Kloster Beinwil

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Kloster

Das Kloster Beinwil ist ein ehemaliges Benediktinerkloster in Beinwil im Kanton Solothurn in der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten]

Abtei Beinwil, 1757/1758

Es wurde um 1100[1] wahrscheinlich vom lokalen Adel gegründet. Eine Gründungsurkunde liegt aber nicht mehr vor. Nach Streitigkeiten über Gebietsansprüche der Städte Solothurn und Basel an die Grafen von Thierstein, welche als Kastvögte des Klosters agierten, wurde das Kloster 1445 eingeäschert. Nachdem Beinwil 1519 an Solothurn gelangt war, übernahmen die Solothurner auch einen Grossteil des Klosterbesitzes als Pfand.

Während des 16. Jahrhunderts lebten nur noch wenige Mönche im Kloster, und die Betreuung wurde 1589 vom Kloster Einsiedeln, 1622 vom Kloster Rheinau übernommen. Da in der Abgeschiedenheit des Tals kein neuer Aufschwung des klösterlichen Lebens zu erreichen war, wurde die Verlegung des Klosters nach Kloster Mariastein vorbereitet, die 1648 ihren Abschluss fand. Von Mariastein aus wurde Ende des 17. Jahrhunderts das Kloster Beinwil mit einem barocken Neubau der Klosterkirche und der Konventsgebäude wieder ins Leben gerufen. Das Kloster wurde während des Kulturkampfes im Jahr 1874 per Volksentscheid aufgehoben.

Die dem heiligen Vinzenz von Saragossa geweihte Klosterkirche fiel 1978 einem Brand zum Opfer und wurde danach umfassend restauriert und mit einem in der Zeit um 1700 angefertigten Hochaltar aus Bellwald ausgestattet. Heute dient das Kloster Beinwil als ökumenische Begegnungsstätte und nimmt auch Gäste auf.

Äbte von Beinwil[Bearbeiten]

  • Esso, um 1100
  • Werner, 1147
  • Heinrich I., vor 1188
  • Gerungus, Geruncus, 1194–1207
  • Heinrich II., 1212–1236
  • Ulrich I., 1241?
  • Otto, 1246–1267
  • Ulrich II., 1278
    • (Peter Senftli/Senftelin, 1287 als »Schaffner und Pleger«)
  • Ulrich, 1293
  • Petrus, 1298–1217
  • Heinrich III., 1324–1338
  • Meyngos/Menozus, 1346-1351
  • Jakob, 1370–1388
  • Konrad, 1402–1406
  • Johannes Walrami/Walraff von Thierstein, 1410–1414
  • Heinrich Rotacker, 1415–1431
  • Johannes von Oettingen, 1431–1443
  • Johannes Streng, 1443–1462
  • Johannes Molitor/Müller, 1462–1485
  • Rudolf von Saal, 1485–um 1500
  • Johannes Kerckel/Körckel, 1503
  • Nikolaus Ziegler, 1503–1513
  • Ludwig Rapp, 1514–1527[2]
  • Konrad Wescher, 1527–1554/55 [3]

Administratoren von Beinwil[Bearbeiten]

  • Jodok/Jost Strähler/Strähl, 1555–1565
  • Urs Häni (Galliculus), 1565–1567
  • Ägidius Gilg, Bürgi, 1567–1573
  • Johann Schmid/Faber, 1573–1579
  • Urs Reinhard, 1579–1588
  • Johann Gruber, 1588–1589
  • Wolfgang Spieß, 1589–1614
  • Gregor Zehnder, 1614–1621
  • Maurus Hofmann, 1621–1622
  • Johann Frei, 1622
  • Urs Buri, 1622–1633

Gebäude[Bearbeiten]

Die Klostergebäude befindet sich auf eine Hügelsporn, der das Lüsseltal von Norden herkommend fast abriegelt. Das Kloster entstand in Etappen und wurde oft umgebaut und erweitert, wobei sich kein einheitlicher Baustil durchsetzen konnte.

Das Kloster wurde nach 1667 teilweise neuerbaut und auch minimal verlegt.[4] Das »Spiesshaus« wurde 1594 erbaut. Der Westflügel wird auf das Jahr 1628 datiert.

Der Verding (Vertrag) über den Neubau wurde 1667 mit dem Maurer Jakob Tässig und dem Zimmerman Sebastian Gubelmann geschlossen. Der Grundstein wurde 1668 gelegt. Ende 1669 konnte das neue Konventhaus bezogen werden (Ost- und Westflügel). Die Kirche und das Kloster wurden 1670 geweiht. Die Kirche mit ihren fünf Altären wurde dem Patronat des Heiligen Vinzenz von Valencia unterstellt. Die auf der gegenüberliegenden Strassenseite, der alten Passwangstrasse gelegene Klosterscheune, wurde 1692 erbaut. Der Kirchturm erst 1764 errichtet, bis dahin war die Glocke in einem Dachreiter über dem Torbogen untergebracht. Der Kirchturm war anfänglich mit einem Spitzhelm gedeckt, erhielt 1842 einen Helm in der heutigen Form. Der nördliche Kreuzganggarten war von einem offenen Wandelgang begrenzt, der 1884 abgebrochen wurde.

Die St.-Johannes-Kapelle, nordöstlich des Klosters neben der Scheune, wurde 1695 erbaut.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gottlieb Loertscher: Die Bezirke Thal, Thierstein und Dorneck (= Die Kunstdenkmäler des Kanton Solothurn. Band 3). Birkhäuser, Basel 1957, S. 150–172.
  • Hans-Jörg Gilomen (Red.): Die Cluniazenser in der Schweiz (= Helvetia Sacra. Abt. 3, Teil 2). Helbing & Lichtenhahn, Basel/Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-7190-1141-0, S. 384–421.
  • P. Mauritius Fürst, OSB, Mariastein: Die Wiedererrichtung der Abtei Beinwil und ihre Verlegung nach Mariastein. (1622-1648), 1964, 262 Seiten.

Lukas Schenker: "Exil und Rückkehr des Mariasteiner Konventes, 1874 - 1981", 1998.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das angebliche Gründungsjahr 1085 ist nicht gesichert, wird aber genannt in den Annales Hirsaugiae des Johannes Trithemius von 1690. Gleiche Jahreszahl auch in Merckleins Appendix zum Chronikon Alsatiae (17. Jahrh.) und im Professbuch von Acklin (1723-1732)
  2. Gemäss Gottlieb Loertscher (Die Kunstdenkmäler des Kanton Solothurn: Die Bezirke Thal, Thierstein und Dorneck), letzter gewählter Abt
  3. Wurde gemäss Gottlieb Loertscher (Die Kunstdenkmäler des Kanton Solothurn: Die Bezirke Thal, Thierstein und Dorneck), nicht mehr gewählt
  4. Die neuen Gebäude wurden auf den Freiflächen um das Kloster gebaut, mit teilweiser Überbauung abgetragener Gebäude

47.3621777777787.5871222222222Koordinaten: 47° 21′ 43,8″ N, 7° 35′ 13,6″ O; CH1903: 611218 / 245714