Karstquelle

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Aachtopf: Größte und wasserreichste Karstquelle Deutschlands in Aach
Blautopf: Karstquelle der Blau in Blaubeuren
Pießling-Ursprung: eine der stärksten Karstquellen Österreichs bei Roßleithen

Eine Karstquelle ist eine Quelle, die Teil eines Karstsystems ist. Dazu gehört die unterirdische Entwässerung eines größeren Gebietes, was dazu führt, dass Karstquellen häufig eine sehr große Schüttung aufweisen. Wegen ihrer oft trichter- oder kesselartigen Form werden solche Wasseraustrittsstellen auch als Quelltopf bezeichnet, was sich in Gewässernamen wie Aachtopf (Ursprung der Radolfzeller Aach) oder Blautopf (Quelle der Blau in Blaubeuren) widerspiegelt. Andere Karstquellen entspringen Felswänden, etwa die Source de l’Orbe oder die Rinquelle.

Karstquellen sind in der Regel das Ende eines Höhlensystems, an dem ein Höhlenfluss die Erdoberfläche erreicht. So ist es häufig möglich, an der Karstquelle dieses Höhlensystem zu betreten und zu erforschen.

Als Quelltopf oder Ain werden in Nordafrika Wasseraustrittsstellen bezeichnet, die durch den Effekt eines artesischen Beckens zu Tage treten und in den ariden Gebieten von besonderer Bedeutung sind. Sie können direkt ausfließendes Wasser fördern oder unter evaporitischen Salzkrusten austreten. Bekannte Beispiel finden sich in den Oasen der tunesischen Landschaft Bled el Djerid und im gesamten Umfeld der Depressionen Chott el Djerid und Chott el Gharsa. Hier sind es wasserführende Schichten, meist Sande oder Sandstein, die als Grundwasserleiter in Funktion treten.

Hydrologische Besonderheiten[Bearbeiten]

Die wichtigste Besonderheit von Karstquellen folgt aus der Tatsache, dass in Gebieten mit oberflächlichem Carbonatgestein dieser im Laufe der Zeit durch den Kohlensäuregehalt des Regenwassers in lösliches Calciumhydrogencarbonat verwandelt wird. Dadurch entstehen Höhlen und unterirdische Bäche, so dass das Wasser bereits nach wenigen Tagen an einer Quelle wieder austritt. Anders als bei Grundwasser erfolgt keine Reinigung und es kommt zu einer sehr unterschiedlichen Schüttung: Unwetter, Schneeschmelze und jahreszeitliche Schwankungen der Niederschlagsmenge sind an der Quelle deutlich bemerkbar. Eine Sonderstellung nimmt die Aachquelle ein, denn ihr Wasser stammt nicht vom Regen, sondern aus Versickerungen der Donau in circa 12 km Entfernung.

Viele Karstquellen fallen in niederschlagsarmen Zeiten trocken, man spricht dann von intermittierenden Quellen. Wieder andere sind die meiste Zeit des Jahres trocken und schütten nur nach starken Niederschlägen. Quellen, die nur in nassen Jahren schütten, werden häufig Hungerbrunnen genannt, was daran liegt, dass der Volksmund einen Zusammenhang zwischen dem Schütten der Quelle und einem schlechten Ertrag in einem verregneten Jahr sieht. Es handelt sich dabei jedoch eher um einen kulturell bedingten Aberglauben. Wissenschaftliche Untersuchungen an verschiedenen Hungerbrunnen konnten einen derartigen Zusammenhang nicht nachweisen. Ein Beispiel ist der Hungerbrunnen bei Heldenfingen bei Gerstetten.

Die Qualität von Karstquellwasser ist für die Trinkwasserversorgung wegen fehlender Reinigung und hoher Härte denkbar ungeeignet. Zudem steht ungleichmäßige Schüttung einem gleichmäßigen Verbrauch gegenüber, ja sogar niedrige Schüttung im Sommer einem erhöhten Bedarf. Aus diesen Gründen werden Karstquellen heute kaum noch für die Trinkwasserversorgung genutzt.

Beispiele[Bearbeiten]

Einige ausgewählte Beispiele für Karstquellen:

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karst springs by country – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien