Carrara

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Dieser Artikel behandelt die italienische Stadt. Für Personen dieses Namens siehe Carrara (Begriffsklärung).
Carrara
Wappen
Carrara (Italien)
Carrara
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Massa-Carrara (MS)
Koordinaten: 44° 5′ N, 10° 6′ O44.08333333333310.1100Koordinaten: 44° 5′ 0″ N, 10° 6′ 0″ O
Höhe: 100 m s.l.m.
Fläche: 71 km²
Einwohner: 64.234 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 905 Einw./km²
Postleitzahl: 54033
Vorwahl: 0585
ISTAT-Nummer: 045003
Volksbezeichnung: Carraresi
Schutzpatron: San Ceccardo (16. Juni)
Website: http://www.comune.carrara.ms.it/
Panorama von Carrara
Panorama von Carrara

Carrara ist eine Stadt mit 64.234 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in der italienischen Provinz Massa-Carrara, Region Toskana.

Bekannt ist Carrara durch die weißen Marmorvorkommen, den Carrara-Marmor, der in den nahegelegenen Steinbrüchen gewonnen wird, sowie für seine Bildhauerakademie, die Accademia di Belle Arti Carrara.

Geografie[Bearbeiten]

Lage von Carrara in der Provinz Massa-Carrara

Carrara liegt in den Apuanischen Alpen im südlichen Teil der Provinz Massa-Carrara. Der Ort liegt ca. 100 Kilometer nordwestlich der Regionalhauptstadt Florenz, ca. 6 km nordwestlich von Massa und ca. 6 km nordöstlich des Tyrrhenischen Meer (Marina di Carrara) in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone D, 1 601 GG[2]. Westlich grenzt Carrara an die Provinz La Spezia.

Wichtige Gewässer in der Gemeinde sind die Torrenti Carrione, der alle seine 12 km im Gemeindegebiet verbringt, und der Gragnana (5 km), der ebenfalls das Gemeindegebiet nicht verlässt. [3]

Zu den Ortsteilen zählen Bedizzano (276 m, ca. 830 Einwohner), Bergiola (494 m, ca. 450 Einwohner), Castelpoggio, Codena (260 m, ca. 760 Einwohner), Colonnata, Fontia (330 m, ca. 220 Einwohner), Gragnana (219 m, ca. 900 Einwohner), Miseglia (240 m, ca. 500 Einwohner), Sorgnano (274 m, ca. 380 Einwohner) und Torano. [4]

Die Nachbargemeinden sind Fivizzano, Fosdinovo, Massa, Castelnuovo Magra (SP), Ortonovo (SP) und Sarzana (SP).

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Region um Carrara ist ein altes Siedlungsgebiet und auf Grund archäologischen Fundmaterials kann angenommen werden, dass es im Paläolithikum besiedelt war. Aus der Zeit um 2500 v. Chr. ist bekannt, dass die Bewohner des apuanischen Gebiets begannen, ihre Toten in Grotten zu bestatten, und etwa nach 1000 v. Chr., in der späten Bronzezeit, waren Ackerbau und Viehzucht vorherrschend. Die Bewohner lebten in geschützten Lagen in Hüttendörfern und wurden nach mündlichen Überlieferungen Castallari genannt. Im 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. wurde das Gebiet stärker besiedelt, und durch die eindringenden Kelten änderte sich auch der bisher vorherrschende kulturelle Einfluss in der Eisenzeit.

Erste Belege für eine Marmorbearbeitung befinden sich im Museo Nazionale in Luna aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. an einer Basis für die Statue des Claudius Marcellus. Dieser römische Konsul hatte 155 v. Chr. die ligurischen Apuaner endgültig besiegt.[5] Nordöstlich der heutigen Stadt Carrara lag Luna, eine römische Kolonie, die 177 v. Chr. gegründet wurde und die heute nahe dem Ort Luni Mare, einem Ortsteil der Gemeinde Ortonovo in der Provinz La Spezia liegt.[5] Durch die nahegelegenen Steinbrüche erlangte die Stadt Luna große wirtschaftliche Bedeutung, und erst nach der endgültigen Verlandung des Hafens am Fluss Magra, nach kriegerischen Übergriffen und durch die sich ausbreitende Malaria wurde das zum Bischofssitz erhobene Luna im 11. Jahrhundert weitgehend verlassen.

Geschichte[Bearbeiten]

Carrara und die Marmor-Steinbrüche. Im Vordergrund ein steinverarbeitender Betrieb

Erst um 1000 gründeten Bauern den Weiler Cararia, den Vorläufer der heutigen Stadt Carrara, und gegen 1250, so wird angenommen, könnte die Wiedereröffnung der Steinbrüche für den Bau der Pfarrei von Carrara erfolgt sein, da hierfür Marmor benötigt wurde.[6] Von 1185 bis 1313 herrschte in Carrara der Fürstbischof von Luna und von 1313 bis 1493 die Gemeinde Carrara.[7] Den ersten Nachweis für die Verwendung des Bildhauermaterials Statuario aus Carrara ist durch einen genueser Auftrag aus dem Jahre 1265 belegt. Carrara wurde im 13. Jahrhundert, möglicherweise schon vor dieser Zeit, als freie Gemeinde verwaltet, und es sollen sich in jener Zeit bis zu 400 freie Einwohner und keine Abhängigen dort befunden haben, die die Macht des Bischof schwächten.[6]

Für den Bau der Kathedrale von Pisa besuchten die Baumeister und Steinmetzen den Ort Carrara, und Anfang des 15. Jh. kam der Bildhauer Maffiolo da Como, ein lombardischer Steinmetz, der in Genua lebte, nach Carrara und arbeitete dort, während vorher die Rohblöcke vor Ort auf der jeweiligen Baustelle bearbeitet wurden.[8] Mitte des 15. Jahrhunderts bilden die Steinmetzen Carraras erstmals eine Kooperation. Im Jahre 1473 übernahm der Markgraf Malaspina von Massa die Macht in Carrara, die zuvor verschiedene Adelige ausübten.[7]

Carrara fasste Alberto I., Fürst von Massa und Markgraf von Carrara, ab 1563 mit Massa als das Herzogtum Massa und Carrara zusammen, das 1859 letztlich im Königreich Italien aufging. Bei den Einigungsbestrebungen in Italien schlugen sich die Arbeitnehmerschaft und die liberale Bürgerschaft Carraras auf die Seite der Republikaner. Nachdem Italien geeint war, stieg die Marmorproduktion an, und die Anzahl der Steinarbeiter verdoppelte sich auf 10.000.[9] Der Handel wurde allerdings durch den amerikanischen Sezessionskrieg und hohe Schutzzölle in Europa behindert.

Im 19. Jahrhundert war Carrara das Zentrum der Steinbearbeitung schlechthin, und der Ort prosperierte. In dem Ort wurden zahlreiche technische Erfindungen gemacht, beispielsweise erfand 1815 ein italienischer Arbeiter, Giuseppe Perugi, die Steinsäge mit mehreren Sägeblättern, die erste Gattersäge für Naturstein, die von schnell laufenden Wasserrädern angetrieben wurde, und im Jahre 1895 erfand man dort erstmals die Seilsäge mit Spiraldraht, die von Dieselmotoren angetrieben wurde.[10]

Der Beginn des Ersten Weltkriegs wirkte sich auf Carrara wirtschaftlich fatal aus, denn er brachte das Erliegen der Marmorproduktion mit sich. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 verringerte sodann die langsam wieder anlaufende Produktion um die Hälfte. Die Folgen des Krieges, den Italien mit Äthiopien führte und die daraus resultierenden Absatzeinbußen bei Carrara-Marmor versuchte die faschistische Regierung Mussolinis durch Erteilung von Monumentalaufträgen, wie den Aufbau des Forums Mussolini mit den Mussolini-Obelisken in Rom, zu bewältigen. Derartige monumentale Aufträge änderten allerdings die wirtschaftliche Lage Carraras kaum.

In der Zeit des italienischen Faschismus wurde Carrara im Jahr 1938 mit den Orten Massa und Montignoso zur Gemeinde Apuania zusammengefasst. Diese Gemeinde wurde 1946 wieder aufgelöst.[11] Der Zweite Weltkrieg brachte nicht nur die Marmorproduktion zum Erliegen, sondern die deutsche Wehrmacht zerstörte im Kampf gegen Partisanen in den Jahren 1944/45 auch größtenteils die Einrichtungen in den Steinbrüchen. Zwischen Massa und Carrara führte die Verteidigungslinie der Wehrmacht, die sogenannte Linea Gotika, hindurch, und unweit von Carrara verübte die Waffen-SS das Massaker an der Dorfbevölkerung von Sant’Anna di Stazzema mit mehr als 500 Ermordeten.[12] Am erbitterten Widerstand gegen die deutschen Besatzer war ein Großteil der Bevölkerung, vor allem die Frauen und die Arbeitnehmerschaft Carraras, beteiligt.[13] Dabei spielten Anarchosyndikalisten, die seit dem 19. Jahrhundert in Carrara unter den Steinbrucharbeitern stark vertreten waren und Carrara zu einem der Weltzentren des Anarchismus gemacht hatten, eine große Rolle. Dass Carrara eine Anarchisten-Hochburg war und noch heute ist, kann man an zahlreichen Gedenktafeln und Denkmälern für Anarchisten und daran erkennen, dass in der Stadt 1968 die Internationale der Anarchistischen Föderationen gegründet wurde.

Durch den Wiederaufbau nach Kriegsende und den europäischen Bauboom in den 1960er Jahren stieg das Produktionsvolumen der Steinbrüche auf 500.000 Tonnen an, und die wirtschaftliche Situation Carraras verbesserte sich.[14]

Heute (2010) muss sich Carrara als Steinzentrum Europas nicht nur gegenüber dem Stein verarbeitenden Zentrum um Verona im eigenen Land behaupten, sondern auch gegenüber Steinverarbeitungszentren in China, Indien und Brasilien. Die Finanzkrise aus dem Jahre 2008 wirkt sich auch in einem starken Rückgang der Umsätze der Stein verarbeitenden Betriebe Carraras aus, die stark exportorientiert sind. Dies hat Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation der Stein verarbeitenden Betriebe und ihre Arbeitsplätze und auch auf die Stadtentwicklung.

Stadtbild[Bearbeiten]

Der Dom von Carrara
Sitzbank und Behälter für Pflanzen aus Marmor auf der Piazza Alberica

Die Stadt Carrara liegt westlich vor den Apuanischen Alpen, auf deren Ausläufer sich ein Teil der Stadt erhebt.

Die historische Ortsmitte ist die Piazza Alberica, auf der zahlreiche Kundgebungen der politischen Kräfte Carraras stattfanden, ein weiterer großer Platz ist die Piazza Farini, heute Piazza Matteotti mit einem klassizistischen Bauten aus dem 18. Jahrhundert.

In Carrara befindet sich der Dom Sant’Andrea Apostolo (auch Cattedrale di Sant’Andrea[15] oder Dom von Carrara genannt), der zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert mit lombardischen und toskanischen Stileinflüssen errichtet wurde. Dabei wurden alle Bausteine, außer dem ornamentierten Bauteilen, aus Carrara-Marmor gehauen.

Weitere wichtige Kirchen im Ortskern sind die Chiesa di San Francesco (im 17. Jahrhundert entstanden) und die Chiesa del Carmine (16. Jahrhundert, enthält eine Skulptur von Bartolomé Ordoñez). [15]

Casa Pepetti befindet sich an der Santa Maria. Es ist ein Steinhaus aus Carrara-Marmor, das die Bürger Carraras mit drei Stockwerken und drei Fensterreihen mit Säulen im Genueser Stil aus dem Ende des 13. bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts errichteten. An verschiedenen Bausteinen der Fassade befinden sich geometrische Reliefs von Tieren und Pflanzen. In der Casa Pepetti soll Petrarca im Jahre 1493 gewohnt haben und es war die erste Stadthalle von Carrara.[16]

Die Accademia di Belle Arti in Carrara umfasst das Kastell und den Palast der Cybo. Das Kastell entstand im 13. Jahrhundert. Es war nicht nur militärisch genutzt, sondern auch als Residenz der Fürstenbischofe. Es wurde im Jahre 1920 durch ein Erdbeben zerstört und wieder hergestellt.[17] Die Akademie beherbergt heute eine Bibliothek, Vortragsräume, Gipsmodelle und Originalskulpturen für das Kunststudium der Studenten.

An der Ecke der Via Verdi befindet sich ein Marmorbau aus den frühen 1930er Jahren, der frühere Sitz der Gioventù Italiana del Littorio (Jugend des Littorio), der nach dem Ende des italienischen Faschismus in eine Schule umgewandelt wurde.[18]

In der Stadt des Carrara-Marmors befinden sich zahlreiche Skulpturen, die Bildhaftes aus der Vergangenheit Italiens darstellen, wie beispielsweise Statuen von Garibaldi und Giuseppe Mazzini sowie das dem Anarchisten Alberto Meschi gewidmete Denkmal[19], aber auch zahlreiche Kunstobjekte der Moderne.

Neben der Akademie gibt es eine Ausbildungsstätte für Steinmetzen und handwerkliche Steinbildhauer, die einzige, die vom italienischen Staat und nicht von der italienischen Provinz finanziert wird. Ferner gibt es ein Museum, das sich mit der Gewinnung von Carrara-Marmor befasst. In zahlreichen kleinen Ateliers an den Straßen der Stadt arbeiten Steinbildhauer aus aller Welt und am Rand der Stadt befinden sich zahlreiche Steinindustriefirmen, die nicht nur Carrara-Marmor verarbeiten, sondern auch Natursteine aus aller Welt.

Sehenswert ist auch der Friedhof von Carrara, auf dem sich zahlreiche Grabmäler befinden, die von dem Schicksal der Steinbrucharbeiter berichten. Die früher im Straßenbild von Carrara nicht wegzudenkenden LKW, die Rohblöcke aus den Bergen zu den steinverarbeitenden Betrieben von Carrara und Massa di Carrara transportierten, dürfen mittlerweile nicht mehr durch die Innenstadt fahren.

Auffällig ist, dass in Carrara Marmor auch als Material zum Alltagsgebrauch, etwa für Bordsteinkanten, Sitzbänke oder Pflanzenbehälter benutzt wird.

Bilder[Bearbeiten]

Bildhauer[Bearbeiten]

In Carrara arbeiteten zahlreiche bekannte internationale Bildhauer wie Henry Moore, Jean Arp und italienische wie Guliani Vangi, Arturo Martini und Arthuro Dazzi.

Verkehr[Bearbeiten]

  • Der Ort ist über die Anschlussstelle Carrara an die Autobahn A12 angeschlossen.
  • Durch den Ort verläuft die Via Aurelia.
  • Carrara liegt am historischen Streckenverlauf der Via Francigena zwischen den Stationen XXVIII. (Luna/Luni) und XXVII. (Campmaior/Pieve di Camaiore, Gemeindegebiet des heutigen Camaiore)
  • Der Haltepunkt Carrara-Avenza liegt an der Bahnstrecke Pisa–Genua.

Sport[Bearbeiten]

Der örtliche Fußballverein Carrarese Calcio spielt derzeit in der viertklassigen Lega Pro Seconda Divisione.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carrara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 27. September 2013 (ital.) (PDF; 330 kB)
  3. Offizielle Webseite des Sistema Informativo Ambientale della Regione Toscana (SIRA) zu den Flüssen in Carrara, abgerufen am 27. September 2013 (ital.)
  4. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Massa-Carrara, abgerufen am 27. September 2013 (ital.)
  5. a b Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor. S. 181 f.
  6. a b Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor. S. 191
  7. a b Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor. S. 201
  8. Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor S. 194
  9. Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor. Seite 212
  10. Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor. Seite 208
  11. massacarrara-live.it, abgerufen am 26. Februar 2010 Information auf massacarrara-liv.it
  12. resistenza.de zum Massaker von Sant’Anna, abgerufen am 30. September 2013
  13. resistenza.de, abgerufen am 30. September 2013
  14. Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor. S. 216
  15. a b Regione Toscana: I luoghi della Fede
  16. Ilaria Bessi: Luci di Marmo. S. 28
  17. Luciana und Tiziano Mannoni: Marmor. S. 196–202
  18. Ilaria Bessi: Luci di Marmo. S. 38
  19. The Anarchist Encyclopedia: Alberto Meschi (1879–1958), Italian anarchist, abgerufen am 30. September 2013