Leineweber

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Dieser Artikel behandelt den Beruf. Zu weiteren Bedeutungen siehe Leineweber (Begriffsklärung).
Leineweberin am Handwebstuhl

Leineweber oder Leinweber ist die historische Berufsbezeichnung für Weber von Leinen, einem auf Handwebstühlen in Leinwandbindung hergestellten Gewebe. Leinengewebe besteht ganz oder zu erheblichem Teil aus Leinengarn, einem mit aus Flachsfasern gesponnenem Garn. In ländlichen Gebieten erfolgte die Herstellung von Leinen häufig im bäuerlichen Nebenberuf.

Soziale Stellung[Bearbeiten]

Im Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit galt der Beruf des Leinewebers als „ehrlos“ und damit als unehrlicher Beruf.[1] In den städtischen Ständegesellschaften des Mittelalters wurden Kinder aus Leineweberfamilien daher meist von der Aufnahme in andere Zünfte ausgeschlossen. Erst Mitte des 16. Jahrhunderts erhielten sie durch Reichsgesetze der Jahre 1548 und 1577 die Möglichkeit, ein anderes Handwerk zu erlernen.[2]

Regionale Zentren[Bearbeiten]

Eines von mehreren historischen Zentren der Leinenweberei war das Ravensberger Land im Nordosten Nordrhein-Westfalens. Dort bauten die Bauern ab dem 17. Jahrhundert auf ihren Ackerflächen, statt Getreide, vorzugsweise den staatlich subventionierten Flachs an und verarbeiteten diesen in Heimindustrie zu Linnen oder Leinen. Der Leinenhandel führte zu einem gewissen Wohlstand der deshalb so genannten „Leinenstadt“ Bielefeld.

Wie in anderen Regionen auch, geriet das ostwestfälische Leinenhandwerk um 1830 in eine schwere Krise, als in Irland, England und Belgien mit der Produktion maschinell gewebter Stoffe begonnen wurde. Mit der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld entstand in den 1850er Jahren ein Unternehmen, das sich zur größten Flachsspinnerei Europas entwickelte.

Heute ist das Leineweberdenkmal ein Wahrzeichen der Stadt Bielefeld, jährlich findet dort der Leinewebermarkt statt, und die Eisenbahn-Nahverkehrslinie von Bielefeld nach Altenbeken heißt „Der Leineweber“.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jost Schneider: Sozialgeschichte des Lesens: zur historischen Entwicklung und sozialen Differenzierung der literarischen Kommunikation in Deutschland. Walter de Gruyter, Berlin 2004, S. 154. ISBN 3-11-017816-8
  2. Deutsche Encyclopädie oder Allgemeines Real-Wörterbuch aller Künste und Wissenschaften. Band 18, Varrentrapp und Wenner, Frankfurt am Main 1794, S. 277