John Keegan

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Sir John Keegan (* 15. Mai 1934 in Clapham, London, England; † 2. August 2012),[1] OBE, FRSL, war der führende britische Militärhistoriker, der für seine tiefgehenden Analysen militärischer Auseinandersetzungen berühmt wurde.[2]

Leben[Bearbeiten]

Keegan wurde in Clapham als Sohn einer irisch-katholischen Familie geboren. Er studierte zwei Jahre am Wimbledon College und wurde dann 1953 zum Studium am Balliol College, Oxford zugelassen. Anschließend arbeitete er zwei Jahre für die US-amerikanische Botschaft in London.

1960 wurde er an die Royal Military Academy Sandhurst berufen und lehrte dort für 26 Jahre Militärgeschichte. 1986 wurde er Mitglied der Redaktion des Daily Telegraph. In diesem Jahr wurde er auch Fellow der Royal Society of Literature. 1991 wurde Keegan Officer to the Order of the British Empire (OBE). 1998 schrieb und präsentierte er die BBC-Reihe War and Our World.

Im Jahr 2000 wurde er von der britischen Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen. Die Wertschätzung, die Keegan weltweit erfuhr, ging auf seine Fähigkeit zurück, über die traditionelle Auffassung der Militärhistorie hinaus eine tiefergehende Analyse des Kriegs zu leisten. Er befasste sich mit der Erfahrung des individuellen Soldaten, den historischen Ursachen militärischer Auseinandersetzungen, der Rolle, die technologische Veränderungen in der Kriegsführung spielten, und den Handlungsmöglichkeiten militärischer Führung.

Wie viele Historiker war auch Keegan an der Kontroverse um David Irving beteiligt. Er hielt das Werk Hitler’s War von Irving teilweise für wertvoll, aber ihm missfiel die Amoralität von Irving. Dass Irving behauptete, Hitler habe erst im Oktober 1943 von der Judenvernichtung erfahren, hielt Keegan für pervers.[3]

Wichtige Werke von ihm sind unter anderen das 1976 erschienene Buch The Face of Battle (1978 in Deutschland als Das Anlitz des Krieges), in dem er die psychologischen Mechanismen des Krieges am Beispiel der Schlachten von Azincourt, Waterloo und an der Somme schilderte, und das 1987 erschienene Buch The Mask of Command (1997 auf Deutsch als Die Maske des Feldherrn: Alexander der Große, Wellington, Grant, Hitler). 1995 wurde in Deutschland die Studie Die Kultur des Krieges (1993 in London als A history of warfare) veröffentlicht. In dieser setzte er sich besonderes kritisch mit Clausewitz und dessen Propagierung des „totalen“ Krieges auseinander, die Keegan als Rezept für die Vernichtungskriege des zwanzigsten Jahrhunderts ansah.[4] Große Beachtung erfuhr in Deutschland auch sein 1999 erschienenes Buch über den Ersten Weltkrieg (Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie. Reinbek 2001).[5]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Todesmeldung bei telegraph.co.uk.
  2. so Andreas Kilb in seinem Nachruf: Die Lehren des langen Tages von Waterloo – Ein großer Erzähler des Krieges: Zum Tode des englischen Militärhistorikers John Keegan. In Frankfurter Allgemeine, 4. August 2012, S. 37
  3. So Keegans Äußerung im Prozess Irving gegen Lipstadt, enthalten auf S. 8 des Wortprotokolls http://www.hdot.org/en/trial/transcripts/day16/pages6-10
  4. Andreas Kilb: Die Lehren des langen Tages von Waterloo – Ein großer Erzähler des Krieges: Zum Tode des englischen Militärhistorikers John Keegan. In Frankfurter Allgemeine, 4. August 2012, S. 37
  5. Vgl. z. B. Cora Stephan: Sie erlitten alle dasselbe. Nüchtern beschreibt John Keegan die schlichte Wahrheit des Ersten Weltkriegs. In: Die Welt, 9. Dezember 2000; Thomas Karlauf: Panorama der Sinnlosigkeit. John Keegans großes Werk über die militärische Geschichte des Ersten Weltkrieges. In: Die Zeit, 19. Oktober 2000; Holger Afflerbach: Im Felde ungestört. Kriegshandwerk ohne Staatskunst: John Keegans Schlachtbeschreibungen. In: FAZ, 17. Oktober 2000.