Lex Salica

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Chlodwig diktiert die Lex Salica

Die Lex Salica (Pactus Legis Salicae, dt. Salisches Recht) wurde 507–511 auf Anordnung des Merowingerkönigs Chlodwig I. verfasst, womit sie eines der ältesten erhaltenen Gesetzbücher ist. Sie zählt zu den germanischen Stammesrechten. Benannt ist sie nach dem fränkischen Stamm der Salfranken. Der Text ist auf Latein verfasst, enthält jedoch germanische Fragmente. An die Lex Salica angelehnt ist die etwa 100 Jahre später zur Zeit des Merowingerkönigs Dagobert I. erschienene Lex Ripuaria.

Rechtsinhalt[Bearbeiten]

Handschrift der Lex Salica von 793 von Vandalgarius

In der Lex Salica wurden alte mündlich überlieferte Rechtsgepflogenheiten erstmals schriftlich niedergelegt. Obwohl wahrscheinlich jünger als der westgotische Codex Euricianus und die Lex Burgundionum der Burgunden, bewahrt die Lex Salica mehr Germanisch-Altertümliches, weil der Grad der Romanisierung der Franken zum betreffenden Zeitpunkt noch geringer war (was auch für die Lex Ripuaria zutrifft). Die Artikel befassen sich mit allen möglichen Rechtsfällen, wobei der Schuldige – sofern er freien Standes war – fast immer eine Geldbuße entrichten musste. Unfreie dagegen wurden mit Körperstrafen wie Hieben oder Rutenschlägen und in wenigen Fällen sogar mit dem Tod bestraft.

Dabei unterschieden sich die Strafen, je nachdem wer geschädigt wurde und wer der Täter war, so dass anhand der unterschiedlichen Strafmaße die Standesunterschiede der damaligen Gesellschaft deutlich werden. Beispielsweise stand auf Ermordung eines „Römers“, das heißt eines zur Provinzbevölkerung gehörenden Galloromanen, eine Geldstrafe in Höhe von 100 Schillingen aus, während die Tötung eines freien Franken in doppelter Höhe mit 200 Schillingen geahndet wurde. Wiederum höher stand die Gruppe der galloromanischen „Tischgenossen“ (Mitglieder des Hofes) des Königs mit 300 Schillingen, während das höchste Sühnegeld von 600 Schillingen für die Tötung von Mitgliedern des unmittelbaren Gefolges des Königs zu entrichten war. Fast modern mutet an, dass sogar Geldbußen für Beschimpfungen vorgesehen wurden, wobei das Wort „Hure“ mit 45 Schillingen am höchsten bestraft wurde.

Des Weiteren enthielt die Lex Salica - wie auch die Lex Ripuaria - Bestimmungen über das Erbrecht und die Gerichtsordnung. In Anlehnung an diese Erbrechtsbestimmungen wurde später in vielen europäischen Herrscherhäusern die Thronfolge so festgelegt, dass Frauen nicht die Krone erben konnten, selbst dann nicht, wenn keine männlichen Erben existierten: In terram salicam mulieres ne succedant.[1] Frauen waren also von der Erbfolge in Grundstücke ausgeschlossen. Diese besondere Bestimmung der Lex Salica wird heute oft als das Salische Recht schlechthin verstanden. In dieser Form wurde sie jedoch erstmals in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts verwendet – um zu legitimieren, dass 1317 Philipp V. unter Umgehung der weiblichen Erbfolge auf den französischen Thron gelangt war, es wurden also nicht nur Töchter des Königs von der Erbfolge ausgeschlossen, sondern auch deren Nachkommen. Dieser Erbfolgestreit wurde eine der Ursachen für den Ausbruch des Hundertjährigen Krieges. Diese Bestimmung gilt noch heute in einigen Monarchien und als Hausrecht in den meisten deutschen Adelshäusern. Wegweisend wurde sie schon 1713 mit der Pragmatischen Sanktion für die Habsburgermonarchie außer Kraft gesetzt. Viele Monarchien, die das Salische Erbrecht über Jahrhunderte anwandten, haben sich noch in jüngerer Zeit einer weiblichen Thronfolge geöffnet (beispielsweise Schweden 1980; Belgien und Norwegen 1991; Großbritannien 2013). Im Jahr 1837 führte die Tatsache, dass das salische Recht im Königreich Hannover galt, zum Ende der über ein Jahrhundert lang geltenden Personalunion zwischen Großbritannien und Hannover, da Victoria nur die britische, nicht aber auch die hannoveranische Krone erben konnte.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • J. B. Herold: Originum ac germanicarum antiquitatum libri. Basel 1557, 1–37. (wieder abgedruckt in Eckhardt 1954)
  • Johannes Merkel: Lex salica. Berlin 1850 mit Vorwort von Jacob Grimm.
  • Clement Jungbohn, Knut: Forschungen über das Recht der Salischen Franken vor und in der Königszeit. Berlin 1876. (Ausgabe mit Erläuterungen und erstem Versuch einer hochdeutschen Übersetzung)
  • Jan Hendrik Hessels: Lex salica. The ten texts with the glosses, and the Lex emendata. London 1880.
  • J. Fr. Behrend: Lex salica. 2. Auflage. Weimar 1897.
  • Heinrich Geffcken: Lex Salica. Zum akademischen Gebrauche herausgegeben und erläutert von ... Leipzig 1898.
  • Karl August Eckhardt: Die Gesetze des Merowingerreiches 481–714. Böhlau, Weimar 1935. (Germanenrechte. Texte und Übersetzungen, 1), 1–153.
    • 2. Bearbeitung: Karl August Eckhardt: Die Gesetze des Merowingerreiches. I. Pactus legis salicae. Recensiones Merovingicae. Witzenhausen 1955, (Germanenrechte. Texte und Übersetzungen, 1).
    • 3. Bearbeitung: Karl August Eckhardt: Die Gesetze des Merowingerreiches. I. Pactus legis salicae. Witzenhausen 1963, (Germanenrechte. Texte und Übersetzungen, 1).
  • Karl August Eckhardt: Die Gesetze des Karolingerreiches 714–911. I. Salische und ribuarische Franken. Böhlau, Weimar 1934, (Germanenrechte. Texte und Übersetzungen, 2, 1).
    • 2. Bearbeitung: Karl August Eckhardt: Lex Salica: Recensio Pippina. Böhlau, Weimar 1953, (Germanenrechte. Texte und Übersetzungen, 2, 1).
  • Karl August Eckhardt: Pactus legis Salicae. (Germanenrechte Neue Folge, Westgermanisches Recht).
    • 1, 1: Einführung und 80 Titel-Text. Musterschmidt, Göttingen 1954.
    • 1, 2: Systematischer Text. Musterschmidt, Göttingen 1957.
    • 2, 1: 65 Titel-Text. Musterschmidt, Göttingen 1955.
    • 2, 2: Kapitularien und 70 Titel-Text. Musterschmidt, Göttingen 1956.
    • 3: Lex Salica. 100 Titel-Text. Böhlau, Weimar 1953.
  • Karl August Eckhardt: Pactus legis Salicae. Hahn, Hannover 1962, (Monumenta Germaniae Historica; Leges; Leges nationum Germanicarum; 4, 1).
  • Karl August Eckhardt: Lex salica. Hahn, Hannover 1969, (Monumenta Germaniae Historica; Leges; Leges nationum Germanicarum; 4, 2) ISBN 3-7752-5054-9.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Achim Roll: Zur Geschichte der Lex Salica-Forschung. Scientia, Aalen 1972, ISBN 3-511-02837-X.
  • Elisabeth Magnou-Nortier: Remarques sur la genèse du Pactus Legis Salicae et sur le privilège d'immunité (IVe–VIIe siècles). In: Clovis. Histoire et mémoire. Sous la direction de Michel Rouche. Band 1: Le baptême de Clovis, l'événement. Presses de l'Université de Paris-Sorbonne, Paris 1997, 495–537, ISBN 2-84050-079-5.
  • Leges – Gentes – Regna. Zur Rolle von germanischen Rechtsgewohnheiten und lateinischer Schrifttradition bei der Ausbildung der frühmittelalterlichen Rechtskultur. Herausgegeben von Gerhard Dilcher, Eva-Marie Distler; Erich Schmidt Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-503-07973-4; darin:
    • Ruth Schmidt-Wiegand: Sprache, Recht, Rechtssprache bei Franken und Alemannen vom 6.–8. Jahrhundert. (S. 141-158).
    • Hans-Werner Goetz: Gens-Regnum-Lex: das Beispiel der Franken. (S. 537-542).
  • Bernard Barbiche: Les institutions de la monarchie française à l'époque moderne, XVIe-XVIIIe siècle. PUF, Paris 1999, 2. éd. 2001.
  • Jean Barbey, Frédéric Bluche, Stéphane Rials: Les lois fondamentales et succession de France. D.U.C, 1984.
  • Marc Ferro: Histoire de France. Poches Odile Jacob, 2001.
  • Éliane Viennot: La France, les femmes et le pouvoir, Volume 1, L'invention de la loi salique (Ve-XVIe siècle). Perrin, 2006.
  • Sylvain Soleil: Introduction historique aux institutions - du IVe au XVIIIe siècle. ChampsUniversité, Flammarion 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Salic law – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. So die vereinfachte Fassung bei Shakespeare, Henry V., I 2. Im Original heißt es (Pactus legis Salicae 59, § 6): "De terra autem Salica nulla in muliere hereditas est, sed ad virilem sexum, qui fratres fuerint, tota terra pertineat." (vergleiche MGH, Legum Sectio I, Band 4/1 (= Eckhardt 1962), S. 223)