Wichteln

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Wichteln

Wichteln (in Skandinavien und auch Norddeutschland Julklapp, in Österreich auch Engerl und Bengerl, in spanischsprachigen Ländern auch Amigo Invisible[1]) ist ein vorweihnachtlicher Brauch, der unter Arbeitskollegen, in Vereinen, in Schulklassen, in Jugendgruppen und in verschiedenen Internetforen gepflegt wird. Dabei wird durch zufällige Auswahl für jedes Gruppenmitglied ein anderes Gruppenmitglied bestimmt, von dem es dann beschenkt wird. Der ursprüngliche, heute aber nur noch selten praktizierte Brauch sah vor, dass das Geschenk den Beschenkten bis zu einem verabredeten Termin (etwa innerhalb der Adventszeit) heimlich zugesteckt wird, daher der Bezug zum Wichtel, einer nordischen Sagengestalt, die vorwiegend Gutes tut. Heutzutage ist es meistens so, dass die Geschenke bei einer Feierlichkeit ausgetauscht werden. Die Art der Geschenke wird vorher grob festgelegt, in der Regel steht die Originalität des Geschenkes im Vordergrund und der tatsächliche Gebrauchswert ist gering. Nachteil ist, dass man nicht zwingend erhält, was man gerne hätte.

Wesentlicher Vorteil des Wichtelns ist, dass durch die zufällige Zuordnung von Schenkendem und Beschenktem alle Gruppenmitglieder gleichgestellt werden (jeder muss genau ein Geschenk machen und erhält auch genau ein Geschenk) und gegebenenfalls bestehende Cliquen übergangen werden.

Ablauf[Bearbeiten]

Das Wichteln kennt keine einheitlichen Spielregeln, der Brauch hat sich im Laufe der Zeit je nach Region oder Gesellschaft unterschiedlich entwickelt. Die Zuordnung erfolgt durch Auslosung, wobei der Fall ausgeschlossen werden muss, dass ein Mitglied sich selbst zieht.

Die Auslosung kann auf herkömmlichem Wege durchgeführt werden, in dem man alle Namen auf Zettel schreibt, die Zettel vermischt und dann jeder einen Zettel zieht. Oder die Auslosung kann über das Internet mit Hilfe von Programmen oder Onlinediensten durchgeführt werden. Per Zufallsgenerator wird jedem Teilnehmer ein Name per E-Mail zugeschickt, den er anschließend beschenken muss.

Zum Teil werden die Geschenke persönlich übergeben, aber eher selten. In der Regel erfährt der Beschenkte aber nicht, von wem sein Geschenk stammt, z.B. indem alle Geschenke mehrfach verpackt wurden (3-4 mal), auf jeder Verpackungsschicht steht ein anderer Name. Um das Ganze interessanter zu machen kann man auch kleine Gedichte schreiben, die auf den zu Beschenkenden zugeschnitten sind und danach wird überlegt, zu wem das Gedicht passt und das Geschenk übergeben. Das Erraten des zu Beschenkenden ist dann Teil des Wichtelns.

Alternative[Bearbeiten]

Beim Grabbelsack oder Hausgreul werden die Teilnehmer nicht vorher einander zugeordnet, die vorbereiteten Geschenke werden zufällig verteilt. Es wird reihum gewürfelt, und bei einer festgelegten Zahl (z. B. der Sechs) darf man sich eines der verpackten Geschenke nehmen und auspacken. Die restlichen Teilnehmer würfeln weiter bis alle Geschenke aufgeteilt sind. Dann folgt eine weitere, zeitlich begrenzte Runde, bei der je nach Zahl bestimmte Aktionen durchgeführt werden, zum Beispiel:

  • drei/vier – Alle Teilnehmer geben ihr Geschenk ihrem rechten/linken Nachbarn.
  • sechs – Der Teilnehmer kann oder muss sein Geschenk gegen das eines anderen Teilnehmers tauschen.

Mottowichteln[Bearbeiten]

Neben dem ungefähren Wert wird manchmal auch die generelle Art der Geschenke (Wichtelmotto) vorher festgelegt.

Beim Schrottwichteln, Ramschwichteln, Gammelwichteln, Horrorwichteln, Ekelwichteln, Fieswichteln, Querwichteln, Schrott-Julklapp, White-Elephant-Julklapp oder Greuelklapp wählt jeder Schenkende einen besonders ungeliebten, geschmack- oder nutzlosen Gegenstand als Geschenk aus. Dabei soll der Schenkende Humor und Originalität unter Beweis stellen, im besten Fall wird auch ein Bezug zum Beschenkten hergestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. El Amigo Invisible – Weihnachten in Spanien