Konstantine Gamsachurdia

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Dieser Artikel behandelt den Schriftsteller Konstantine Gamsachurdia. Für den gleichnamigen Politiker, siehe Konstantine Gamsachurdia (Politiker).

Konstantine Gamsachurdia (georgisch კონსტანტინე გამსახურდია; * 3. Mai 1893 in Abascha, Mingrelien; † 17. Juli 1975) war ein georgischer Schriftsteller. Er gilt als Klassiker der georgischen Literatur des 20. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten]

Haus Gamsachurdias in Tiflis 1987

Er wurde als Sohn des adeligen Gutsbesitzers Simon Gamsachurdia geboren, hatte zwei ältere Brüder, Viktor und Alexander. 1911 legte er das Abitur am Georgischen Gymnasium in Kutaissi ab. Von 1912 bis 1918 studierte er in Deutschland. Zunächst an der Königsberger Albertina, dann an der Universität Leipzig und schließlich an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, wo er auch promovierte. Vorübergehend lebte er als Übersetzer in München, hatte Kontakt zum Kreis um Thomas Mann.

1918 rückte er in den Vorstand der Gründungsgesellschaft der Staatlichen Universität Tiflis auf. Von 1920 bis 1924 war Gamsachurdia dort außerordentlicher Professor für deutsche Literatur, gründete die Zeitschrift Prometheus.

1918 und 1919 war er Erster Sekretär an der Botschaft der Demokratischen Republik Georgien in Berlin, 1920 Gesandter Georgiens in Italien. Nach der Besetzung Georgiens durch Sowjetrussland 1921, schloss sich Gamsachurdia der georgischen Befreiungsbewegung an, war bis 1930 einer ihrer Wortführer. 1923 lebte er ein Jahr in Paris. 1924 und 1925 sowie 1926 bis 1928 wurde er von der sowjetischen Geheimpolizei GPU inhaftiert.

Er war verheiratet, hatte einen Sohn Swiad (1939–1993) und eine Tochter (Tamara) Der Sohn war von Mai 1991 bis Januar 1992 der erste Präsident Georgiens.

Leistungen[Bearbeiten]

Gamsachurdia verfasste Romane und Erzählungen, die immer wieder von Konflikten zwischen politischer Macht, Individuum und georgischen Tugenden (Kartweloba) berichten. Zu den bekanntesten zählen der Roman Die rechte Hand des großen Meisters (1939), der die Auseinandersetzung zwischen einem König und seinem Kathedralen-Baumeister im 11. Jahrhundert schildert, und die Tetralogie David der Erbauer (1942-1961), in dem es um die reformerischen Leistungen des gleichnamigen Königs im 12. Jahrhundert geht. Die Gegenwartsromane Das Lächeln des Dionysos, Entführung des Mondes und Rebenblüte beschäftigen sich mit dem Schicksal von Emigranten, die vor den Bolschewiki nach Westeuropa flohen.

Gamsachurdia wurde Begründer einer georgischen Schule der Goethe-Forschung, übersetzte 1928 Goethes Die Leiden des jungen Werthers ins Georgische, schrieb einen Goetheroman. In Deutschland veröffentlichte Gamsachurdia vor dem Ersten Weltkrieg 30 Artikel.

Er wurde zum Mitglied der Georgischen Akademie der Wissenschaften berufen. 1965 erhielt er den georgischen Schota-Rustaweli-Staatspreis für Literatur.

Werke[Bearbeiten]

  • Die rechte Hand des grossen Meisters. Historischer Roman. Kultur und Fortschritt, Berlin 1969
  • L’enlèvement de la Lune. Les Editeurs Français réunies, 1957
  • Dionisos gimili. Romani. Gamomcemloba Sakartvelo-3, Tbilisi 2003, ISBN 99928-9523-3
  • Rceuli txzulebani rvatomeuli. Sabcota Sakartvelo, Tbilisi 1958
  • Goetes cxovrebis romani. Nakaduli, Tbilisi 1969
  • Didostatis marjvena. rainduli romani. Ganatleba, Tbilisi 1972
  • Desnica velikogo mastera. roman; novelli. Merani, Tbilisi 1972
  • Mtvaris motaceba. Merani, Tbilisi 1990
  • Adrekristianuli kartlis kulturulu mozaika, Pitagora, Tbilisi 1995

Literatur[Bearbeiten]

  • Gertrud Pätsch: Konstantine Gamssachurdia 1893-1975. Wissenschaftliche Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe, 26, 1, 1977, S. 117 - 126
  • Steffi Jünger-Awakow: Konstantine Gamsachurdia und die Romane seiner ersten Schaffensperiode 1912 - 1935. Diss. phil. Humboldt-Universität, Gesellschaftswiss. Fak., 1979
    • Steffi Chotiwari-Jünger: Konstantine Gamsachurdia. Ein bekannter georgischer Schriftsteller - einst Student der Berliner Universität. in: Beiträge zur Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, Nr. 6, Berlin 1982, S. 58 - 88.
    • Steffi Chotiwari-Jünger: Der Weg Konstantine Gamsachurdias zum künstlerischen "Chronisten des geeinten Königreichs Georgien". In Zeitschrift Georgica. Bd. 11, 1988, S. 45-49
    • Steffi Chotiwari-Jünger: Die Entwicklung des georgischen historischen Romans. Micheil Dshawachischwili, Konstantine Gamsachurdia, Grigol Abaschidse, Tschabua Amiredshibi und Otar Tschiladse. Peter Lang, Frankfurt 1993, ISBN 3-631-45691-3
    • dies.: Studenten aus Georgien an der Berliner Universität bis 1945, in Fremde Erfahrungen. Asiaten und Afrikaner in Deutschland, Österreich und in der Schweiz bis 1945. Hg. Gerhard Höpp. Reihe Studien des Zentrums Moderner Orient, ZMO, 4. Das arabische Buch, Berlin 1996 ISBN 3860931113 S. 401 - 418; zu K. G. S. 407ff.
  • Soso Sigua: Mif i logika: struktura prozy Konstantine Gamsakhurdia. Merani, Tbilisi 1984
  • Mirian Abuladze: Konstantine Gamsaxurdia. Mecniereba, Tbilisi 1976
  • Lado Čania: Konstantine Gamsaxurdias erovnul-politikuri mrcamsi. Bedia, Tbilisi 1997

Weblinks[Bearbeiten]