Palais Royal

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Palais Royal, Haupttrakt
Säulengang im Palais Royal zum Innenhof
Galeries du Palais Royal
Jardin du Palais Royal

Das Palais Royal, früher Palais Cardinal, ist ein Pariser Stadtpalast im 1. Arrondissement, etwa 150 Meter nördlich des Louvre. Das Palais beherbergt in seinem Haupttrakt den Staatsrat (frz. Conseil d’État), im Westflügel die Comédie Française und den Verfassungsrat (frz. Conseil constitutionnel) und im Ostflügel das Kulturministerium.

Geschichte[Bearbeiten]

Es wurde in den Jahren 1627 bis 1629 von dem Architekten Jacques Le Mercier für den ersten Minister Ludwigs XIII., Kardinal Richelieu, gebaut, nach dessen Tod 1642 es in den Besitz der Krone überging und seinen heutigen Namen annahm. Nach Richelieu bewohnte die Königinmutter und Regentin Anna von Österreich das Palais mit ihren beiden minderjährigen Söhnen, Ludwig XIV. und Philippe d’Orléans.

Zur Zeit der Fronde, die in den Jahren 1648 bis 1653 in Paris und ganz Frankreich wütete, erlebte Ludwig XIV. eine Nacht im Palais Royal, die seine lange absolutistische Regentschaft stark prägen sollte. Nachdem Angehörige der Pariser Parlamente, den französischen Gerichtshöfen, im Jahre 1648 gegen königliche Verordnungen Mazarins und Annas von Österreich revoltierten, war die Regentin gezwungen mit ihren beiden Söhnen, dem minderjährigen König Ludwig XIV. und dessen jüngerem Bruder Philippe, Herzog von Anjou, Paris zu verlassen und in das königliche Schloss nach Saint-Germain-en-Laye zu fliehen, um einer Gefangennahme durch die Frondeure zu entgehen.

Jedoch verlangten die politischen Unruhen bald zunehmend die Präsenz der königlichen Familie in der Hauptstadt Paris und so kehrte Anna von Österreich mir ihren Söhnen im Jahre 1651 nach Paris in das Palais Royal zurück. In der Nacht vom 9. auf den 10. Februar gelang es aufständischen Pariser Bürgern durch die Kooperation königlicher Angestellter bis in das Schlafgemach des jungen Königs vorzudringen, um dessen Anwesenheit zu überprüfen. Der sich schlafend stellende Ludwig lag schutzlos ausgeliefert in seinem Bett, während die aufständischen Bürger an diesem vorübergingen. Die Mitglieder der königlichen Familie waren faktisch zu Gefangenen in ihrem belagerten Palais geworden. Obwohl dem jungen König in dieser Nacht kein körperlicher Schaden zugefügt wurde, grub sich dieses Erlebnis im Pariser Palais Royal dennoch tief in dessen Gedächtnis ein. Niemals wieder wollte er seinen Untertanen so macht- und schutzlos ausgeliefert sein, was aus späteren Aussagen Ludwigs XIV. und einigen innenpolitischen Maßnahmen hervorgeht. Auch die Tatsache, dass er das von ihm beauftragte Schloss in Versailles in den achtziger Jahren zu seinem festen Wohn- und Regierungssitz machte, geht zum Teil auf die früheren Pariser Erfahrungen zurück. Aufgrund seiner Lage außerhalb von Paris galt das Versailler Schloss als eine besser zu verteidigende Anlage als die königlichen Schlösser und Palais im Pariser Zentrum.[1]

Im Jahr 1636 wurde in einem Anbau das Palasttheater geöffnet. In den Jahren 1660 bis 1673 spielte dort die Schauspieltruppe von Molière. Nach seinem Tod diente das Gebäude bis zum Jahr 1763 für diverse Opernaufführungen, dann brannte es aus. Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Anlage wiederaufgebaut. Seit dem Jahr 1786 dient sie der Comédie Française als Sitz.

In den Jahren 1781 bis 1784 wurden rund um den Palastgarten etwa 60 Häuser mit Arkadengängen gebaut, die Wohnungen, Läden, Gastronomiebetriebe und Vergnügungseinrichtungen beherbergten. Hier konzentrierte sich das Nachtleben der Hauptstadt. Die Promenade auf der "Allée des Soupirs" (Seufzerallee) war in ganz Europa berühmt, weil sich dort die schönsten Mädchen und Frauen aus allen Ständen prostituierten, auch Personen aus dem Hochadel wurden dort angetroffen.[2] Da die Anlage dem Herzog von Orléans, einem Verwandten des Königs, gehörte, hatte die Polizei keinen Zutritt. Dies ermöglichte eine gewisse Versammlungsfreiheit. Am 13. Juli 1789 (nach einigen Quellen am 11. Juli oder 12. Juli) rief dort Camille Desmoulins zum bewaffneten Aufstand auf.

Die einst berüchtigten Spielhallen wurden im Jahre 1838 geschlossen.

Zu den Bewohnern der Häuser am Jardin du Palais Royal gehörten unter anderem Sidonie-Gabrielle Colette, Jean Cocteau und Jean Marais.

Das Palais Royal im Film[Bearbeiten]

Das Palais Royal dient in diversen Spielfilmen als Kulisse. Zu ihnen gehören:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Malettke, Klaus; Ludwig XIV. von Frankreich. Leben Politik und Leistung, Göttingen 1994, S. 45.
  2. Wesemann, Eberhard (Hrsg.); Vorwort zu Robert Andrea de Nerciat: Den Teufel im Leibe, Leipzig 1986, S. 21

Literatur[Bearbeiten]

  • Chris Boicos u.a.: Paris. RV Reise- und Verkehrsverlag, Berlin 1994, ISBN 3-89480-901-9, S. 119–121.
  • Julia Droste-Hennings, Thorsten Droste: Paris. Eine Stadt und ihr Mythos. DuMont-Reiseverlag, Köln 2003, ISBN 3-7701-6090-8, S. 287–289.
  • Pierre F. Fontaine: Histoire du Palais-Royal. Thomassin, Paris 1837 (mit vielen Plänen und Ansichten).
  • Fritz Stahl: Paris. Eine Stadt als Kunstwerk. Rudolf Mosse, Berlin 1929.
  • René Héron de Villefosse: L'anti-Versailles ou le Palais-Royal de Philippe Egalité. Dullis, Paris 1974, ISBN 2-7083-0010-5.
  • Klaus Malettke: Ludwig XIV. von Frankreich. Leben, Politik und Leistung. Göttingen 1994, ISBN 3-7881-0143-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Palais Royal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.8633333333332.3369444444444Koordinaten: 48° 51′ 48″ N, 2° 20′ 13″ O