Lulu (1962)

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Filmdaten
Deutscher Titel Lulu
Originaltitel Lulu
Produktionsland Österreich
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1962
Länge 95 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Rolf Thiele
Drehbuch Rolf Thiele,
Herbert Reinecker
Produktion Otto Dürer
für Vienna-Film Produktion
Musik Carl de Groof
Kamera Michel Kelber
Schnitt Eleonore Kunze
Besetzung

Lulu ist eine österreichische Literaturverfilmung von Rolf Thiele aus dem Jahr 1962. Sie beruht auf dem Stück Lulu, einer Zusammenfassung der Stücke Erdgeist und Die Büchse der Pandora von Frank Wedekind aus dem Jahr 1913.

Handlung[Bearbeiten]

Lulu wird mit 14 Jahren von Verleger Dr. Schön von der Straße geholt. Sie wollte ihm eine Uhr stehlen, er wollte aus ihr eine Dame machen. Als er glaubt, ihr nichts mehr beibringen zu können, verheiratet er die junge Frau mit dem Medizinalrat Dr. Goll. Der lässt sie zu seinem Geigenspiel tanzen und bei Maler Schwarz zeichnen. Als Dr. Schön den wachsamen Goll aus dem Maleratelier lotst, versucht der Lulu verfallene Schwarz prompt, die junge Frau zu verführen. Weil Goll unerwartet zurückkehrt und beide in eindeutiger Situation sieht, erleidet er einen Anfall und stirbt. Im Atelier erscheint zum ersten Mal die Gräfin Geschwitz, die Lulu liebt und mit ihr eine Weltreise unternehmen will. Dr. Schön jedoch plant, Lulu erneut zu verheiraten.

Wenig später ist Lulu die Ehefrau von Maler Schwarz. Sie ist gelangweilt mit dem Mann, der sich seit der Eheschließung nicht mehr um sie bemüht. Sie betrügt ihn daher mit Dr. Schön, der jedoch selbst eine Heirat plant und daher Schwarz von den Eskapaden seiner Frau berichtet. Der labile Schwarz erschießt sich. Lulu wird nun, unterstützt von Dr. Schöns Sohn Alva, eine Attraktion in einem Varieté. Als sie als Blumenmädchen tanzen soll und im Publikum Dr. Schön mit seiner Verlobten sieht, fühlt sie sich von ihm verhöhnt. Statt der Rolle des Blumenmädchens führt sie den lasziven Tanz der Salomé vor. Als Dr. Schön sie wegen des Skandals zur Rede stellt, umgarnt sie ihn. Bald darauf ist sie mit ihrem Ziehvater Schön verheiratet.

Auch diese Ehe ist unglücklich, gehen bei Lulu die Männer doch weiterhin ein und aus. Ihr früherer Lehrvater von der Straße Schigolch bringt zusammen mit dem Dompteur Rodrigo fremde Männer zu Lulu, die wiederum von Alva begehrt wird. Lulu würde sich Alva hingeben. Der betrogene Dr. Schön kehrt eines Tages zu früh nach Hause zurück, sieht seinen Sohn mit Lulu und zückt einen Revolver. Lulu tötet ihren Mann in Notwehr. Sie kommt ins Gefängnis.

Erst 18 Monate später gelingt ihr mithilfe von Schigolch, Rodrigo, Alva und Gräfin Geschwitz die Flucht aus dem Gefängnis. Zu fünft fliehen sie nach Paris, wo Rodrigo ein Spielcasino eröffnet. Er liebt die Gräfin, die jedoch nur Lulu begehrt. Als Alva, Lulu und die Gräfin sämtliche Gelder verspielt haben und Rodrigo Lulu, auf deren Ergreifung eine Belohnung ausgesetzt ist, an die Polizei ausliefern will, führt Lulu ihm scheinbar die Gräfin zu. Diese beißt ihm bei einer Dressurvorführung die Pulsadern auf. Rodrigo verblutet. Zu viert gelingt die Flucht nach London, wo sie in armen Verhältnissen leben. Lulu prostituiert sich, doch ist es Alvas Eifersucht, die die Freier vertreibt. Als Gräfin Geschwitz sich angesichts eines neuen Freiers schwört, Lulu aufzugeben, wird diese ermordet – ihr letzter Freier war Jack the Ripper.

Produktion[Bearbeiten]

Lulu wurde von 15. Januar bis zum 15. März 1962 in Wien gedreht. Die deutsche Uraufführung fand am 7. Juni 1962 im Turm-Palast in Frankfurt am Main statt.

Die FSK gab den Film zunächst ab 18 Jahren frei; inzwischen besitzt er eines FSK 16.

Kritik[Bearbeiten]

Der Spiegel befand 1962: „Die Entfesselung des Sexus wirkt statt als Affront allenfalls als Kitzel. Anstelle der alle Sittengesetze umstürzenden Dämonie des Geschlechts praktiziert Nadja Tiller […] professionellen Sex-Appeal mittels Netzstrümpfen und Schleierhemdchen. Kabarettistische Arabesken, Thieles Spezialität, nehmen Wedekinds schreiend-bunter Szenenfolge die letzte Schärfe.“[1]

Das Lexikon des Internationalen Films bezeichnete Lulu als eine „mißlungene… Kinoversion“ des Wedekindschen Stoffes: „Lustgestöhn, Schweißausbrüche und eine schleimige Plüsch-Atmosphäre sorgen für jene ‚Lasterhaftigkeit‘, die im deutschen Film der frühen sechziger Jahre als ‚gewagt‘ galt.“[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neu in Deutschland: Lulu. In: Der Spiegel, Nr. 26, 1962, S. 66–67.
  2. Klaus Brüne (Hrsg.): Lexikon des Internationalen Films. Band 5. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 2338.