Magnesiummangel

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Dieser Artikel behandelt Magnesiummangel bei Menschen, zu Mangelerscheinungen bei Pflanzen siehe Chlorose und bei Mangelerscheinungen beim Rind siehe Weidetetanie.
Klassifikation nach ICD-10
E61 Mangel an sonstigen Spurenelementen
E61.2 Magnesiummangel
E83 Störungen des Mineralstoffwechsels
E83.4 Störungen des Magnesiumstoffwechsels
Hypermagnesiämie
Hypomagnesiämie
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Als Magnesiummangel bezeichnet man einen Mangel an Magnesium im Körper mit Abnahme der Magnesiumkonzentration im Blut, in der Fachsprache Hypomagnesiämie genannt. Ein Magnesiummangel kann aus verschiedenen Gründen auftreten. Magnesium ist für den Menschen lebenswichtig. Es ist an vielen Stoffwechselvorgängen beteiligt.

Ursachen für Magnesiummangel[Bearbeiten]

Magnesiummangel entsteht durch zu geringe Aufnahme mit der Nahrung, durch verminderte Absorption im Darm oder durch zu intensive Ausscheidung über Nieren und Haut.

Zu den möglichen Ursachen eines Magnesiummangels gehören auch

  • einseitige Kostformen (Diäten),
  • zu geringe Nahrungszufuhr (insbesondere im Alter) oder
  • erhöhter Bedarf infolge von Belastungen, Stress, Sport und Schwangerschaft.

Zu den möglichen Ursachen eines Magnesiummangels gehören aber auch genetische Ursachen, die den Aufnahmemechanismus (Magnesiumresorption) im Darm oder die Magnesium-Wiederaufnahme (Rückresorption) in der Niere beeinträchtigen.

Zu den sekundären Ursachen gehören verschiedene Erkrankungen, die zu einer Verschlechterung der Magnesiumbilanz im Körper beitragen:

Auch verschiedene Medikamente beeinträchtigen die Magnesiumbilanz (z. B. wassertreibende Mittel (Diuretika), Antibiotika, Chemotherapeutika).

Magnesium ist zu 99 % intrazellulär lokalisiert. Dies bedeutet, dass der gemessene Blutspiegel den Magnesium-Pool des Körpers nur unzureichend widerspiegelt, und erklärt, warum eine isolierte Blutspiegel-Messung einen Magnesiummangel oft weder beweisen noch widerlegen kann (es sei denn, es liegt ein klinisch sofort behandlungsbedürftiger Fall vor, bei dem die Körperspeicher aufgebraucht sind, etwa durch langandauernde extreme Fehlernährung oder Alkoholismus).

Auswirkungen von Magnesiummangel[Bearbeiten]

Magnesiummangel verursacht aufgrund der zahlreichen Körperfunktionen des Magnesiums meist mehrere Symptome gleichzeitig, so dass man von einem Magnesiummangelsyndrom (auch als Hypomagnesiämiesyndrom bezeichnet) spricht. Zu den vielschichtigen Symptomen zählen:

Magnesiummangel bzw. das tetanische Syndrom (die Magnesiummangeltetanie) ist eine sehr ernstzunehmende Erkrankung. Die Erscheinungsformen des tetanischen Syndroms ändern sich mit dem Alter:

Säuglings- und Kleinkindalter[Bearbeiten]

Im Säuglings- und Kleinkindalter finden sich Geburtskomplikationen, leichte Gedeihstörungen, Infektanfälligkeit, erhöhte Krampfbereitschaft (Zahn- und Fieberkrämpfe) sowie eine verspätete Zahnung.

Schulkindalter[Bearbeiten]

Im Schulkindalter sind Konzentrations- und Schlafstörungen, Nervosität, Bauch- und Kopfschmerzen, Kollapszustände, circa ab dem 10. Lebensjahr Muskelkrämpfe, circa ab dem 15. Lebensjahr Beklemmungsgefühle und Luftnot Erscheinungen des Magnesiummangels. Mädchen haben oft eine verspätet einsetzende Regelblutung und Regelschmerzen (Menstruationsbeschwerden); mitunter ist auch die Zyklusdauer verändert.

Erwachsenenalter[Bearbeiten]

Im Erwachsenenalter treten rasche Erschöpfbarkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, Ängste, Depressionen, Muskelkrämpfe (in der Wadenmuskulatur, in den Gefäß- und Eingeweidemuskeln), Kopfschmerzen, Migräne (diffuse und/oder migräneartige Kopfschmerzen sind die Regel), unklare Oberbauchbeschwerden und Koliken auf. Ab circa dem 30. Lebensjahr kommen typische tetanische Verkrampfungen (Pfötchenstellung) und ab circa dem 40. Lebensjahr auch neurologische Ausfälle, sogenannte transitorische ischämische Attacken (TIAs), die zur zeitweiligen Sauerstoffunterversorgung des Gehirns führen, hinzu.

Die Muskelschwäche ist für die Patienten häufig viel belastender als die Muskelkrämpfe. Der klassische tetanische Anfall, d. h. die anhaltende Verkrampfung des Körpers einschließlich der Lippenmuskulatur („Karpfenmaul“), kommt höchstens bei 20 % der Patienten vor.

Frauen neigen zu Schwangerschaftskomplikationen wie Erbrechen, Ödemen, Harneiweiß, Bluthochdruck (Präeklampsie und Eklampsie) und Fehlgeburten.

ADS / ADHS und Magnesiummangel[Bearbeiten]

ADS (siehe auch: Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und Magnesiummangel haben teilweise eine überlappende Symptomatik.[1]. Bei der Diagnose ADS und einem nachgewiesenen Magnesiummangel kann eine Therapie mit Magnesium die Symptome des ADS verbessern.[2][3]

Schlaganfall und Magnesiummangel[Bearbeiten]

In einer Metaanalyse, in die sieben prospektive Studien mit insgesamt 241.378 Teilnehmern einbezogen wurden, zeigte sich ein knapp statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Magnesium-Aufnahme und ischämischem Schlaganfall. Das relative Risiko sank bei täglicher Aufnahme von 100 mg Magnesium um 8 Prozent. Bei Hirnblutungen (intrazerebrale Blutung und Subarachnoidalblutung) bestand dieser Zusammenhang nicht.[4]

Häufigkeit von Magnesiummangel[Bearbeiten]

Ernährungsstudien zufolge ist bei 10 bis 20 % der Bevölkerung von latentem Magnesiummangel[5][6][7][8][9][10] auszugehen. Stehen dem gesunden Körper seine Regulationsmechanismen voll zur Verfügung, kann der Darm sehr effektiv Magnesium absorbieren und die Niere extrem effektiv Magnesium resorbieren, sodass die Magnesiumbilanz gerade noch ausbalanciert wird.

Im Unterschied hierzu haben ca. 20 % der Patienten auf Intensivstationen einen zu geringen Magnesiumwert im Blutspiegel (eine sogenannte Hypomagnesiämie). Auch bei Jugendlichen findet sich in 11 % der Fälle eine Hypomagnesiämie.[11][12] Bezogen auf die Besucher einer Allgemeinarztpraxis liegt die Quote bei ca. 7 %.

Ein genetisch bedingter Magnesiummangel kommt schätzungsweise bei 0,1 bis 1 % der Bevölkerung vor. In diesen Fällen sind die körpereigenen Regulationsmechanismen nicht mehr oder nur unzureichend in der Lage, ausgleichend zu wirken. Daher muss die Magnesiumzufuhr erheblich gesteigert werden, wozu magnesiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel oder magnesiumhaltige Arzneimittel (600 bis 1200 mg pro Tag) Anwendung finden können.

Prophylaxe und Behandlung[Bearbeiten]

Magnesiummangel kann durch eine ausgewogene Ernährung vorgebeugt werden. Bei den oben genannten Beschwerden, die zu Beginn als leicht empfunden werden und die einen nicht gleich zum Arzt führen, ist eine Selbstmedikation mit Magnesium möglich. Durch Magnesiummangel begründete Beschwerden können nach Einnahme von Magnesiumpräparaten geringer werden oder ganz verschwinden. Grundsätzlich ist die Konsultation eines Arztes erforderlich, um das Magnesiummangelsyndrom, das tetanische Syndrom bzw. den Magnesiummangel festzustellen.

Veterinärmedizin[Bearbeiten]

Beim Rind führt fütterungsbedingter Magnesiummangel zum Krankheitsbild der Weidetetanie.

Botanik[Bearbeiten]

Bei Pflanzen kommt es durch einen Magnesiummangel zur Chlorose.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. D.-H. Liebscher/U.C. Liebscher; Magnesiummangeltetanie - eine angeborene Magnesiumverlusterkrankung;Nieren- und Hochdruckkrankheiten;2010 Mai; 209-219
  2. Frank Häßler, Alexander Dück, Olaf Reis und Johannes Buchmann Psychopharmakotherapie -2007/14, "Alternative" pharmakologische Therapien bei ADHS, Seite 229-236
  3. D.-H.Liebscher, K.Baerlocher,H.-G.Classen,U.C.Liebscher,G.-W.Ratzmann,W.Vierling,A.Weigert, K.Kisters Nieren- und Hochdruckkrankheiten-40/3(Mai 2011), Magnesiummangel und -therapie bei ADHS, Seite 123-128
  4. S. C. Larsson, N. Orsini, A. Wolk: Dietary magnesium intake and risk of stroke: a meta-analysis of prospective studies. In: The American journal of clinical nutrition. Band 95, Nummer 2, Februar 2012, S. 362–366, ISSN 1938-3207. doi:10.3945/ajcn.111.022376. PMID 22205313.
  5. Durlach J. Recommended dietary amounts of magnesium: Mg RDA. Magnes Res 1989; 2: 195-203.
  6. Waldemar Bobkowski, Agnieszka Nowak, Jean Durlach ;The importance of magnesium status in the pathophysiology of mitral valve prolapse; Magnesium Research. Volume 18, Number 1, 35-52, March 2005
  7. D.-H. Liebscher, U.C. Liebscher Nieren- und Hochdruckkrankheiten-39/5(Mai 2010), Magnesiummangeltetanie - eine angeborene Magnesiumverlusterkrankung, Seite 214/215
  8. Eaton SB, Eaton SB 111. Paleolithic vs. modern diets - selected pathophysiological implications. Eur J Nutr. 2000; 39: 67-70
  9. Liebscher DH, Liebscher DE. Unter- und Fehlversorgung von Patienten mit Magnesiummangel: In Anke M et al. Mengen- und Spurenelemente. 23. Arbeitstagung Jena 2006, Schubert Verlag 2006, S. 661-667
  10. http://www.magnesium-kommentar.de/archiv/2002_09_01_archive.html
  11. Ernährungsstudie der Universität Hohenheim - Schimatschek HF, Classen HG: Magnesium-Bulletin 1993; 15: 85-104
  12. Schimatschek HF, Classen HG, Baerlocher K, Thöni HP: Der Kinderarzt 1997; 28: 196-203

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Classen H-G, Achilles W, Bachem MG et al.: Magnesium: Indikationen zur Diagnostik und Therapie in der Humanmedizin. Magnes. Bulletin 1986; 8: 127-35.
  • Dörner K: Magnesium. In: Thomas L, Hrsg.: Labor und Diagnose. Frankfurt/M.: TH-Books Verlagsges. 2000; 5: 348-50.
  • Durlach J: Magnesium in der klinischen Praxis. Jena & Stuttgart: Fischer-Verlag 1992.
  • Fehlinger R: Magnesium und tetanisches Syndrom. Magnes. Bulletin 1980; 2: 40-47.
  • Fehlinger R: Therapy with magnesium salts in neurological diseases. Magnes. Bulletin 1990; 12: 35-42.
  • Fehlinger, R.: Zur Familiarität des tetanischen Syndroms - Ein kasuistischer Beitrag. Magnes. Bulletin 1991; 13: 53-57.
  • Härter M: Partizipative Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) - ein von Patienten, Ärzten und der Gesundheitspolitik geforderter Ansatz setzt sich durch. Z. ärztl. Fortbild. Qual. Gesundh.wes. 2004; 98: 89-92.
  • Liebscher D-H: Selbstmedikation mit hochdosiertem Magnesium. In: Schmitt Y, Hrsg.: Ernährung und Selbstmedikation mit Spurenelementen. Schriftenreihe der Ges. Mineralstoffe Spurenelemente e.V. Stuttgart: WVG 2003; 75-86.
  • Liebscher D-H: Hereditary magnesium-deficiency tetany - a magnesium losing disorder. Trace Elem. Elec. 2005; 22: 164.
  • Liebscher, D-H, Fauk D: Fallbericht: Späte hochdosierte orale Magnesiumtherapie bei einer 83-jährigen Frau mit Magnesiummangeltetanie. Magnes. Bulletin 2000; 22: 100-02.
  • Liebscher D-H, Liebscher D-E: About the difficulties in diagnosis of magnesium-deficiency tetany by practitioners from the view of patients. Magnes. Res. 2001; 14: 147-48.
  • Liebscher D-H, Liebscher D-E: Zum individuellen Bedarf an essentiellen Stoffen - am Beispiel des Magnesiums. In: Anke M, Müller R., Schäfer U, Stoeppler M, Hrsg.: Mengen- und Spurenelemente. 21. Arbeitstagung Jena 2002. Leipzig: Schubert-Verlag 2002; 1309-16.
  • Liebscher D-H, Liebscher, D-E: About the misdiagnosis of magnesium deficiency. J Am Coll Nutr 2004a; 23: 730S-31S.
  • Liebscher D-H, Liebscher, D-E: Zur Genetik der Magnesiummangeltetanie des Erwachsenen als spät erkannte Form angeborener Magnesiumverlusterkrankungen. In: Anke M, Flachowsky G, Kisters K et al., Hrsg.: Mengen- und Spurenelemente. 22. Arbeitstagung Jena 2004. Leipzig: Schubert-Verlag 2004b; 718-24.
  • Llewelyn H, Ang HA, Lewis K, Al-Abdulla A: Oxford Handbook of Clinical Diagnosis. Oxford University Press 2006.
  • Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen: Koordination und Qualität im Gesundheitswesen. Punkt 597 - Demenz. Internetdokument 2005, S. 448.
  • Schimatschek HF, Classen HG, Baerlocher K, Thöni H: Kinderarzt 1997; 28: 196-203.
  • Schlingmann KP, Konrad M, Seyberth HW: Genetics of hereditary disorders of magnesium homeostasis. In: Pediatr Nephrol. 2004; 19: 13-25.
  • Schwabe, U. Umstrittene Arzneimittel. In: Schwabe U, Paffrath D, Hrsg.: Arzneimittelverordnungs-Report 2005: S. 24-30.
  • Seelig MS, Rosanoff A: The magnesium factor: How one simple nutrient can prevent, treat, and reverse high blood pressure, heart disease, diabetes and other chronic disease. New York: Avery Penguin Group Inc 2003.
  • Spätling L, Classen HG, Külpmann R et al.: Diagnostik des Magnesiummangels - Aktuelle Empfehlungen der Gesellschaft für Magnesium-Forschung e.V. Fortschr. Med. 2000: 118, 49-53.
  • Von Ehrlich B: Magnesiummangelsyndrom in der internistischen Praxis. Magnes. Bulletin 1997; 19: 29-30.
  • Weber S, Konrad M: Angeborene Magnesiumverlusterkrankungen. Dtsch. Ärztebl 2002; 99: 1023-28.
  • Swaminathan R: Magnesium metabolism and its disorders. Clin Biochem Rev. 2003 May;24(2):47-66. PMID 18568054

Weblinks[Bearbeiten]

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