Blautopf

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Dieser Artikel behandelt den Blautopf in Baden-Württemberg. Für die gleichnamige Karstquelle in Niederbayern siehe Blautopf (Essing).
Blautopf Blaubeuren
Blautopf in Blaubeuren
Quelltopf mit Kloster Blaubeuren
Abfluss des Blautopfes
Anzeige der aktuellen Werte an der Quelle

Der Blautopf in Blaubeuren in Baden-Württemberg ist die zweit-wasserreichste Karstquelle Deutschlands. Hier entspringt die Blau, die nach rund 15 km im Ulmer Stadtgebiet der Donau zufließt.

Bekannt ist der Blautopf für die je nach Lichteinfall mehr oder weniger intensive, aber immer auffallend blaue Farbe seines Wassers.

Lage[Bearbeiten]

Der Blautopf liegt am Ostrand der Schwäbischen Alb im Norden der Stadt Blaubeuren, 16 km westlich von Ulm. Die Wasserquelle bildet den Abfluss der Blautopfhöhle (früher Blauhöhle genannt) im Blauhöhlensystem sowie der Hessenhauhöhle.

Daten[Bearbeiten]

Die Schüttung der Quelle ist sehr stark von den Niederschlägen abhängig, sie schwankt zwischen 310 l/s und 32.000 l/s und liegt im Mittel bei 2.300 l/s.[1] Unter den ergiebigsten Quellen Deutschlands liegt der Blautopf damit auf Platz 2 nach dem Aachtopf.

Durch den hohen Wasserdruck ist im Laufe der Zeit ein trichterförmiger Quelltopf entstanden, der eine Tiefe von bis zu 21 Meter erreicht. Der Durchmesser beträgt in etwa 40 Meter.[2]

Die auffallende blaue Wasserfärbung entsteht durch die Lichtstreuung des kalkgesättigten Quellwassers.

Legenden[Bearbeiten]

Der Blautopf ist ein Ort der Sagen und Legenden. So wurde die Wasserfärbung einst dadurch erklärt, dass täglich ein Fass voll Tinte hineingeschüttet würde. Im Volksglauben galt der Blautopf als bodenlos. Versuche, mit einem Bleilot die Tiefe zu ermitteln, sollen immer wieder von einer Nixe vereitelt worden sein, die das Gewicht stahl. In Anlehnung an diese Sage gibt es unweit des Blautopfs einen Felsen mit dem Namen „Klötzle Blei“. Und auch ein bekannter schwäbischer Zungenbrecher wird gerne den Kindern in der Umgebung erzählt:

’S leit a Klötzle Blei glei bei Blaubeira,
glei bei Blaubeira leit a Klötzle Blei.

Hochsprachlich lautet das in etwa:

Es liegt ein Klötzlein Blei gleich bei Blaubeuren,
gleich bei Blaubeuren liegt ein Klötzlein Blei.

Tatsächlich wurde bereits 1718 nach einer Lotung die Tiefe mit 62½ Fuß (ca. 19 Meter) recht genau angegeben.

Die Geschichte Das Stuttgarter Hutzelmännlein von Eduard Mörike gibt diese und andere Sagen in einer Binnenerzählung wieder, eingebettet in die Rahmenhandlung eines Wandergesellen, der über die Alb nach Blaubeuren zieht. Ganz besonders ausführlich wird die Geschichte von der Schönen Lau erzählt, der Tochter einer Menschenfrau und eines Wassernix aus dem Schwarzen Meer, die von ihrem Gemahl, dem Donaunix, in den Blautopf verbannt wurde, weil sie nicht lachen konnte und ihm nur tote Kinder gebar. Sie sollte erst zurückkehren und ein lebendiges Kind gebären, wenn sie fünfmal gelacht hatte. Dabei half ihr die Wirtin des Nonnenhofs.[3]

Geologie[Bearbeiten]

Der Blautopf ist eine Karstquelle, was bedeutet, dass hier Wasser wieder an die Oberfläche tritt, das in einem größeren Gebiet versickert ist. Dieses Karstgebiet besitzt nur einen unterirdischen Wasserabfluss, es gibt keine oberirdischen Gewässer.

Das Wasser hat im Laufe von Hunderttausenden von Jahren ein großes Höhlensystem geschaffen. Ein Teil des Blauhöhlensystems, die Blautopfhöhle, wurde bis Mitte der 1980er Jahre unter anderem von Jochen Hasenmayer erforscht. Am 23. September 2006 entdeckten Jochen Malmann und Andy Kücha von der Arbeitsgemeinschaft Blautopf in der Blauhöhle eine riesige Halle, die sie Apokalypse nannten. Während die ersten 1200 Meter der Blauhöhle noch wassergefüllt sind, ist die Apokalypse trocken und stellt mit ihrer Größe (170 m Länge, 50 m Breite, 50 m Höhe) eine Besonderheit in dieser Region dar. Im April 2010 wurde mit einer 17 Meter tiefen Bohrung direkt neben der Bundesstraße 28 zum ersten Mal ein trockener, jedoch nur Höhlenforschern zugänglicher Landweg in das Blautopfhöhlensystem geschaffen.[4] Bei einem Markierungsversuch am 21. April 2012 konnte eine hydraulische Verbindung zwischen der Hessenhauhöhle und dem Blauhöhlensystem nachgewiesen werden.

Tauchen im Blautopf[Bearbeiten]

1880 stieg der erste Helmtaucher in den Blautopf. Der Grund wurde erst 1957 von einem Taucher erreicht.

Der Einstieg in die Blauhöhle liegt in einer Wassertiefe von etwa 21 Metern und kann deshalb nur von gut ausgebildeten Höhlentauchern befahren werden.

Mehrere Tauchunfälle unter Hobbytauchern, darunter auch tödliche, veranlassten die Gemeinde Blaubeuren, den Blautopf seit den 1980er Jahren für Taucher zu sperren. Sondergenehmigungen haben Einsatztaucher der Wasserrettung DLRG, Verein für Höhlenkunde München e.V. (VHM München), die Arbeitsgemeinschaft Blautopf der HFGOK (Höhlenforschungsgruppe Ostalb Kirchheim) und eine Gruppe Höhlenforscher um Jochen Hasenmayer. Der letzte schwere Unfall ereignete sich 2003, als ein Mitglied des Hasenmayer-Teams nur noch tot geborgen werden konnte.

Das Tauchen im Blautopf spielt eine Rolle in dem Kriminalroman Bienzle und die schöne Lau von Felix Huby, der auch im Rahmen der Fernsehreihe Tatort verfilmt wurde.

Sehenswertes[Bearbeiten]

Am Blautopf gibt es ein Hammerwerk, das vom Wasser der Quelle angetrieben wird.

Im Jahre 1804 erhielt der Huf- und Waffenschmied Abraham Friedrich von der Stadt Blaubeuren die Genehmigung für eine Hammerschmiede mit Schleiferei. Die Hammerschmiede wurde bis 1889 in ihrer ursprünglichen Art betrieben. Anschließend wurde sie in eine mechanische Werkstatt umgestaltet, die bis 1956 funktionstüchtig war. Danach war das Blautopfhaus nur noch ein Abstellraum für die Stadt Blaubeuren. Anfang der 1960er Jahre besann man sich auf die Tradition des Blautopfhauses und hatte die Absicht, diese attraktiv zu machen. Auf der Suche nach einer Hammerschmiede fand man in Bad Oberdorf (Allgäu) eine geeignete Einrichtung. Nach dem Ausbau des Blautopfhauses wurde die Hammerschmiede in zweijähriger Arbeit eingebaut. Seit Mitte der 1960er Jahre kann sie in ihrer ursprünglichen Funktion wieder besichtigt werden.

Filme[Bearbeiten]

  • Mythos Blautopf – Expedition ins Dunkel. Dokumentarfilm, Deutschland, 2007, 43 Min., Regie: Claus Hanischdörfer, Produktion: Eikon Südwest GmbH, ZDF und ARTE, Inhaltsangabe
  • Tauchflug ins kalte Herz der Alb – Jochen Hasenmayers Vorstoß in die Tiefen der Blauhöhle. Dokumentarfilm, Deutschland, 1985, 65 Min., Regie: Jochen Hasenmayer und Frank Westphal
  • Tatort: Bienzle und die schöne Lau Spielfilm, Deutschland, 1993, 83 Min., Buch: Felix Huby und Werner Zeindler, Regie: Hartmut Griesmayr, Produktion: Süddeutscher Rundfunk, Erstsendung: 28. März 1993, Inhaltsangabe

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Blautopf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Blautopf – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Blautopf (ND8425012), mit einer mittleren Schüttung von 2.300 l/sec ist die zweitgrößte Karstquelle der Schwäbischen Alb (Steckbriefe, Seite 12) (PDF; 6,5 MB)
  2. Google Earth
  3. Vollständiger Text siehe Eduard Mörike: Die Schöne Lau.
  4. stuttgarter-zeitung.de

48.4158333333339.7838888888889Koordinaten: 48° 24′ 57″ N, 9° 47′ 2″ O