Mazarinetten

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Die Mazarinetten (französisch: Mazarinettes) waren die sieben Nichten des französischen Ministers Jules Mazarin, welche dieser 1647 und 1653 gemeinsam mit drei seiner Neffen aus Italien nach Frankreich kommen ließ, um sie anschließend vorteilhaft mit Mitgliedern mächtiger und einflussreicher europäischer Adelshäuser zu verheiraten. Standesdünkel der Grands wurden dabei vom Kardinal durch enorme Mitgifte beiseite geräumt.[1]

Familie[Bearbeiten]

Die Mädchen waren die Töchter zweier Schwestern Mazarins, Laura Margeritha und Geronima, auch Girolama genannt.

Töchter Lauras, verehlichte Martinozzi, waren:

Töchter Geronimas, verehlichte Mancini, waren:

Biographien[Bearbeiten]

Als sie in Frankreich eintrafen, waren sie zwischen sieben und 13 Jahren alt und wurden trotz ihrer vergleichsweise niederen Herkunft durch die Regentin Anna von Österreich am französischen Königshof aufgenommen. Die Mutter Ludwigs XIV. sorgte außerdem dafür, dass einige der Mazarinetten gemeinsam mit dem noch unmündigen König und dessen Bruder Philippe im Palais Royal erzogen wurden. Durch diese Gunstbezeugung wurden sie auf eine Stufe mit den Prinzen von Geblüt gestellt.

Als die ersten Mädchen bei Hofe vorgestellt wurden, sagte der französische Marschall Villeroy zu Jean-Baptiste Gaston de Bourbon, dem Herzog von Orléans: „Voilà des petites demoiselles qui présentement ne sont point riches, mais qui bientôt auront de beaux châteaux, de bonnes rentes, de belles pierreries, de bonne vaisselle d'argent, et peut-être de grandes dignités […]“[2] (deutsch: „Kleine Fräuleins, die derzeit überhaupt nicht reich sind, aber bald schöne Schlösser, üppige Einkünfte, schöne Geschmeide, Silbergeschirr und vielleicht auch hohe Titel besitzen werden […]“). Die Mazarinetten erregten in Paris besonders durch ihr Äußeres Aufsehen, denn sie entsprachen mit ihrer sonnengebräunten Haut und ihren schlanken Figuren nicht dem damaligen Schönheitsideal von vornehmer Blässe und üppigen Kurven.[3] Eine der sogenannten Mazarinaden, Spottschriften und Pamphlete, die sich gegen Mazarin richteten und zwischen 1648 und 1653 sehr zahlreich in Frankreich veröffentlicht wurden, beschreibt die Kardinalsnichten wie folgt:

Französisches Original Deutsche Übersetzung

Elles ont les yeux d’un hibou,
L’écorce blanche comme un chou,
Les sourcils d’une âme damnée,
Et le teint d’un cheminée.

Sie haben die Augen einer Eule,
Die Rinde so weiß wie ein Kohlkopf,
Die Augenbrauen einer verdammten Seele,
Und den Teint eines Schornsteins.

Andere Mazarinaden beschimpften sie als „Schmutzprinzessinnen“ und „stinkende Nattern“.[4] Die Mädchen teilten während der Fronde das Schicksal ihres Onkels: Sie mussten zweimal Paris verlassen und ins Exil gehen, doch schlussendlich sicherte Jules Mazarin seinen Nichten nach dem Ende des Aufstandes durch entsprechende Verheiratungen und Hochzeitsgeschenke ein Leben in Wohlstand und Sorglosigkeit.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pierre Combescot: Les petites Mazarines. Grasset, Paris 1999, ISBN 2-246-47761-1.
  • Paul Guth: Mazarin. Frankreichs Aufstieg zur Weltmacht. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1973, , ISBN 3-7973-0245-2, S. 637–670.
  • Jacques Hillairet: Les Mazarinettes ou, Les sept nièces de Mazarin. Éditions de Minuit, Paris 1976, ISBN 2-7073-0138-8.
  • Amédée Renée: Die Nichten Mazarin’s. Studien der Sitten und Charaktere im 17. Jahrhundert. 3. Auflage. Rudolf Kuntze, Dresden 1858, S. 88–99 (online).
  • Paul de Saint-Victor: Les Mazarines. In: Revue du XIXe siècle. Band 4. Paris 1867, S. 323–331.
  • Guy Jean Raoul Eugène Charles Emmanuel de Savoie-Carignan: The seven richest heiresses of France. J. Long, London 1911 (online).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sylvia Jurewitz-Freischmidt: Galantes Versailles. Die Mätressen am Hofe der Bourbonen. Piper, München 2006, ISBN 978-3-492-24494-7, S. 20.
  2. Amédée Renée: Les nièces de Mazarin: Études de mœurs et de caractères au XVIIe siècle. Firmin Didot, Paris 1856, S. 37.
  3. P. Guth: Mazarin. Frankreichs Aufstieg zur Weltmacht, S. 638.
  4. P. Guth: Mazarin. Frankreichs Aufstieg zur Weltmacht, S. 639.