Maschinenfabrik Oerlikon

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Die Maschinenfabrik Oerlikon 1930
Der Generator des Kraftwerks in Lauffen am Neckar, zeitgenössischer Holzstich
Der Firmengründer und damalige Leiter der Maschinenfabrik Oerlikon, Peter Emil Huber-Werdmüller, (2. Reihe, 4. von rechts) besucht am 12. September 1891 mit weiteren Prominenten das erste Drehstromkraftwerk in Lauffen am Neckar, das für die Internationale Elektrotechnische Ausstellung installiert wurde.
Zürich-Oerlikon auf einer Luftbildfotografie von Walter Mittelholzer, am unteren Bildrand der Bahnhof Oerlikon mit dem Gelände der MFO, um 1920.

Die Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) war ein schweizerisches Unternehmen, das 1876 von Peter Emil Huber-Werdmüller mit Sitz in Oerlikon (ab 1934 Teil der Stadt Zürich) gegründet wurde. Die MFO stellte vor allem Werkzeuge, Maschinen, Waffen sowie Elektrolokomotiven her, so auch das legendäre „Krokodil“.

Im Laufe der Zeit gingen aus den drei Produktbereichen der MFO so bedeutende Unternehmen hervor wie OC Oerlikon, Brown, Boveri & Cie. (Übernahme der MFO 1967) / ABB und Adtranz.

Geschichte[Bearbeiten]

Charles E. L. Brown und Walter Boveri arbeiteten bei der MFO als Chefelektriker bzw. Leiter der Montageabteilung, bis sie 1891 die Brown, Boveri & Cie (BBC) gründeten.

Ende Oktober 1897 nahm die von der MFO gebaute Strassenbahn Zürich–Oerlikon–Seebach ihren Betrieb auf. Die MFO führte 1905–1909 auf der SBB-Strecke zwischen Seebach und Wettingen ihre international beachteten Versuche zur elektrischen Zugförderung mit Einphasen-Wechselstrom durch.

1891 präsentierte die MFO an der Elektrizitätsausstellung in Frankfurt die erste Hochspannungsleitung über 175 Kilometer Distanz. Das eigens dafür installierte Wasserkraftwerk stand in Lauffen am Neckar.

Lange Zeit war die MFO der grösste Arbeitgeber im Raum Zürich. 1906 wurde die Produktion von Werkzeugmaschinen in die neu gegründete Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon ausgegliedert, die im Volksmund als Oerlikon-Bührle bezeichnet wurde. Sie stieg in der Zwischenkriegszeit zum führenden Rüstungsunternehmen der Schweiz auf und stellte z.B. die bekannten 20-mm- und 35-mm-Flugabwehrkanonen her.

1967 wurde die MFO von der Gründung ihrer früheren Angestellten Brown, Boveri & Cie übernommen, die ihrerseits 1988 mit ASEA zur globalen ABB fusionierte.

ABB lagerte Ende 1996 die Bahnaktivitäten in das Joint Venture Adtranz mit Daimler-Benz aus, welches schliesslich von Bombardier Transportation übernommen wurde. Während in Oerlikon die Produktion eingestellt wurde, sind hier heute die Bombardier-Kompetenzzentren für die Entwicklung elektrischer Lokomotiven sowie für Hochleistungs-Antriebstechnik angesiedelt.

Die Kraftwerkssparte (Turbinen und Generatoren) der MFO wurde von ABB Mitte 1999 in ein Joint Venture mit Alstom eingebracht und bereits ein Jahr später verkauft.

Gebäudeverschiebung[Bearbeiten]

Inzwischen befindet sich auf dem Areal der ehemaligen Maschinenfabrik Oerlikon unter anderem der MFO-Park.

Das mittlerweile umgenutzte ehemalige Verwaltungsgebäude der MFO beim Bahnhof Oerlikon wurde im Zuge des Ausbaus der Durchmesserlinie Zürich Ende Mai 2012, als grösstes je in Europa verschobenes Gebäude, um 60 Meter an einen neuen Standort verschoben.[1][2]

Die gesamte Gebäudeverschiebung wurde von diversen Medienanstalten der Schweiz und grossem Besucherandrang mit grosser Aufmerksamkeit verfolgt. Schweiz aktuell übertrug auf SF zwei in mehreren Sondersendungen während den zwei Tagen die Gebäudeverschiebung live im Fernsehen.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Maurer: Schichtwechsel in Neu-Oerlikon. Bassersdorf 2006.
  • Yvonne Aellen et al.: Parkanlagen in Neu-Oerlikon: Oerliker Park, MFO-Park, Louis-Häfliger-Park, Wahlenpark, Gustav-Ammann-Park. Grün Stadt Zürich (Hrsg.), Zürich 2004.
  • Hans-Peter Bärtschi: Industriekultur im Kanton Zürich: vom Mittelalter bis heute. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 1995.
  • Martin Pally: Die Elektrifizierung der Bahn als „nationales Ziel“: Die Maschinenfabrik Oerlikon im Ersten Weltkrieg. In: Roman Rossfeld (Hg.): Der vergessene Wirtschaftskrieg: Schweizer Unternehmen im Ersten Weltkrieg. Zürich 2008, S. 117–147.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maschinenfabrik Oerlikon – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SWISS PRIME SITE | Translokation MFO-Gebäude, Zürich, Projektseite des Immobilienanlagenbetreibers.
  2. „Verschiebung MFO-Gebäude in Neu-Oerlikon “, Medienmitteilung des Stadtrats der Stadt Zürich vom 15. September 2010
  3. Hausverschiebung In: Tagesschau (SF), 23. Mai 2012.