Katatone Schizophrenie
| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| F20.2 | katatone Schizophrenie | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2013) | ||
Die katatone Schizophrenie ist eine Form der Schizophrenien, bei der psychomotorische Störungen das klinische Bild beherrschen. Dennoch sind andere Symptome der Schizophrenie häufig, wie Stimmenhören, Angst, Denkstörungen und Wahn. Das Krankheitsbild wurde von dem deutschen Psychiater Kahlbaum im Jahr 1874 erstmals beschrieben (s. Abb. re.).[1] Später beschäftigte sich insbesondere der Neurologe und Psychiater Karl Leonhard (1904–1988) mit diesem Krankheitsbild. Durch die Einführung der operationalisierten Kriterienkataloge ICD-10 und DSM-IV und die Diffusion der Fächer Neurologie und Psychiatrie wird das Krankheitsbild immer seltener diagnostiziert.
Inhaltsverzeichnis |
Genese [Bearbeiten]
Die Ätiologie aller Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis ist noch nicht geklärt. Man geht von einer multifaktoriellen Genese aus mit genetischen, psychodynamischen und umweltbedingten Faktoren.
Die psychopathologische Schule Wernicke-Kleist-Leonhard sieht die Schizophrenien – auch die katatonen Formen – als heterogene Krankheitsgruppe. Für die Unterform „periodische Katatonie“ nahm Karl Leonhard genetische Ursachen an. Mit dem Nachweis des Suszeptibilitätsgens 15q15 gelang die Begründung einer genetischen Disposition dieser schubförmig verlaufenden Katatonie. Die chronischen Katatonien führte Leonhard auf maternale Infektionen im mittleren Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) zurück.
Symptome [Bearbeiten]
Im Krankheitsverlauf kann es zu den folgenden Symptomen kommen:
- Mutismus
- Katalepsie
- Flexibilitas cerea
- Negativismus
- Befehlsautomatie
- Echolalie
- Raptus
- Stupor
- Manierismen
- Ambitendenz
- Verharren
- Mitgehen
- Proskinese
Geht der Stupor mit Fieber einher, spricht man von einer perniziösen oder malignen Katatonie. Dieses vital bedrohliche Erscheinungsbild bot früher nur minimale Überlebenschancen. Dank der Therapiemöglichkeiten mit modernen Behandlungsmethoden (Intensivstation und -therapie, Benzodiazepine, Neuroleptika, Elektrokonvulsionstherapie) überleben inzwischen fast alle betroffenen Patienten. Die Diskussion, ob die "perniziöse" oder "maligne" Katatonie mit dem lebensbedrohlichen Krankheitsbild "Malignes Neuroleptisches Syndrom" (MNS) identisch ist, wurde bisher nicht abschließend gelöst. Der Krankheitsverlauf ist ähnlich, das Bild der tödlichen Katatonie ist vor über 100 Jahren erstbeschrieben, das Bild des MNS existiert dagegen erst seit Einführung der Neuroleptika in den 1960er Jahren.
Therapie [Bearbeiten]
Die Behandlung von Symptomen aus dem katatonen Spektrum erfolgt einleitend meist mit Benzodiazepinen, um die Katalepsie zu durchbrechen und die dabei oft vorhandene starke Angst zu mildern. Die Behandlung der katatonen Schizophrenie erfolgt, wie bei den anderen schizophrenen Formen, mit Neuroleptika. Sogenannte Stimmungsstabilisatoren wie Lithium, Valproinsäure, Carbamazepin, Lamotrigin und Olanzapin können zur Langzeitstabilisierung überaus hilfreich sein. Die Katatonie kann mittels Elektrokrampftherapie (EKT) oft rasch und wirkungvoll behandelt werden. Aufgrund der GABAA-Glutamat-Hypothese der Katatonie kann bei Versagen einer Therapie mit Benzodiazepinen wie Lorazepam auch ein Therapieversuch mit Dopaminagonisten oder Amantadin (einem NMDA-Rezeptor-Antagonisten) erwogen werden.[2]
Literatur [Bearbeiten]
- Christian Meisser: Drei Dekaden katatone Schizophrenie (1920–1949). Eine vergleichende retrospektive Studie, Universität Zürich 1987. (Dissertation)
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Kahlbaum, KL: Katatonie oder das Spannungsirresein. Hirschwald, Berlin, 1874
- ↑ Caroff SN, Mann SC et al. (Eds) 2004: Catatonia: From psychopathology to neurobiology. American Psychiatric Publishing Arlington
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