Gertrud Pätsch

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Gertrud Pätsch (* 22. Januar 1910 in Einbeck als Gertrud Kettler; † 14. Dezember 1994 in Jena) war eine deutsche Ethnologin und Philologin, die sich im Besonderen auf dem Gebiet der Kartwelologie verdient gemacht hat.

Leben[Bearbeiten]

Im Jahre 1937 promovierte sie an der Universität Münster bei Ferdinand Hestermann mit der Dissertation über Das Verbum Finitum in der altgeorgischen Übersetzung des Markus-Evangeliums. Nach dem Krieg habilitierte sie sich an der Humboldt-Universität zu Berlin über Indonesistik, war dort Direktorin der Völkerkunde und lehrte Kaukasiologie sowie allgemeine Sprachwissenschaft[1].

1960 folgte sie der Berufung nach Jena an die Friedrich-Schiller-Universität, ein Jahr darauf erwirkte sie die Umbenennung des Institutes für allgemeine Sprach- und Kulturwissenschaften zu Ehren ihres Mentors Hestermann. Nach ihrer Emeritierung 1970[2] dozierte sie zwei Jahre lang als Gast an der Staatlichen Universität zu Tiflis. Gegen Ende ihres Lebens widmete sie sich der Übertragung des mittelalterlichen Versepos Der Recke im Tigerfell von Schota Rustaweli aus dem Altgeorgischen.

Pätsch engagierte sich für den Kulturverkehr zwischen Georgien und der DDR. Sie begründete die Universitätspartnerschaft zwischen Jena und Tiflis. Auf einem größeren Anwesen, welches sie in der Nähe Jenas bewohnte, ließ sie eigens für den vielen Besuch aus Georgien, darunter etwa Konstantine Gamsachurdia, dessen Werke sie übersetzte, ein Gästehaus errichten. Auf einer Stufe der Treppe zu ihrer Villa standen eingraviert die Buchstaben des georgischen Alphabets.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Zur marxistisch-leninistischen Lehre von der Sprache. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1952.
  • Fernunterricht der Parteihochschule „Karl Marx“ der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. 1953.
  • Grundfragen der Sprachtheorie. VEB Niemeyer, Halle (Saale) 1955.
  • Die sozialen Ursprünge des Christentums. Progress, Darmstadt 1963, auch Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1963.
  • Die rechte Hand des grossen Meisters. Historischer Roman. Verlag Kultur und Fortschritt VEB, 1969.
  • Sprache und Gesellschaft. Friedrich-Schiller-Universität, Jena 1970.
  • Übersetzt und herausgegeben: Das Leben Kartlis: Eine Chronik aus Georgien 300–1200. Dietrich, Leipzig 1985.

Aufsätze[Bearbeiten]

Beiträge in der Wissenschaftlichen Zeitschrift der Friedrich-Schiller-Universität Jena (gesellschafts- und sprachwissenschaftliche Reihe):

  • Der Lowalangi-Hymnus und die Hochgott-Idee; 12(1963)Sonderheft, 75-83.
  • Internationalismen in der modernen georgischen Sprache; 13(1964)1, 111–117.
  • Die Tradition der austrischen Sprachvergleichung und G. Kahlos indonesisch-polynesisches Silbenwörterbuch; 14(1965)3, 489–498.
  • Warum sprachwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft?; 16(1967)5, 551–554.
  • Der semantische Bereich „Arbeit-Produktion“ im Georgischen; 16(1967)5, 637–642.
  • Sprachwissenschaft und historischer Materialismus zum 150. Geburtstag von Friedrich Engels; 19(1970)3, 425–442.
  • mit Gottfried Meinhold: Einige Signaleigenschaften georgischer Medien an Hand oszillographischer Registrierungen; 22(1973)3, 419–426.
  • Washa Pschawela und der Realismus; 22(1973)3, 469–475.
  • mit Gottfried Meinhold: Einige Signaleigenschaften der abruptiven Laute im Georgischen; 24(1975)5/6, 649–656.
  • Zur Historizität der Vita Ninos; 24(1975)5/6, 559–571.
  • Konstantine Gamsachurdia 1893–1975; 26(1977)1, 117–126.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gottfried Meinhold: Gertrud Pätsch. Nachruf. In: Asien, Afrika, Lateinamerika. Bd. 23 (1995), S. 297–299.
  • Michael Eckardt: Kaukasiologische Beiträge in der "Wissenschaftlichen Zeitschrift" der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1965-1990. In: Amirani-Journal of the International Caucasological Research Institute 7(2006)14/15, 141-146.
  • Michael Eckardt: Gesamtbibliographie der „Wissenschaftlichen Zeitschrift“ der Friedrich-Schiller Universität Jena (GS-Reihe) 1951–1990. Jena 2006, ISBN 3-935850-39-5.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Dieter Kubitschek: Das Südostasien-Institut an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zur Geschichte der Südostasienwissenschaften. Berlin 1996, S. 23 (Digitalisat).
  2. Steffi Macher: Die Geschichte der Kaukasiologie an der FSU Jena, Website der Universität Heidelberg, abgerufen am 16. Mai 2013.