Joseph von Baader

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Joseph von Baader, Ölgemälde aus der Bildergalerie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Foto: BAdW
Windkessel im Grünen Bruchhaus der Gartenanlagen in Schlosspark Nymphenburg in München
Östliches Pumpwerk im Grünen Brunnhaus der Gartenanlagen in Schlosspark Nymphenburg in München
Grab von Joseph Baader auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Ersatzgrab, das Ursprüngliche ist verloren)

Joseph Freiherr von Baader (* 30. September 1763 in München; † 20. November 1835 ebenda) war ein deutscher Ingenieur und Arzt, der zu den bedeutendsten Ingenieur-Konstrukteuren seiner Zeit zählt. Joseph Baader ist ein Bruder Franz Xaver von Baaders. Neben Joseph Anton von Maffei (1790–1870) und Theodor Freiherr von Cramer-Klett (1817–1884) gilt Baader als einer der drei wichtigen Wegbereiter der Eisenbahn in Bayern.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Medizinstudium und Promotion beschäftigte sich Baader mit dem Studium der Mathematik, des Maschinenbaus und des Bergbaus. 1786 bis 1794 Studium in England, dem Mutterland der Industriellen Revolution. Durch seine Veröffentlichungen früh berühmt, wurde er 1794 nach Bayern zurückgerufen und 1796 ordentliches Mitglied der Philosophischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, 1798 Direktor des Berg- und Maschinenwesens in Bayern. Er leitete die Königlich-Bayerischen Eisenhütten zu Bodenwöhr und Wayerhammer, deren Erzeugnisse „englischen und schlesischen Waren an die Seite gestellt werden“ konnten. Als Oberbergrat förderte Baader außerdem das Eisenbahnwesen in Deutschland und war auch auf dem Gebiet der Schifffahrt tätig. Baader hat auch die modernen Förderanlagen der Saline in Reichenhall entworfen[1] und beschrieb bereits 1799 eine Konstruktion für ein Zwei-Mann-U-Boot.

Seine Theorie der Saug- und Hebepumpen, 1797 erschienen,[2] fand die Aufmerksamkeit des Kurfürsten Max IV. Joseph von Bayern, der Baader 1802 mit der Anlage neuer Fontänen für den Nymphenburger Schlosspark beauftragte. 1803 errichtete er im Schlosspark Nymphenburg in München ein gusseisernes Pumpwerk im „Grünen Brunnhaus“ zum Betrieb der parkseitigen Fontäne, 1808 ein Pumpwerk im „Johannisbrunnhaus“, das die große Fontäne vor dem Schloss antrieb. Diese Pumpwerke gelten als die ältesten, noch dienstbereiten Maschinen Europas, wenn nicht weltweit. Eine Besonderheit der Konstruktion ist der Windkessel, der den Leitungsdruck erhöht und ausgleicht und die zur Erbauungszeit „stärkste“, also wasserreichste Fontäne Europas aufwies, mit 55 Litern pro Sekunde und acht bis zehn Metern Höhe in Fachkreisen ein anerkannter Meilenstein der Ingenieurskunst.

Napoleon war von diesen Fontänen beeindruckt und berief ihn deshalb 1805 nach Paris, um an der technischen Verbesserung der Maschine von Marly, d. h. der Wasserversorgung von Versailles mitzuarbeiten. Seine Vorschläge[3] kamen jedoch nicht zur Ausführung.[4] Dabei lernte Baader auch Joseph Michel Montgolfier kennen, den Erfinder des hydraulischen Widders. Auf dem Landsitz des Grafen Montgelas in Bogenhausen (bei München) installierte Baader in dieser Zeit einen hydraulischen Widder, der in Paris patentiert worden war.

1807 fertigte Baader erste Entwürfe von Eisenbahnen an. In ausführlichen Schriften befasste er sich mit der Konstruktion von Eisenbahnen[5] und propagierte die Vorteile einer Eisenbahnverbindung gegenüber dem Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals.[6][7] Im Jahr 1818 beauftragte das Finanzministerium erneut einen Sachverständigen zur Streckenführung des Kanals. Diesmal war es Heinrich Freiherr von Pechmann (1774-1861), der mögliche Streckenführungen für den Kanalbau untersuchen sollte. Er empfahl die Strecke über Neumarkt und die Schwarzachverbindung. Auf sein Gutachten hin kam es 1819 im Landtag zu einer Debatte über das Projekt. In diese mischte sich Joseph Freiherr von Baader ein, der den Kanalbau ablehnte und vielmehr eine Pferdebahnverbindung bevorzugte, im Fall einer positiven Entscheidung für den Kanalbau für die Pechmannroute plädierte.[8] 1814 legte er einen Plan für eine Pferdeeisenbahn von Nürnberg nach Fürth vor, die dann 20 Jahre später unter der Leitung von Paul Camille von Denis gebaut wurde. [9] 1818 Baader stellt ein funktionsfähiges Modell einer Eisenbahn her und schreibt 1824 über sein Eisenbahnprojekt: "Ich bin für meinen Theil, seit langer Zeit so daran gewöhnt, alle meine Erfindungen, Ideen und Pläne verworfen, oder ad Acta gelegt zu sehen, daß es mich gar nicht wundern wird, wenn auch diesen Vorschlag, so wichtig und einleuchtend er ist, ein gleiches Schicksal treffen sollte.".[10] Zuvor hatte der bayerische König 1825 den Aufbau einer Versuchseisenbahn durch von Baader im Nymphenburger Schlosspark genehmigt und besichtigt.[11]

1825 plädierte von Baader für die Idee, eine Verbindung von Main und Donau mittels Pferdebahn zu schaffen. Die Strecke sollte von Donauwörth ausgehend, über Feuchtwangen nach Marktbreit führen. .[12] Marktbreit war im 19. Jahrhundert das süddeutsche Zentrum des Kaffeehandels (Klein Holland genannt). Den Main hinauf wurden Kolonialwaren, Steinkohle und Rheinwein geliefert. Die Handelsgüter verließen den Fluss an den Umschlagplätzen in Kitzingen, Marktsteft oder Marktbreit.[13]

1810 erfand Baader das vermutlich erste Tretboot[14], das wegen seiner auf Kufen ruhenden Konstruktion als Wasserschlitten bezeichnet wurde. Dieses neuartige Fahrzeug wurde von Baader selbst „in Gegenwart der königl. Bayerischen Familie“ am 29. August 1810 vorgestellt. Die Erfindung des Wasserschlittens war für eine adelige Zielgruppe gedacht, die aufgrund des durch die Konstruktion erhöhten Standpunkts ohne Personalkosten schöne Gegenden genießen oder die Jagd pflegen konnte.[15] Der Wasserschlitten war zerlegbar und konnte so leicht transportiert werden.

1813 erfolgte seine Erhebung in den bayerischen Adel.[16]

1815 erwarb Freiherr von Baader das Patent für einen Güterwaggon, der auf Schiene wie Straße zu fahren in der Lage war. Er war Gründungsmitglied und Deputierter der ab Januar 1821 erschienenen Monatsblätter für Bauwesen und Landesverschönerung[17], die in einer kostenlos verteilten Auflage von 4000 Exemplaren vom landwirtschaftlichen und vom polytechnischen Verein finanziert wurden. Die „Gesellschaft für nützliche Verschönerung des bairischen Landes“ hatte den Hauptzweck, die „freundliche Gestaltung und Verbesserung der Städte, Märkte und Dörfer, mit ihren Markungen und Fluren, dann Vervollkommnung der einzelnen Bau- und Cultur-Anlagen, besonders durch Ordnung und Reinlichkeit, zu Erhöhung des häuslichen und öffentlichen Lebens anzuregen und zu fördern“. Als Erwiderung auf den Vorschlag von Joseph von Utzschneider, zur Entwicklung des Landes eine Eisenbahn von Rosenheim über Miesbach, Tölz, Iffeldorf nach Lechbruck und einen Kanal von Iffeldorf in den Starnberger See und weiter nach München zu bauen, veröffentlichte er 1832 ein Plädoyer für eine Eisenbahnverbindung von München nach Starnberg.[18]

Die Grabstätte von Baader befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 4 - Reihe 12 - Platz 29) Standort48.12988888888911.565888888889.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Neue Vorschläge und Erfindungen zur Verbesserung der Wasserkünste beym Bergbau und Salinenwesen; Bayreuth, Lübeck, 1800
  2. Vollständige Theorie der Saug- und Hebepumpen, und Grundsätze zu ihrer vortheilhaftesten Anordnung, vorzüglich in Rücksicht auf Bergbau und Salinenwesen nebst einer Beschreibung der in den englischen Bergwerken gebräuchlichen hohen Kunstsätze, und einigen Vorschlägen zur Verbesserung der deutschen Wasserkünste; Bayreuth, Lübeck, 1797
  3. Projet d'une nouvelle machine hydraulique pour remplacer l'ancienne machine de Marly suivi de l'apperçu d'un autre moyen de fournir des eaux a la ville et aux jardins de Versailles, sans employer la force motrice de la riviere; Paris, Renouard, 1806
  4. 200 Jahre Fontänen im Schlosspark Nymphenburg (PDF; 497 kB)
  5. Neues System der fortschaffenden Mechanik oder vollstaendige Beschreibung neuerfundener Eisenbahnen und Wagen mit verschiedenen andern neuen Vorrichtungen, mittelst welcher der innere Transport aller Waaren und Produkte fast überall so gut und mit weit geringeren Kosten und Schwierigkeiten als durch schiffbare Kanäle befördert und erleichtert werden kann; München, Verl. des Verf., 1822
  6. Ueber die Verbindung der Donau mit dem Mayn und Rhein und die zweckmäßigste Ausführung derselben; Sulzbach, J. E. v. Seidel, 1822 (Digitalisat auf Google Books)
  7. Vorstehende Quellenangaben nach der Literaturliste des Deutschen Museums
  8. Vorstehende Quellenangaben nach der [1]
  9. Ralf Roman Rossberg: Geschichte der Eisenbahn, Sigloch Service Edition, Künzelsau, 1977
  10. Hans Grüner: DER ALTE KANAL, LUDWIG-DONAU-MAIN-KANAL, LUDWIGSKANAL, GESCHICHTE - JOSEPH VON BAADER
  11. Haus der Bayerischen Geschichte: Karte: Schloss Nymphenburg und Umgebung, mit Einzeichnung der Versuchsstrecke Joseph von Baaders für eine Eisenbahn (1826)
  12. Hans Grüner: DER ALTE KANAL, LUDWIG-DONAU-MAIN-KANAL, LUDWIGSKANAL, GESCHICHTE - JOSEPH VON BAADER
  13. Der Main - Von der Quelle bis zur Mündung:
  14. Der Baader'sche Wasserschlitten. In: Annalen der Physik. Band 38, Nummer 2, 1811. S. 234 f.
  15. Albrecht Vorherr: Der Nymphenburger Wasserschlitten. Nymphenspiegel Band VI, München 2010, S. 267 f.
  16. Biographie Joseph Freiherr von Baaders auf den Seiten des Haus der Bayerischen Geschichte
  17. Monatsblatt für Bauwesen und Landesverschönerung, 01/1821
  18. Vorschlag zur Herstellung einer Eisenbahn zwischen München und Starnberg in Verbindung mit einer Dampf-Schifffahrt auf dem Würmsee, zur Erleichterung der Zufuhr von unzähligen Produkten aus dem bayerischen Oberlande in die Hauptstadt, und zur Bequemlichkeit der Reisenden und Lustfahrenden nach jenen Gegenden; München, 1832 (Digitalisat auf der Website der Bibliothek des Deutschen Museums)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]