Matthias (Apostel)

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Statue über dem Sarkophag des Apostels Matthias in Trier

Der heilige Matthias († um 63, wahrscheinlich in Jerusalem) war ein jüdischer Schriftgelehrter und Jünger Jesu. Wegen seiner Kooptation als Apostel ist strittig, ob er oder Paulus von Tarsus als der zwölfte Apostel gezählt werden.

Bibel[Bearbeiten]

Matthias ist derjenige Apostel, der durch das Los zu den verbliebenen elf Aposteln hinzugefügt wurde, um Judas Ischariot nach dessen Verrat und Selbstmord zu ersetzen (Apostelgeschichte 1:23-26). Umstritten ist daher, ob er tatsächlich der nach christlicher Überlieferung von Gott vorgesehene zwölfte Apostel ist, oder ob Paulus von Tarsus, der ja nach christlicher Überlieferung selbst von Gott berufen wurde, die Gruppe der Jünger wieder vollendet hatte. Matthias wird daher manchmal auch als der dreizehnte Apostel bezeichnet. Im Neuen Testament wird danach nichts mehr über ihn berichtet. Der Name bedeutet „Geschenk Gottes“.

Sonstige Überlieferungen[Bearbeiten]

Wie Matthias gestorben ist, ist strittig. In der Legenda aurea berichtet Jacobus de Voragine, Matthias sei in Frieden gestorben und sein Leichnam von Judäa nach Rom gebracht worden. Laut anderer Überlieferung erlitt er in Jerusalem den Märtyrertod, als er gesteinigt oder enthauptet wurde.

Clemens von Alexandria erwähnt Matthias in seinen Reflexionen über das Apostelamt (im VI. Buch der Stromateis, Kap. XIII):

„Nicht dass sie als Apostel auserwählt wurden aufgrund hervorragender Eigenschaften ihrer Natur, denn auch Judas war zusammen mit ihnen auserwählt. Aber sie waren dazu fähig Apostel zu werden, weil sie durch Ihn auserwählt wurden, der sogar die letzten Fragen vorhersieht. Matthias, dementsprechend, der nicht zusammen mit ihnen auserwählt war, zeigte sich würdig, ein Apostel zu werden, ist Ersatz für Judas.“

Sarkophag des Apostels Matthias in Trier

Die Gebeine des Apostel Matthias sollen im Auftrag der Kaiserin Helena, Mutter des römischen Kaisers Konstantin I., vom Trierer Bischof Agritius nach Trier überführt worden sein. Seit 1127 werden die Reliquien in der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier von Pilgern verehrt. Vor allem im Mittelalter war der Matthias-Kult sehr lebendig. Von der Zahl der Wallfahrer zeugt ein Bruderschaftsbuch mit 4670 Eintragungen von der Mitte des 12. Jahrhunderts bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts. Besonders aus dem Rheinland ziehen in der Wallfahrtszeit Pilger nach Trier. Viele machen sich zu Fuß auf den Weg. Diese Wallfahrten werden von St. Matthiasbruderschaften durchgeführt.

Ikonographie[Bearbeiten]

Matthias mit Beil in einem Glasfenster nach einem 1849 erstellten Entwurf von A. W. N. Pugin[1]

Das Attribut des Apostels in der traditionellen Ikonografie ist das Buch (für sein Apostelamt) oder das Beil oder die Hellebarde (für sein Martyrium). In der Schar der Apostel ist er nur bei Szenen der biblischen Geschichte nach der Himmelfahrt Christi zu sehen, namentlich bei Pfingsten und dem Marientod. In Apostelgruppen wird er meist durch Paulus ersetzt, der als zwölfter Apostel gilt. Seltener werden sowohl Paulus als auch Matthias dargestellt, so dass sich die Zahl der Apostel auf dreizehn erhöht.

Gedenktage[Bearbeiten]

  • Evangelisch: EKD (Gedenktag laut evangelischem Gottesdienstbuch) und LCMS: 24. Februar [2](in Schaltjahren 25. Februar), ELCA: 14. Mai
  • Katholisch: früher 24. Februar (VI Kal. Mart. - in Schaltjahren war das am 25. Februar); bei der Liturgiereform aus der Fastenzeit auf den 14. Mai verlegt (Fest im Allgemeinen Römischen Kalender)
    • im deutschen Sprachgebiet gilt weiterhin der 24. Februar (Fest im Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet), weil dieser Tag hier besonders verwurzelt ist (Trier)
    • in Trier außerdem: Übertragung der Gebeine am 18. Juli und Fest der Wahl des Matthias zum Apostel am 7. Mai
  • Anglikanisch: 24. Februar oder 14. Mai
  • Orthodox: 9. August
  • Koptisch: 4. März

Patrozinien[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Matthias – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl.  Stanley A. Shepherd: The Stained Glass of A. W. N. Pugin. Spire Books, Reading 2009, ISBN 978-1-904965-20-6.
  2. Feast and Festivals - The Lutheran Church—Missouri Synod. Website der LCMS (engl.). Abgerufen am 4. März 2012.