Liebfrauenmilch

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Liebfrauenkirche in Worms mit Weinbergen, um 1900

Liebfrauenmilch ist ein lieblicher deutscher Qualitätswein (QbA), der aus Rheinhessen, dem Rheingau, der Pfalz oder von der Nahe kommt. Er wird vor allem exportiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Herr: „Hören Sie, Herr Ober, eine Flasche Liebfrauenmilch für 40 Dänische Kronen, das ist doch teuer!“ – Ober: „Entschuldigen Sie, aber die Dame trinkt es immer, wenn sie hier diniert, und die anderen Herren haben sich noch nie über den Preis beklagt.“ – Sketch im dänischen Magazin Ravnen, 1901

Ihren Ursprung hat die Liebfrauenmilch in den Weinbergen der Liebfrauenkirche in Worms (Rheinhessen). Erstmals wurde die berühmte „Lieben Frauen Milch“ zu Worms 1744 erwähnt. Damals durfte diese Bezeichnung nur verwendet werden, wenn die Trauben in dem Bereich „soweit der Turm der Liebfrauenkirche seinen Schatten werfe“ wuchsen. Diese „echte“ Liebfrauenmilch ist heute als „Wormser Liebfrauenstift-Kirchenstück“ von den Winzern Gutzler, Schembs, Spohr und Valckenberg erhältlich.

International bekannt wurde die Liebfrauenmilch durch das 1786 von Peter Joseph Valckenberg gegründete Weinhandelshaus, das zwischen 1808 und 1850 den Großteil der Weinberge um die Liebfrauenkirche erwerben konnte. Erfolgreich baute Valckenberg ein Exportgeschäft mit der Marke Liebfrauenmilch auf. Als Trittbrettfahrer folgten ihm Winzer der Umgebung und boten ebenfalls diese Marke, die nicht geschützt war, an. Im 19. Jahrhundert gehörten die britische Königsfamilie und Charles Dickens zu den Endverbrauchern der Liebfrauenmilch. Um 1900 galt dieser Weißwein als einer der besten Europas. Wegen der zahlreichen Nachahmerprodukte führte Valckenberg schon 1909 die Weinmarke „Liebfrauenmilch Madonna“ ein, die abweichend von den allgemeinen Qualitätsanforderungen aus ausschließlich in Rheinhessen gewachsenen Trauben gekeltert wird.

Heute gilt Liebfrauenmilch eher als eine Marke für lieblichen Weißwein. Für Liebfrauenmilch dürfen nur bestimmte Rebsorten verwendet werden, die aber nicht auf dem Etikett genannt sind. Zu mindestens 70 % muss der Wein aus den Rebsorten Riesling, Müller-Thurgau, Bacchus, Silvaner und/oder Kerner bestehen. Die Restsüße darf nicht unter 18 g/l liegen.

Weil Liebfrauenmilch in den 1970er und 1980er Jahren auf den deutschen Exportmärkten zu einem preiswerten Supermarktwein wurde, hat der bis dahin gute Ruf des deutschen Weißweins sehr gelitten.[1][2] So findet sich Liebfrauenmilch, abgefüllt in Großflaschen oder Getränkekartons, beispielsweise in vielen britischen und russischen Supermärkten.

Zitate[Bearbeiten]

„Liebfrauenmilch, so heißt nach dem allgemeinen Haushaltungslexicon. Leipzig 1750. II. Theil. ein guter Rheinwein, der in Worms auf dem so genannten Kirchhofe wächst, und vor andern daselbst wachsenden Weinen einen Vorzug hat.“

Oeconomischen Encyclopädie (1773–1858) von Johann Georg Krünitz[3]

„All I have to say on the subject of the Liebfraumilch, is, that if it should come here, I will drink in it, to the health of everybody, great and small, in that large family-house at Worms.“

Charles Dickens in einem Brief an die Familie Josef Valckenberg, 25. Juni 1846[4]

„It is uncommon fine, sir. Liebfraumilch of the most delicious quality.“

Thomas Lithers in dem Stück Mr. Nightingale's Diary von Charles Dickens und Mark Lemon, 1851[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ingrid Luise Røhme: Deutsche Weine und ihre Stellung in Norwegen. Hat die „Renaissance des Rieslings“ Norwegen erreicht? Masterarbeit an der Universität Oslo, Frühjahr 2006, S. 21, pdf-Datei im Portal duo.uio.no, abgerufen am 6. Oktober 2013
  2. Eric Pfanner: After the Debacle Called Liebfraumilch. Artikel vom 12. Oktober 2012 im Portal nytimes.com, abgerufen am 6. Oktober 2013
  3. Oeconomische Encyclopädie, Online-Version.
  4. Versteigerungsinformation zum Buch A Christmas Carol von Charles Dickens (Bradbury & Evans, London 1846), das sich im Besitz des Wormser Weinhändlers Josef Valckenberg (Sohn von Peter Joseph Valckenberg) befunden hatte, im Portal christies.com abgerufen am 6. Oktober 2013
  5. Charles Dickens, Mark Lemon: Mr. Nightingale's Diary, 1851, abgerufen im Portal home.earthlink.net am 6. Oktober 2013