José Abílio Osório Soares

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José Abílio Osório Soares (* 2. Juni 1947 in Vila de Ourique/Portugiesisch-Timor; † 17. Juni 2007 in Kupang/Indonesien) war ein osttimoresischer Politiker und der letzte indonesische Gouverneur Osttimors (damals Timor Timur) während der Besatzungszeit. Mit seiner Frau Maria Angela Correia de Lemos Osório Soares zusammen hatte er vier Kinder.

Leben[Bearbeiten]

Soares war ursprünglich ein portugiesischer Kolonialoffizier, der aber wegen Vergewaltigungsvorwürfen aus den Dienst entlassen wurde. In Dili erhielt er daraufhin einen kleinen Beamtenposten, wurde aber wegen Betrugs nach drei Jahren erneut entlassen.[1]

Nach der Nelkenrevolution in Portugal wurden politische Parteien in Osttimor zugelassen. Unter ihnen war die Associação Popular Democrática Timorense (Timoresische Volksdemokratische Assoziation APODETI), eine von Jakarta finanzierte Tarnvereinigung, die den Anschluss an Indonesien als autonome Provinz anstrebte. Soares war ihr Generalsekretär und Chefstratege. Vorher war er kurz Mitglied der ASDT.[2] Die APODETI fand nur Unterstützung bei einigen Stammesführern (Liurai) in der Grenzregion, von denen einige während des Zweiten Weltkrieges mit den Japanern kollaboriert hatten. Auch die kleine muslimische Minderheit unterstützte die APODETI.

Während der Besatzung Osttimors durch Indonesien (1975–1999) wurde Soares zuerst Bürgermeister von Dili, später Distriktsadministrator (Bupati) von seiner Heimat Manatuto und vom 18. September 1992 bis 1999 der letzte von Indonesien entsandte Gouverneur Timor Timurs, wie das Land als indonesische Region genannt wurde. Gleich nach Amtsantritt empörte er die Weltöffentlichkeit mit seiner Aussage, beim kurz zuvor stattgefundenen Santa-Cruz-Massaker „hätten viel mehr sterben müssen“.[3] Im Mai 1994 schlug er zur Lösung des Osttimorkonflikts eine Autonomie Osttimors innerhalb Indonesiens vor, die vom indonesischen Präsident Suharto als nicht verfassungsgemäß abgelehnt wurde. Soares wurde daraufhin für vier Monate nach Jakarta zu einem Militärkurs geschickt, was als disziplinarische Maßnahme anzusehen ist.[3]

Während der zweiten Amtszeit von Soares ab 1997 wurde seine Verwicklungen in Korruptionsfälle in Verbindung mit der familieneigenen Firmengruppe Anak Liambau Group so massiv, dass sogar der Vizegouverneur Suryo Prabowo aus Protest 1998 zurücktrat. Nach der Abdankung Suhartos im Mai 1998 kam es in Osttimor zu schweren Demonstrationen aufgrund der Korruptionsvorwürfe gegen Soares. Gleichzeitig stieg der öffentliche Druck, der ein Unabhängigkeitsreferendum forderte.

Soares beteiligte sich maßgeblich an dem Aufbau der Milizen, die im ganzen Land nach der Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Osttimors vom 30. August 1999 Angst und Terror verbreiteten. Er wurde auch für einige Fälle unmittelbar verantwortlich gemacht, so für die Massaker in der Kirche von Liquiça von 6. April 1999, im Haus des Unabhängigkeitsführers Manuel Carrascalão vom 17. April 1999, in der Residenz des Bischofs Belo am 6. September 1999 und in einer Kirche in Suai am 6. September 1999. Im Zusammenhang mit diesen Fällen wurde ihm vorgeworfen, nichts zur Verhinderung dieser Verbrechen unternommen zu haben.

Mit der Intervention (INTERFET) und Machtübernahme durch die Vereinten Nationen (UNTAET), die später Osttimor in die Unabhängigkeit führten, wurde Soares abgesetzt.

Soares wurde 2003 vom Menschenrechtsgerichtshof in Jakarta/Indonesien zu einer dreijährigen Haftstrafe wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt. Der Vertreter der Anklage hatte zehneinhalb Jahre gefordert. Das Oberste Gericht in Jakarta bestätigte den Schuldspruch am 12. April 2004. Nach nur vier Monaten Haft war eine Anfechtung des Urteils erfolgreich und Soares wurde freigelassen, was von Menschenrechtsorganisationen heftig kritisiert wurde. Begründet wurde die Aufhebung des Urteils damit, dass Osttimor damals unter Militärverwaltung stand und daher der zivile Gouverneur nicht für die Verbrechen verantwortlich gemacht werden könne. Soares lebte danach in Kupang in Westtimor.

2005 erkrankte Soares an Darmkrebs. Mitte Juni 2007 fiel er ins Koma und verstarb am 17. Juni 2007 im WZ Johannes Hospital in Kupang. Am 15. Juni war Soares noch von Ex-General Wiranto besucht worden, dem Oberbefehlshaber der indonesischen Armee während der Gewalt von 1999.[4] Soares wurde mit einem „Heldenbegräbnis“ auf dem Dharmaloka Heldenfriedhof beerdigt.[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. José Ramos-Horta: FUNU - the unfinished saga of East Timor, 1987, S.32-33
  2. Kapitel 3 History of the conflict (PDF; 1,4 MB) der CAVR-Untersuchungskommission von 2006
  3. a b Masters of Terror: Jose Abilio Osorio Soares (englisch)
  4. Gulf Times, 18. Juli 2006, Former governor of Timor no more
  5. People's Daily, 20. Juni 2007, Ex-East Timor governor given hero's burial