M-Pesa

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Werbeplakat zur Einführung von M-Pesa in Tansania

M-Pesa ist ein von der kenianischen Mobilfunkfirma Safaricom in Kooperation mit dem Kommunikationsunternehmen Vodafone entwickeltes und Anfang 2007 in Kenia eingeführtes System für die Abwicklung von grundlegenden Funktionen des Geldtransfers und des privaten bargeldlosen Zahlungsverkehrs über Mobiltelefone ohne die Notwendigkeit eines regulären Bankkontos. Es ermöglicht den Nutzern über als M-Pesa-Agents bezeichnete Händler die Ein- und Auszahlung von Bargeld auf ein elektronisch geführtes Guthaben. Auf dieser Basis können dann direkte bargeldlose Übertragungen vom eigenen M-Pesa-Guthaben an andere M-Pesa-Nutzer und Übertragungen von Geld an Personen ohne eigenes M-Pesa-Guthaben durch Abwicklung über einen M-Pesa-Agent durchgeführt werden.

Die Bezeichnung „M-Pesa“ setzt sich zusammen aus dem Kürzel „M“ für mobile und dem aus dem Swahili stammenden Wort „Pesa“ für Bargeld. Seit Februar 2008 wird von Vodafone und der Mobilfunkfirma Roshan unter der Bezeichnung M-Paisa in Afghanistan ein vergleichbarer Dienst angeboten, seit April 2008 ist M-Pesa darüber hinaus in Tansania und seit September 2010 auch in Südafrika verfügbar. Vodafone plant im Weiteren die Einführung in zusätzlichen Ländern wie beispielsweise Indien, Ägypten und Äthiopien.

Funktionsweise[Bearbeiten]

M-Pesa-Agent in Tansania

Als Agents fungieren bei M-Pesa beispielsweise die Niederlassungen der Firma Safaricom, die Inhaber von Tankstellen und Supermärkten oder die Betreiber von Internetcafés. Neben der bargeldlosen Übertragung zwischen M-Pesa-Agents und M-Pesa-Kunden sowie zwischen verschiedenen M-Pesa-Kunden besteht für M-Pesa-Kunden auch die Möglichkeit, ein als Airtime bezeichnetes Prepaid-Gesprächsguthaben zu kaufen, das durch eine direkte Übertragung an andere Safaricom-Kunden als Ersatzwährung fungieren kann. Eine weitere verbreitete und vom Anbieter nicht vorhergesehene Anwendung ist die Nutzung des M-Pesa-Guthabens als elektronische Geldbörse durch Ein- und Auszahlung von größeren Geldbeträgen zum sicheren Transfer während einer Reise.

M-Pesa fungiert damit in zunehmendem Umfang als Alternative zu einem regulären Bankkonto beziehungsweise einer Kreditkarte sowie anderen Formen des Geldtransfers und des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Deren Nutzbarkeit ist in Kenia und anderen Ländern insbesondere im ländlichen Bereich durch die geringe Vor-Ort-Verfügbarkeit von Bankfilialen und Geldautomaten stark eingeschränkt. Auch für Kunden, für die aufgrund ihres geringen Einkommens ein Bankkonto oder eine Kreditkarte nicht erhältlich oder nicht wirtschaftlich ist, stellt M-Pesa eine Ersatzlösung dar. Die Bezahlung der Nutzung erfolgt pro Transaktion, so dass keine Kosten für den Bestand des M-Pesa-Guthabens entstehen.

Die Transaktionen werden durch die Übertragung von SMS-Nachrichten zwischen den Kunden beziehungsweise zwischen den Kunden und den Agents abgewickelt. Technisch basiert M-Pesa auf der Ergänzung der Funktionen der SIM-Karte des Telefons durch sogenannte SIM-Toolkit-Erweiterungen, die jeweils spezifisch für M-Pesa-Kunden und für M-Pesa-Agents sind. Es ist damit ohne weitere technische Voraussetzungen mit nahezu jedem Mobiltelefon nutzbar.

Verbreitung[Bearbeiten]

Nach einer ab Oktober 2005 laufenden Testphase mit acht Agents und 500 Kunden, die mit kostenlosen Telefonen ausgestattet wurden, besteht das System in Kenia seit März 2007 als regulärer Dienst. Bereits einen Monat nach Einführung hatten sich 20.000 Kunden registriert. Rund ein Jahr nach dem Start hatte M-Pesa in Kenia bereits rund 1,6 Millionen Nutzer, was zu diesem Zeitpunkt etwa einem Drittel aller Safaricom-Kunden und fast fünf Prozent der kenianischen Bevölkerung entsprach. Auch in den Folgejahren stieg die Zahl der Kunden weiter, im ersten Halbjahresbericht 2011 gab Safaricom die Zahl der M-Pesa-Nutzer mit 14,9 Millionen an. Damit nutzten rund 80 Prozent der Mobilfunkkunden den Service.[1]

Im Februar 2008 begann Vodafone zusammen mit der Mobilfunkfirma Roshan mit der Einführung eines vergleichbaren Dienstes in Afghanistan, der beispielsweise auch von Firmen zur Auszahlung von Gehältern an ihre Mitarbeiter genutzt werden kann. Im Rahmen dieses M-Paisa genannten Projekts erproben Vodafone und Roshan aufgrund der geringen Alphabetisierungsrate in Afghanistan darüber hinaus die Nutzung einiger der angebotenen Funktionen mittels Spracherkennung. Seit Ende April 2008 bietet die Firma Vodacom M-Pesa auch in Tansania an, seit September 2010 kooperiert Vodafone mit der südafrikanischen Bankengruppe Nedbank bei der Einführung in Südafrika. Vodafone plant in naher Zukunft die Vermarktung von M-Pesa in weiteren Ländern wie beispielsweise Indien, Ägypten oder Äthiopien.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gregor Honsel: Geld gegen SMS. In: Technology Review. Das M.I.T.-Magazin für Innovation. 1, 2008, ISSN 1613-0138, S. 42/43.
  • Nick Hughes, Susie Lonie: M-PESA: Mobile Money for the „Unbanked“ Turning Cellphones into 24-Hour Tellers in Kenya. In: innovations. 2, 1–2, 2007, ISSN 1558-2477, S. 63–81.
  • William Jack, Tavneet Suri: Mobile Money. The Economics of M-PESA. The National Bureau of Economic Research, Cambridge MA 2011 (NBER Working Paper Series 16721).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Safaricom Limited Announces Unaudited Results for the First Half Ended 30th September 2011 (zuletzt abgerufen am 19. Dezember 2011)