Küchenarbeitsplatte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Küchenarbeitsplatte aus einem Rhyolith
Warmgewalzte Küchenarbeitsplatte

Der Begriff Küchenarbeitsplatte bezeichnet die Arbeitsfläche in Küchen zur Essensvorbereitung. Diese Arbeitsplatten sind meist fest montiert und bilden den waagerechten Abschluss von Einbauküchen mit einer Tiefe von etwa 60 cm und in einer Arbeitshöhe von etwa 85 cm (mindestens 82 cm bis Unterkante der Arbeitsplatte für unterbaufähige Geräte). In diese Platten werden darunter befindliche Herde und Spülbecken eingepasst.

Alle Arbeitsplatten benötigen Auflagekanten in Abständen von 0,6 m bis 0,9 m, um die aufgestellten Lasten ohne Schaden zu tragen. Die Materialauswahl und die Oberflächenvergütung werden neben den Farben durch Härte, Unempfindlichkeit (mechanische Schlag- und Kratzfestigkeit und chemische sowie thermische Beständigkeit) und Pflegeleichtigkeit bestimmt.

Verwendetes Material[Bearbeiten]

Laminat und MDF-Platten[Bearbeiten]

Küchenarbeitsplatte aus beschichteten Laminat

Laminate und beschichtete MDF- oder Spanplatten sind als Küchenarbeitsplatten weit verbreitet.

Laminat[Bearbeiten]

Laminat ist an der Oberfläche relativ dicht, schlag- und abriebresistent. Während der Begriff „Laminat“ häufig synonym für Bodenbeläge verwendet wird, werden Laminate (z.B. in Form von HPL - kurz für High Pressure Laminate) in Küchen mit verschieden gestalteten Oberflächen verwendet und halten kurzzeitig hohen Temperaturen (z. B. durch Zigarettenglut und heiße Topfböden) stand. Entsprechende Oberflächen sind leicht zu pflegen und reinigen, hitze- und lichtbeständig sowie geruchsneutral und unempfindlich gegen Alkohol bzw. organische Lösemittel sowie die Einwirkung von Wasserdampf und Wasser. Küchenarbeitsplatten mit HPL-Oberflächen sind laut der Bedarfsgegenständeverordnung für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen.

Sie sind zumeist deutlich preisgünstiger als Naturstein und Edelstahl, einer ihrer Nachteile ist die geringere Schlag-, Kratz- und Hitzebeständigkeit. Heißes Kochgeschirr kann sich in die Oberfläche einprägen, daher sind stets hitzebeständige Untersetzer vor dem Absetzen von erhitzten Töpfen und Pfannen zu verwenden.

Mitteldichte Holzfaserplatten (MDF-Platten)[Bearbeiten]

Mitteldichte Holzfaserplatten (MDF-Platten) bestehen aus feinstzerfasertem, hauptsächlich rindenfreiem Nadelholz und durch eine schonende Verpressung wird ein in Längs- und Querrichtung gleichermaßen homogener Holzwerkstoff hergestellt. Die Kanten sind glatt und fest und können ohne besonderen Anleimer profiliert werden.

Im Handel sind MDF-Platten mit Dicken von 2 mm bis 60 mm mit einer Dichte von 600 bis 1000 kg/m³ erhältlich. Der Verwendungsbereich ähnelt dem der Flachpressplatte (Spanplatte), durch ihren feinen, nahezu homogenen Aufbau können jedoch die Kanten und Flächen profiliert und anschließend lackiert werden. Die Notwendigkeit von Anleimern, wie dies bei Flachpressplatten der Fall wäre, entfällt, daher werden sie für Küchenarbeitsplatten und für Küchenfronten verwendet.

Holz[Bearbeiten]

Vollholz (vor allem aus harten Hölzern, wie Buche) findet man als Arbeitsplatten in der Privatküche, zumeist als mobile Schneidbretter und selten in Gänze als Küchenarbeitsplatten. Diese Naturmaterialien können technisch gesehen wie Laminat- bzw. MDF-Platten eingeordnet werden. Bei Vollholz ist Vorsorge vor Pilzbefall in der Küche zu treffen. Typischerweise werden sie mit einem Holzöl imprägniert oder auch lackiert. Ein Sonderfall sind geölte oder beschichtete Leimhölzer in Küchen.

Naturstein[Bearbeiten]

Polierte Steinoberfläche eines Gneises namens Hallandia (Schweden)
Küchenzeile mit Naturstein-Küchenarbeitsplatte aus Impala

Natursteine finden als Küchenarbeitsplatten in polierter Form Verwendung. Es gibt aber sogenannte bebürstete Steinoberflächen, die matt sind. Passend zu den Arbeitsplatten werden sie auch als Boden- und Wandbeläge mit polierten Steinoberflächen in Küchen verbaut. Natursteine halten hohen Temperaturen (z. B. Zigarettenglut und heiße Topfböden) stand. Die Steinoberflächen sind leicht zu pflegen und zu reinigen, hitze- und lichtbeständig sowie geruchsneutral und unempfindlich gegen Reinigungsmittel, Alkohol, Lösemittel sowie die Einwirkung von Wasserdampf und Wasser. Sie sind in unterschiedlichsten Farben, Textur und Haptik auswählbar.

Die Natursteine, die für die Küchenarbeitsplatten verwendet werden, sind vor allem Granite, Gabbros, Gneise und Quarzite.

Granite, Gabbros, Gneise, Quarzite[Bearbeiten]

Granite, die ein körniges Gefüge haben, gibt es in nahezu allen Farben (außer Blau: das ist extrem selten und sehr preisintensiv und Schwarz). Sie zählen zu den dichtesten Steinen mit geringer Wasseraufnahme.

Werden dunkle Oberflächen bevorzugt, können die dunklen Gabbros, sogenannte „schwarze Granite“ gewählt werden, die granitähnliche Eigenschaften haben.

Gneise bieten buntere, hellere Farben.

Quarzite zählen zu den härtesten Gesteinsfamilien überhaupt. Sie weisen eine hohe Kratzfestigkeit und nehmen nahezu kein Wasser auf.

Weitere Natursteine[Bearbeiten]

Andere Gesteine sind in deutschen Küchen eher selten vertreten. Mitunter kommen harte und dichte Sandsteine (z. B. Ruhrsandstein) zum Einsatz. Diese sind porös und sie neigen zur fleckigen Aufnahme von Flüssigkeiten. Gesteine (Marmore, bestimmte Granite, Basalte, Basanite usw.), die empfindlich gegen Chemikalien sind, sind relativ ungeeignet, da Zitronensäure, Essigsäure und Fruchtsäuren auf diesen Steinen Spuren hinterlassen. Dennoch finden in Italien z. B. Küchenarbeitsplatten aus den empfindlichen Carrara-Marmoren Verwendung. Schwindender Glanz wird dort ganz offensichtlich nicht als Nachteil empfunden. Im Konditorengewerbe kommen häufig Arbeitstische aus Carrara-Marmor zum Einsatz, da Zuckerguss schnell abkühlen muss und Marmoroberflächen hierfür besonders geeignet sind, des Weiteren haftet kein Teig auf den Marmoroberflächen an.

Natursteine werden mit Steinkreissägen und Steinschleifmaschinen hergestellt, gesägt und geschliffen. Sollte es zu Abstoßungen oder Kratzern während der Nutzung kommen, können diese Mängel durch Fachpersonal von Steinmetzbetrieben beseitigt werden. Bei polierten Steinoberflächen kann Reinigen mit Mikrofasertüchern erfolgen.

Quarzwerkstoff[Bearbeiten]

Arbeitsplatten aus Quarzwerkstoff, einem Kunststein, werden aus Quarzgranulat, Farbpigmenten und synthetischem Harz in einem speziellen Vakuum- und Vibrationsprozess unter hohem Druck verpresst. Sie können mit unterschiedlichen Farben und mit schillernden und glitzenden Bestandteilen an der Oberfläche hergestellt werden und sind massive Platten, die wie Naturstein bearbeitet werden (siehe oben). Diese Arbeitsplatten können in beliebigen Farben individuell hergestellt werden. Glitzernde Effekte von Mineralen, die vergleichsweise in bestimmten Natursteinen (z. B. Spektrolit, Star Galaxy) vorkommen, können eingemischt werden.

Neuerdings werden antibakteriell ausgerüstete Kunststein-Küchenarbeitsplatten angeboten die den Stoff Triclosan enthalten. Die Verwendung dieses Stoffes ist beispielsweise in Norwegen als gesundheitsschädlich im Entwurf einer norwegischen PoHS-Richtlinie eingestuft worden.

Mineralwerkstoff[Bearbeiten]

Die Arbeitsplatten, die als Mineralwerkstoffe hergestellt und bezeichnet werden, bestehen aus einer mineralischen Komponente (Aluminiumhydroxid) und einem Acrylat oder Polyesterharz, die in industriechemischen Verfahren als Platten in einer Stärke von etwas mehr als einem bis drei Millimeter oder in voller Plattenstärke hergestellt werden. Im Grunde handelt es sich um Verbundwerkstoffe, die andere Materialien beschichten. Mineralwerkstoffe werden im Stärkebereich von 1 bis 3 mm direkt auf das Trägermaterial (meist Spanplatte) aufgebracht, im Stärkebereich 6-24 mm wird je nach Anwendung ein Trägermaterial (Spanplatte, MDF ...) nachträglich untergebaut. Im höheren Stärkebereich (18-24 mm) wird gar kein Trägermaterial benötigt. Sie sind chemisch recht beständig und können mit der Technologie einer Hartholzbearbeitung bearbeitet werden. Diese Arbeitsplatten sind haptisch wärmer und weicher als Steinplatten oder Stahl und beständiger als Holz. Im Küchenbereich ist zu beachten, dass die Hitzebeständigkeit nach Herstellerangaben nur bis 180° reicht, daher ist ggf. mit Untersetzern zu arbeiten.

Mineralwerkstoffe sind homogen durchgefärbt, haben eine porenfreie Oberfläche und sind dementsprechend nachschleifbar und revitalisierbar. Außerdem ist eine recht hohe Chemikalienresistenz gegeben, was den Mineralstoff für die Anwendung in Küche, Bad und Labor ideal macht.

Edelstahl[Bearbeiten]

Arbeitsplatte aus Edelstahl mit fugenlos eingeschweißter Spüle

Edelstahl (Handelsnamen auch: Cromargan oder Nirosta) ist lebensmittelbeständig, kratz- und hitzebeständig und wird mit unterschiedlichen Oberflächen geliefert. Im professionellen Küchengewerbe zählen Edelstahloberflächen zur Standardausrüstung, wenngleich auch nur niedrige Qualitäten dort eingesetzt werden. Auch werden dort Edelstahlarbeitsplatten aus Stabilitätsgründen mit einer Trägerplatte aus z. B. einem Holzwerkstoff verklebt.

Die Anwendung in der privaten Küche erfolgt vor allem im gehobenen Ausbausegment und auch in anderen Qualitäten als in der Großküche. Gegen elektrischen Schlag durch Fehlerspannung müssen Arbeitsplatten aus Stahl wie stählerne Badewannen unbedingt schutzgeerdet werden.

Neuerdings werden Arbeitsplatten aus warmgewalzten und somit leicht strukturierten Blechen in Dicke von 6 bis 12 mm hergestellt. Edelstahl-Arbeitsflächen lassen sich fugenlos herstellen. Je nach Oberflächenbearbeitung und im Gebrauch kann jede Arbeitsplatte ein individuelles Aussehen erhalten. Mit Microfasertüchern und Inox-Reinigungsmittel kann eine Reinigung erfolgen.

Beton[Bearbeiten]

Es gibt Angebote von Betonwerksteinplatten, deren kalkgebundene Oberflächen jedoch nicht empfindlich gegen Säuren sind, wie beispielsweise Marmor. Sie stellen einen Sonderfall der Küchenarbeitsplatte dar. Bei der Herstellung kann der Spezialbeton eingefärbt werden. Beton wird flüssig angemischt und in eine Holzschalung gegossen, in dem die Ausschnitte ausgespart werden. Die Sichtoberflächen können mit Hartwachs behandelt sein[1]. Die hergestellten Betone sind hitzebeständig, oberflächlich behandelt chemisch resistent, die Ecken und Kanten einer Beton-Küchenplatte können allerdings schlag- und stoßgefährdeter als andere Materialien sein.

Keramik[Bearbeiten]

Arbeitsplatten aus Keramik und keramischen Mischmaterialien werden in Dicken ab 3 mm verbaut, die aber auch auf 3+3 mm verklebt und verstärkt werden. Es gibt darüber hinaus Keramikplatten in Stärken von 10, 12 oder 20 mm, die ohne Trägermaterial auskommen. Es gibt Keramik-Arbeitsplatten in unterschiedlichem Farben und mit Oberflächengestaltungen (rau, poliert, matt, strukturiert). Das Keramikmaterial ist auch für den Außenbereich geeignet und UV-beständig. Die Oberflächen sind sehr kratz- und säurebeständig, außer gegen Flusssäure. Keramik zeichnet sich durch eine hohe Hitzebeständigkeit aus. Die Flüssigkeitsaufnahme der Keramikoberflächen ist nahe null, daher können nahezu keine Lösungen oder Flüssigkeiten in das Material eindringen. Dem Vorteil der großen Härte von Keramikarbeitsplatten steht ein Nachteil aller harten Werkstoffe gegenüber: Sie sind spröde und so sind, z.B., die Kanten von Keramikarbeitsplatten schlag- und stoßempfindlich und können leichter ausbrechen als es bei Holz oder Kunststoff der Fall ist. Darüber hinaus kann es aufgrund des keramischen Brennprozesses bei ca. 1200 Grad Celsius zu ganz leichten (allerdings kaum sichtbaren) produktionsbedingten Unebenheiten kommen.[2] Die Keramik-Arbeitsplatten können mit gängigen Lösungs-, Desinfektions- und Reinigungsmitteln gesäubert werden.[3].

Glaskeramik[Bearbeiten]

Bei den glaskeramischen Küchenplatten, die im Handel als Glasplatten bezeichnet werden, handelt es sich ein bruchsicheres, hitzebeständiges und kratzfestes Material. Verwendet wird dieses Material in Küchen bereits seit langem für die Kochfelder. In Glaskeramik dringt keine Flüssigkeit ein. Mit einem speziellen Siebdruckverfahren können die Unterseiten der Küchenarbeitsplatten mit Druckmotiven beliebig gestaltet werden. Glaskeramik wird in unterschiedlichen Materialstärken hergestellt.[4]

Ökologische Aspekte[Bearbeiten]

Die niedrigsten Energieverbräuche bei der Herstellung entstehen bei den Arbeitsplatten, die sie aus natürlichen Werkstoffen (Holz, Naturstein und die aus diesen Materialien bestehende Platten aus Beton und beschichteten Hölzern) hergestellt werden. Naturholz, Beton und Naturstein bestehen aus Materialien, die in der Natur vorkommen. Bei Verwendung dieser Materialien ist die Entsorgung nicht nur weniger aufwändig, sondern sie belasten die Natur nach Entsorgung nicht.

Bei den anderen Werkstoffen (Keramik, Edelstahl, Quarzwerkstoff) ist der Energieaufwand durch erforderlich werdende hohe Herstellungstemperaturen und höhere Energieverbräuche deutlich höher. Ihre Entsorgung ist aufwändiger.

Reinigung[Bearbeiten]

Grundsätzlich sind die oben genannten Materialien nur mit spezifisch geeigneten Reinigungsmitteln zu behandeln.

Bei Naturstein kommen neben Reinigungsmitteln auch Pflegemittel und Mikrofasertücher zum Einsatz. Beschichtete Platten können durch Wischen gereinigt werden. Edelstahl ist relativ unempfindlich und kann mit speziellen Reinigungsmitteln behandelt und auch nachpoliert werden. Vollholz ist problematisch, es kann unter Einfluss von stehendem oder eingedrungenem Wasser in Fugen aufquellen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Küchenarbeitsplatten aus Beton auf wohnatelier.de. Abgerufen am 16. Februar 2010
  2. Technische Merkmale. abgerufen am 17. März
  3. Materialinfo: Küchen-Arbeitsplatten, abgerufen am 17. März 2014
  4. Materialinfo: Küchen-Arbeitsplatten auf kuechen-atlas.de. Abgerufen am 18. Oktober 2014