Korsakfell

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Korsakfuchswammen-Mantel (2008)

Das Korsakfell ist das Fell des Steppenfuchses, ehemals häufig auch Asiatisches oder Mongolisches Kitfuchsfell genannt. Die Heimat des auch als Korsakfuchs (gelegentlich auch Korsuk) oder Sandfuchs bezeichneten Fuchses sind die Steppengebiete Sibiriens und Zentralasiens vom Kaspischen Meer bis zur Mongolei, Mandschurei und Korea. Das Korsakfell sowie die daraus hergestellten Produkte waren vor allem historisch eine begehrte Handelsware.

Schon in frühgeschichtlichen Epochen wurde der Steppenfuchs bejagt. In späterer Zeit gaben Nomadenvölker ihre an die Mongolen abzuliefernden Tribute in Form von Korsakfellen ab.

Fell[Bearbeiten]

Tafeln aus Korsakfellen („Mongolische Kitfüchse“)

Das Korsakfell hat eine Kopfrumpflänge von nur 50 bis 60 cm, der dicht behaarte Schweif ist sehr viel kürzer als beim ähnlichen, größeren Rotfuchs; die Beine sind länger, die Ohren größer und die Grannenhaare weicher. Das Winterfell ist im Gesamtton blassgelb bis gelblich grau oder rötlich grau. Die Behaarung ist dicht; die Rückengrannen sind silbrig geringelt mit zimtbräunlichem Unterton, Kehle, Brust und Wammen sind gelblichweiß. Der Gesamteindruck erinnert an ein Kitfuchsfell.

Die Läufe sind vorn gelblich, an den Seiten rostbraungelblich, nach hinten zu blasser werdend. Der Kopf ist gräulich ockerfarben, die Stirn ist dunkler, die Augenpartie heller, Schnauze, Kehle und Halsunterseite sind weiß bis gelblich. Die Ohren sind hinten ockerfarben bis fuchsrötlich, mit weißem Rand. Der blassgelbe Schweif ist schwarz überschleiert, in der Höhe der Schwanzwurzel befindet sich ein schwarzer Fleck (Viole), die Schweifspitze ist dunkel bis schwarz. Die Unterwolle ist aschgrau, ebenso das Grannenhaar, nur hat es eine weiße Spitze. Die Felle männlicher Tiere sind nur unwesentlich größer als die von weiblichen.[1][2]

Der Haltbarkeitskoeffizient für das Kitfuchsfell wird mit 50 bis 60 Prozent angegeben.[Anmerkung 1][3]

Handel[Bearbeiten]

Die Bedeutung des Korsakfelles war einmal wesentlich größer als heute. In Kirgisien wurde beispielsweise beim Tauschhandel immer in „Korsakfell-Zahl“ umgerechnet, es stellte damit eine Art Geldersatz dar.

Der russische Handels-Standard unterscheidet:[1]
Herkommen: Petropawlowsky Semipalatinsky
Orenburger West-Kasachstaner
Astrachaner Mittel-Asiatische
Taschkener
Sorten: I vollhaarig
II weniger vollhaarig
III halbhaarig
unterteilt in: a) slightly damaged / leicht beschädigt
b) severely damaged / sehr beschädigt
c) unusable (rejects) / unbrauchbar (Ausschuss)

1904 schreibt Brass über die Korsakfelle: „Einen Handelsartikel bilden dieselben in Ostasien nicht, doch sollen von Transbaikalien aus Mengen auf den russischen Markt kommen.“[4]

Für den Winter 1923/24 berichtet er später von jährlich 135.700 Stück. Zu der Zeit wurde eine neue Färbemethode angewandt und es bestand eine große Nachfrage. Danach sind die Anlieferungen erheblich zurückgegangen, 1940 waren es nur noch 12.000 Felle. Auffallend sind zwei sehr unterschiedliche, willkürliche Jahresexportzahlen: Für die Saison 1925/26 waren es 71.629 Felle, für die darauffolgende Saison 1926/27 sind nur noch 22.836 Stück angegeben.[5]

Wegen des durch Überbejagung und die Kulturnahme der Steppengebiete stark zurückgegangenen Bestands verhängte Kasachstan von 1928 bis 1938 für den Korsakfuchs eine absolute Jagdruhe. Es wurde verboten, die Baue zu zerstören, „um ihn in der Sowjetunion als Pelztier und „Antagonist“ im Haushalt der Natur „sinnvoll“ zu nutzen.“[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg lohnten sich die Einfuhren nicht mehr, weil die Mode langhaariges Fellwerk stark vernachlässigte, die Zeit des Persianers und später des Nerzfells war angebrochen.[2] Bis 1960 war das Gesamtaufkommen wieder auf 27.000 angestiegen. 1988 lagen keine neueren Zahlen vor. Zu der Zeit erfolgten die Anlieferungen meist aus der Mongolei und Korea, sie sind hauptsächlich als mongolische Kitfüchse im Handel.[1]

Die Rohfelle werden meist rund abgezogen, mit dem Haar nach innen, angeliefert.

Verarbeitung[Bearbeiten]

Jäckchen aus Korsakfuchswammen (2010)

Seit der weitgehend allgemeinen Einführung der Pelznähmaschine um 1900 (erfunden um 1870) ist es zu wirtschaftlichen Kosten möglich, durch das so genannte Auslassen Felle in der Form beliebig zu verändern. Hiermit können durch schmale V- bzw. A-förmige Schnitte auf Kosten der Breite auch Korsakfelle in jede gewünschte Länge, bis hin zum bodenlangen Abendmantel, gebracht werden.

Wie bei fast allen Fellarten werden auch die bei der Verarbeitung der Korsakfelle abfallenden Reste zu Tafeln zusammengesetzt und kommen als so genannte Bodies zur Weiterverarbeitung in den Großhandel. Der Hauptort für die Verwertung der in Europa anfallenden Pelzreste ist Kastoria in Griechenland sowie der in der Nähe liegende kleinere Ort Siatista. Die langen Pfoten und die weißen Wammen werden zu sehr attraktiven Tafeln, hauptsächlich für Innenfutter, aber auch häufig für mit dem Haar nach außen gearbeitete Pelzbekleidung (siehe Fotos), zusammengesetzt. Die Schweife dienen als Anhänger für Schlüsselbunde, Taschen usw., bei entsprechender Mode auch als Boas.

Für die südlichen Herkommen Kasachstan, Turkestan und dem Kaukasus wird 1970 angegeben, dass diese flacheren und mehr rötlichen Felle meist nur in gefärbtem Zustand Verwendung finden.[6] Beliebte Färbungen waren blau und silberfuchsfarbig.[7]

Die Nutzung der Felle erfolgt vor allem für Großkonfektion, für Jacken und Mäntel sowie auch für Felldecken.

Statistik[Bearbeiten]

  • Die Welternte an Korsakfuchsfellen belief sich Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre auf 26.000 bis 50.000 Felle. Hiervon kamen über 50 Prozent aus der Mongolei, die kleinere Hälfte aus der UdSSR.[8]
Staatliches Korsakfell-Aufkommen der Mongolischen Volksrepublik von 1958 bis 1968[9]
1958 1959 1960 1961 1962 1963 1964 1965 1966 1967 1968
34.600 36.000 45.400 39.658 33.057 37.756 41.900 42.225 38.613 39.919 41.840
  • Das höchste bis 1965 ermittelte Fellaufkommen der Mongolischen Volksrepublik war im Jahr 1947 mit 62.926 Stück.[10]

Anmerkung[Bearbeiten]

  1. Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch die Pelzzurichtung und die Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden.

    Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Korsakfelle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bekleidung aus Korsakfellen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Fuchsfellverarbeitung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Christian Franke/Johanna Kroll: Jury Fränkel´s Rauchwaren-Handbuch 1988/89. 10. überarbeitete und ergänzte Neuauflage, Rifra-Verlag Murrhardt, S. 142
  2. a b c Dr. Heinrich Dathe, Dr. Paul Schöps, unter Mitarbeit von 11 Fachwissenschaftlern: Pelztieratlas. VEB Gustav Fischer Verlag Jena, 1986, S. 133–135
  3. Ebenfalls bei Franke/Kroll, Rauchwaren-Handbuch: Zur Haltbarkeit von Pelzwerk. S. 359
  4. Emil Brass: Nutzbare Tiere Ostasiens. Verlag J. Neumann, Neudamm 1904, S. 19
  5. Marxist’s Internet Archive, Primärquelle Soviet Union Information Bureau. Abgerufen 3. Februar 2012
  6. Dr. Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F. C. Mayer Verlag, München 1970, S. 203
  7. Friedrich Lorenz: Rauchwarenkunde, 4. Auflage. Verlag Volk und Wissen, Berlin 1958, S. 81
  8. F. F. Aliew: Pelztierbestände in freier Wildbahn. In: Das Pelzgewerbe 1971 Jg. XX Neue Folge Nr. 6, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin u. a., S. 11
  9. N. Dawaa, M. Nicht, G. Schünzel: Über die Pelztiere der Mongolischen Volksrepublik (MVR). In: Das Pelzgewerbe Neue Folge 1971 Heft 1 Jg. XXI, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Frankfurt/Main u. a., S. 12
  10. N. Dawaa, M. Nicht, G. Schünzel: Über die Pelztiere der Mongolischen Volksrepublik (MVR). Primärquelle Stubbe, 1965