LZ 7

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
LZ 7
LZ7 passenger zeppelin enhanced.jpg

Bild der LZ 7

Unfall-Zusammenfassung
Unfallart Absturz wegen Motorversagen nach Unwetter
Ort Teutoburger Wald bei Bad Iburg
Datum 28. Juni 1910
Todesopfer 0
Verletzte 1
Überlebende alle
Luftfahrzeug
Luftfahrzeugtyp Verkehrsluftschiff
Betreiber DELAG
Abflughafen Düsseldorf
Zielflughafen Osnabrück
Besatzung 8
Liste von Katastrophen der Luftfahrt

Der Zeppelin LZ 7 „Deutschland“ war das siebte in Friedrichshafen am Bodensee gebaute Verkehrsluftschiff.

Der von der Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft betriebene Zeppelin stürzte neun Tage nach der Jungfernfahrt am 28. Juni 1910 in einem Unwetter am Limberg im Teutoburger Wald bei Bad Iburg in Niedersachsen ab, nachdem einer der Motoren versagt hatte.

Technik und Ausstattung[Bearbeiten]

LZ 7 „Deutschland“ war mit 148 Meter Länge, einem Durchmesser von 14 Metern und einem Traggasvolumen von 19.300 Kubikmetern größer als die Vorgängermodelle. Die drei Motoren leisteten 375 PS. Ein Motor war in der Führergondel untergebracht, die beiden anderen in der hinteren Gondel.

Erstmals in der Geschichte des Luftschiffbaus wurde im LZ 7 die Goldschlägerhaut für die Konstruktion der Traggaszellen verwendet. Eine siebenfache Schicht dieser Rinderblinddarmhaut wurde hierbei zusammengefügt und zu den Traggaszellen verarbeitet.[1]

Die Besatzung bestand aus einem Führer, einem Fahringenieur, zwei Steuerleuten und vier bis fünf Maschinisten.

Die in der Mitte des Luftschiffes angebrachte Passagierkabine bot 24 Reisenden Platz. Sie war luxuriös mit Mahagoni-Holz ausgekleidet, Deckenbalken und Säulen waren mit Perlmutt-Einlegearbeiten geschmückt, der Fußboden mit einem Teppich belegt. Das Mobiliar bestand aus eleganten Korbstühlen und kleinen Tischen. Die Insassen hatten einen freien Blick durch große Schiebefenster. Während der Fahrt wurden ihnen Speisen und Getränke serviert. Die Tageskarte wies Gänseleber-Pastete, Malossol-Kaviar, Hummer, kaltes französisches Masthuhn, Pralinés, französische Früchte sowie an Getränken Deinhard Cabinet, Rhein- und Moselwein, Cognac und Grand Marnier cordon rouge auf.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bau von LZ 7 fiel in eine Zeit großer Begeisterung für die Luftschifffahrt im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Daran hatte auch die Zerstörung von LZ 4 nichts geändert. Das Luftschiff war nach einer Notlandung bei Echterdingen am 5. August 1908 im Sturm aus seiner Verankerung gerissen worden und ging in Flammen auf. Das Unglück führte vielmehr zum Wunder von Echterdingen, einer Spendensammlung in der Bevölkerung. Sie brachte mehr als sechs Millionen Mark ein, die in die Zeppelin-Stiftung einflossen und die Gründung der Luftschiffbau Zeppelin GmbH ermöglichte. Im November 1908 wurde die Deutsche Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft (DELAG) gründet, die sich der Passagierluftfahrt widmete. LZ 6 war im Jahr 1909 der erste für die kommerzielle Passagierluftfahrt gebaute Zeppelin. LZ 7 wurde im folgenden Jahr in Friedrichshafen gebaut, auf den Namen „Deutschland“ getauft und war wie das Vorgängermodell für den Passagierverkehr vorgesehen. Der Bau kostete 550.000 Mark. Die Jungfernfahrt unternahm LZ 7 unter dem Kommando von Graf Ferdinand von Zeppelin am 19. Juni 1910. Am 22. Juni traf LZ 7 in Düsseldorf ein. Die erste Rundreise von dort fand am 24. Juni statt. Sie löste unter den 20 Passagieren, unter ihnen fünf Frauen und drei Briten, Staunen über die ruhige Fahrt und die Aussicht auf die Landschaft aus 200 bis 300 Meter Höhe aus.

Absturz[Bearbeiten]

Die nächste Fahrt unternahm LZ 7 am 28. Juni 1910. An Bord waren auch Hugo Eckener und Alfred Colsman, der Direktor der Luftschiffbau Zeppelin GmbH. Um für die Personenbeförderung in Luftschiffen zu werben, hatte die DELAG 19 Journalisten, darunter zwei Reporter großer britischer Tageszeitungen, zu der Fahrt eingeladen. LZ 7 „Deutschland“ sollte eine Vergnügungsfahrt unternehmen. Es wurde eine Reise durch widrige Wetterverhältnisse.

Nach dem Start in Düsseldorf nahm das Luftschiff zunächst Kurs auf Solingen. Um 8:35 Uhr wurde den Gästen ein Sektfrühstück mit Kaviar gereicht. Um 8:45 Uhr versagte der hintere Backbord-Motor. Eine Stunde später erreichte das Luftschiff Remscheid. Wegen zunehmenden Winds scheiterte der Versuch, über Elberfeld wieder in Richtung Düsseldorf zu kommen. Also versuchte man es nach Nordnordost in Richtung Dortmund, um dort zu landen. Um elf Uhr setzte heftiger Regen ein, der Zeppelin wurde nach Nordnordwest abgetrieben. Als nächsten Landeort entschied sich die Besatzung für Münster. Als das Luftschiff um 12:15 Uhr über Lüdinghausen stand, kam Sturm auf. Nun wollte man den Teutoburger Wald überqueren, um nördlich des Gebirgszuges in Osnabrück zu landen.

Um 13:30 Uhr gelang es über Kattenvenne, den dritten Motor wieder in Gang zu setzen. Nun entschied sich die Besatzung erneut für Münster. Über Ostbevern stand die „Deutschland“ bis 16:30 Uhr im Unwetter, wie Kurt Puzicha aus Hamburg von der Marine-Luftschiffer-Kameradschaft berichtete, „[…] manchmal gegen den Wind etwas vordringend, dann wieder durch heftige Sturmböen zurückgetrieben“.[2] Der Treibstoff reichte nur noch zwei bis drei Stunden. Osnabrück blieb als letzter Ausweg.

Kurt Puzicha berichtete: „Über dem Teutoburger Wald stand eine schwefelgelbe Wolkenwand. Als das Schiff in die Wolken eintauchte, wurde es von 300 m Höhe auf 1050 m gerissen. Schneeflocken umwirbelten die ‚Deutschland‘. Die Passagiere waren die ganze Zeit ruhig und sich auch keiner Gefahr bewusst.“[3] Kurz nach 17 Uhr tauchte der Zeppelin unter die Wolken. Dann setzte der vordere Motor aus. Die „Deutschland“ stürzte am nahe der Stadt Bad Iburg gelegenen Limberg ab und krachte in den Nadelwaldbewuchs des Berges. Acht Meter über dem Waldboden stak LZ 7 im Geäst der Bäume. Zunächst herrschte völlige Stille. Besatzungsmitglieder ließen eine Strickleiter hinunter; Passagiere und Besatzung verließen das Wrack. Das Unglück forderte keine Menschenleben; ein Besatzungsmitglied erlitt beim Verlassen des Luftschiffs leichte Verletzungen.

Graf Zeppelin traf am nächsten Morgen mit einem Schnellzug in Osnabrück ein. Er stieg im Hotel Schaumburg ab. Dorthin eilten viele Osnabrücker, um ihm zuzujubeln. Zeppelin zeigte sich mehrfach am Fenster und dankte ihnen. An die schwer zugängliche Unglücksstelle am Limberg in gut 15 Kilometer Entfernung fuhr er nicht mehr, denn die Aufräumarbeiten waren weitgehend beendet. Beteiligt hatten sich daran zunächst 50 Arbeiter eines Iburger Drahtseilwerks, herbeigeholte Monteure und Soldaten aus Osnabrück und Münster.

Das Unglück fand zwar weithin Beachtung, beeinträchtigte die Weiterentwicklung der Zeppeline jedoch nicht. Die Motoren von LZ 7 wurden später bei LZ 8 eingebaut.[4]

Der Absturz in den Medien 1910[Bearbeiten]

Der Gedenkstein am Limberg
Detail des Gedenksteins mit dem Relief von Heinrich Wulfertange

Bereits kurz nach dem Absturz am 28. Juni 1910 erschienen die ersten Presseberichte über das Unglück. Die Bevölkerung in der nahen Stadt Osnabrück wurde durch Extrablätter über das Ereignis informiert. Um 16:25 Uhr wurde berichtet: „LZ VII liegt an der Chaussee Wellendorf-Iburg bei der Zeche Limberg. Es hat eine Explosion stattgefunden.[5] Die Information über die angebliche Explosion war allerdings ein Irrtum. Weil auch Berichterstatter überregionaler Zeitungen mitgefahren waren, erschien schnell eine Fülle von Augenzeugenberichten.

Die Osnabrücker Zeitung berichtete am 29. Juni 1910 vom Unglücksort: „Nur noch ein paar Schritte durch den Wald, und man stand vor dem Vorderteil des gigantischen anderthalbhundert Meter in der Länge messenden und doch so fast durchsichtig leichten Luftschiffkörpers. […] Klaffende Risse zeigten sich überall, die Hülle war von den Bäumen aufgeschlitzt. […] Die vordere Gabel war noch einigermaßen unversehrt, auch die Kabine hatte keinen nennenswerten Schaden erlitten. Aber dann mit einem Male ein Bruch von oben bis unten durch! Das Gestänge war zersplittert, die Hülle hier vollständig zerrissen, die Stücke lagen überall am Boden herum. Das Innere des Luftschiffes lag offen da. Dicke Tannen ragten im Inneren empor und hatten die Bolconets zerstört.“[6]

Der Absturz hatte schon am Tag des Unglücks selbst Neugierige in Massen in den Berg gelockt. Die Osnabrücker Zeitung berichtete: „Was das Unglück des ‚Zeppelin‘ für die Bevölkerung bedeutet, soll man auch hier bald daran erkennen, wie von allen Seiten, mit der Bahn, auf Gespannen, mit Automobilen, Fahrrädern und zu Fuß die Leute aus Bielefeld, Münster, Osnabrück usw. herbeikamen. Da wurde es auf den schmalsten Waldgängen des sonst so einsam daliegenden Berges lebendig.“[7]

Im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung von Bad Iburg und Umgebung ist die Erinnerung an das Unglück bis heute wach. Auf Osnabrücker Platt beschrieb der Iburger Heinrich Künne, was ihm sein Vater von dem Unglück erzählte:

Ick weet et noch wie van Daage, siär use Pappe, os ik de mächtige Zigarren ganz schraut über den Friär för de düsteren Wolken in die Luft staun seug. Up eenmol sackede he nau unnen weg und man konn de nix miähr van sehn - Et duerde garnich lange do keimen de Lüe met Fahrriäer, met Piärd und Wagen un auk to Foote, und se röpen: ‚De Zeppelin is unnergaun, do buorben up'n Limbiärge mot he liggen.

„Ich weiß noch wie heute, sagte unser Vater, als ich die mächtige Zigarre ganz schräg über dem Freeden vor den dunklen Wolken in der Luft stehen sah. Mit einem Mal sackte sie ab und man konnte nichts mehr sehen. - Es dauerte gar nicht lange, dann kamen die Leute mit Fahrrädern, mit Pferd und Wagen und zu Fuß, und sie riefen: ‚Der Zeppelin ist abgestürzt, dort oben auf dem Limberg muss er liegen.“

Heinrich Künne[8][9]

Zeppelinstein[Bearbeiten]

1911 errichtete der Teutoburger-Wald-Gebirgsverein an der Unglücksstelle einen Gedenkstein. Die Bronzetafel trägt die Inschrift „Hier strandete schneebedeckt im Sturm am 28. 6. 1910 das erste Verkehrs-Luftschiff Z 7 'Deutschland' - Trotzdem vorwärts -“. Die Stelle ist bis heute Ziel von Wanderern in diesem Teil des Teutoburger Waldes. Die Relieftafel schuf der Osnabrücker Holzschnitzer, Modelleur und Bildhauer Heinrich Wulfertange (1854–1924), der Vater von Rudolf Wulfertange.[10]

Ausstellungen[Bearbeiten]

Im heimatkundlichen Museum Averbecks Speicher im Bad Iburger Stadtteil Glane wurde 2010 aus Anlass 100. Jahrestages der Zeppelinstrandung die Sonderausstellung „Zeppelin und Luftschifffahrt“ gezeigt.[11]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Köhne (Red.): Trotzdem vorwärts - Erinnerung an die Strandung des Luftschiffes LZ VII Deutschland. Dokumentation der Stadt Bad Iburg, Bad Iburg 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

  •  Commons: LZ 7 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Meyer: Luftschiffe. Die Geschichte der deutschen Zeppeline. Wehr&Wissen, Koblenz/Bonn 1980, ISBN 3803303028, S. 30.
  2. Kurt Puzicha: Wenn Menschenzungen schweigen, werden Steine reden. In: Trotzdem vorwärts - Erinnerung an die Strandung des Luftschiffes LZ VII Deutschland. Dokumentation der Stadt Bad Iburg, Bad Iburg 1980, S. 19.
  3. Kurt Puzicha: Wenn Menschenzungen schweigen, werden Steine reden. In: Trotzdem vorwärts - Erinnerung an die Strandung des Luftschiffes LZ VII Deutschland. Dokumentation der Stadt Bad Iburg, Bad Iburg 1980, S. 20.
  4. Georg Pohlmann: Nach dem Absturz. In: Trotzdem vorwärts. S. 24.
  5. Heinz Köhne: Das Zeppelin-Unglück in Pressemeldungen. In: Trotzdem vorwärts - Erinnerung an die Strandung des Luftschiffes LZ VII Deutschland. Dokumentation der Stadt Bad Iburg, Bad Iburg 1980, S. 27.
  6. Heinz Köhne: Das Zeppelin-Unglück in Pressemeldungen. In: Trotzdem vorwärts - Erinnerung an die Strandung des Luftschiffes LZ VII Deutschland. Dokumentation der Stadt Bad Iburg, Bad Iburg 1980, S. 30.
  7. Heinz Köhne: Das Zeppelin-Unglück in Pressemeldungen. In: Trotzdem vorwärts - Erinnerung an die Strandung des Luftschiffes LZ VII Deutschland. Dokumentation der Stadt Bad Iburg, Bad Iburg 1980, S. 31.
  8. Heinz Künne: Worüm ligg de graute Steen up'n Limbiärge? (Warum liegt der große Stein auf dem Limberg?) In: Trotzdem vorwärts - Erinnerung an die Strandung des Luftschiffes LZ VII Deutschland. Dokumentation der Stadt Bad Iburg, Bad Iburg 1980, S. 50.
  9. Der Limberg liegt nördlich des Großen Freedens und ist von dort auf ausgeschilderten Wegen zu Fuß erreichbar.
  10. Rainer Drewes: Schrappenpüster und Don Quichote. Rudolf Wulfertange (1884–1974), ein Schriftsteller aus Osnabrück. In: Heimatbund Osnabrücker Land und Kreisheimatbund Bersenbrück (Hrsg.): Heimatjahrbuch Osnabrücker Land 2004. Georgsmarienhütte 2003, ISSN 1618-5757, S. 232. (hier in der Einleitung über Rudolf Wulfertanges Vater Heinrich Wulfertange)
  11. Ausstellungen in Averbecks Speicher

Siehe auch[Bearbeiten]

52.1666666666678.1030555555556Koordinaten: 52° 10′ 0″ N, 8° 6′ 11″ O