Bearbeiten]

Das Kräuterbuch zählt zu den medizinischen Schriften Hartliebs und ist zwischen 1435 und 1450 entstanden. Es behandelt verschiedene Tiere und Pflanzen (darunter auch Drogen) und erklärt deren medizinischen Wert und Nutzen. Ebenso weist Hartlieb auf verschiedene magische Anwendungsmöglichkeiten der Pflanzen hin. Das Kräuterbuch ist in insgesamt neun Handschriften überliefert: Fünf Bilder-Handschriften enthalten den vollständigen Text, eine fragmentarische Bilder-Handschrift enthält die Kapitel 52-170. Zudem ist das Kräuterbuch ohne Tierkapitel in zwei Handschriften und einem Fragment des Buchs der Natur Konrads von Megenberg überliefert, wo es die ursprüngliche Kräuterkunde Konrads ersetzt.[1]

Das Buch aller verbotenen Kunst[Bearbeiten]

Das Buch aller verbotenen Kunst ist 1456 als Auftragswerk für Johann von Brandenburg-Kulmbach entstanden und stellt eines der berühmtesten Werke Hartliebs dar. Das Buch gliedert sich in zwei Teile, wobei der erste Teil überwiegend der Autorintention, der Verurteilung der Zauberei und des Aberglaubens gewidmet ist. Im zweiten Teil beschreibt Hartlieb die sieben verbotenen Künste (Nigromantia, Geomantia, Hydromantia, Aeromantia, Pyromantia, Chiromantia, Spatulamantia). Es handelt sich um das früheste deutschsprachige Zeugnis, das sich mit dem Aberglauben des Mittelalters enzyklopädisch beschäftigt. Als Besonderheit gilt Hartliebs Einstellung zu den verbotenen Künsten der Magie.

Weitere Werke[Bearbeiten]

  • 1430/32: Kunst der Gedächtnüß
  • 1433/35: Mondwahrsagebuch
  • um 1437: Onomatomantie (Ueber die Erhaltung des Sieges)
  • bis 1440: Geomantie
  • bis 1440: Namenmantik
  • 1448: Chiromantie
  • 1456/57: Brandanlegende
  • ca. 1465: Secreta mulierum
  • 1467: Bäderbuch

Neuere Ausgaben[Bearbeiten]

  • Johann Hartliebs Übersetzung des Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach, aus der einzigen Londoner Handschrift hrsg. von Karl Drescher. Weidmann, Berlin 1929 (Digitalisat)
  • Das Kräuterbuch des Johannes Hartlieb. Eine deutsche Bilderhandschrift aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Mit einer Einführung und Transcription von Heinrich L. Werneck. ADEVA, Graz 1980, ISBN 3-201-01131-2.
  • Johannes Hartliebs „Alexander“. Eingeleitet und herausgegeben von Reinhard Pawis. Artemis Verlag, München 1991, ISBN 3-7608-3397-7, (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 97).
  • Das Buch der verbotenen Künste. Aberglauben und Zauberei des Mittelalters. Aus dem Mittelhochdeutschen übersetzt kommentiert und mit einem Glossar versehen von Falk Eisermann und Eckhard Graf. Mit einer Einleitung und einem Anhang von Christian Rätsch. Erweiterte Neuausgabe. Diederichs, München 1998, ISBN 3-424-01424-9, (Diederichs gelbe Reihe 149 Europa).

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Fürbeth: Johannes Hartlieb. Untersuchungen zu Leben und Werk. Tübingen 1992 ISBN 3-484-15064-5, (Hermaea - Germanistische Forschungen N. F. 64).
  • Andrea Gamweger: Das Kräuterbuch des Johannes Hartlieb. Mittelalterliche Kräuterkunde zwischen Wissenschaft und Aberglauben. Graz, Univ., Dipl.-Arb. 2007.
  • Klaus Grubmüller: Hartlieb, Johannes. In: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. 2. Auflage. Bd. 3. Berlin und New York 1981, Sp. 480-496
  • Gundolf Keil: Hartlieb, Hans (Johannes). In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 4, Artemis & Winkler, München/Zürich 1989, ISBN 3-7608-8904-2, Sp. 1943–1944.
  • Edmund von OefeleHartlieb, Johann. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 10, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 670–672.
  • Wolfram Schmitt: Hartlieb, Johann. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 7, Duncker & Humblot, Berlin 1966, ISBN 3-428-00188-5, S. 722 f. (Digitalisat).
  • Wolfram Schmitt: Bio-bibliographische Anmerkungen zu Hans Hartlieb. In: Gundolf Keil (Hrsg.): Fachprosa-Studien. Beiträge zur mittelalterlichen Wissenschafts- und Geistesgeschichte. Herausgegeben im Zusammenwirken mit Peter Assion, Willem Frans Daems, Heinz-Ulrich Roehl. Schmidt, Berlin 1982, ISBN 3-503-01269-9, S. 255–271.
  • Bernhard Schnell: Neues zur Biographie Johannes Hartliebs. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur. 136. Jg. 2007, S. 444–448

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes Hartlieb: ‚Kräuterbuch‘. Kritisch hrsg. von G. Hayer und B. Schnell. Wiesbaden 2010 (Wissensliteratur im Mittelalter 47); zur Überlieferung vgl. ebd. S. 36-51 (nebst Beschreibung der Streuüberlieferung) und den Eintrag im Handschriftencensus.