Lauda Sion

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Eröffnung der Sequenz Lauda Sion Salvatorem

Lauda Sion, genauer Lauda Sion Salvatorem (lat. für „Lobe, Zion, den Erlöser“) ist die Sequenz des Fronleichnamfestes. Sie wurde ungefähr 1264 von Thomas von Aquin verfasst, als dieses Fest eingeführt wurde. Der Text stellt die auf dem Vierten Laterankonzil festgeschriebene Lehre der römisch-katholischen Kirche zur Realpräsenz und zur Eucharistie in fasslicher und merkbarer Form dar.

Lauda Sion ist eine der fünf Sequenzen, die seit dem Konzil von Trient (1545–1563) noch in der Liturgie der katholischen Kirche gebraucht werden. Sie wird in der Heiligen Messe des Hochfests des heiligsten Leibes und Blutes Christi vor dem Evangelium gesungen und wurde unter anderem von Orlando di Lasso, Giovanni Pierluigi da Palestrina und Felix Mendelssohn Bartholdy vertont. Das gregorianische Choralthema Lauda Sion Salvatorem findet eine Replik im dritten Satz der Symphonie Mathis der Maler von Paul Hindemith (1934).

Vor der Zeit von Pietismus und Aufklärung war die Sequenz, ähnlich wie andere mittelalterliche Texte, zum Beispiel Anima Christi und Membra Jesu Nostri, auch im Luthertum verbreitet und wurde als Musica sub communione während der Austeilung des Abendmahls oder am Gründonnerstag vom Chor gesungen. Vertonungen gibt es hier unter anderem von Dietrich Buxtehude (BuxWV 68).

Im österreichischen Anhang des Gotteslobs findet sich das Lied „Deinem Heiland, deinem Lehrer“ (Musik: Michael Haydn) unter der Nr. 31. Im Anhang für das Bistum Trier findet sich das Lied unter der Nr. 844 und im Anhang des Erzbistums Berlin unter Nr. 849. Im Stammteil des Gotteslobs findet man unter Nummer 545 eine Übersetzung von Maria Luise Thurmair aus dem Jahr 1972 beginnend mit den Worten „Lobe, Zion, deinen Hirten“.

Text[Bearbeiten]

Lateinisch

Deutsch

Lauda Sion Salvatorem,
Lauda ducem et pastorem
In hymnis et canticis.

Deinem Heiland, deinem Lehrer,
deinem Hirten und Ernährer,
Sion, stimm ein Loblied an!

Quantum potes, tantum aude,
Quia maior omni laude,
Nec laudare sufficis.

Preis nach Kräften seine Würde,
da kein Lobspruch, keine Zierde
seinem Ruhm genügen kann.

Laudis thema specialis
Panis vivus et vitalis
Hodie proponitur.

Dieses Brot sollst du erheben,
welches lebt und gibt das Leben,
das man heut‘ den Christen weist.

Quem in sacræ mensa cœnæ
Turbæ fratrum duodenæ
Datum non ambigitur.

Dieses Brot, mit dem im Saale
Christus bei dem Abendmahle
die zwölf Jünger hat gespeist.

Sit laus plena, sit sonora;
Sit iucunda, sit decora
Mentis iubilatio,

Laut soll unser Lob erschallen
und das Herz in Freude wallen,
denn der Tag hat sich genaht,

Dies enim solemnis agitur
In qua mensæ prima recolitur
Huius institutio.

Da der Herr zum Tisch der Gnaden
uns zum ersten Mal geladen
und dies Mahl gestiftet hat.

In hac mensa novi Regis
Novum Pascha novæ legis
Phase vetus terminat.

Neuer König, neue Zeiten,
neue Ostern, neue Freuden,
neues Opfer allzumal!

Vetustatem novitas,
Umbram fugat veritas,
Noctem lux eliminat.

Vor der Wahrheit muss das Zeichen,
vor dem Licht der Schatten weichen,
hell erglänzt des Tages Strahl.

Quod in cœna Christus gessit,
Faciendum hoc expressit
In sui memoriam:

Was von Christus dort geschehen,
sollen wir fortan begehen,
seiner eingedenk zu sein.

Docti sacris institutis
Panem, vinum in salutis
Consecramus hostiam.

Treu dem heiligen Befehle
wandeln wir zum Heil der Seele
in sein Opfer Brot und Wein.

Dogma datur Christianis,
Quod in carnem transit panis
Et vinum in sanguinem.

Doch wie uns der Glaube kündet,
der Gestalten Wesen schwindet,
Fleisch und Blut wird Brot und Wein.

Quod non capis, quod non vides,
Animosa firmat fides
Præter rerum ordinem.

Was das Auge nicht kann sehen,
der Verstand nicht kann verstehen,
sieht der feste Glaube ein.

Sub diversis speciebus,
Signis tantum et non rebus,
Latent res eximiæ:

Unter beiderlei Gestalten
hohe Dinge sind enthalten,
in den Zeichen tief verhüllt.

Caro cibus, sanguis potus,
Manet tamen Christus totus
Sub utraque specie.

Blut ist Trank, und Fleisch ist Speise,
doch der Herr bleibt gleicherweise
ungeteilt in beider Bild.

A sumente non concisus,
Non confractus, non divisus
Integer accipitur.

Wer ihm nahet voll Verlangen,
darf ihn unversehrt empfangen,
ungemindert, wunderbar.

Sumit unus, sumunt mille,
Quantum isti, tantum ille,
Nec sumptus consumitur.

Einer kommt, und tausend kommen,
doch so viele ihn genommen,
er bleibt immer, der er war.

Sumunt boni, sumunt mali,
Sorte tamen inæquali,
Vitæ vel interitus.

Gute kommen, Böse kommen,
alle haben ihn genommen,
die zum Leben, die zum Tod.

Mors est malis, vita bonis,
Vide paris sumptionis
Quam sit dispar exitus

Bösen wird er Tod und Hölle,
Guten ihres Lebens Quelle,
wie verschieden wirkt dies Brot!

Fracto demum sacramento,
Ne vacilles, sed memento
Tantum esse sub fragmento,
Quantum toto tegitur.

Wird die Hostie auch gespalten,
zweifle nicht an Gottes Walten,
dass die Teile das enthalten,
was das ganze Brot enthält.

Nulla rei fit scissura,
Signi tantum fit fractura,
Qua nec status nec statura
Signati minuitur

Niemals kann das Wesen weichen,
teilen lässt sich nur das Zeichen,
Sach‘ und Wesen sind die gleichen,
beide bleiben unentstellt.

Ecce panis Angelorum,
Factus cibus viatorum,
Vere panis filiorum,
Non mittendus canibus!

Seht das Brot, die Engelspeise!
Auf des Lebens Pilgerreise
nehmt es nach der Kinder Weise,
nicht den Hunden werft es hin!

In figuris praesignatur,
Cum Isaac immolatur,
Agnus Paschæ deputatur,
Datur manna patribus.

Lang im Bild war‘s vorbereitet:
Isaak, der zum Opfer schreitet;
Osterlamm, zum Mahl bereitet;
Manna nach der Väter Sinn.

Bone pastor, panis vere,
Jesu, nostri miserere,
Tu nos pasce, nos tuere,
Tu nos bona fac videre
In terra viventium.

Guter Hirt, du wahre Speise,
Jesus, gnädig dich erweise!
Nähre uns auf deinen Auen,
lass uns deine Wonnen schauen
in des Lebens ewigem Reich!

Tu qui cuncta scis et vales,
Qui nos pascis hic mortales,
Tuos ibi commensales,
Cohæredes et sodales
Fac sanctorum civium.

Du, der alles weiß und leitet,
uns im Tal des Todes weidet,
lass an deinem Tisch uns weilen,
deine Herrlichkeit uns teilen.
Deinen Seligen mach uns gleich!

Franz Xaver Riedel (1773)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]