Kraftwerk Frimmersdorf

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Kraftwerk Frimmersdorf
Kraftwerk Frimmersdorf in Grevenbroich
Kraftwerk Frimmersdorf in Grevenbroich
Lage
Kraftwerk Frimmersdorf (Nordrhein-Westfalen)
Kraftwerk Frimmersdorf
Koordinaten 51° 3′ 22,7″ N, 6° 34′ 37,3″ O51.0562936.577034Koordinaten: 51° 3′ 22,7″ N, 6° 34′ 37,3″ O
Land Deutschland
Daten
Brennstoff Braunkohle
Leistung ab 1989:
2.413 MWel brutto
2.136 MWel netto
seit 2013:
635 MWel brutto
562 MWel netto
Typ Kohlekraftwerk
Eigentümer RWE Power
Betreiber RWE Power
Projektbeginn 1952
Betriebsaufnahme 1955-1970 (Frimmersdorf 2)
Stilllegung 1988: 2 Blöcke (100 MW)
2005: 6 Blöcke (150 MW)
2012: 6 Blöcke (150 MW)
Turbine 2 x 100 MW
12 x 150 MW
2 x 300 MW
Kessel 4 für 100 MWel
12 für 150 MWel
2 für 300 MWel
Schornsteinhöhe 160/200 m
Eingespeiste Energie
pro Jahr
(1989-2004) 17.000 GWh
(2008-2011) 13.800 GWh

Das Kraftwerk Frimmersdorf in der Stadt Grevenbroich war eines der größten Braunkohlekraftwerke in Deutschland und Anfang der 1970er Jahre das größte der Welt. Es liegt unmittelbar am Tagebau Garzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier und verfügte ursprünglich über 16 Kraftwerksblöcke. Nicht nur die Anzahl der installierten Blöcke, auch die schiere Größe des Kraftwerkes ist gigantisch, allein die Front in Richtung der Energiestraße (L375) ist mit ca. 900 m sehr eindrucksvoll, das gesamte Werksgelände ist 1,5 km lang und 450 m breit. Die beiden Maschinenhallen gehören aneinandergereiht (ca. 650 m) nach dem Kernkraftwerk Greifswald zu den längsten der Welt. Auch die ursprünglich 36 Kühltürme stellten eine beindruckende Kulisse dar, die das Kraftwerk auf Luftbildern unverkennbar machen.

Aufgrund von Stilllegungen zwischen 1988, 2005 und 2012 sind inzwischen nur noch die beiden 300-MW-Blöcke am Netz, deren Stilllegung derzeit für 2018 vorgesehen ist.

Geschichte[Bearbeiten]

Kraftwerk Frimmersdorf I[Bearbeiten]

Gedenktafel für das erste in Frimmersdorf errichtete Kraftwerk

Das erste mit Braunkohle gefeuerte Kraftwerk in Frimmersdorf wurde 1926 mit einer Leistung von 10 Megawatt von der Niederrheinischen Braunkohlewerke AG in Rheydt errichtet.[1]

Dieses Kraftwerk stand etwa 1 km südwestlich des heutigen Kraftwerks (II) auf der Westseite der Erft (51° 2′ 47″ N, 6° 34′ 5″ O51.0464366.568097). Das Kraftwerk wurde über eine Kettenbahn aus der benachbarten Tagebaugrube Walter mit Kohle versorgt.[2]

1936 erfolgte die Übernahme des Kraftwerks durch die Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerke AG in Essen. Durch verschiedene bauliche Erweiterungen erfolgte eine Leistungssteigerung auf 26 Megawatt.

Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg konnte das Kraftwerk erst Ende 1946 wieder ans Netz gehen[1]. Mit der bloßen Wiederherstellung des Vorkriegszustands war es jedoch nicht getan, denn die junge Bundesrepublik verlangte nach sehr viel Strom. So wurde zunächst eine neue Vorschaltanlage mit einem Hochdruckdampfkessel mit 110 bar (500 °C Dampftemperatur) gebaut und über eine neue 30-MW-Turbine den vorhandenen Turbinen mit 14 bar (350 °C Dampftemperatur) vorgeschaltet. Durch diese Maßnahme und der Installation eines neuen Naturzug-Nasskühlturms konnte auch der Wirkungsgrad der Anlage angehoben werden. 1951 war dann nach weiteren Erneuerungen der Endausbau des Kraftwerks mit 90 MW abgeschlossen.

Ab 1954 wurde als Nachfolger von Frimmersdorf I das deutlich leistungsstärkere Kraftwerk Frimmersdorf II gebaut (siehe unten). Im Gegenzug wurde das Kraftwerk I 1964 endgültig abgeschaltet und bis Ende der 1960er-Jahre weitgehend abgerissen[1]. Nur einige Nebengebäude und die elektrische Schaltanlage blieben stehen; sie werden bis heute genutzt.[2]

Kraftwerk Frimmersdorf II[Bearbeiten]

Kraftwerk Frimmersdorf 1974
Kraftwerk Frimmersdorf Block A-D
Kraftwerk Frimmersdorf Block A-K
Kraftwerk Frimmersdorf Block L-Q
Kraftwerk Frimmersdorf Seitenansicht 300-MW-Block Q

Ab 1. April 1954 wurde mit dem Bau der beiden neuen 100 MW Blöcke begonnen. Die Blockbauweise entsprach dabei dem neusten Stand der Technik. Kessel, Turbine, Generator und die Rauchgasführung bildeten gemeinsam eine Einheit, somit hatte jeder Kraftwerksblock seine eigene Rauchgasreinigung und einen eigenen Kamin. Am 9. Juli 1955 ging Block A und am 26. August Block B ans Netz. In jedem Block waren der Dampfturbine 2 Dampfkessel mit einer Dampfleistung von je 200 t/h zugeordnet. Doch der wirtschaftliche Aufschwung in der BRD erforderte ein weitreichenderen Ausbau der Kraftwerkskapazität. Zusammen mit den Kraftwerken Weisweiler und dann Fortuna (später Kraftwerk Nierderaußem) wurde Frimmersdorf mit den, dem Stand der Technik angepassten, Blockanlagen in der Größe von je 150 MW nach und nach bis zunächst 1.200 MW erweitert. Bereits 1957 nahmen die Einheiten C und D mit jeweils nur noch einem Dampfkessel je Dampfturbine ihren Betrieb auf. 1959 folgten E und F mit den dazugehörigen Kühltürmen 7-13 und 1960 die Blöcke G, H und J mit den Kühltürmen 14-20 und einem Kompressorenhaus mit Wasserwarte.

Die ursprünglich projektierten 1.200 MW reichten jedoch nicht aus und es wurden bis 1962 weitere drei 150 MW Blöcke (K, L und M) mit 7 Kühltürmen zugebaut. Doch die wirtschaftliche Entwicklung auch in der näheren Umgebung der Braunkohlekraftwerke erlebte weitere Aufschwünge, z.B. durch das Erftwerk (Leichtmetallherstellung) oder der Maschinenfabrik Buckau R. Wolf AG, die aus Magdeburg übergesiedelt war. Bis 1964 folgten schließlich noch die Blöcke N und O mit den Kühltürmen 28-31 und das Kraftwerk besaß nun mit 14 Blöcken eine Leistung von 2.000 MW.

Weiter ging es nun mit innovativer Technik und einer neuen Größenordnung im Kraftwerkskesselbau. Zunächst als reine Monoblockanlage geplant, ging ab 1966 Block P mit 300 MW Leistung ans Netz. Erstmals in der Braunkohle kam ein Turmkessel mit einer Höhe von 108 Metern und einer Dampfleistung von 872 Tonnen pro Stunde mit übereinander liegenden Überhitzern zum Einsatz, so dass die Rauchgase nicht mehr wie früher quer oder U-Förmig geführt werden mussten, sondern thermisch günstig zunächst nur nach oben und nach der Abkühlung fallend geführt werden konnten - eine Auslegung die seitdem Standard bei Braunkohlekesseln ist.


Das Kraftwerk Frimmersdorf war bereits ab 1966 mit 15 Blöcken und 2.300 MW das größte Wärmekraftwerk der Erde aber es sollte noch eine Erweiterung stattfinden. Aus dem ursprünglichen Monoblock wurde ein Doppelblock mit weiteren 300 MW auf der Basis eines nochmals optimierten Turmkessels, der auch als Vorbild für die Blöcke A und B des Kraftwerks Neurath dienen sollte. Zur Inbetriebnahme hatte Block Q mit einer Dampfleistung von 972 Tonnen pro Stunde den größten Kessel der Welt mit ungeteiltem Brennraum. Gegenüber Block P der mit drei vergrößerten Ventilatorkühltürmen ausgestattet war, die von der Technik her den anderen 14 Blöcken entsprachen, wurde der neue Block nun mit einem 116 Metern hohen Naturzugnasskühlturm betrieben, der auch zum seinerzeit sehr hohen Wirkungsgrad von über 34 % beigetragen hat, genau wie der Einsatz einer dampfgetriebenen Turbospeisepumpe zur Verringerung des el. Eigenbedarfs. Wegen der optimierten Bauart ist der Kessel jedoch nicht so hoch wie sein Vorgänger und deshalb auch kostensparend in der Herstellung.

1970 war Frimmersdorf nun mit einer Leistung von 2.600 MW und 16 Blöcken endlich im Endausbau angelangt und hat darüber hinaus auch seinen eigenen Rekord um den Titel "größtes Wärmekraftwerk der Welt" nochmals überboten.[1] Aber nicht nur die Leistung, auch die elektrischen Wirkungsgrade des Kraftwerks hatten beständig zugenommen. Arbeiteten die 100-MW-Blöcke noch mit 25 bis 26 %, so brachten es die 150-MW-Einheiten bereits auf 30-32 % und die 300-MW-Blöcke auf 33-34 %. Zum Vergleich: Das alte Kraftwerk Frimmersdorf I hatte nur einen Wirkungsgrad von etwa 20 %.

In dieser Konfiguration versah das Kraftwerk über 15 Jahre lang im Wesentlichen unverändert seinen Dienst. Erst in den 1980er Jahren sollte sich durch die 13.Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz daran etwas ändern. 1988 erhielten deshalb alle 150- und 300-Megawatt-Blöcke eine Rauchgasentschwefelungsanlage, während die beiden 100-Megawatt-Blöcke am 30. Juni 1988 stillgelegt wurden.

Nach einem Großbrand im zentralen Leitstand war die Stromproduktion des Kraftwerk zwischen Juli und Oktober 2005 für rund drei Monate stark eingeschränkt[3][4][5]

Aufgrund eines Turbinenschadens am Block H wurde dieser 2005 abgeschaltet und diente fortan als "Ersatzteillager" für die anderen 150-MW-Blöcke. Zudem wurden die drei 150-Megawatt-Blöcke C, D und G zunächst in die Kaltreserve überführt[6] und im November 2011 endgültig stillgelegt.[7] Die Blöcke J und K wurden im März 2012 stillgelegt.[8]

Die Abschaltung der restlichen 150-Megawatt-Blöcke ist in der Neujahrsnacht 2013 erfolgt, nachdem die neuen Blöcke des Kraftwerkes Neurath in Betrieb gegangen waren.[9][10] Seit Juli 2014 werden sieben der 29 Kühltürme, die zwischen 1955 und 1964 gebaut worden waren, wegen Baufälligkeit abgerissen.[10]

Nach dem geplanten Abriss der 100- und 150-MW-Blöcke war das Gelände in der Zwischenzeit für den Bau des ersten BoAplus Nachfolgers (Braunkohlekraftwerk mit optimierter Anlagentechnik mit 100 % Trockenbraunkohlefeuerung) vorgesehen, das mit einem Wirkungsgrad von 47 bis 48 % einen weiteren Weltrekord aufstellen sollte. Die momentane Situation (2015) auf den Energiemärkten lassen jedoch derartige Investitionen aus Mangel an Wirtschaftlichkeit derzeit offen; ebenso wie die geplante Investition in das BoAplus-Kraftwerk (50 % Trockenbraunkohle, Wirkungsgrad ca. 45 %) am Standort Niederaußem. Bei einer Größenordnung von 1.100 MW (1.050 MW netto) sollten nach Inbetriebnahme die alten 300-MW-Blöcke an den Standorten Weisweiler und Frimmersdorf (ca. 1.200 MW) stillgelegt werden.

Brennstoffbedarf[Bearbeiten]

Lage des Kraftwerks Frimmersdorf im Rheinischen Braunkohlerevier

Nach Angaben des Betreibers RWE wurden zwischen 2008 und 2011 jährlich gemittelt 17 Millionen Tonnen Braunkohle verfeuert und 13,8 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Das ergibt einen spezifischen Verbrauch von 1,232 kg/kWh.

Zwischen 2004 und 2006 lagen die Werte noch bei jährlich gemittelten 20,4 Millionen Tonnen Braunkohle.[11] Umgerechnet sind das etwa 647 Kilogramm Braunkohle pro Sekunde.[12]

Als das Kraftwerk von 1989 bis 2004 noch mit 14 Blöcken in Betrieb war, wurden jährlich gemittelt ca. 22 Millionen Tonnen Braunkohle verfeuert um daraus ca. 17 Milliarden Kilowattstunden Strom zu erzeugen. Das ergibt einen spezifischen Verbrauch von 1,294 kg/kWh.

Kamine[Bearbeiten]

Die 150-MW-Blöcke leiteten Ihre Rauchgase über drei 160 Meter hohe Kamine ab, wobei je vier Blöcke sich einen Kamin teilen. Der 300-MW-Block P (Paula) leitet seine Rauchgase über einen 200 Meter hohen Kamin ab und der 300-MW-Block Q (Quelle) leitet seine Rauchgase über den 116 Meter hohen Kühlturm ab. Bei Störungen in der Rauchgasentschwefelungsanlage leitet der Block Q die Rauchgase ebenfalls über den 200 Meter hohen Kamin ab.

Blockübersicht[Bearbeiten]

Kraftwerk Frimmersdorf Übersicht
Übersicht über die einzelnen Blöcke mit Stand 31. Dezember 2012[13]
Block Leistung brutto (netto) in MW Inbetriebnahme Status Spannungsebene(1) in kV Netzbetreiber (2) Schaltanlage(3)
A 100 (90) 1955 seit 1988 außer Betrieb -- -- --
B 100 (90) 1955 seit 1988 außer Betrieb -- -- --
C 148 (127) 1957 seit 2005 (2011) außer Betrieb -- -- --
D 149 (128) 1957 seit 2005 (2011) außer Betrieb -- -- --
E 146 (130) 1959 seit 2013 außer Betrieb 220 Amprion Osterath
F 150 (132) 1960 seit 2013 außer Betrieb 220 Amprion Osterath
G 148 (130) 1960 seit 2005 (2011) außer Betrieb -- -- --
H 148 (130) 1961 seit 2005 außer Betrieb -- -- --
J 143 (127) 1960 seit 2012 außer Betrieb -- -- --
K 153 (133) 1962 seit 2012 außer Betrieb -- -- --
L 150 (131) 1962 seit 2013 außer Betrieb 110 Rhein-Ruhr Verteilnetz Frimmersdorf
M 152 (138) 1962 seit 2013 außer Betrieb 110 Rhein-Ruhr Verteilnetz Frimmersdorf
N 153 (135) 1964 seit 2013 außer Betrieb 220 Amprion Gohrpunkt
O 150 (133) 1964 seit 2013 außer Betrieb 220 Amprion Rommerskirchen
P 315 (284) 1966 bis ca. 2018 in Betrieb 220 Amprion Norf
Q 308 (278) 1970 bis ca. 2018 in Betrieb 220 Amprion Rommerskirchen
Summe 2.613 (2.316) von 1970 ............... bis 1988 -- -- --
(1) 110 kV bedeutet Einspeisung in das 110-kV-Hochspannungsverteilnetz; 220 kV bedeutet Einspeisung in das 220-kV-Höchstspannungsübertragungsnetz
(2) Netzbetreiber, in dessen Verteilnetz (Rhein-Ruhr Verteilnetz) oder Übertragungsnetz (Amprion) der jeweilige Kraftwerksblock einspeist
(3) Schaltanlage, über die der Kraftwerksblock mit dem Verteil- oder Übertragungsnetz der Netzbetreiber verknüpft wird

Emission von Schadstoffen und Treibhausgasen[Bearbeiten]

CO2 Emissionen des Kohlekraftwerks Frimmersdorf

Kraftwerkskritiker bemängeln am Kraftwerk Frimmersdorf die hohen Emissionen an Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden, Quecksilber und Feinstaub, an dem Krebs erzeugende Substanzen (Blei, Cadmium, Nickel, PAK, Dioxine und Furane) haften können.[14] Eine von Greenpeace bei der Universität Stuttgart in Auftrag gegebene, umstrittene[15] Studie kommt 2013 zu dem Ergebnis, dass die vom Kraftwerk Frimmersdorf 2010 ausgestoßenen Feinstäube und die aus Schwefeldioxid-, Stickoxid- und NMVOC-Emissionen gebildeten sekundären Feinstäube des Kraftwerks statistisch zu 1.754 verlorenen Lebensjahren und 37.182 verlorenen Arbeitstagen pro Jahr führen.[16] Greenpeace hat daraus, ohne dass es in der Studie erwähnt wird[15], 164 vorzeitige Todesfälle abgeleitet.[17] Auf der Liste der "gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands" rangiert das Kraftwerk Frimmersdorf daher auf Platz 5.[18]

Außerdem stehen angesichts des Klimawandels die CO2-Emissionen in der Kritik. Auf der im Mai 2007 vom WWF herausgegebenen Liste der klimaschädlichsten Kraftwerke in der EU rangierte das Kraftwerk Frimmersdorf im Jahr 2006 auf Rang 5 in Europa und auf Rang 3 in Deutschland (1187 g CO2 pro Kilowattstunde) nach den Kraftwerken Niederaußem und Jänschwalde. In absoluten Zahlen hatte das Kraftwerk Frimmersdorf im Jahr 2006 den fünfthöchsten Kohlendioxid-Ausstoß in Europa, nach dem Kraftwerk Bełchatów (Polen), den Kraftwerken Niederaußem, Jänschwalde (Deutschland) und dem Kraftwerk Drax (England).[19] Dennoch lehnte der Betreiber RWE in Verhandlungen mit der NRW Landesregierung unter Berufung auf den Emissionshandel eine Stilllegung des alten Kraftwerks ab.[20]

Das Kraftwerk Frimmersdorf meldete folgende Emissionen im europäischen Schadstoffregister PRTR:

Emissionen des Kraftwerks Frimmersdorf laut PRTR[21]
Luftschadstoff 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Kohlendioxid (CO2) 19.599.600.000 kg 18.599.300.000 kg 16.808.300.000 kg 14.400.000.000 kg 15.200.000.000 kg 9.040.000.000 kg 4.280.000.000 kg
Stickstoffoxide (NOx/NO2) 13.135.200 kg 12.047.300 kg 10.458.600 kg 9.070.000 kg 9.730.000 kg 5.750.000 kg 2.780.000 kg
Kohlenmonoxid (CO) 9.590.000 kg 8.390.000 kg 7.460.000 kg 6.240.000 kg 6.940.000 kg 4.090.000 kg 1.720.000 kg
Schwefeldioxide (als SOx/SO2) 10.485.400 kg 6.503.600 kg 5.276.700 kg 5.620.000 kg 4.860.000 kg 2.480.000 kg 1.210.000 kg
Feinstaub (PM10) 497.000 kg 332.000 kg 289.000 kg 257.000 kg 253.000 kg 175.000 kg 89.000 kg
Anorganische Chlorverbindungen (als HCl) 112.355 kg 126.033 kg 101.662 kg 86.900 kg 92.500 kg 54.500 kg 38.200 kg
Anorganische Fluorverbindungen (als HF) 9.130 kg 7.590 kg 7.990 kg 6.820 kg 5.430 kg - -
Quecksilber und Verbindungen (als Hg) 253 kg 221 kg 200 kg 153 kg 196 kg 119 kg 68,6 kg
Arsen und Verbindungen (als As) 35,1 kg 68,2 kg 39,8 kg 35,7 kg 38,0 kg - -

Weitere typische Schadstoffemissionen wurden nicht berichtet, da sie im PRTR erst ab einer jährlichen Mindestmenge meldepflichtig sind, z. B. Dioxine und Furane ab 0,0001 kg, Cadmium ab 10 kg, Nickel ab 50 kg, Chrom sowie Kupfer ab 100 kg, Blei ab 200 kg, Zink ab 200 kg, Ammoniak sowie Lachgas (N2O) ab 10.000 kg, flüchtige organische Verbindungen außer Methan (NMVOC) ab 100.000 kg.[22]

Die Europäische Umweltagentur hat die Kosten der Umwelt- und Gesundheitsschäden der 28.000 größten Industrieanlagen in der Europa anhand der im PRTR gemeldeten Emissionsdaten mit den wissenschaftlichen Methoden der Europäischen Kommission abgeschätzt.[23] Danach verursacht das Kraftwerk Frimmersdorf die neunthöchsten Schadenskosten aller europäischen Industrieanlagen.[24]

Umwelt- und Gesundheitsschäden[24]
Verursacher Schadenskosten Einheit Anteil
Kraftwerk Frimmersdorf 742–1051 Millionen Euro 0,6–0,7 %
Summe 28.000 Anlagen 102–169 Milliarden Euro 100 %

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kraftwerk Frimmersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Die Braunkohlenkraftwerke Grevenbroichs. In: StattBlatt. StattBlatt-Verlag. Juli 2014, S. 08. Abgerufen am 19. August 2014.
  2. a b  Peter Zenker: Braunkohlenbergbau in Frimmersdorf. Selbstverlag, Grevenbroich 2007 (Volltext online als PDF).
  3. Großbrand legt Kraftwerk lahm. In: NGZ-Online, 21. Juli 2005. Abgerufen am 25. August 2014.
  4. Kühlschrank verursacht Großbrand. In: NGZ-Online, 26. Juli 2005. Abgerufen am 25. August 2014.
  5. Quelle und Paula gehen ans Netz. In: NGZ-Online, 24. Oktober 2005. Abgerufen am 25. August 2014.
  6. http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/59784/data/59872/7/transparenz-offensive/kraftwerksausfaelle/betriebsinformationen/Kraftwerksdaten.pdf
  7. Abmeldung von Kraftwerken. Pressemitteilung der Strombörse EEX. Abgerufen am 30. November 2011.
  8. Abmeldung von Kraftwerken. Pressemitteilung der Strombörse EEX. Abgerufen am 1. März 2012.
  9. RWE schaltet sechs von zwölf Blöcken ab. In: NGZ-Online, 10. März 2012. Abgerufen am 10. März 2012.
  10. a b Aus alten Kühltürmen sollen Straßen werden. In: NGZ-Online, 22. August 2014. Abgerufen am 25. August 2014.
  11. RWE (2008): Kraftwerk Frimmersdorf, online
  12. http://www.wolframalpha.com/input/?i=20.4+Mt%2Fa+in+kg%2Fs
  13. Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 12. September 2012. Archiviert vom Original am 22. Juli 2012, abgerufen am 10. Oktober 2012 (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB).
  14. Feinstaub-Quellen und verursachte Schäden, Umweltbundesamt (Dessau)
  15. a b Greenpeace-Studie zu Feinstaub: Wie gefährlich ist die Kohlekraft tatsächlich?, Medscapemedizin, Abgerufen am 19. Mai 2014
  16. Assessment of Health Impacts of Coal Fired Power Stations in Germany – by Applying EcoSenseWeb (Englisch, PDF 1,2 MB) Philipp Preis/Joachim Roos/Prof. Rainer Friedrich, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Universität Stuttgart, 28. März 2013
  17. Tod aus dem Schlot – Wie Kohlekraftwerke unsere Gesundheit ruinieren (PDF 3,3 MB) Greenpeace, Hamburg, 2013
  18. Greenpeace: Die zehn gesundheitsschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands (PDF 129 kB)
  19. Dirty Thirty Ranking of the most polluting power stations in Europe. WWF, Mai 2007 (PDF)
  20. http://www.wdr.de/radio/home/nachrichten/nachrichten.phtml
  21. PRTR – Europäisches Emissionsregister
  22. PRTR-Verordnung 166/2006/EG (PDF) über die Schaffung eines Europäischen Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregisters und zur Änderung der Richtlinien 91/689/EWG und 96/61/EG des Rates
  23. Kosten-Nutzen-Analyse zur Luftreinhaltepolitik, Clean Air for Europe (CAFE) Programm, Europäische Kommission
  24. a b Revealing the costs of air pollution from industrial facilities in Europe (Offenlegung der Kosten der Luftverschmutzung aus Industrieanlagen in Europa), Europäische Umweltagentur, Kopenhagen, 2011