Silvaner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
‘Silvaner’
Synonyme ‘Grüner Silvaner’, ‘Sylvaner’ – für weitere siehe Abschnitt Synonyme
‘Silvaner’
Art Edle Weinrebe (Vitis vinifera subsp. vinifera)
Beerenfarbe grün
Verwendung
Herkunft Österreich
bekannt seit 1659
VIVC-Nr. 11805
Abstammung

Kreuzung aus
Traminer[1] × ‘Österreichisch Weiß

Liste von Rebsorten

‘Silvaner’ ist eine Weißweinsorte, die auch ‘Grüner Silvaner’ oder ‘Sylvaner’ genannt wird. Sie ist eine autochthone Sorte von Österreich und hat ihre größte Verbreitung in Deutschland. In ihrem Ursprungsland hat sie nur untergeordnete Bedeutung. ‘Silvaner’ bringt bei guter Reife und nicht zu hohem Ertrag harmonische Weine mit feiner Säure und zarter Blume.

Herkunft[Bearbeiten]

‘Silvaner’ aus der Ampelografie von Viala und Vermorel

Der ‘Silvaner’ gelangte im 17. Jahrhundert aus dem Donauraum (Österreich) nach Deutschland und wurde dort früher ‘Österreicher’ genannt. Er wurde am 10. April 1659 erstmals nachweislich in Deutschland in Castell (Franken) gepflanzt. 1665 pflanzte Alberich Degen, Abt des Klosters Ebrach, erstmals eine Silvaner-Rebe in der Weinberganlage „Würzburger Stein“. Somit feierte Deutschland 2009 das Jubiläum 350 Jahre Silvanerrebe mit einigen Sonderveranstaltungen. Bis in die 1970er Jahre war der ‘Silvaner’ in Deutschland mit mehr als 30 % Flächenanteil die meistangebaute Rebsorte. Dann sank ihr Anteil beständig.

Abstammung[Bearbeiten]

Natürliche Kreuzung von ‘Traminer’ × ‘Österreichisch Weiß’.[2]

Ampelographische Sortenmerkmale[Bearbeiten]

  • Die Triebspitze ist offen. Sie ist hellgrün und mittelwollig behaart. Die Jungblätter sind spinnwebig behaart und von gelblicher Farbe.
  • Die mittelgroßen Blätter sind rundlich, meist ganz oder schwach dreilappig und wenig gebuchtet. Die Stielbucht ist V-förmig, offen bis geschlossen. Das Blatt ist nur schwach gezähnt. Die Zähne sind im Vergleich der Rebsorten sehr breit angelegt. Die Blattoberfläche (auch Spreite genannt) ist kaum blasig.
  • Die meist walzenförmige Traube ist selten geschultert, mittelgroß und mittel dichtbeerig bis kompakt. Die rundlichen Beeren sind mittelgroß und von grünlicher Farbe. Bei Überreife werden die braun gepunkteten Beeren gelbgrün. Die Schale der Beere ist mittelstark bis dick. Daher ist der Silvaner kaum empfindlich gegen die Rohfäule.

Reife: Die Trauben reifen Anfang bis Mitte Oktober, physiologisch ca. 2 Wochen später als die des Gutedels.

Spielarten vom Silvaner[Bearbeiten]

Roter Silvaner[Bearbeiten]

Rotbeerige Spielart vom ‘Silvaner’. Aus einer Kreuzung von ‘Trollinger’ × ‘Roter Silvaner’ ist die Sorte ‘Happenbach’ entstanden.

Blauer Silvaner[Bearbeiten]

‘Blauer Silvaner’

Entstand durch eine Farbmutation aus dem ‘Grünen Silvaner’ und ist eine Weißweinsorte, die heute nur noch selten angebaut wird. Die Farbe der Trauben variiert von einem hellen Grauton bis zu einem tiefen Violett. Die Sorte wurde ab 1964 aus Beständen von ‘Grünem Silvaner’ heraus selektioniert und ist seit 1984 als Ertragsrebsorte in Deutschland zugelassen. Die Sorte soll in der Regel um 4 °Oechsle höheres Mostgewicht bringen. Die Weine sind meist fruchtiger, extraktreicher und haben bei einer kurzen Maischestandzeit einen rotgoldenen Farbschimmer.

→siehe ‘Blauer Silvaner

Ertrag[Bearbeiten]

Der ‘Grüne Silvaner’ ist kräftig im Wuchs, fruchtbar und liefert – dank der starken Blütenfestigkeit – gleichmäßig hohe Erträge in frostsicheren Lagen. ‘Silvaner’ ist anfällig für Echten Mehltau und aufgrund der mittelmäßigen Holzreife winterfrostempfindlich.

Sehr gute Qualitäten können mit einer ausreichenden Ertragsregulierung (→ Reberziehung) erzielt werden.

Selektion[Bearbeiten]

Die Klonenselektion wurde 1876 durch Gustav Adolf Froehlich erstmals mit dem ‘Silvaner’ praktiziert. Er vermehrte gezielt Rebstöcke aus besonders leistungsfähigen Rebstöcken.

Ansprüche[Bearbeiten]

Silvaner benötigt fruchtbare, durchlässige mittelschwere bis schwere Böden mit guter Nährstoffversorgung, ansonst geht das Wachstum der Triebe stark zurück (er holzt ab). Trockene, flachgründige Böden sind ungünstig für die Sorte. Wegen der Winterfrostempfindlichkeit soll er nicht in spätreifende oder tiefe Lagen gepflanzt werden.

Wein[Bearbeiten]

Bei guter Reife und nicht zu hohem Ertrag liefert die Sorte harmonische Weine mit feiner Säure und zarter Blume. Der Weincharakter des Silvaners wird sehr vom Standort und der Bodenbeschaffenheit geprägt. Auf Lehmböden werden sie oft neutral, dagegen entstehen auf Verwitterungsböden, wie z. B. in Franken oder um den Kaiserstuhl, feine, elegante Weine. Vom Typ her ist ‘Silvaner’ eine Rebsorte, die zwar ein weniger ausgeprägtes Fruchtspiel (→ Säure (Wein)) bringt, dafür aber ein exzellenter Terroir-Anzeiger ist.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Vorteile

  • Trägt regelmäßig und sicher.
  • Benötigt mittelgute Lagen mit tiefgründigen Böden.

Nachteile

Verbreitung[Bearbeiten]

Silvanertraube

In Deutschland waren im Jahr 2013 5074 Hektar ( = 5 % der deutschen Rebfläche) mit der Rebsorte Silvaner bestockt. Im Jahr 2006 waren noch 5314 Hektar[3] Anbaufläche bestockt, nachdem im Jahr 1999 noch 6828 Hektar[4] erhoben wurden.

Heute wird die Silvanerrebe hauptsächlich in Rheinhessen und der Pfalz angebaut. In Franken ist der ‘Silvaner’ sogar zusammen mit dem ‘Müller-Thurgau’ die Leitsorte. In Rheinhessen hat das Weinmarketing ein qualitativ hoch angesiedeltes Gütesiegel für den Wein dieser Rebsorte geschaffen, den RS oder Rheinhessen Silvaner. Weitere Anbaugebiete sind Kaiserstuhl und Saale-Unstrut-Region, Österreich, die Schweiz (246,3 Hektar, Stand 2007),[5] Südtirol oder das Elsass (1446 Hektar).[6][7]

Die Rebflächen in Deutschland (Stand 2013) verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:

Anbaugebiet[8][9] Fläche [ha] Anteil [%]
Deutschland 5.074 5,0
Rheinland-Pfalz 3.342 5,2
Rheinhessen
2.371 8,9
Pfalz
723 3,1
Nahe
247 5,9
Ahr
2
Mittelrhein
1
Bayern (Franken) 1406 22,8
Baden-Württemberg 243 0,9
Baden
139
Württemberg
104
Saale-Unstrut 56
Hessen 25 0,7
Hessische Bergstrasse
16
Rheingau
9

Synonyme[Bearbeiten]

Die Herkunft erklärt das Synonym ‘Österreicher’.

‘Arvine’, ‘Arvine Grande’, ‘Augustiner Weiss’, ‘Augustraube Weisse’, ‘Beregi Szilvani’, ‘Boetzinger’, ‘Cilifantli’, ‘Clozier’, ‘Cynifadl Zeleny’, ‘Cynifal’, ‘Cynifal Zeleny’, ‘Feuille Ronde’, ‘Fliegentraube’, ‘Franken’, ‘Frankenriesling’, ‘Frankentraube’, ‘Fueszeres Szilvani’, ‘Gamay Blanc’, ‘Gelber Silvaner’, ‘Gentil Vert’, ‘Grande Arvine’, ‘Gros Plant Du Rhin’, ‘Gros Rhin’, ‘Gros Riesling’, ‘Gros-Rhin’, ‘Gruenedel’, ‘Gruener’, ‘Gruener Silvaner’, ‘Gruener Sylvaner’, ‘Gruener Zierfahndler’, ‘Gruener Zierfahnler’, ‘Gruener Zierfandl’, ‘Gruener Zierfandler’, ‘Gruener Zirfahndler’, ‘Gruener Zirfantler’, ‘Gruenfraenkisch’, ‘Gruenlich Gelber Sylvaner’, ‘Johannisberger’, ‘Krupnyi Risling’, ‘L'Auxerrois’, ‘Mishka’, ‘Momavaka’, ‘Monterey Riesling’, ‘Moravka’, ‘Morawka’, ‘Mourton’, ‘Movavka’, ‘Mushka’, ‘Mushza’, ‘Musza’, ‘Nemetskii Rizling’, ‘Oesterreicher’, ‘Oesterreicher Gruener’, ‘Oestreicher’, ‘Pepitraube’, ‘Pepltraube’, ‘Picardon Blanc’, ‘Picardor Blanc’, ‘Picardou Blanc’, ‘Plant Du Reno’, ‘Plant Du Rhin’, ‘Raisin D'Autriche’, ‘Rhin’, ‘Rundblatt’, ‘Salfin’, ‘Salfin Belyi’, ‘Salfine Bely’, ‘Salvaner’, ‘Salvener’, ‘Salvenier’, ‘Salviner’, ‘Scharvaner’, ‘Scherwaner’, ‘Schoenfeiler’, ‘Schoenfeilner’, ‘Schwaebler’, ‘Schwuebler’, ‘Sedmogradka’, ‘Sedmogradska Zelena’, ‘Seleni Kleshez’, ‘Selenzhiz’, ‘Selivan’, ‘Silvain Vert’, ‘Silvanac Zeleni’, ‘Silvanai Zeleni’, ‘Silvaner’, ‘Silvaner Bianco’, ‘Silvaner Bianco Franken’, ‘Silvaner Blanc’, ‘Silvaner Green’, ‘Silvaner Gruener’, ‘Silvaner Verde’, ‘Silvaner Vert’, ‘Silvaner White’, ‘Silvani Zoeld’, ‘Silvania’, ‘Silvanske’, ‘Silvanske Zelene’, ‘Sonoma Riesling’, ‘Sylvan Zeleny’, ‘Sylvaner’, ‘Sylvaner Green’, ‘Sylvaner Gruen’, ‘Sylvaner Verde’, ‘Sylvaner Vert’, ‘Sylvanertraube’, ‘Sylvanske Rane’, ‘Sylvanske Zelene’, ‘Szemendrianer’, ‘Szilvani Feher’, ‘Tschafahndler’, ‘Tschafahnler’, ‘Weissblanke’, ‘Weisser Augustiner’, ‘Weisser Oesterreicher’, ‘Weisser Silvaner’, ‘Weisser Sylvaner’, ‘Yesil Silvaner’, ‘Zelena’, ‘Zelena Sedmogradka’, ‘Zelencic’, ‘Zeleni Silvanac’, ‘Zeleni Silvanec’, ‘Zeleny’, ‘Ziehfaedler’, ‘Zierfahndler’, ‘Zierfandler’, ‘Zierifandel’, ‘Zierifandler’, ‘Zinifal’, ‘Zoeld Silvani’, ‘Zoeld Szilvani’, ‘Zoeldsilvani’, ‘Zoeldszilvani’

Züchtungen[Bearbeiten]

Silvaner wurde bei einer Reihe von Neuzüchtungen verwendet wie bei: ‘Bukettraube’, ‘Juwel’, ‘Kanzler’, ‘Osteiner’, ‘Sicher’, ‘Diana’, ‘Freisamer’, ‘Gloria’, ‘Mariensteiner’, ‘Morio-Muskat’, ‘Multaner’, ‘Nobling’, ‘Rieslaner’, ‘Bacchus’. ‘Cantaro’, ‘Optima’, ‘Regent’.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Zusammen mit dem ersten Rheinhessen-Festival 2004 wurde eine Silvaner-Trophy ausgelobt. Weinbegeisterte aus ganz Deutschland kommen zu diesen Veranstaltungen, bei denen sich alles um die Rebsorte dreht. Die angestellten Weine werden in zwei Durchgängen - nach Restzucker aufsteigend sortiert - blind probiert und bewertet. Die Trophy wird vom Rheinhessenwein e. V. organisiert.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Silvaner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Silvaner – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferdinand Regner, Verzeichnis der österreichischen Qualitätsrebsorten und deren Klone, LFZ, Klosterneuburg
  2. Ferdinand Regner, Verzeichnis der österreichischen Qualitätsrebsorten und deren Klone, LFZ, Klosterneuburg
  3.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2007/2008, (PDF; 430 kB) (Memento vom 20. September 2008 im Internet Archive). Mainz 2007.
  4.  Deutsches Weininstitut: Statistik 2004/2005, (PDF; 777 kB) (Memento vom 20. September 2009 im Internet Archive). Mainz 2004.
  5. Bundesamt für Landwirtschaft BLW, Das Weinjahr 2008 (PDF), Herausgeber Bundesamt für Landwirtschaft BLW
  6. LES CEPAGES BLANCS DANS LE VIGNOBLE (PDF), Statistik zu weißen Rebsorten je Großregion, Teil 1, Veröffentlichung des OFFICE NATIONAL INTERPROFESSIONNEL DES FRUITS, DES LEGUMES, DES VINS ET DE L’HORTICULTURE – kurz ONIVINS, Stand 2008
  7. LES CEPAGES BLANCS DANS LE VIGNOBLE (PDF), Statistik zu weißen Rebsorten je Großregion, Teil 2, Veröffentlichung des OFFICE NATIONAL INTERPROFESSIONNEL DES FRUITS, DES LEGUMES, DES VINS ET DE L’HORTICULTURE – kurz ONIVINS, Stand 2008
  8. Statistisches Bundesamt (2014): Land- und Forstwirtschaft, Fischerei. Landwirtschaftliche Bodennutzung - Rebflächen. Fachserie 3 Reihe 3.1.5.
  9. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz (2014): Statistische Berichte - Bestockte Rebflächen 2013. Bad Ems, C I - j/13, Kennziffer: C1073 201300, ISSN: 1430-5070.