Makkabiade

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Insignie der Makkabiade
Logo des Makkabi Weltverband

Die Makkabiade, auch Makkabia genannt, im Plural Makkabiot, ist die größte internationale jüdische Sportveranstaltung und ist ähnlich wie die Olympischen Spiele konzipiert. Sie entstand während der Zionismusbewegung der 1930er-Jahre aus der jüdischen Makkabi-Sportbewegung. Die Organisation liegt beim Makkabi-Weltverband (MWV). Zum ersten Mal wurde sie 1932 in Tel Aviv veranstaltet. Seit 1953 findet sie regelmäßig alle vier Jahre in Israel statt. Die 19. Makkabiade fand vom 18.[1] bis zum 30. Juli 2013[2] statt.

Ebenfalls im Vier-Jahres-Rhythmus, jeweils zwei Jahre nach der Makkabiade in Israel, findet die europäische Makkabiade statt. Im Jahr 2011 war Wien vom 5. bis 13. Juli Austragungsort der 13. Europäischen Makkabiade. Die nächste wird 2015 in Berlin stattfinden.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Bezeichnung Makkabiade ist von Judas Makkabäus hergeleitet, der im 2. Jahrhundert v. Chr. Anführer eines jüdischen Aufstandes gegen die Herrschaft der Seleukiden unter Antiochos IV. war („Makkabäer-Aufstand“). Makkabäus ist die vom griechischen Makkabaios abgeleitete Form, was wiederum vom aramäischen Makkaba abgeleitet wird und bedeutet übersetzt der Hammer.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Schwimmbecken der Makkabiade 1950
Das Ramat-Gan-Stadion in Tel Aviv, in dem die Eröffnungsfeierlichkeiten abgehalten werden (im Bild ist jedoch ein Fußballspiel zu sehen)

Auf dem Weg zur Makkabiade steht die Ausbildung jüdischer Turn- und Sportvereine (u. a. Makkabi-Bewegung).

Die Juden waren im 19. Jahrhundert zahlreich in den europäischen Turnvereinen vertreten. Die Errichtung jüdischer Vereine ist durch zwei Effekte begründet. Einerseits wurden Juden aufgrund des wachsenden Antisemitismus aus nationalen Turnvereinen gedrängt. Ein drastisches Beispiel dafür ist Österreich; dort wurden 1901 die Juden aus den Turnvereinen ausgeschlossen. Andererseits motivierte der aufkommende Nationalismus einige Juden, sich jüdischen Vereinen anzuschließen.

1895 wurde in Konstantinopel der erste jüdische Turnverein gegründet, doch von diesem Verein ging keine Signalwirkung aus. Erst nach Max Nordaus Rede auf dem zweiten Zionistischen Kongress über das „Muskeljudentum“, in der er das körperliche Training der Juden forderte, wurde 1898 in Berlin der Turnverein Bar Kochba gegründet. Deutschland und insbesondere Berlin spielten für die Bildung der zionistischen Turnvereine und für die Bildung der Makkabia die zentrale Rolle, von hier aus ist die zionistische Sportzeitung „Jüdische Turnzeitung“ (JTZ) verlegt worden und die leitenden Mitglieder hatten wichtigen Einfluss auf die Gründung anderer Vereine (z. B. sind die ersten Turnvereine in Palästina unter tatkräftiger Hilfe von Elias Auerbach und Ernst Hermann, zwei ehemalige Berliner Bar-Kochba-Mitglieder, entstanden), dem Makkabi-Weltverband (MWV) und schließlich der Makkabia. Im Zuge dieses Vereins wurden in ganz Deutschland und im Ausland weitere Vereine gegründet.

Für die zionistische Bewegung war turnerische Übung wichtig, was man an den Reden und Veranstaltungen an den Kongressen sehen kann. Am 6. Zionistischen Kongress 1903 hielt Mandelstamm eine Rede, in der er genauso wie zuvor Nordau die körperliche „Hebung“ der Juden forderte. Außerdem wurden turnerische Vorführungen veranstaltet und auf diesem 6. Kongress die „Jüdische Turnerschaft“, der Verband zionistischer Turnvereine gegründet, der später der Makkabi-Weltverband geworden ist. 1921 wurde bei dem 21. Zionistischen Kongress in Karlsbad der Makkabi-Weltverband gegründet. In den Vereinen sollte der jüdischen Jugend der Zionismus nahegebracht werden, denn das körperliche Training wurde nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern propagiert um den „Volkskörper“ zu gesunden und um die Jugend an die körperliche Arbeit in Palästina zu gewöhnen. Die Makkabi-Bewegung arbeitete deswegen eng mit der zionistischen Jugendorganisation Hapoel Hazair und den Hachschara-Zentren (Ausbildungszentren zur Auswanderung nach Palästina) zusammen. Einzelne jüdische Turntage werden in Europa abgehalten wie der Turntag 1930 in Antwerpen. Die hier aufgereihte Geschichte der Makkabi-Sportvereine ist nur ein Teil der gesamten jüdischen Turnbewegung, neben den Makkabivereinen gab es z. B. noch die Arbeitersportvereine „HaPoel“ (gegründet 1924), den „Reichsbund Deutscher Jüdischer Frontsoldaten“ (RDjF), die revisionistischen Sportvereine „Betar“ (gegründet 1924) und den religiösen Sportverein „Elitzur“ (gegründet 1939). An den ersten beiden Makkabiaden nahmen der RDjF und der Betar nicht teil, sandten aber Vertreter zu den Eröffnungsfeierlichkeiten. Die jüdische Sportwelt war also ähnlich zersplittert wie das politische Leben der Juden. Diese Aufsplitterung zeigt das auch kulturelle Bereiche wie der Sport politisiert wurden, diese Aufsplitterung sollte sich erst lange nach der Staatsgründung lösen.

Anfänge[Bearbeiten]

Bei Tel Aviv wurde zu der ersten Makkabiade das erste Sportstadion des Landes gebaut und vom 28. März bis zum 31. März 1932 fand diese erste Makkabiade mit 20.000 Besuchern in Palästina statt, ein symbolisch gelegtes Jahr, nämlich genau 1800 Jahre nach dem Beginn des Aufstandes von Bar Kochba gegen die Römer. Drei Jahre später fand vom 2. bis 7. April 1935 die zweite Makkabiade mit 40.000 bis 50.000 Besuchern und 1.350 Sportlern aus 28 Ländern statt. Die für 1938 geplante dritte Makkabiade wurde wegen des Arabischen Aufstand nicht durchgeführt. Danach kam es aufgrund der nationalsozialistischen Schrecken, dem Zweiten Weltkrieg und dem Unabhängigkeit zu keiner weiteren Makkabiade

20. Jahrhundert (zweite Hälfte)[Bearbeiten]

Erst 1950 wurde wieder eine Makkabiade ausgetragen. Die nächste folgte 1953. Danach wurde analog den Olympischen Spielen ein Rhythmus von vier Jahren festgelegt.

Austragungen[Bearbeiten]

Eröffnungszeremonie der 1. Makkabiade
Eröffnungszeremonie der 17. Makkabiade

Tabelle[Bearbeiten]

Nr. Jahr Zeitraum Austragungsort Teilnehmer Nationen
1. 1932 28. März bis 2. April Makkabia Stadium, Tel Aviv 390 18
2. 1935 2.–7. April Makkabia Stadium, Tel Aviv 1.350 28
3. 1950 27. September bis 8. Oktober Ramat Gan 800 20
4. 1953 Ramat-Gan-Stadion 890 22
5. 1957 Ramat-Gan-Stadion 980 20
6. 1961 Ramat-Gan-Stadion 1.000 27
7. 1965 Ramat-Gan-Stadion 1.200 27
8. 1969 Ramat-Gan-Stadion 1.450 27
9. 1973 9. Juli bis ? Ramat-Gan-Stadion 1.500 26
10. 1977 Ramat-Gan-Stadion 2.700 34
11. 1981 Ramat-Gan-Stadion 3.450 33
12. 1985 Ramat-Gan-Stadion 3.700 37
13. 1989 Ramat-Gan-Stadion 4.400 45
14. 1993 Ramat-Gan-Stadion 5.100 48
15. 1997 Ramat-Gan-Stadion 5.100 33
16. 2001 16.-23. Juli Teddy-Kollek-Stadion, Jerusalem 3.300 49
17. 2005 11.–21. Juli Ramat-Gan-Stadion 7.700 55
18. 2009 12.–24. Juli Ramat-Gan-Stadion 9.000 55
19. 2013 18.–30. Juli Ramat-Gan-Stadion 9.000 76
20. 2017

Logos[Bearbeiten]

Winter-Makkabiot[Bearbeiten]

Die bisher einzigen beiden Winter-Makkabiaot fanden in Europa statt:

Nr. Jahr Austragungsort Teilnehmer Nationen
1. 1933 Zakopane, Polen 250 8
2. 1936 Banská Bystrica, Tschechoslowakei 2.000 12

Europäische Makkabiot[Bearbeiten]

Austragungsorte der europäischen Makkabiot sind:[3]

Nr. Jahr Austragungsort Teilnehmer
1. 1929 Prag, Tschechoslowakei
2. 1930 Antwerpen, Belgien
3. 1959 Kopenhagen, Dänemark
4. 1963 Lyon, Frankreich
5. 1979 Leicester, Vereinigtes Königreich
6. 1983 Antwerpen, Belgien
7. 1987 Kopenhagen, Dänemark
8. 1991 Marseille, Frankreich
9. 1995 Amsterdam, Niederlande
10. 1999 Stirling, Vereinigtes Königreich
11. 2003 Antwerpen, Belgien
12. 2007 Rom, Italien 1.800[4]
13. 2011 Wien, Österreich 2.000[5]
14. 2015 Berlin, Deutschland

Pan-amerikanische Makkabiot[Bearbeiten]

Die Konfederation of Latin American Maccabi’s (CLAM) veranstaltet seit 1966 Panamerikanische Makkabiot:[6][7]

Nr. Jahr Austragungsort
1. 1966 Sao Paulo, Brasilien
2.
3.
4. 1979 Mexico City, Mexiko
5. 1983 Brasilien
6. 1987 Caracas, Venezuela
7. 1991 Uruguay
8. 1995 Buenos Aires, Argentinien
9. 1999
10. 2003 Santiago de Chile, Chile
11. 2007 Buenos Aires, Argentinien
12. 2011 Sao Paulo, Brasilien
13. 2015 Chile

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Simmenauer: Die Goldmedaille. Erinnerungen an die Bar Kochba-Makkabi Turn- und Sportbewegung 1898–1938 (=Deutsche Vergangenheit. Band 36). Hentrich, Berlin 1989 & 1991, ISBN 3-926175-65-6 (Mit einem Beitrag von Kurt Schilde: Spurensicherung. Jüdischer Sport von 1933–1938. Mit Abbildung; Si. war ein Pionier der Bewegung).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutschlandfunk: Am 18. Juli beginnt in Israel ein riesiges Sportereignis: die Makkabiade
  2. http://www.israelnetz.com/sport/detailansicht/aktuell/makkabiade-in-jerusalem-beendet/
  3. http://www.makkabi.com/145-0-Info.html%7Cww.makkabi.com, abgerufen am 21. März 2014
  4. http://www.makkabi.com/147-0-2007-Rom.html%7Cwww.makkabi.com, abgerufen am 21. März 2014
  5. http://www.israelnetz.com/sport/detailansicht/aktuell/makkabiade-in-jerusalem-beendet/
  6. http://maccabi.org/pan-american-maccabi-games%7Cwww.Maccabi.org, abgerufen am 21. März 2014.
  7. http://www.mainlinemedianews.com/articles/2012/04/10/sports/doc4f846dd7799bf568034682.txt%7Cwww.mainlinemedianews.com, abgerufen am 21. März 2014.

Weblinks[Bearbeiten]