King’s Cross St. Pancras

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Eingang zur Station
Bahnsteig der Circle, H & C und Metropolitan Line
Hauptschalterhalle

King’s Cross St. Pancras ist eine unterirdische Station der London Underground im Stadtbezirk London Borough of Camden. Sie befindet sich unter den Hauptbahnhöfen King’s Cross und St Pancras in der Travelcard-Tarifzone 1. Sie ist die wichtigste Umsteigestation des gesamten Netzes und wird als einzige Station von sechs Linien bedient: Circle Line, Hammersmith & City Line, Metropolitan Line, Northern Line, Piccadilly Line und Victoria Line. Im Jahr 2011 nutzten 77,11 Millionen Fahrgäste die Station.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste unterirdische Station bei King’s Cross wurde am 10. Januar 1863 als Teil des ersten Abschnitts der Metropolitan Railway (heutige Metropolitan Line) eröffnet, der ältesten U-Bahn der Welt. 1868 und 1926 erfolgten umfangreiche Umbauten. Die alte Station wurde am 9. März 1941 geschlossen, fünf Tage später nahm man 400 Meter weiter westlich einen Neubau in Betrieb. Dadurch konnten die Entfernungen zu den Stationen der übrigen Linien markant verringert werden. Teile der alten Station sind heute in den Bahnhof King’s Cross Thameslink integriert. Der Thameslink-Bahnhof ist allerdings durch eine neue Anlage unter dem Bahnhof St. Pancras ersetzt worden und seit dem 9. Dezember 2007 geschlossen.

Die Great Northern, Piccadilly and Brompton Railway (heutige Piccadilly Line) nahm ihre Station am 15. Dezember 1906 in Betrieb. Die City and South London Railway (heute der City-Ast der Northern Line) folgte am 12. Mai 1907. Die Station der Northern Line war vom 8. August 1922 bis 20. April 1924 geschlossen, da der Tunnel zwecks Kapazitätserhöhung verbreitert werden musste. Die Station der Victoria Line wurde am 1. Dezember 1968 eröffnet.

Brandkatastrophe von 1987[Bearbeiten]

Am 18. November 1987 kam es zu einem Großbrand. Ein Fahrgast hatte sich während der Hauptverkehrszeit, trotz des Rauchverbotes, das seit dem Brand in der Station Oxford Circus drei Jahre zuvor bestand, eine Zigarette angesteckt und warf das Streichholz achtlos auf die hölzerne Rolltreppe. Das noch brennende Streichholz fiel durch einen Spalt in das Innere der Rolltreppe und entzündete dort ein Gemisch aus Schmierfett, Staub, Holzmehl und Papier. Durch das wie Brandbeschleuniger wirkende Gemisch und den Grabeneffekt breitete sich der Brand so rasant aus, dass in kürzester Zeit die ganze Rolltreppe in Brand stand und das Feuer in die darüber liegende Schalterhalle schlug.

Zehn Minuten nach Ausbruch des Brandes trafen erste Feuerwehreinheiten ein. Bis zu 150 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren rund sechs Stunden mit der Brandbekämpfung beschäftigt. Das Feuer forderte 31 Menschenleben, die im Rauch erstickten. Einige von ihnen waren auch bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Über 60 Personen erlitten eine Rauchgasvergiftung, die meisten Fahrgäste konnten sich durch den Tunnel in den nächsten Bahnhof retten. Zuerst gingen die Behörden von einem Anschlag der Irisch-Republikanischen Armee aus, die zuvor schon einige Sprengstoffanschläge auf Buslinien verübt hatten. Dies konnte aber anhand der staatlichen Untersuchungen ausgeschlossen werden. Um den Brandhergang lückenlos aufzuklären, baute man sogar die Rolltreppe im Maßstab 1:1 nach und simulierte das Feuer, was letztendlich zur Aufklärung des Brandes führte. In je einer Folge der Fernsehserien Sekunden vor dem Unglück und Medical Detectives wird der Brand genau untersucht.

Das Feuer war am Mittwoch um 19.30 Uhr von mehreren Passagieren gemeldet worden. Es betraf die Rolltreppe der Piccadilylinie. Die Feuerwehr wurde durch Angestellte und Polizei der U-Bahn alarmiert, der Einsatzalarm der Leitstelle an die Wache ging um 19.36 Uhr hinaus. Das Feuer von der scheinbaren Größe einer Pizzaschachtel ("cardboard box") konnte mit den vorhandenen Feuerlöschern nicht bekämpft werden da es sich ganz oder teilweise in bzw. unterhalb der Rolltreppe befand. Die Nutzung der rolltreppeneigenen Sprinkleranlage war nicht trainiert worden. Um 19.39 Uhr wurde entschieden, die Station mit den Rolltreppen der anderen U-Bahn-Linien zu evakuieren. Die kurz darauf eintreffende Feuerwehr wollte den Brand mit Atemschutz und Wasser zu bekämpfen. Um 19.45 Uhr kam es zur Feuerwalze ("flashover","jet of flames"), die, ausgehend vom Rolltreppenschacht die darüberliegende Schalterhalle erfasste. Das Feuer und die dichten Rauchgase töteten oder verletzten die meisten der dort anwesenden Personen.

Das Feuer versperrte mehreren hundert Personen den Weg an die Oberfläche. Diese konnten mit U-Bahn-Zügen der verschiedenen Linien evakuiert werden. Polizisten und Verletzte konnten zunächst wegen Absperrgittern nicht ins Freie gelangen, was sich auch in der Presse wiederfand. Das Feuer war um 1.46 Uhr gelöscht. 31 Personen starben, 100 wurden verletzt, 19 davon schwer. 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz, der Krankentransport erfolgte durch 14 Krankenwagen in verschiedene Krankenhäuser.

Unter den Toten befand sich auch Colin Townsley, ein Feuerwehrmann, der sich zum Zeitpunkt der Feuerwalze in der Schalterhalle befand. Ein letzter Toter konnte erst 2004 identifiziert werden. Es handelte sich um den 73 jährigen Schotten Alexander Fallon aus Falkirk. Der zunächst nur als Michael oder Körper 115 bekannt gewordene Mann war 1990 Thema eines Songs von Nick Lowe ("Who Was That Man").

Da die Metropolitanlinie nicht beeinträchtigt war konnte sie am nächsten Morgen wieder in Betrieb genommen werden. Die lediglich leicht beschädigten Rolltreppen der Victorialinie ermöglichten es, den normalen Betrieb dieser Linie am den Unglück folgenden Dienstag wiederaufzunehmen. Die Schalterhalle die mehrere Linien bediente wurde schrittweise innerhalb von vier Wochen wiedereröffnet. Die drei Rolltreppen der Piccadillylinie mussten ersetzt werden, was 16 Monate dauerte (27. Februar 1989). Bis zu diesem Zeitpunkt war der Zugang zu den Bahnsteigen der Piccadillylinie nur über die Anlagen der Victorialinie bzw. der Midland City Bahngesellschaft möglich, zu bestimmten Tageszeiten war hier aufgrund des Verkehrsaufkommens der Durchgang auf eine Richtung beschränkt. Da die Northern Line lediglich über die bereits vom Verkehrsaufkommen der drei Linien belasteten Anlagen zugänglich war ließ man bis zum Abschluss der Bauarbeiten die Züge durch die Station durchfahren. Die nahezu verbrauchten Rolltreppen der Northern Line wurden im Zuge der Arbeiten erneuert und am 5. März 1989 mitsamt der Station wieder in Betrieb genommen.

Im Zuge der Untersuchungen des Brandes wurden die U-Bahn-Behörden und Gesellschaften wegen mangelnder Vorsicht und Vorkehrung kritisiert. Bis dato hatte es noch keine Toten durch Brände im U-Bahn-System gegeben. Ein Rauchverbot in den Zügen war bereits im Juli 1984 verhängt worden und war nach dem Brand eines Abstellraums aufgrund einer Zigarettenkippe in der Station Oxford Circus mit Verletzten im November 1984 im Februar 1985 auf alle unterirdischen Stationen ausgedehnt worden. Brände wurden allerdings nicht geschult, im Sprachgebrauch und in den Unterlagen war eher die Rede von durchaus etwa auf den Gleisen vorkommenden Schwelbränden, "kokeln" genannt ("smouldering"). Für die Brandbekämpfung sollte nur dann die Feuerwehr gerufen werden wenn ein Löschen mit Handlöschern nicht möglich war (In diesem Fall war die Feuerwehr durchaus schnell und ohne Verzögerung gerufen worden, sie war zum Zeitpunkt der eigentlichen Katastrophe bereits vor Ort). Manager von London Underground und London Regional Transport traten zurück oder mussten ihren Hut nehmen.

Im 1988 publizierten Bericht von Desmond Fennell findet sich in diesem Zusammenhang bereits in der Zusammenfassung der Hinweis, das von 46 Vorfällen zwischen 1955 und 1988 alleine 32 definitiv auf Rauchwaren ("smokers materials") zurückzuführen waren. Eine Kontrolle zwei Wochen vor dem Brand zeigte, dass die Rolltreppe in schlechtem Zustand war, durch Abnutzung kleine Spalten entstanden waren, Blenden fehlten, sich Dreck angesammelt hatte. Untersuchungen der Brandstelle nach dem Brand zeigten Reste und Spuren mehrerer vorheriger Brände, die von alleine wieder erloschen waren, neben einer Ansammlung von Streichhölzern.

Der Brandschutz wurde verschärft. Holzverkleidungen von Rolltreppen abgebaut, Rauchmelder und Sprinkleranlagen ergänzt und erneuert. Das Schulungsprogramm für das Personal wurde überarbeitet wie das Brandmeldesystem. Das bereits existierende Rauchverbot fünf Tage nach dem Brand wesentlich verschärft, auf weitere Anlagen ("sämtliche inklusive der Rolltreppen") und Anlagenteile ausgedehnt und Raucher mit empfindlichen Strafen belegt.

Hölzerne Rolltreppen und Rolltreppen mit Holzteilen wurden im U-Bahn-System nach und nach durch moderne Anlagen ohne Holz ersetzt. Einige dieser Rolltreppen fanden sich, auch wegen der notwendigen Bauarbeiten und deren Anzahl im recht großen U-Bahn-Netzwerk Londons allerdings noch geraume Zeit. Die Anlage in Wanstead konnte so erst 2003 stillgelegt werden und die in Marylebone ein Jahr später. 2013 wird lediglich für Greenford eine allerdings oberirdische Anlage aufgeführt.

Sechs Feuerwehrmänner erhielten Auszeichnungen, darunter Colin Townsley, dem posthum die George Medal verliehen wurde. Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an die Toten am Ort der Katastrophe gab es zum Zehnten und Zwanzigsten Jahrenstag. Am Bahnhof und in der nahegelegenen Kirche St. Pancras sind Gedenktafeln angebracht.

Bombenanschlag 2005[Bearbeiten]

Zwischen den Stationen King’s Cross St. Pancras und Russell Square explodierte am 7. Juli 2005 eine Bombe. In einer koordinierten Aktion zündeten mehrere Selbstmordattentäter Sprengsätze in ihren Rucksäcken. Weitere Bomben explodierten auf der Circle Line bei Aldgate und bei Edgware Road sowie in einem Bus am nahe gelegenen Tavistock Square. Alleine im Piccadilly-Zug starben 28 Menschen. Die Linie wurde am 8. Juli teilweise wiedereröffnet, der zentrale Abschnitt zwischen Hyde Park Corner und Arnos Grove jedoch erst am 4. August.

Im Hinblick auf die Eröffnung des im Bahnhof St. Pancras endenden Channel Tunnel Rail Link Ende 2007 wurde der gesamte Stationskomplex umgebaut und erweitert. Man vergrößerte die bestehende Schalterhalle, daneben entstehen zwei weitere Schalterhallen, ebenso wurde der Bahnhofskomplex behindertengerecht umgebaut.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: King’s Cross St. Pancras – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 2011 annual entries and exits (MS Excel; 200 kB), Transport for London
Vorherige Station Transport for London Nächste Station
Euston Square Circle Line Farringdon
Euston Square Hammersmith & City line flag box.png Farringdon
Euston Square Metropolitan line flag box.png Farringdon
Euston Northern line flag box.png Angel
Russell Square Piccadilly line flag box.png York Road
(geschlossen)
Highbury & Islington Victoria line flag box.png Euston

51.530277777778-0.12416666666667Koordinaten: 51° 31′ 49″ N, 0° 7′ 27″ W