Landesvermessung

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Titelseite eines Buches über Landvermessung von 1616
Landvermesser in den Vereinigten Staaten (um 1923)

Landesvermessung (nicht: Landvermessung) ist jener Teilbereich der Geodäsie, der zur Grundlagenvermessung eines Staates oder Landes dient. Er besteht vor allem in der öffentlichen, auf Gesetz beruhenden Aufgabe, für das Territorium eines Staates:

  1. den geodätischen Raumbezug zu sichern, z. B. durch in der Örtlichkeit vermarkte Festpunkte oder durch die Unterhaltung eines satellitengestützten Positionierungsdienstes,
  2. die Geländeformen und die sichtbaren Gegenstände und Sachverhalte an der Erdoberfläche zu erfassen (Topografie) und
  3. diese signaturenbasiert und systematisch in den grundlegenden Landkarten und topografischen Landeskartenwerken darzustellen.
  4. Zu diesen drei „klassischen“ Aufgaben kommt seit den 1980er-Jahren, die Basisdaten der Landesvermessung objektbasiert in einem Geoinformationssystem vorzuhalten. Dies wird auch hinsichtlich moderner Forderungen an die stete Aktualität der Daten und Datenbanken immer wichtiger.

Bedeutung von Landes- und Geoinformation[Bearbeiten]

Geoinformationen sind wirtschaftlich und militärisch bedeutend, wie es z. B. schon 1894 in Otto Luegers Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, formuliert wurde:

„In jedem Kulturstaate ist für staatswissenschaftliche, militärische, technische und wissenschaftliche Zwecke, wie die Sicherung des Grundeigentums, Statistik, Grundsteuererhebung, Truppenübungen, Landesverteidigung, Land- und Forstwirtschaft, Bergbau, Industrie, Verkehr, Strassen-, Eisenbahn-, Strom- und Kanalbau, wissenschaftliche Untersuchungen (Geologie, Geophysik) u.s.w. die Beschaffung einer exakten Landesvermessung erforderlich. Dieselbe soll, den genannten Zwecken entsprechend, derart beschaffen sein, dass sie, soweit das technisch möglich ist, alle im öffentlichen Interesse erforderlichen geodätischen Unterlagen unmittelbar zu liefern vermag und besondere Vermessungen nicht notwendig oder doch möglichst eingeschränkt werden. Die für den öffentlichen Gebrauch bestimmten Ergebnisse einer Landvermessung sind zuverlässige Karten.“ aus

Im 18. bis 20. Jahrhundert hatten zunächst die militärischen Ingenieurgeographen (Ingenieuroffiziere) den wichtigsten Anteil an der Erstellung von Kartenwerken, was aber später zunehmend auf zivil-amtliche Geodäten, Karto- und Topografen überging. Seit dem 20. Jahrhundert sind auch privatwirtschaftliche Initiativen (Kartenverlage, Verkehr, Raumplanung, GIS-Dienste usw.) wesentlich an Karten- und Datendiensten beteiligt.

Ausführung[Bearbeiten]

Zeitleiste Landesvermessungen
1740 —
1750 —
1760 —
1770 —
1780 —
1790 —
1800 —
1810 —
1820 —
1830 —
1840 —
1850 —
1860 —
1870 —
1880 —
1890 —
1900 —
1910 —
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1940 —
1950 —
1960 —
1970 —
1980 —
1990 —
2000 —
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Landesaufnahmen zw. 1764–1987

Grundlagenvermessung[Bearbeiten]

Historische Entwicklung (in Stichworten):

Topografische Karten[Bearbeiten]

Die topografischen Landeskartenwerke werden meistens in einer Maßstabsreihe mit den Maßstäben 1:10.000, 1:25.000, 1:50.000, 1:100.000, 1:200.000 und 1:500.000, teilweise auch in verschiedenen Ausgaben mit unterschiedlichen Inhalten (z. B. mit/ohne Straßenaufdruck, nur Gelände mit Gewässern), geführt.

Topografische Karten, besonders in den Maßstäben 1:25.000 und 1:50.000, sind im Buchhandel erhältlich. Sie sind Grundlage weiterer Karten von Verlagen oder von Institutionen der Geowissenschaften.

Die Daten aus der Vermessung stehen den Vermessungsbefugten (Ämter, ÖbVI, Zivilingenieure) zur Verfügung – als Datenbank oder Punktkarten des Vermessungsnetzes. Solche Netze werden seit Gauß terrestrisch, heute auch mit GPS gemessen. Als Netz erster Ordnung bis fünfter Ordnung haben die Festpunkte Distanzen von 30–50 km bis herab zu etwa 500 m.

In Deutschland gehört die Landesvermessung in die Gesetzgebungszuständigkeit der Bundesländer und wird von den Landesvermessungsbehörden (Landesvermessungsamt) wahrgenommen. In anderen Staaten ist meist eine gesamtstaatliche Behörde verantwortlich – in Österreich das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen, in der Schweiz Swisstopo (siehe auch Amtliche Vermessung (Schweiz)).

Neogeographie[Bearbeiten]

Neben den amtlichen Kartendaten der Länder existiert seit Mitte 2004 das Projekt OpenStreetMap als eine weitere, kollaborative Form der Erhebung geografischer Daten. Dabei spenden Freiwillige die aus Luftbildern oder selbst erstellten GPS-Spuren abgeleiteten Vektordaten an ein international organisiertes Projekt. In vielen städtischen Regionen ist dadurch ein detailreicheres Kartenbild entstanden, als es die TK 1:25.000 der Länder wiedergibt. Dem gegenüber sieht es im ländlichen Raum oft schlecht aus, hier ist die Anzahl der Mithelfer geringer. Durch die Open Data-Initiative besteht seit jüngerer Zeit in manchen Regionen auch eine gewisse Form der Zusammenarbeit mit den Landesbehörden. Bei der Erstellung freier topografischer Karten werden meist Höhendaten der NASA hinzugezogen.

Beispiele[Bearbeiten]

Beispiele für Landesvermessungen sind

Hannoversche Landesaufnahmen und Karten

Hessische Landesaufnahmen

Preußische Landesaufnahmen und Karten

Rheinland

Sächsische Landesaufnahmen

Vorpommern

Württembergische Landesaufnahmen

Österreichisch-Ungarische Landesaufnahmen (1764–1987)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Präsentation des Atlas zur Geschichte und Landeskunde von Sachsen. S. 15 ff., abgerufen am 13. September 2013 (PDF; 3,9 MB): „[Unter] Aster und später Oberreit entstanden bis 1825 [...] 441 sächsische Meilenblätter[, ...] nach den Aufbewahrungsorten als das Dresdner, das Berliner und das Freiberger Exemplar bezeichnet. [Anm.: Um 1806 entstand aus dem Kurfürstentum das Königreich Sachsen.]