Kraftwerk Frimmersdorf
| Kraftwerk Frimmersdorf | |||
|---|---|---|---|
| Lage | |||
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| Koordinaten | 51° 3′ 22,7″ N, 6° 34′ 37,3″ O51.0562936.577034Koordinaten: 51° 3′ 22,7″ N, 6° 34′ 37,3″ O | ||
| Land | Deutschland | ||
| Daten | |||
| Brennstoff | Braunkohle | ||
| Leistung | 2.413 MWel brutto 2.136 MWel netto |
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| Typ | Kohlekraftwerk | ||
| Eigentümer | RWE Power | ||
| Betreiber | RWE Power | ||
| Betriebsaufnahme | 1926 / 1955 | ||
| Schornsteinhöhe | 160/200 m | ||
Das Kraftwerk Frimmersdorf in der Stadt Grevenbroich war eines der größten Braunkohlekraftwerke in Deutschland. Es liegt unmittelbar am Tagebau Garzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier und verfügte ursprünglich über 16 Kraftwerksblöcke. Aufgrund von Stilllegungen zwischen 2009 und 2012 sind inzwischen nur noch die beiden 300-MW-Blöcke am Netz, deren Stilllegung derzeit für 2018 vorgesehen ist.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Kraftwerk Frimmersdorf I [Bearbeiten]
Das erste mit Braunkohle gefeuerte Kraftwerk in Frimmersdorf wurde 1926 mit einer Leistung von 26 Megawatt errichtet. 1954 wurde dieses – von einigen Nebenanlagen abgesehen – durch ein größeres Kraftwerk ersetzt.
Kraftwerk Frimmersdorf II [Bearbeiten]
Zwischen 1955 und 1970 wurden in Frimmersdorf zwei 100-, zwölf 150- und zwei 300-MW-Kraftwerksblöcke errichtet. 1988 erhielten die 150- und 300-Megawatt-Blöcke eine Rauchgasentschwefelungsanlage, während die beiden 100-Megawatt-Blöcke am 30. Juni 1988 stillgelegt wurden. Aufgrund eines Turbinenschadens wurde auch einer der 150-MW-Blöcke abgeschaltet. Zudem wurden die drei 150-Megawatt-Blöcke C, D und G zunächst in die Kaltreserve überführt[1] und im November 2011 endgültig stillgelegt.[2] Die Blöcke I und K wurden im März 2012 stillgelegt.[3] Die Abschaltung der restlichen 150-Megawatt-Blöcke ist für 2012 vorgesehen, wenn die derzeit im Bau befindlichen Blöcke des Kraftwerkes Neurath in Betrieb gegangen sind.[4]
Brennstoffbedarf [Bearbeiten]
Nach Eigenangabe des Betreibers wurden zwischen 2004 und 2006 jährlich gemittelt 20,4 Millionen Tonnen Braunkohle verfeuert.[5] Umgerechnet sind das etwa 647 Kilogramm Braunkohle pro Sekunde.[6]
Kamine [Bearbeiten]
Die 150-MW-Blöcke leiteten Ihre Rauchgase über drei 160 Meter hohe Kamine ab, wobei je vier Blöcke sich einen Kamin teilen. Der 300-MW-Block P (Paula) leitet seine Rauchgase über einen 200 Meter hohen Kamin ab und der 300-MW-Block Q (Quelle) leitet seine Rauchgase über den ca. 110 Meter hohen Kühlturm ab. Bei Störfällen leitet der Block Q die Rauchgase ebenfalls über den 200 Meter hohen Kamin ab.
Blockübersicht [Bearbeiten]
| Block | Leistung (netto) in MW | Inbetriebnahme | Status | Spannungsebene(1) in kV | Netzbetreiber (2) | Schaltanlage(3) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| E | 130 | 1959 | Außer Betrieb | 220 | Amprion | Osterath |
| F | 132 | 1960 | Außer Betrieb | 220 | Amprion | Osterath |
| L | 131 | 1962 | Außer Betrieb | 110 | Rhein-Ruhr Verteilnetz | Frimmersdorf |
| M | 138 | 1962 | Außer Betrieb | 110 | Rhein-Ruhr Verteilnetz | Frimmersdorf |
| N | 135 | 1964 | Außer Betrieb | 220 | Amprion | Gohrpunkt |
| O | 133 | 1964 | Außer Betrieb | 220 | Amprion | Rommerskirchen |
| P | 284 | 1966 | in Betrieb | 220 | Amprion | Norf |
| Q | 278 | 1970 | in Betrieb | 220 | Amprion | Rommerskirchen |
Emissionen [Bearbeiten]
Kraftwerkskritiker bemängeln am Kraftwerk Frimmersdorf die hohen Emissionen an Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden, Quecksilber und Feinstaub, an dem Krebs erzeugende Substanzen (Nickel, Cadmium, PAK, Dioxine und Furane) haften können.[8]
Außerdem stehen angesichts des Klimawandels die CO2-Emissionen in der Kritik. Auf der im Mai 2007 vom WWF herausgegebenen Liste der klimaschädlichsten Kraftwerke in der EU rangierte das Kraftwerk Frimmersdorf im Jahr 2006 auf Rang 5 in Europa und auf Rang 3 in Deutschland (1187 g CO2 pro Kilowattstunde) nach den Kraftwerken Niederaußem und Jänschwalde. In absoluten Zahlen hatte das Kraftwerk Frimmersdorf in 2006 den fünfthöchsten Kohlendioxid-Ausstoß in Europa, nach dem Kraftwerk Bełchatów (Polen), den Kraftwerken Niederaußem, Jänschwalde (Deutschland) und dem Kraftwerk Drax (England).[9][10] Dennoch lehnte der Betreiber in Verhandlungen mit der NRW Landesregierung unter Berufung auf den Emissionshandel eine Stilllegung des alten Kraftwerks ab. [11]
Das Kraftwerk Frimmersdorf meldete folgende Emissionen im europäischen Schadstoffregister PRTR:
| Luftschadstoff | Emissionsmenge PRTR 2007 | Emissionsmenge PRTR 2008 | Emissionsmenge PRTR 2009 | Emissionsmenge PRTR 2010 |
|---|---|---|---|---|
| Kohlendioxid (CO2) | 19.599.600.000 kg | 18.599.300.000 kg | 16.808.300.000 kg | 14.400.000.000 kg |
| Stickstoffoxide (NOx/NO2) | 13.135.200 kg | 12.047.300 kg | 10.458.600 kg | 9.070.000 kg |
| Kohlenmonoxid (CO) | 9.590.000 kg | 8.390.000 kg | 7.460.000 kg | 6.240.000 kg |
| Schwefeldioxide (als SOx/SO2) | 10.485.400 kg | 6.503.600 kg | 5.276.700 kg | 5.620.000 kg |
| Feinstaub (PM10) | 497.000 kg | 332.000 kg | 289.000 kg | 257.000 kg |
| Anorganische Chlorverbindungen (als HCl) | 112.355 kg | 126.033 kg | 101.662 kg | 86.900 kg |
| Anorganische Fluorverbindungen (als HF) | 9.130 kg | 7.590 kg | 7.990 kg | 6.820 kg |
| Quecksilber und Verbindungen (als Hg) | 253 kg | 221 kg | 200 kg | 153 kg |
| Arsen und Verbindungen (als As) | 35,1 kg | 68,2 kg | 39,8 kg | 35,7 kg |
Weitere typische Schadstoffemissionen wurden nicht berichtet, da sie im PRTR erst ab einer jährlichen Mindestmenge meldepflichtig sind, z. B. Dioxine und Furane ab 0,0001 kg, Cadmium ab 10 kg, Nickel ab 50 kg, Chrom sowie Kupfer ab 100 kg, Blei ab 200 kg, Zink ab 200 kg, Ammoniak sowie Lachgas (N2O) ab 10.000 kg, flüchtige organische Verbindungen außer Methan (NMVOC) ab 100.000 kg.[13]
Die Europäische Umweltagentur hat die Kosten der Umwelt- und Gesundheitsschäden der 28.000 größten Industrieanlagen in der Europa anhand der im PRTR gemeldeten Emissionsdaten mit den wissenschaftlichen Methoden der Europäischen Kommission abgeschätzt.[14] Danach verursacht das Kraftwerk Frimmersdorf die neunthöchsten Schadenskosten aller europäischen Industrieanlagen.[15]
| Verursacher | Schadenskosten | Einheit | Anteil |
|---|---|---|---|
| Kraftwerk Frimmersdorf | 742–1051 | Millionen Euro | 0,6–0,7 % |
| Summe 28.000 Anlagen | 102–169 | Milliarden Euro | 100 % |
Siehe auch [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/59784/data/59872/7/transparenz-offensive/kraftwerksausfaelle/betriebsinformationen/Kraftwerksdaten.pdf
- ↑ Abmeldung von Kraftwerken. Pressemitteilung der Strombörse EEX. Abgerufen am 30. November 2011.
- ↑ Abmeldung von Kraftwerken. Pressemitteilung der Strombörse EEX. Abgerufen am 1. März 2012.
- ↑ RWE schaltet sechs von zwölf Blöcken ab. In: NGZ-Online, 10. März 2012. Abgerufen am 10. März 2012.
- ↑ RWE (2008): Kraftwerk Frimmersdorf, online
- ↑ http://www.wolframalpha.com/input/?i=20.4+Mt%2Fa+in+kg%2Fs
- ↑ Kraftwerksliste Bundesnetzagentur (bundesweit; alle Netz- und Umspannebenen) Stand 12. September 2012. Abgerufen am 10. Oktober 2012 (Microsoft-Excel-Datei, 1,6 MiB).
- ↑ Feinstaub-Quellen und verursachte Schäden, Umweltbundesamt (Dessau)
- ↑ Infografik des WWF zum CO2-Ausstoß der 30 klimaschädlichsten Kohlekraftwerke Deutschlands
- ↑ Dirty Thirty Ranking of the most polluting power stations in Europe. WWF, Mai 2007 (PDF)
- ↑ http://www.wdr.de/radio/home/nachrichten/nachrichten.phtml
- ↑ PRTR - Europäisches Emissionsregister
- ↑ PRTR-Verordnung 166/2006/EG (PDF) über die Schaffung eines Europäischen Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregisters und zur Änderung der Richtlinien 91/689/EWG und 96/61/EG des Rates
- ↑ Kosten-Nutzen-Anlalyse zur Luftreinhaltepolitik, Clean Air for Europe (CAFE) Programm, Europäische Kommission
- ↑ a b Revealing the costs of air pollution from industrial facilities in Europe (Offenlegung der Kosten der Luftverschmutzung aus Industrieanlagen in Europa), Europäische Umweltagentur, Kopenhagen, 2011