Kurt Warnekros

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kurt Warnekros (* 15. November 1882 in Neustrelitz; † 30. September 1949 in Paris) war ein deutscher Arzt. Der Gynäkologe war langjähriger Leiter der Frauenklinik in Dresden und führte 1930 eine der ersten Geschlechtsangleichenden Operationen durch.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Als Sohn eines späteren Medizinprofessors an der Berliner Universität studierte Warnekros von 1902 bis 1907 ebenfalls Medizin in Würzburg und Berlin. 1908 erhielt er die ärztliche Approbation. Seit 1909 war er an der Frauenklinik der Universität Berlin tätig, an der er sich auch 1914 habilitierte. 1918 wurde Warnekros zum Professor ernannt und übernahm 1924 kommissarisch die Leitung der Klinik. Neben der Tätigkeit als Frauenarzt und Geburtshelfer arbeitete Warnekros auch wissenschaftlich auf dem Gebiet der Röntgenstrahlung. So fertigte er auch Röntgenaufnahmen von Babys im Mutterleib an.

1925 übernahm er die Leitung der Frauenklinik des Stadtkrankenhauses Dresden-Johannstadt. Als erfolgreicher Geburtshelfer konnte er bald eine große Anzahl prominenter Patientinnen aufweisen, so unter anderem Prinzessin Ileana von Rumänien, eine Tochter König Ferdinands I. von Rumänien, oder die Frau des sowjetischen Außenministers Maxim Litwinow.

1930 machte Warnekros Schlagzeilen, als er an dem dänischen Maler Einar Wegener eine der ersten Geschlechtsangleichenden Operationen durchführte. Wegener nahm anschließend den Namen Lili Elbe an, starb allerdings bei einer weiteren Operation durch Warnekros ein Jahr später.

1933 wurde Warnekros NSDAP-Mitglied. Dennoch wurden gegen ihn 1936 Ermittlungen als „Judengünstling“ – er hatte vor 1933 auch Marie-Anna von Goldschmidt-Rothschild (1892–1973), Tochter des deutschen Industriellen Fritz von Friedlaender-Fuld und Angehörige der bekannten Familie Rothschild, behandelt, ebenso nahm er auch weiterhin jüdische Patientinnen an – eingeleitet, der die Frauenklinik nicht hinreichend im Sinne des Nationalsozialismus leiten würde. Da er auch die Frau des sächsischen NSDAP-Gauleiters Martin Mutschmann behandelte, wurden die Ermittlungen bald wieder eingestellt. Bis 1944 behandelte er auch weiterhin jüdische Patientinnen. Daneben wurden allerdings auch unter Warnekros an der Frauenklinik in Johannstadt Zwangssterilisationen durchgeführt.[1] 1944 half Warnekros wiederum Eva Olbricht, der Frau von Friedrich Olbricht, einem der Mitverschwörer des Attentats vom 20. Juli 1944 auf ihrer Flucht vor der Sippenhaft der Nazis.

Die Luftangriffe auf Dresden am 13. und 14. Februar 1945 zerstörten auch die Frauenklinik, viele von Warnekros’ Patientinnen kamen ums Leben. Warnekros sorgte für den Transport der Überlebenden nach Kreischa, wohin die Frauenklinik evakuiert wurde. Bis 1948 behielt Warnekros die Leitung der Frauenklinik, operierte aber zuletzt aus Krankheitsgründen nicht mehr selber. Kurz vor seinem Tod zog er auf Einladung der Baronin von Goldschmidt-Rothschild nach Paris. 1949 zunächst auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt, wurde seine Urne 1954 in das Familiengrab nach Berlin überführt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albrecht Scholz, B. Töpolt: Die Praxis der Zwangssterilisierung in Dresden. Im Ärzteblatt Sachsen 4/2005, S. 164–167. (PDF-Datei, 139 KB.) Abgerufen am 25. Juli 2012.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]