Justus Möser

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Justus Möser, Gemälde von Ernst Gottlob, 1777, Gleimhaus Halberstadt
Justus Möser

Justus Möser (* 14. Dezember 1720 in Osnabrück; † 8. Januar 1794 ebenda) war ein deutscher Jurist, Staatsmann, Literat und Historiker. Seine Tochter ist Jenny von Voigts.

Leben[Bearbeiten]

Möser wuchs in Osnabrück auf, wo sein Vater Kanzleidirektor war, und studierte nach dem Besuch des Ratsgymnasiums Osnabrück in Jena seit 1740 und in Göttingen seit 1742 die Rechte und die Schönen Wissenschaften. 1743 wurde er in Osnabrück Sekretär der Landstände und ließ sich 1744 als Rechtsanwalt nieder. Sein energisches Auftreten gegen die Willkürlichkeiten des damaligen Statthalters von Osnabrück fielen auf, so dass er zum Advocatus patriae (zum Anwalt des Staats in Rechtsstreitigkeiten) ernannt wurde. Seit 1755 vertrat er zugleich als Syndikus die Rechte der Ritterschaft, 1768 wurde er Geheimer Referendar. Aufgrund dieser Stellung hatte er bis zu seinem Lebensende hohen Einfluss auf alle Angelegenheiten des Fürstbistums Osnabrück. 1743 wurde er Geheimer Justizrat. Ab 1763 führte er die Regentschaft für den zunächst minderjährigen, später sich laufend im Ausland aufhaltenden Fürstbischof von Osnabrück, Friedrich Herzog von York.

Mösers wichtigste Lebensleistung ist seine juristische Arbeit: Nachdem sich im zeitgenössischen kleinen Osnabrücker Land Reste altgermanischen Lebens in Verfassung und Volkssitte deutlicher als anderswo erhalten hatten, führte er das germanische Recht in das römische Recht über. Das heutige deutsche Rechtssystem baut auf seinen Ideen auf.

Auch das schriftstellerische Werk Mösers ist vielfältig: In zahlreichen Schriften äußerte er sich über Politik, Geschichte, Theater und Literatur und leistete einen überaus wichtigen Beitrag zur deutschen Geistesgeschichte in der Zeit der Aufklärung. Als „ständischer Dichter“ ist er vor allem durch seine „Patriotischen Phantasien“ in Erinnerung.[1] Lessing, Herder und Goethe fanden lobende Worte für die Arbeiten des Publizisten, zu dessen politischen Idealen ein freier, in seinem Eigentum gesicherter und durch Selbstverwaltung am politischen Leben mitwirkender Bauern- und Bürgerstand zählte (deren Stellung er unter anderem in seiner „Aktientheorie“ begründete). So bezeichnete ihn Goethe als den „Patriarchen von Osnabrück“.

Möser griff die Bühnenreform von Johann Christoph Gottsched an und setzte sich kritisch mit der Anakreontik auseinander. 1781 kritisierte er die einseitige Verurteilung der deutschen Literatur durch Friedrich II. von Preußen. In seinem Spätwerk war Möser beim Sturm und Drang angelangt.

Als Publizist erhielt Möser den Beinamen „Vater der Volkskunde“, weil er unzählige Beiträge über Volkskunde und Brauchtum verfasst hatte. 1766 gründete er die „Wöchentlichen Osnabrückischen Intelligenzblätter“, die er bis 1782 leitete und bis 1792 mit Beiträgen versorgte. Aus den für diese Zeitschrift verfassten Abhandlungen stellte er 1774 eine Auswahl unter dem Gesamttitel „Patriotische Phantasien“ zusammen. Diese Aufsätze sind Muster populärer Behandlung verschiedenartiger Themen, kleine Abhandlungen, wie „Harlekin, oder Verteidigung des Grotesk-Komischen“ oder „Über die deutsche Sprache und Litteratur“. Herausragendes historisches Werk war 1768 seine „Osnabrückische Geschichte“.

Als Historiker vertrat er eine organische Geschichtsauffassung und wandte sich gegen die Tendenzen der Aufklärung, später auch der Französischen Revolution. Klaus W. Epstein charakterisierte ihn als Personifikation des vorrevolutionären Status-quo-Konservativismus.[2] Möser beeinflusste die Entwicklung des deutschen Nationalismus.

In seinen Schriften definiert Möser den Staat anders als seine Zeitgenossen. Der Staat sei kein Territorium, sondern eine Art Aktiengesellschaft, von der jeder einen Teil Land oder Geld erwerbe und im Gegenzug Teilhabe und Mitwirkungsrechte erlange. Ein Patriot sei weniger der, der für sein Land in die Schlacht ziehe, als der, der dessen „Flor“ (Blüte) in Ackerbau, Gewerbe und Handel fördere.

Seine Grabplatte befindet sich in der Kirche St. Marien an der Südseite unter dem Fenster von Johannes Schreiter. 1836 wurde sein von Friedrich Drake geschaffenes Denkmal auf dem Domhof zu Osnabrück aufgestellt. Mösers Geburtshaus steht am Markt, es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und ist wieder aufgebaut. Mösers Wohnhaus, in dem er die letzten 19 Jahre seines Lebens verbrachte, stand auf einem Teil des Grundstückes, auf dem 1902 die Möser-Mittelschule (ehemals Bürgerschule) errichtet wurde.

Privates[Bearbeiten]

1746 heiratete er Juliane Elisabeth Brouning, mit der er die Tochter Jenny und den Sohn Johann Ernst Justus (* 1753; † 1773) hatte.[3]

Nachleben[Bearbeiten]

Die „Justus-Möser-Gesellschaft“ wurde 1987/88 mit dem Ziel gegründet, Leben und Werk Mösers einer breiten, nicht nur literarisch interessierten Öffentlichkeit im In- und Ausland zugänglich zu machen. Die Gesellschaft ist eine Sektion im Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück.

Seit 1988 hat es die „Justus-Möser-Dokumentationsstelle“ übernommen, das Leben dieser bedeutenden Persönlichkeit nachzuzeichnen.

Im Gedenken an die Verdienste Justus Mösers verleiht die Stadt Osnabrück die Justus-Möser-Medaille an Personen, die sich um Osnabrück oder die Region verdient gemacht haben.

Denkmal von Friedrich Drake in Osnabrück, 1836 enthüllt

Denkmal[Bearbeiten]

Durch Vermittlung des Bildhauers Christian Daniel Rauch erhielt der noch junge Bildhauer Friedrich Drake den Auftrag des „Möser-Vereins“, für Osnabrück eine Kolossalstatue Justus Mösers zu schaffen. Das Denkmal wurde am 12. September 1836 auf dem Domplatz feierlich enthüllt.

Plätze, Straßen, Wege und Gebäude[Bearbeiten]

2002 würdigte die Stadt Bramsche Mösers Verdienste um das Tuchmacherwesen durch die Benennung eines Platzes und eines Weges nach seinem Namen.

Werke[Bearbeiten]

neue vermehrte und verbesserte Auflage (in 2 Theilen): Nicolai, Berlin/Stettin 1780 (Digitalisat); 3. Theil (aus dem Nachlass): Nicolai, Berlin/Stettin 1819 (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Bäte: Justus Möser, advocatus patriae. Athenäum, Frankfurt 1961.
  • Hermann Bausinger: Justus Moser. 1977 (Volltext).
  • Peter Berghaus: Numismatiker im Porträt, 26: Justus Möser. In: Geldgeschichtliche Nachrichten. No. 164, November 1994, S. 280–286.
  • Henning Buck (Hrsg.): Patriotische Phantasien. Rasch, Bramsche 1994, ISBN 3-930595-00-1 (Ausstellungskatalog).
  • Stefan Efler: Der Einfluß Justus Mösers auf das poetische Werk Goethes. Wehrhahn, Laatzen 1999, ISBN 3-932324-76-5.
  • Klaus Epstein: Die Ursprünge des Konservativismus in Deutschland. Propyläen, Berlin 1973, ISBN 3-550-07288-0, Kapitel 6: Der Ausgangspunkt: Die Herausforderung durch die Französische Revolution 1770–1806.
  • Thorsten Heese, Martin Siemsen (Hrsg.): Justus Möser 1720–1794. Aufklärer, Staatsmann, Literat (= Osnabrücker Kulturdenkmäler. Band 14). Rasch, Bramsche 2013, ISBN 978-3-89946-196-1.
  • Heinrich Kanz: Der humane Realismus Justus Mösers: Bildungsanalyse in der ersten Aufklärung. Henn, Wuppertal 1971.
  • Peter Klassen: Deutsche Staatskunst und Nationalerziehung. Ausgewählte Schriften von Justus Möser. (= Sammlung Dieterich. Bd. 3). Dieterich, Leipzig ca. 1938.
  • Ulrich Lochter: Justus Möser und das Theater: Ein Beitrag zur Theorie und Praxis im deutschen Theater des 18. Jahrhunderts. Osnabrück 1967, ISBN 3-87898-019-1.
  • Joseph Riehemann: Der Humor in den Werken Justus Mösers. 1902
  • Jan Schröder: Justus Möser als Jurist. Zur Staats- und Rechtslehre in den „Patriotischen Phantasien“ und in der „Osnabrückischen Geschichte“ (= Osnabrücker Rechtswissenschaftliche Abhandlungen. Bd. 5). Heymanns, Köln 1986.
  • William F. Sheldon: Möser, Justus. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 17, Duncker & Humblot, Berlin 1994, ISBN 3-428-00198-2, S. 687–689 (Digitalisat).
  • Renate Stauf: Justus Mösers Konzept einer deutschen Nationalidentität. Mit einem Ausblick auf Goethe. Niemeyer, Tübingen 1991, ISBN 3-484-18114-1.
  • Franz Xaver von WegeleMöser, Justus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 22, Duncker & Humblot, Leipzig 1885, S. 385–390.
  • Karl H. L. Welker: Rechtsgeschichte als Rechtspolitik. Justus Möser als Jurist und Staatsmann. 2 Bände. Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, Osnabrück 1996, ISBN 3-9803412-6-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Justus Möser – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ludwig Fertig: „Abends auf den Helikon“. Dichter und ihre Berufe von Lessing bis Kafka, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1996, ISBN 3-534-12692-0, S. 11.
  2. Klaus Epstein: Die Ursprünge des Konservativismus in Deutschland. Der Ausgangspunkt: Die Herausforderung durch die Französische Revolution 1770–1806. Propyläen-Verlag, Berlin 1973, ISBN 3-550-07288-0.
  3. Broschüre des Erich Maria Remarque-Friedenszentrums, Osnabrück