Martin Mutschmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Martin Mutschmann mit Adolf Hitler auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1934

Martin Mutschmann (* 9. März 1879 in Hirschberg (Saale); † Frühjahr 1950 in Moskau) war ein mittelständischer Unternehmer und Politiker der NSDAP. Ab 1930 war er Mitglied des deutschen Reichstags, ab 1933 Reichsstatthalter in Sachsen und zudem ab 1935 sächsischer Ministerpräsident.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Biographie

Von 1894 bis 1896 machte Mutschmann eine kaufmännische Lehre und besuchte die Handelsschule in Plauen. Danach arbeitete Mutschmann in verschiedenen Spitzen- und Wäschefabriken in Plauen, Herford und Köln. Von 1901 bis 1903 absolvierte er seinen Militärdienst. 1907 gründete Mutschmann eine eigene Spitzenfabrik in Plauen, zu der später noch mehrere Fabriken hinzukamen.

Er wechselte 1922 nach seiner Teilnahme am Deutschen Tag von Coburg endgültig vom Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund, wo er im Vogtland tätig war, zur NSDAP (vorher war er gleichzeitig in beiden Organisationen tätig).[1]

Mutschmann wurde 1925 bei der Neugründung der NSDAP Gauleiter von Sachsen. Dafür finanzierte er mit den Erlösen seiner Firma den Wahlkampf dieser Partei. Auch mit weiteren großzügigen Geldspenden sicherte er sich eine Karriere in der NSDAP. Diese Finanzhilfe versiegte jedoch 1931, da sein Plauener Betrieb Bankrott anmelden musste. Zwischen ihm und dem aus dem Freikorps stammenden redegewandten SA-Führer und sächsischen Ministerpräsidenten Manfred von Killinger entstand bald ein Machtkampf um die Führungspositionen innerhalb Sachsens, den Mutschmann nach häufig vorgenommenen Denunziationen und dem Röhm-Putsch für sich entscheiden konnte. Mutschmann wurde nun auch Ministerpräsident.

Mutschmann links neben Goebbels

Seit dem 1. August 1930 gab Mutschmann die Parteizeitung Der Freiheitskampf heraus. Damit unterstützte er auch ideologisch die Ziele der NSDAP. Besonderen Hass entwickelte er gegen alles Jüdische und setzte alle Kraft an deren Vertreibung oder Vernichtung. Als der Zweite Weltkrieg ausgebrochen war, wurde Mutschmann für die Umstellung aller sächsischen Industriebetriebe auf die Produktion von kriegswichtigen Gütern zuständig.

Seine untersetzte Gestalt, sein uncharismatisches, mitunter jähzorniges Auftreten sowie seine sächsische Mundart bildeten eine Grundlage für Spötteleien und Karikaturdarstellungen, gegen die er sich vehement wehrte. Mutschmann galt als selbstherrlich und egozentrisch. Der Volksmund bezeichnete ihn als König Mu.

Mutschmann war ein passionierter Jäger und förderte als Landesjägermeister das Jagdwesen in Sachsen. Im Tharandter Wald wurde auf seine Anregung hin im Jagdschloss Grillenburg 1936 der Sächsische Jägerhof eingerichtet und dazu 1938–39 als Gästehaus das Neue Jägerhaus im Auftrag des sächsischen Finanzministeriums errichtet, das fälschlicherweise oft als private Mutschmannvilla bezeichnet wird.

Mutschmann förderte außerdem die Volkskunst und das Volksliedgut. Andere kulturelle Einrichtungen entsprachen nicht seinem Kulturverständnis.

Während des Krieges vernachlässigte er den Bau von Luftschutzbunkern, ließ sich allerdings 1943 an seinem Dresdner Wohnsitz Comeniusstraße 32 einen Privatbunker errichten. Im Dezember 1944 erklärte er Dresden, noch vor den Luftangriffen, zum Verteidigungsbereich. Im April 1945 befahl er Schüler zum Stellungsbau in der Altstadt und erklärte am 14. April 1945 Dresden zur Festung. Seine Order angesichts der Trümmer lautete: „Halten bis zum Letzten!“

Im Mai 1945 floh Mutschmann über Grillenburg ins Westerzgebirge, wo er sich bei einem Bauern versteckte. Am 16. Mai 1945 wurde er in Tellerhäuser bei Oberwiesenthal durch Polizeieinheiten aus dem unbesetzten Landkreis Schwarzenberg festgenommen. Mutschmann wurde an die sowjetischen Besatzungstruppen in Annaberg-Buchholz übergeben, wo er einen Tag lang öffentlich an den Pranger gestellt wurde. Danach brachte man ihn über Chemnitz nach Moskau in das Gefängnis Lubjanka.

Sein weiterer Verbleib ist nicht restlos aufgeklärt. In dem Filmbericht wird davon gesprochen, dass er am 22. Juni 1946 vor einem Militärgericht angeklagt, am 30. Juni 1947 zum Tode verurteilt und 1950 im Gefängnis erschossen wurde.

[Bearbeiten] Literatur

  • Agatha Kobruch: Mutschmann, Martin. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997, S. 659 f.
  • Walter Bachmann: Grillenburg. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Band XXV, Heft 5–8, Dresden 1936
  • Oskar Kramer: Der Sächsische Jägerhof Grillenburg. In: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, Band XXV, Heft 9–12, Dresden 1936
  • Andreas Wagner: Mutschmann gegen von Killinger. Konfliktlinien zwischen Gauleiter und SA-Führer während des Aufstiegs der NSDAP und der Machtergreifung im Freistaat Sachsen. Sax-Verlag, Beucha 2001, ISBN 3-934544-09-6
  • Heinrich Magirius, Norbert Oelsner, Reinhard Spehr: Grillenburg. Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Arbeitsheft 10, Dresden 2006, ISBN 3-937602-85-2

[Bearbeiten] Film

  • Gnadenlos mächtig – Sachsens Gauleiter Martin Mutschmann. Dokumentation, Deutschland, 2002, 30 Min., Buch und Regie: Ernst-Michael Brandt, Produktion: MDR, Erstsendung: 28. Oktober 2007, Inhaltsangabe vom MDR

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Uwe Lohalm: Völkischer Radikalismus. Die Geschichte des Deutschvölkischen Schutz- und Trutz-Bundes 1919–1923. (= Hamburger Beiträge zur Zeitgeschichte; 6). Leibniz-Verlag, Hamburg 1970, S. 317, ISBN 3-87473-000-X
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen
Andere Sprachen