Labastide-d’Armagnac

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Labastide-d’Armagnac
Wappen von Labastide-d’Armagnac
Labastide-d’Armagnac (Frankreich)
Labastide-d’Armagnac
Region Aquitanien
Département Landes
Arrondissement Mont-de-Marsan
Kanton Roquefort
Koordinaten 43° 58′ N, 0° 11′ W43.970277777778-0.18590Koordinaten: 43° 58′ N, 0° 11′ W
Höhe 67–139 m
Fläche 31,87 km²
Einwohner 689 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 22 Einw./km²
Postleitzahl 40240
INSEE-Code

Labastide-d’Armagnac – Place Royale mit Arkadenhäusern

Labastide-d’Armagnac ist eine französische Gemeinde mit 689 Einwohnern (Stand 1. Januar 2011) im Département Landes in der Region Aquitanien. Historisch gesehen gehört der Ort zur ehemaligen Provinz Gascogne.

Lage[Bearbeiten]

Labastide-d’Armagnac liegt am Flüsschen Douze etwa 82 Kilometer (Fahrtstrecke) in nordwestlicher Richtung von der Stadt Auch bzw. etwa 132 Kilometer in südlicher Richtung von Bordeaux entfernt. Die nächstgrößere Stadt ist Mont-de-Marsan etwa 29 Kilometer südwestlich.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2010
Einwohner 871 809 775 731 707 692 689

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Ort entwickelte sich nach seiner Gründung schnell zu einem regionalen Handwerks- und Handelszentrum für die vielen Dörfer, Weiler und Einzelgehöfte in der Umgebung, in der auch Wein angebaut wird, dessen Rebensaft jedoch nur selten zu Wein verarbeitet wird, sondern – nach aufwendiger Destillation – in Eichenholzfässern zu 'Armagnac' heranreift.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Bastide wurde im Jahre 1291 von Bernard d’Armagnac unter dem Namen Bolonia gegründet. Der englische König Eduard I. erteilte die Erlaubnis dazu. Im Volksmund hieß der Ort jedoch von Anfang an Labastide-d’Armagnac. Im 16. Jahrhundert weilte der spätere französische König Heinrich IV. mehrfach in der kleinen Stadt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Der zentrale Platz (Place Notre-Dame oder Place Royale) ist das optische Aushängeschild des Ortes. Die zweigeschossigen Häuser standen ursprünglich allesamt traufständisch zur Platzfläche. Ihr Erdgeschoss ist durch Arkaden oder Pfeiler- bzw. Holzständerkonstruktionen geöffnet und bietet somit einen hervorragenden Wetterschutz. Während sich hier in früheren Zeiten vorwiegend Händler und Handwerker niederließen, werden einige der Räumlichkeiten heutzutage als Cafés, Eisdielen oder Restaurants genutzt.
  • Im Maison Malartic hielt sich Heinrich von Navarra nach seiner Flucht aus Paris mehrere Male auf. Der Besitzer des Anwesens war ein treuer Freund und Waffengefährte des späteren französischen Königs.
Inneres der Kirche Notre-Dame
  • Die Église Notre-Dame fällt in erster Linie auf durch einen mächtigen Westturm, den die Bewohner des Ortes für einen ehemaligen Wehrturm (donjon) halten, der im 15./16. Jahrhundert in den Neubau der Kirche integriert wurde. Im Innern wirkt die Kirche denn auch so gar nicht wehrhaft – das breite und helle Schiff ist mit einem komplizierten spätgotischen Rippengewölbe geschmückt, dessen Schubkräfte – optisch – von zierlichen seitlichen Dienstbündeln abgefangen werden; seitlich ans Kirchenschiff schließen sich Kapellen an. Bemerkenswert sind die in Trompe-l’œil-Manier gemalten Architekturszenerien des flachen, nichtapsidialen Chorschlusses, die – ebenso wie die maßwerklosen Fenster – die Stilepoche der Renaissance erahnen lassen. Der Kirchenbau wurde im Jahr 1970 als Monument historique[1] anerkannt.
  • Die Kellergewölbe unterhalb des benachbarten Rathauses (mairie) wurden in Krisenzeiten als Getreidespeicher genutzt. Außerdem gab es auch eine Gefängniszelle.
Umgebung
  • Etwa zwei Kilometer außerhalb befindet sich die einfache romanische Église de Géou oder Église Notre-Dame des Cyclistes, so genannt, weil hier seit den 1950er Jahren alljährlich zu Pfingsten ein Radfahrertreffen stattfindet, das auf die Ideen und Initiativen eines vom Radsport begeisterten Pfarrers zurückgeht. Der Bau dient heutzutage keinen sakralen Zwecken mehr; vielmehr ist es eine Art Wallfahrtsstätte für Radsportbegeisterte aus aller Welt. Eines der neuen Kirchenfenster zeigt die Madonna – seitlich eingerahmt von einem Regenbogen, der aber auch unschwer als Radrennbahn identifiziert werden kann. Auch diese Kirche ist seit 1980 bzw. seit 1998 als Monument historique[2] anerkannt.
Protestantischer 'Tempel'
  • Ebenfalls außerhalb der Stadt steht eine ehemalige protestantische Kirche – der sogenannte Temple. Die erste – innerstädtische – Kirche der Protestanten am Ort fiel einem Brandanschlag zum Opfer – man wollte keine Andersgläubigen in der Stadt haben. Der jetzige Bau stammt aus dem Jahr 1607; nach dem Widerruf des Edikts von Nantes durch Ludwig XIV. im Jahre 1685 wurde der 'Tempel' geschlossen und als Scheune etc. genutzt. Es ist eines der wenigen protestantischen Bauwerke in Frankreich, die die schwierigen Zeiten der Hugenottenvertreibung überlebt haben. Heute dient die ehemalige Kirche als sehenswertes Museum zur Geschichte der Bastiden im Südwesten Frankreichs.
  • Das Château du Prada ist ein ganz im Stil des Klassizismus errichteter Landsitz aus dem Jahre 1764. Der Bauherr wünschte sich einen 'schönen und praktischen' Bau und beauftragte den Architekten Victor Louis, der wenige Jahre später das Theater von Bordeaux entwerfen und bauen sollte, mit der Planung. Der Bau wurde im Jahr 1984 als Monument historique[3] anerkannt.
  • Etwas außerhalb des Ortes steht ein ehemaliges Waschhaus (lavoir) aus dem 19. Jahrhundert.

Galerie[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Möglicherweise gab der große zentrale Platz von Labastide d’Armagnac den Anstoß für ein ähnliches Bauprojekt Heinrichs IV. in Paris – der Place des Vosges.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Labastide-d’Armagnac – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Église, Labastide-d’Armagnac in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  2. Église Notre-Dame des Cyclistes, Labastide-d’Armagnac in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch) bzw. Église Notre-Dame-des-Cyclistes, Labastide-d’Armagnac in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  3. Château du Prada, Labastide-d’Armagnac in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)