Magnetorheologische Stoßdämpfer

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Als magnetorheologische Stoßdämpfer bezeichnet man spezielle Stoßdämpfer,[1] die mit einer magnetorheologischen Flüssigkeit gefüllt sind. Sie werden vorwiegend in der Automobilindustrie verwendet und hauptsächlich in sportlich orientierten Fahrzeugen eingesetzt. Die erforderliche Dämpfkraft kann sehr schnell abhängig von Fahrzustand und Straßenbeschaffenheit verändert werden. Diese Art von Stoßdämpfern ermöglichen eine wesentlich bessere Dämpfung und einen höheren Fahrkomfort als herkömmliche Stoßdämpfer.

Verschiedene Automobilhersteller bieten „magnetorheologische Stoßdämpfer“ entweder serienmäßig oder optional in ihren Modellen an. Die Markenbezeichnungen sind zum Teil jedoch unterschiedlich.

Funktionsweise[Bearbeiten]

Das Prinzip gleicht den herkömmlicherweise verwendeten Hydraulikdämpfern, bei denen die Federbewegung des Rades über die Verdrängung eines Hydrauliköles gedämpft wird. Die eingesetzte Flüssigkeit, ein spezielles magnetorheologisches Dämpferöl, ist hingegen mit mikroskopisch kleinen, magnetisch polarisierbaren Metallpartikeln durchsetzt. Über die elektronische Anbindung ist es nun möglich, ein Magnetfeld im Stoßdämpfer zu erzeugen. Die Metallpartikel werden dadurch in Richtung Magnetfeld ausgerichtet und beeinflussen damit entscheidend die Viskosität, d. h. die Fließfähigkeit des Dämpferöles. Durch Anlegen einer Spannung wird die Anordnung der Magnetpartikel und somit die physikalische Konsistenz (Viskosität) der nahezu verzögerungsfrei reagierenden Flüssigkeit variiert, wodurch sich Ansprechverhalten und Härte des Stoßdämpfers ändern. Sensoren erfassen den Fahrzustand, senden die Daten an das Steuergerät und nach Auswerten der Daten werden die Stoßdämpfer entsprechend adaptiert.

Beispiel[Bearbeiten]

Bei einer unebenen Straße werden die Veränderungen innerhalb weniger Millisekunden an den Bordcomputer weitergeleitet, sodass die Stoßdämpfer während der Fahrt sofort angepasst werden. Der Bordcomputer bzw. das Steuergerät übernimmt nun die optimale Einstellung der Stoßdämpfer für diese unebene Straße. Dies geschieht sehr schnell und völlig automatisch, ohne dass der Fahrer es merkt.

Somit ist es ein innovatives Stoßdämpfersystem, das Unebenheiten auf einer Straße oder Änderungen des Straßenbelags fast in Echtzeit erkennt und diese direkt beim Fahren sofort automatisch ausgleicht. Meist sind solche Systeme im Cockpit vom Fahrer verstellbar und lassen sich so jeweils individuell noch besser an jeweilige Fahrsituationen anpassen.

Audi[Bearbeiten]

Der Name Magnetic Ride bezeichnet ein Stoßdämpfersystem des Automobilherstellers Audi, bei dem sich das Dämpfungskennfeld durch die Ansteuerung des Dämpferöls über ein Magnetfeld verändert.

Über die Stärke des Magnetfeldes lässt sich so die Dämpfercharakteristik auf die jeweilige Fahrsituation abstimmen. Das System erschien 2006 mit Einführung der zweiten Generation des Audi TT. Neben dem Sportwagen R8 bietet Audi Magnetic Ride mittlerweile auch in der Kompaktklasse im A3 an.

Ferrari[Bearbeiten]

Ferrari setzt dasselbe System unter der Bezeichnung Magna Ride in den Modellen 599 GTB Fiorano, 612 Scaglietti, California sowie im F430 und im neuen Ferrari 458 Italia ein.

General Motors[Bearbeiten]

Magnetic Selective Ride Control ist die Marktbezeichnung von dem amerikanischen Automobilhersteller General Motors für das eigens entwickelte magnetisch-rheologische Stoßdämpfersystem und wird auch als MSRC bezeichnet. GM hat in den vergangenen Jahren etliche Automobile mit der Technik Magnetic Selective Ride Control ausgestattet und hat das System erstmals im Jahre 2000 im Cadillac Seville eingesetzt. Es wurde von der Delphi Corporation entwickelt und ab 2003 auch für die Corvette C5 gegen Aufpreis angeboten. Dort hatte das System einen Wahlschalter im Armaturenbrett bzw. der Mittelkonsole, mit dem man zwischen „Touring“ und „Sport“ wählen konnte.

Aktuell findet Magnetic Selective Ride Control exklusiv in den Cadillac-Modellen CTS, STS, SRX, Escalade und XLR sowie im Camaro ZL1 und der Corvette C6 seinen Einsatz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. B. Heißing, M. Ersoy, S. Gies. Fahrwerkhandbuch, 3. Auflage, S. 297 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)