David Irving

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David Irving

David John Cawdell Irving (* 24. März 1938 in Brentwood, Grafschaft Essex, England) ist ein britischer Geschichtsrevisionist und Holocaustleugner. Er wurde 1963 durch sein Buch zu den Luftangriffen auf Dresden bekannt, das an zentraler Stelle auf einer Fälschung beruht. Seit 1988 bestreitet er den Holocaust an etwa sechs Millionen europäischen Juden, besonders den Vernichtungszweck der Gaskammern und Krematorien der Konzentrationslager Auschwitz. Er wurde deswegen in mehreren Staaten strafrechtlich verurteilt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Ausbildung

Irving ist der jüngste Sohn eines britischen Marinekommandanten. Nach einem abgebrochenen Studium der Physik, Wirtschaftswissenschaften und Geschichte an der University of London arbeitete er ab 1959 für ein Jahr als Stahlarbeiter bei Thyssen im Ruhrgebiet. Dort verbesserte er seine deutschen Sprachkenntnisse.

[Bearbeiten] Veröffentlichungen

Seit den 1960er Jahren schrieb Irving Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus, darunter 1963 Der Untergang Dresdens. Dieses Buch beurteilten einige Historiker und Medien, darunter Rudolf Augstein im Spiegel, zunächst positiv, da sie den Ergebnissen der Irvingschen Forschung vor Ort vertrauten. Doch in den Folgejahren wurden einige seiner angegebenen Quellen und auch Interpretationen derselben als Fälschungen erkannt. So hatte Irving sich beispielsweise auf die Kopie einer Aktennotiz von NS-Behörden vom 22. März 1945 - den „Tagesbefehl 47“ - gestützt: Diese bezifferte die Zahl der nach den Luftangriffen in Dresden gefundenen Toten mit über 202.000. Nachdem 1966 das Originaldokument entdeckt wurde, stellte sich heraus, dass auf der Kopie an alle Opferzahlen eine Null angehängt worden war, um die menschlichen Verluste zu verzehnfachen. Irving gab in einem Leserbrief an die britische Zeitung The Times zu, dass er sich geirrt hatte. Doch er korrigierte die falschen Angaben in der anstehenden deutschen Neuauflage seines Buchs nicht und behauptete später erneut Opferzahlen im sechsstelligen Zahlenbereich (135.000). Er galt gleichwohl bei einigen Fachhistorikern weiterhin als NS-Forscher, der sich zwar einige Male geirrt, aber Fleiß beim Zusammentragen von Quellen gezeigt habe.

1983 bezeichnete er die angeblichen Hitler-Tagebücher des Stern im deutschen Fernsehen als plumpe Fälschung und stellte sich damit gegen den Historiker Eberhard Jäckel, der diese nach anfänglichem Zweifel für echt hielt. Allerdings revidierte Irving kurz darauf seine Ansicht und erklärte gegenüber der Times, dass auch er nunmehr von der Echtheit der (tatsächlich gefälschten) Tagebücher überzeugt sei.

Zwei Bücher Irvings zu Adolf Hitler stellten diesen als unschuldig am Zweiten Weltkrieg dar. Auch habe er von einer „Endlösung der Judenfrage“ nichts gewusst, diese sei von anderen NS-Tätern geplant und eingeleitet worden. In seinem Buch Goebbels – Macht und Magie (1997) behauptete Irving zudem, Hitler sei von der „Reichskristallnacht“ überrascht worden. Diese Thesen wurden in der Fachwelt abgelehnt und lösten weitere Forschungen zur Initiative und Rolle Hitlers an diesen Großverbrechen aus.

1988 trat Irving in einem Prozess gegen Ernst Zündel, der in Toronto wegen „falscher Nachrichten“ (Holocaustleugnung) angeklagt worden war, als Sachverständiger der Verteidigung auf. Dabei lernte er Fred A. Leuchter kennen, der dort den Vernichtungszweck der Gaskammern in Auschwitz-Birkenau bestritt. Obwohl dieser im Prozess als Hochstapler entlarvt und sein Gutachten als fachlich untauglich abgelehnt worden war, gab Leuchter es später als Buch heraus. Für diesen „Leuchter-Report“ schrieb Irving ein zustimmendes Vorwort, in dem er die industrielle Massenvernichtung in den NS-Vernichtungslagern bestritt und behauptete, es seien dort allenfalls einige hunderttausend jüdische Häftlinge meist durch Krankheit und Seuchen umgekommen.

Seither ist Irving häufig zusammen mit Leuchter auf Veranstaltungen von Rechtsextremisten, Neonazis und anderen Holocaustleugnern hervorgetreten.

[Bearbeiten] Prozesse

Am 8. November 1989 stellte das Landesgericht für Strafsachen in Wien gegen Irving einen Haftbefehl wegen des Verdachts auf NS-Wiederbetätigung aus. Grund war nach Angabe der Staatsanwaltschaft Irvings Leugnung der Existenz von Gaskammern in den nationalsozialistischen Lagern bei Vorträgen in Wien und der Steiermark. Irving entzog sich der Verhaftung durch Ausreise aus Österreich.[1]

1993 behauptete Irving bei einem Treffen von Geschichtsrevisionisten in München, „dass die den Touristen in Auschwitz gezeigte Gaskammer eine Attrappe ist, die nach dem Kriegsende von den Polen gebaut wurde“. Dafür verurteilte das Landgericht München ihn rechtskräftig wegen Beleidigung und Verunglimpfung des Ansehens Verstorbener zu 30.000 DM Geldstrafe. Die Münchner Ausländerbehörde wies ihn unbefristet aus der Bundesrepublik Deutschland aus. [2] Dieses Urteil wurde 1996 vom Verwaltungsgericht bestätigt. Irving hat außerdem in Australien, Italien, Kanada, Österreich, Neuseeland und Südafrika Einreiseverbot.

1993 veröffentlichte die US-amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt ein Buch über Holocaustleugner bei Penguin Books in New York und dann in London unter dem Titel Denying the Holocaust ( Leugnen des Holocausts). [3] In dem Buch erwähnte sie auf sechs Seiten auch David Irving, den sie unter anderem als „einen der gefährlichsten Holocaustleugner“ titulierte. Sie warf ihm vor, er kenne die historischen Quellen, biege sie aber so lange zurecht, bis sie seinen ideologischen Neigungen und seinem politischen Programm entsprächen. Außerdem unterhalte er Kontakte zu Neofaschisten und anderen Holocaustleugnern, denen sie vorwarf, Dinge zu verdrehen, falsch zu zitieren, Statistiken zu fälschen und aus zuverlässigen Quellen unzulässige Schlüsse zu ziehen. Irving sei ein glühender Bewunderer Hitlers, der erklärt habe, dass Hitler den Juden wiederholt die Hand hingestreckt habe.[4] Außerdem habe er mit Aussagen wie Auf dem Rücksitz von Senator Edward Kennedys Auto in Chappaquiddick starben mehr Frauen als in den Gaskammern von Auschwitz[5] das Ausmaß des Holocausts verharmlost.

Zwei Jahre später behauptete Irving, er sei von Lipstadt und ihrem Verlag verleumdet worden, und forderte den Verlag in London auf, die Verbreitung des Buches einzustellen. Als der Verlag darauf nicht einging, strengte er 1996 in Großbritannien eine Verleumdungsklage gegen diesen und Lipstadt an, um die Weiterverbreitung des Buches gerichtlich zu verhindern.[6] Deshalb mussten Verlag und Autorin in einem mehrjährigen Prozess die Richtigkeit der Behauptungen über Irving nachweisen. Dazu benutzte die Verteidigung Gutachter für drei Themenbereiche. Im ersten Bereich zeigten die Gutachter Christopher Browning und Peter Longerich nochmals die Tatsachen des Holocaust auf. Der niederländische Architekturexperte Robert Jan van Pelt bewies die Existenz der Gaskammern in Auschwitz. Der Westberliner Professor Hajo Funke begutachtete Irvings Vernetzung in der neonazistischen Szene und besonders seine Kontakte zum revisionistischen US-amerikanischen Institut for Historical Review. Professor Richard J. Evans untersuchte den Quellengebrauch von Irving und wies nach, dass Irving eindeutige Quellen ignorierte, andere hingegen entstellte oder fehldeutete, um seine Thesen zu untermauern.

2000 wies der Londoner High Court of Justice Irvings Klage endgültig ab. Im Urteil wurde er als „Lügner“, „Rassist“ und „Antisemit“ bezeichnet und bestätigt, dass er öffentlich so genannt werden darf. Irvings Berufungsverfahren dagegen scheiterte 2001. Die Verteidigung gegen die Klage Irvings hatte den Verlag mehrere Millionen Pfund gekostet. Versuche, den gescheiterten Kläger nach dem für ihn verlorenen Prozess an den Prozesskosten des beklagten Verlages zu beteiligen, scheiterten an Irvings Mittellosigkeit.

Am 11. November 2005 wurde Irving auf dem Weg zu einer Veranstaltung der Wiener Burschenschaft Olympia wegen des noch bestehenden Haftbefehls von 1989 in Wien festgenommen. Im Februar 2006 verurteilte das Wiener Landesgericht für Strafsachen wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung ihn zu drei Jahren Haft ohne Bewährung.[7] Deborah Lipstadt erklärte dazu gegenüber der BBC, sie glaube nicht daran, dass sich Auseinandersetzungen durch Einschränkung der Redefreiheit gewinnen ließen. Die richtige Bekämpfung von Holocaustleugnern fände mittels der historischen Wahrheit statt.[8]

Irving legte Berufung ein. Während des Berufungsverfahrens entschuldigte er sich für seine Äußerungen über Holocaustüberlebende und erklärte, er zweifle nicht mehr an der Tatsache des NS-Massenmords an Juden durch Giftgas.[9] Diese Erklärung werteten Beobachter als Zwecklüge zur Vermeidung eines harten Urteils.[10] Tatsächlich leugnete Irving im März 2007 in Budapest den Holocaust erneut.[11]

Am 4. September 2006 bestätigte der Oberste Gerichtshof Österreichs den Schuldspruch, der somit rechtskräftig wurde.[12] Am 20. Dezember 2006 wurden zwei Drittel der Haftstrafe Irvings zur Bewährung ausgesetzt. Da er bereits 13 Monate in Untersuchungshaft verbracht hatte, wurde er am 21. Dezember nach Großbritannien abgeschoben. Gleichzeitig wurde gegen ihn ein unbefristetes Aufenthaltsverbot für Österreich verhängt.[13]

[Bearbeiten] Einzelbelege

  1. Der Spiegel, 21. Dezember 2006: Österreich schiebt Holocaust-Leugner Irving ab
  2. Tagesspiegel, 18. Februar 2005; vgl. BVG-Beschluss v. 13. April 1994 gemäß § 24 BVerfGG, 1 BvR 23/94
  3. Deborah E. Lipstadt, Denying the Holocaust. The Growing Assault on Truth and Memory. New York, The Free Press, 1993, ISBN 0452272742
  4. Richard J. Evans, Der Geschichtsfälscher: Holocaust und historische Wahrheit im David-Irving-Prozess. Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-593-36770-X, S. 19f.
  5. Don D. Guttenplan: Der Holocaust-Prozess. Die Hintergründe der ‚Auschwitz-Lüge‘. Goldmann, München 2001, ISBN 3-442-15123-6 S. 323f.
  6. Richard J. Evans: Der Geschichtsfälscher: Holocaust und historische Wahrheit im David-Irving-Prozess. a.a.O., S. 20
  7. Der Spiegel 25. Februar 2006, S. 182:_ URTEIL David Irving.
  8. BBC News, 20. Februar 2006: Holocaust denier Irving is jailed
  9. Der Spiegel, 20. Februar 2006: Irving sieht sich nicht als Holocaust-Leugner
  10. Der Spiegel, 21. Februar 2006: Mitleid mit Irving ist verfehlt
  11. Eva Menasse, Die Zeit, 22. März 2007: Mehr als ein Spinner
  12. N-TV, 4. September 2006: Gericht bestätigt Urteil
  13. s. Anm. 1

[Bearbeiten] Werke

  • Und Deutschlands Städte starben nicht. Schweizer Druck-und Verlagshaus, Zürich 1964
  • Der Untergang Dresdens Reinbek b. Hamburg 1967
  • Der Traum von der deutschen Atombombe, Mohn, Gütersloh 1967 (Original: The Virus House. Kimber, London 1967)
  • Rommel. Eine Biographie. Hoffmann und Campe, Hamburg 1978.
  • Mord aus Staatsräson. Roman. Heyne, München 1981, ISBN 3-453-00978-9
  • Von Guernica bis Vietnam. Die Leiden der Zivilbevölkerung im modernen Krieg. Heyne, München 1982, ISBN 3-453-01479-0
  • Schlacht im Eismeer. Die Vernichtung des Geleitzuges PQ 17. Heyne, München 1984, ISBN 3-453-01956-3
  • Der Nürnberger Prozeß. Heyne, München 1985, ISBN 3-453-01051-5
  • Churchill. Kampf um die Macht. Herbig, München 1996, ISBN 3-7766-1646-6
  • Nürnberg – Die letzte Schlacht. Grabert-Verlag, Tübingen 1996, ISBN 3-8784-7156-4
  • Führer und Reichskanzler. Adolf Hitler 1933–1945. Druffel-Verlag, Berg/Starnberger See 1997, ISBN 3-8061-1118-9
  • Goebbels. Macht und Magie. Arndt-Verlag, Kiel 1997, ISBN 3-88741-168-4
  • Göring. Eine Biographie. Arndt, Kiel 1999, ISBN 3-88741-191-9
  • Die Geheimwaffen des Dritten Reiches. Arndt, Kiel 2000, ISBN 3-88741-030-0
  • Meine Gefängnisse. Erlebnisse und Gedanken in österreichischen Kerkern. FZ-Verlag, München 2007, ISBN 978-3924309-83-1
  • Schlachtführer gegen das Reich. Churchills Krieg 1941-1942 Arndt, Kiel 2007, ISBN 978-3-88741-082-7

[Bearbeiten] Literatur

zu Irvings Hitler-Büchern
zum Londoner Irving-Prozess
  • Deborah E. Lipstadt, Betrifft: Leugnen des Holocaust. Darmstadt 1994. Als Taschenbuch unter dem Titel: Leugnen des Holocaust. Rechtsextremismus mit Methode. Reinbek bei Hamburg 1996, ISBN 349960101X
  • Reinhard Uhle-Wettler (Hrsg.): Wagnis Wahrheit. Historiker in Handschellen? Festschrift für David Irving. Arndt, Kiel 1998, S. 85–95, ISBN 3-88741-199-4
  • Eva Menasse: Der Holocaust vor Gericht. Der Prozess um David Irving. Siedler, Berlin 2000, ISBN 3-8868-0713-4
  • Don D. Guttenplan: Der Holocaust-Prozess. Die Hintergründe der ‚Auschwitz-Lüge‘. Goldmann, München 2001, ISBN 3-442-15123-6
  • Richard J. Evans: Der Geschichtsfälscher. Holocaust und historische Wahrheit im David-Irving-Prozess. Campus-Verlag, Frankfurt 2001, ISBN 3-593-36770-X
  • Peter Longerich: Der ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur Endlösung. Piper, München 2001, ISBN 3-492-04295-3

[Bearbeiten] Weblinks

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