Kizzuwatna

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder Abschnitt bedarf einer Überarbeitung. Näheres ist auf der Diskussionsseite angegeben. Hilf mit, ihn zu verbessern, und entferne anschließend diese Markierung.
Das Hethiterreich um 1300 v. Chr., man sieht das Kizzuwatna-Gebiet nordöstlich von Zypern
Lage von Kizzuwatna

Kizzuwatna (akkadisch Kizwatna, ägyptisch Qiduwadana) war ein Königreich im südöstlichen Anatolien ab etwa 1600 v. Chr., das im 14. Jahrhundert v. Chr. dem hethitischen Reich einverleibt wurde.

Lage[Bearbeiten]

Die Lage von Kizzuwatna war lange umstritten, es entspricht in etwa dem später so genannten Kilikien. Aus dem Vertrag zwischen Šuppiluliuma I. und Sunaššuraš, der die Grenze zwischen Hatti und Kizzuwatna festlegt, geht hervor, dass das Land an der Küste des Meeres lag. Man war sich außerdem einig, dass die Hauptstadt Kummani mit dem späteren griechischen Kommana identisch war. Es gibt allerdings zwei Kommanae – beides religiöse Zentren, Kommana Pontika am Fluss Iris (Yeşilırmak) und Kommana in Kappadokien (Cataoniae) am Saros (Şar), und es ist unklar, welches von beiden das ältere ist. Strabo behauptet, Kommana Pontika sei eine Kolonie von Kommana in Kappadokien, während nach Prokopios von Caesarea (Bellum Persicum, I 17) beide Städte durch Orestes auf dem Rückweg von Tauris auf der Krim gegründet wurden und Kommana Pontika so die ältere Stadt ist.

Hugo Winkler lokalisierte Kizzuwatna im nördlichen Anatolien, Albrecht Goetze, lokalisierte es im Anti-Taurus, nordöstlich von Kilikien und nördlich von Aleppo, Sidney Smith, Fritz Schachermeyr, F. Sommer, Arthur Ungnad und Emil Forrer in Kilikien, was inzwischen weitgehend angenommen wird.

Der Fluss Samri (Saros/Seyhan) war die Grenze zwischen Hatti und Kizzuwatna. Jenseits (westlich?) dessen lag Atanya. Auch die heutige Çukurova war wohl Teil von Kizzuwatna. Der südliche Nachbar war demnach Adanyia, im Südosten grenzte es an Hanigalbat, im Osten an Ḫalpa (Aleppo), im Westen lag Tarhuntassa und im Nordosten grenzte es an Mittani. Die Grenzen dürften sich aber im Laufe der Zeit beträchtlich verschoben haben.

In der Literatur findet sich oft die Gleichsetzung von Kizzuwatna mit Kilikien, hier ist aber die Trennung zwischen dem rauhen und dem ebenen Kilikien zu beachten. Außerdem wurde wechselweise der östliche Taurus und der Antitaurus/Amanos zu diesem Landstrich gerechnet, Gegenden, die sich historisch gesehen selten unter derselben Herrschaft befanden und geopolitisch sehr verschiedenen Vorgaben unterstehen.

Bewohner und Sprache[Bearbeiten]

Die meisten der wenigen bekannten Personennamen sind hurritisch. Daneben sind auch luwische und amurritische Namen überliefert, wie der des Priesters Ammi-Ḫatna. Auch der Name des Königs Palliyaš ist hurritisch. Auch der Name des Landes, Kizzuwatna und der Hauptstadt Kummani sind nach Goetze hurritisch. Die Namen der Könige Paddatišu, Pariyawatri und Šunaššura sind angeblich Indo-arisch.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Vorherrschaft über Kizzuwatna wechselte zwischen Hanigalbat und den Hethitern. Teilweise konnte Kizzuwatna als Pufferstaat zwischen Ḫatti und Ḫalpa bzw. zwischen den beiden Großmächten Ḫatti und Ḫanilgabat weitgehend unabhängig agieren und erlangte so die Kontrolle über Atanjia und Teile des oberen Ḫabur-Gebietes. Mit dem Wiedererstarken der hethitischen Macht im mittleren Reich versuchte bereits Arnuwanda I. (1440–1420), wieder eine Kontrolle über das Ḫabur-Gebiet herzustellen. Wann Urušša unter hethitische Herrschaft kam, ist unklar, es wurde erst unter Tudhalija II. (1450–1420) an Kizzuwatna abgetreten. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war Kizzuwatna Teil des hethitischen Reiches, kam ca. 1450 aber unter Sauštatar an Hanigalbat. So entschied dessen König Sauštatar in einem Rechtsstreit zwischen dem König Šunaššura I. von Kizzuwatna und Niqmepa von Alalach.

Aus der Zeit des sog. „mittleren Reiches“ ist ein hethitischer Vasallenvertrag mit Šunaššura II. von Kizzuwatna überliefert, der Kizzuwatna beträchtliche Freiheiten einräumt. Wie Arzawa und Mitanni wird Kizzuwatna als kuirwanaš-Land bezeichnet, was Goetze mit „Protektorat“ übersetzt. Teile von Kizzuwatna blieben aber vielleicht unabhängig. Es schien den Hethitern vor allem darauf anzukommen, Kizzuwatna auf ihre Seite zu ziehen und so einen Puffer gegen Hanigalbat zu schaffen.

Der Vasallenvertrag mit Kizzuwatna wurde unter Tudhalijaš III. (1400–1380) erneuert. Unter diesem Herrscher wurde auch die „Göttin der Nacht“ von Kizzuwatna nach Šamuḫa in Ḫatti gebracht, was auf einen beträchtlichen Machtzuwachs der Hethiter deutet – oder eine Bedrohung der Grenzen: Šamuḫa scheint schließlich an Hanigalbat verloren gegangen zu sein. Die Vasallenverträge von Šuppiluliuma I. (1380–1340) machten Kizzuwatna de facto zum Teil der hethitischen Einflusssphäre. Šuppiluliumaš erhob seinen Sohn Telepinuš zum Hohepriester in Kummani und später zum König von Ḫalpa. Unter Muršili II. (1339–1306), dem Sohn von Šuppiluliuma rebellierte Kizzuwatna, wie auch Mitanni und Arzawa – unter Missachtung der Eide, die sie geschworen hatten, unter Beleidigung der Götter und ihrer Tempel, die aufgerufen werden, gegen die Gotteslästerer einzugreifen – gegen Ḫatti. Es gibt keinen Beleg für die Wiedereroberung Kizzuwatnas, aber in seinem neunten Regierungsjahr suchte Mursiliš den Tempel in Kumanni auf, und zelebrierte dort die Rituale, die auszuführen bereits sein Vater gelobt hatte. Unter König Muwattalli II. (1306–1282 v. Chr.) war Kizzuwatna definitiv unter hethitischer Kontrolle.

In assyrischer Zeit waren größere Landschaftsteile als Qu'e bekannt. Das klassische Qu'e erstreckte sich jedoch über die Landesgrenzen des ehemaligen Kizzuwatnas hinaus nach Westen. Es wurde durch Salmanassar III. erobert.

Liste der Könige von Kizzuwatna[Bearbeiten]

Die Chronologie der Könige von Kizzuwatna ist nicht völlig geklärt, da sie oft an Synchronismen mit den ebenfalls schlecht belegten hethitischen Königen des mittleren Reiches hängt[2]

  • Parijawatri (vermutlich kein eigenständiger Herrscher)
  • Großkönig Ischputaschu/Išputaššu, Sohn des Parijawatri – gleichzeitig mit Telipinu von Hatti (ca. 1500 v. Chr.), 1560–1535 v. Chr.
  • Paddatisu, 1535–1515 v. Chr.
  • Eheja, gleichzeitig mit hethitischem König Taḫurwaili, der nicht in den Königslisten auftaucht (vermutlich zwischen Hantili II. und Zidanta II. anzusetzen), 1515–1500 v. Chr.
  • Pillija – gleichzeitig mit Idrimi von Alalach, Barattarna, Thutmosis III.. Vermutlich Nachfolger von Eheja, schließt Vertrag mit Zidanta II., dem Erben von Hantili II. Er nennt sich LUGAL.GAL, unterstellt sich dem hurritischen König. Vermutlich 1500–1475 v. Chr.
  • Schunaschschura/Šunaššura I., Zeitgenosse von Šuppiluliuma I. und Šauštatar, 1475–1450 v. Chr.
  • Talzuš, Sohn von Šunaššura, ca. 1425 v. Chr.
  • Schunaschschura/Šunaššura II. – gleichzeitig mit Tudhalija II. von Hatti, ca. 1400 v. Chr.
  • Kantuzilli (SANGA)
  • Telepinu, ca. 1340 v. Chr.

Religion[Bearbeiten]

Die meisten Götter von Kizzuwatna entstammen dem hurritischen Pantheon. Teššup/DU-up URUKum-mi-niwe+e, Sohn Kummarbis, war der Wettergott, der manchmal auch als König von Kummanna bezeichnet wird. Hepat, war seine Gemahlin und Šarruma ihr Sohn. Des Weiteren gab es Išḫara und* Nikkal, Nikkal URUPišanuhiš, die Nikkal des Berges Gallisštapa waren, Šawuška, Muwatalliš (DNir.GÁL) und Muwanuš, in dessen Namen Steinsäulen errichtet wurden, sowie Šimegi (dUTU). Ein Feuergott (DGIBIL) unbekannten Namens und der Wettergott von Manuzzija, der Wettergott von Hulašša.

In Lawazantija wurde eine Trias von Teššup, Hepat und Šawuška verehrt. Hethitische Texte erwähnen ausdrücklich einen DINGIRTeššup URUKumminiwe, also den Gott Teššup von Kummana, einen Teššup vom Berg Gallištapa, einen Wettergott vom Berg Manuzzija, eine Hepat von Kummana und eine Hepat von Šinapši, außerdem die Götter der Berge und der Flüsse von Kizzuwatna und die Götter von Kizzuwatna.

Städte[Bearbeiten]

Die Hauptstadt Kummani/Kummanna/URUKummiana, ist vielleicht identisch mit dem griechischen Komana (Kappadokien). Erwähnt werden außerdem Aranaš, Erimma und Lawazantiya, das vermutlich unweit von Kummani im Anti-Taurus lag und möglicherweise identisch mit dem Luhuz(z)antiya der kappadokischen Tafeln (Elbistan?) ist. Weitere Städte waren Luwanna, Neriša, Pitura, Tarša (Tarsos?), Terušša, Uriga, Urušša (ALur-šu), das in dem Šuppiluliuma I.–Sunaššuraš-Vertrag an Kizzuwatna abgetreten wurde (Urrus, Orossos, Arsūz?), Zazlippa (das vielleicht identisch mit Zizzilippa ist) und Zinziluwa. Daneben werden auch der Fluss Bu/Puruna und der Berg Ubarbašša (Up-pár-pa-aš), der vielleicht der Binboğa Dağ ist[3], erwähnt.

Quellen[Bearbeiten]

  • Vertrag zwischen Telepinuš von Hatti und Išputahšuš, auf hethitisch (Keilschrifturkunden aus Boghazköi = KUB XXXI 81, Keilschrifttexte aus Boğazköy = Kbo XIX 36 u. 37) und akkadisch (KUB IV 76 und KUB XXX82), wird auch in einem Katalog erwähnt, KUB XXX42
  • Išmirika-Vertrag
  • Vertrag zwischen Paddatisu von Kizzuwatna und einem unbekannten hethitischen König (KUB XXXIV + KoBXXVIII 105a+b), vermutlich mit Alluwamma oder Hantili II.
  • Vertrag zwischen Šuppiluliumaš und Sunaššuraš, welcher die Grenze zwischen Hatti und Kizzuwatna festlegt (akkadisch - hethitisch).

Literatur[Bearbeiten]

  • Albrecht Goetze: Kizzuwatna and the Problem of Hittite Geography (= Yale Oriental Series. Researches 22, ZDB-ID 1055415-4). Yale University Press u. a., New Haven CT 1940 (Neuauflage. Ams Press, New York NY 1980, ISBN 0-404-60322-X).
  • James G. Macqueen: The Hittites and their contemporaries in Asia Minor (= Ancient Peoples and Places. Bd. 83, ZDB-ID 418077-x). Thames and Hudson, London 1975.
  • Jacques Freu: Luwiya, Géographie historique des provinces méridionales de l'empire hittite: Kizzuwatna, Arzawa, Lukka, Milawatta. In: Centre de recherches comparatives sur les langues de la Méditerranée ancienne. Document. Bd. 6, Nr. 2, 1980, ZDB-ID 2028669-7, S. 177–352.
  • Hans Martin Kümmel: Kizzuwatna. In: Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 5: Ia... – Kizzuwatna. de Gruyter, Berlin u. a. 1980, ISBN 3-11-007192-4, S. 627–631.
  • Paolo Desideri, Anna Margherita Jasink: Cilicia. Dall'età di Kizzuwatna alla conquista macedone (= Università degli Studi di Torino, Fondo di Studi Parini-Chirio. Storia. Bd. 1). Le Lettere, Torino 1990, ISBN 88-7166-012-9.
  • Jacques Freu: De l'indépendance à l'annexion: le Kizzuwatna et le Hatti aux XVIe et XVe siècles avant notre ère. In: Éric Jean, Ali M. Dinçol, Serra Durugönül (Hrsg.): La Cilicie. Espaces et pouvoirs locaux (2e millénaire av. J.-C. – 4e siècle ap. J.-C.). = Kilikia. Mekânlar ve yerel Güçler (M.Ö. 2. binyıl – M.S. 4. Yüzyıl) (= Varia Anatolica. Bd. 13). Institut français d'études anatoliennes d'Istanbul u. a., Beyoglu-Istanbul u. a. 2001, ISBN 2-906053-64-3, S. 13–36.
  • Rita Strauss: Reinigungrituale aus Kizzuwatna. Ein Betrag zur Erforschung hethitisher Ritualtradition und Kulturgeschichte. de Gruyter, Berlin u. a. 2006, ISBN 3-11-017975-X (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 2003: Hethitische Techniken der Katharsis am Beispiel der Rituale aus Kizzuwatna.).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Aram Kosyan: An Aryan in Išuwa. In: Iran and the Caucasus. 10, 2006, S. 1–6. ISSN 1609-8498 doi:10.1163/157338406777979403
  2. Die folgende Aufzählung folgt weitgehend Jacques Freu.
  3. Albrecht Goetze: Kizzuwatna and the Problem of Hittite Geography. Yale University Press, New Haven 1940, S. 69.