Kohlenstoffmonoxidintoxikation

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Klassifikation nach ICD-10
T58 Toxische Wirkung von Kohlenmonoxid
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
U-Rohr-Manometer zur Überwachung des Überdrucks einer Atemluftzufuhr

Die Kohlenstoffmonoxidintoxikation (chemisch nach IUPAC korrekter Sprachgebrauch; im medizinischen Sprachgebrauch Kohlenmonoxidintoxikation; alternative Bezeichnungen CO-Vergiftung, CO-Intoxikation oder Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung; englische Bezeichnung carbon monoxide poisoning, CO poisoning oder carbon monoxide intoxication) beschreibt eine Erkrankung, welche durch die Einwirkung des zumeist gasförmigen Giftes Kohlenstoffmonoxid (CO) auf Menschen verursacht wird. Sie kann innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen.

Problematik[Bearbeiten]

Die Fähigkeit des Kohlenstoffmonoxids, starke Komplexverbindungen mit hämhaltigen Enzymen wie beispielsweise dem Hämoglobin und der Cytochrom c Oxidase einzugehen, verursacht einen bisweilen tödlichen Sauerstoffmangel.[1][2] Die Bindung des Kohlenstoffmonoxids ans Hämoglobin ist wesentlich stärker als jene des Sauerstoffs, womit die betroffenen roten Blutkörperchen nicht mehr für Sauerstofftransport zur Verfügung stehen und der Tod durch Ersticken droht. Die Schwere der Vergiftung wird neben der Konzentration beziehungsweise Menge von Kohlenstoffmonoxid auch durch die Eigenschaften der Betroffenen bestimmt: Kranke, insbesondere herzkranke Menschen wie auch ungeborene Kinder weisen eine höhere Empfindlichkeit gegenüber Kohlenstoffmonoxid auf als gesunde Erwachsene.[3] Neben der akuten Vergiftung können auch schwerwiegende neurologische Spätschäden auftreten.[4][5][6][7]

Die sogenannte chronische CO-Vergiftung besteht aus Summationseffekten der Symptome mehrerer aufeinanderfolgender Intoxikationen, die für sich allein nicht zum Tode führen. Eine Speicherung nennenswerter Gasmengen im Blut oder Gewebe findet nicht statt, da die Ausscheidung der notwendigerweise geringen Mengen von Kohlenstoffmonoxid schneller ist.[8]

Ursachen[Bearbeiten]

Die Kohlenstoffmonoxidvergiftung ist eine häufige Art einer Rauchgasvergiftung oder Minenkrankheit (Einatmung giftiger Gase im Bergbau).

Das früher in den Haushalten zur Beleuchtung, zum Kochen und zum Heizen verwendete Stadtgas enthielt ebenfalls Kohlenmonoxid und war daher für zahlreiche Todesfälle verantwortlich. Charles Norris, der oberste Gerichtsmediziner von New York City, zählte alleine im Jahr 1925 618 tödliche Unfälle durch unbeabsichtigte Kohlenmonoxidvergiftung, dazu 388 Selbstmorde und drei Morde.[9]

Behandlung[Bearbeiten]

Für die Behandlung kommt es darauf an, die Retter zu schützen, die Einwirkung des Kohlenstoffmonoxid sofort zu beenden und den Vergifteten mit Sauerstoff zu beatmen. Dadurch kann, insbesondere bei hohem Druck, der Anteil des im Blut direkt gelösten Sauerstoffs zwecks Notversorgung der lebenswichtigen Organe erhöht werden. Zur Behandlung unter erhöhtem Druck ist eine Dekompressionskammer erforderlich.

Rauchen[Bearbeiten]

Erst in jüngerer Zeit ist auf die Gefährlichkeit von CO im Tabakrauch nachdrücklich hingewiesen worden, u. a. durch entsprechende Warnhinweise zum Kohlenstoffmonoxidgehalt im Rauch von Zigaretten. Beim regelmäßigen Rauchen kommt es zu einer leichten, permanenten, aber reversiblen Intoxikation des Körpers mit Kohlenstoffmonoxid. Auch diese hat objektiv messbare Folgen.[10] Große Kohlenstoffmonoxidmengen nehmen Wasserpfeifenraucher auf, das CO stammt aus der Verbrennung der Wasserpfeifenkohle (siehe auch Shisha).

Sonstiges[Bearbeiten]

Ein berühmtes Opfer einer Kohlenstoffmonoxidvergiftung wurde im September 1902 Émile Zola. 50 Jahre später wurde berichtet, dass ein Schornsteinfeger, der Mitglied der nationalistischen Ligue des Patriotes war, einem Gleichgesinnten gegenüber angegeben habe, den Kamin verstopft zu haben.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Collman J et al: Nature of O2 and CO Binding to Metalloporphyrins and Heme Proteins, 1976
  2. Bruce EN et al. A multicompartment model of CO-Hb and CO-Mb responses to inhalation of CO. In: J Appl Physiol 2003;95:1235-1247
  3. World Health Organization (WHO), Environmental Health Criteria 213. Carbon Monoxide (Second Edition), 2242 IPCS. 1999.
  4. Gillespie ND et al. Severe parkinsonism secondary to carbon monoxide poisoning. J R Soc Med 1999; 92(10):529-530.
  5. Gallerani M et al. Parkinsonian syndrome after acute carbon monoxide poisoning. Am J Emerg Med 2000; 18(7):833-834.
  6. Min SK. A brain syndrome associated with delayed neuropsychiatric sequelae following acute CO intoxication. Acta Psychiatr Scand 1986; 73(1):80.
  7. Ginsberg MD et al. Fetal brain injury after maternal carbon monoxide intoxication. Clinical and neuropathologic aspects. Neurology 1976; 26(1):15-23.
  8. http://toxcenter.org/stoff-infos/k/kohlenmonoxid.pdf
  9. Deborah Blum: The Poisoner's Handbook: Murder and the Birth of Forensic Medicine in Jazz Age New York, Penguin Press, 2010
  10. http://www.umad.de/infos/wirkungen/kohlenmonoxid.htm
  11. fr:Mort d'Émile Zola#L'affaire Hacquin