Mehrspieler

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Bei Computerspielen bezeichnet Mehrspieler (englisch multiplayer) eine Spielart (im Computerspieler-Jargon auch Modus), bei der man mit oder gegen andere Menschen spielt. Sie ist das Gegenstück zur Einzelspieler-Spielweise, bei der ein einzelner Spieler allein mit dem Computer spielt.

Allgemeines[Bearbeiten]

Computerspiele mit Mehrspieler-Modus sind gewissermaßen die Erweiterung von Gesellschaftsspielen in die digitale Welt. Sie erlauben mehreren Menschen, mittels Computer oder Spielkonsolen zusammen zu spielen. Der Reiz des Zusammenspiels am Computer liegt darin, gemeinsame (soziale) Spielerlebnisse mit anderen Personen (auch anderer Herkunft) zu erleben und einen direkten Leistungsvergleich vornehmen zu können. Damit unterscheidet sich das Spielerlebnis maßgeblich von der des Einzelspieler-Modus, bei der keine soziale Interaktion stattfindet. Teilweise finden Spieler auch nur noch unter menschlichen Mitspielern die erwünschte Herausforderung, die die künstliche Intelligenz von Computergegnern mit ihren schematischen, leicht vorhersehbaren Handlungsweisen nicht bieten kann.

Die Kommunikation zwischen menschlichen Spielern, die nicht im gleichen (realen) Raum spielen, kann über textuellen Chat, direkte Stimmkommunikation mittels Mikrofon und Kopfhörer (Headset) oder auch Videotelefonie erfolgen.

Entstehung[Bearbeiten]

Der Mehrspieler-Modus entstand bereits mit dem ersten Computerspiel Tennis for two aus dem Jahre 1958, in dem zwei Spieler versuchten, einen Lichtpunkt in das Aus des Gegners zu spielen. Auch frühe kommerzielle Arcade-Automaten wie Pong aus dem Jahre 1972 boten ausschließlich einen Mehrspieler-Modus. Der Grund dafür war, dass zum damaligen Zeitpunkt die Programmierung von Computergegnern noch als zu aufwändig galt, und ein Einzelspielermodus noch nicht als lukratives Geschäftsmodell erkannt worden war.[1] Die ersten Telespiele für den privaten Markt, wie z.B. das Magnavox Odyssey, Atari 2600 oder Philips G7000, waren zunächst ebenfalls hauptsächlich für Spiele mit zwei Mitspielern konzipiert. Für das Atari gab es 1977 mit Video Olympics sogar schon ein Spiel für vier Mitspieler. Ab Ende der 1970er Jahren setzten sich zunehmend Spiele durch, die (nur noch) einen Einzelspieler-Modus anboten. Einige Spiele und insbesondere Arcade-Automaten boten zwar nominell noch den Mehrspieler-Modus, dieser bestand aber ausschließlich darin, dass sich die Spieler abwechselten und hintereinander einzeln gegen den Computer spielten.

Während schon in den 1970er Jahren an amerikanischen Universitäten hin und wieder vielschichtige Mehrspielerspiele als Studienprojekte entstanden[2], kam erst im Jahre 1983 mit dem Wirtschaftsspiel M.U.L.E. das erste komplexe Mehrspieler-Computerspiel auf den freien Markt. Es bot bis zu vier Mitspielern eine gleichzeitige Interaktion. 1987 erschien mit MIDI Maze das erste kommerzielle Spiel, bei dem bis zu 16 Spieler nicht mehr am selben Rechner saßen, sondern jeweils mit über lokalem Netzwerk verbundenen, individuellen Rechnern in derselben virtuellen Spielwelt spielten. Dies war die Geburtsstunde der LAN-Party. 1988 erschien mit Modem Wars das erste kommerzielle Online-Spiel, in dem zwei weit voneinander entfernt spielende Menschen über Modem miteinander spielen konnten.

Seitdem hat sich eine Vielfalt von mehrspielerspezifischen Spielmodi mit eigenen Regeln entwickelt. Die am häufigsten gespielten Mehrspielermodi findet man in Spielen der Genres Ego-Shooter (Counter-Strike, Battlefield, Unreal Tournament, Quake III Arena…) und Echtzeit-Strategiespielen (Warcraft III, StarCraft, Blitzkrieg …).Ein spezielles Genre bilden die Massively Multiplayer Online Role-Playing Games (MMORPG), da es sich hierbei um Rollenspiele handelt, die ausschließlich im Mehrspielerbetrieb existieren. Der Oberbegriff für andere Genres lautet Massively Multiplayer Online Game (MMOG).

Technik[Bearbeiten]

Ein Mehrspieler-Modus setzt voraus, dass mehrere Spieler (gleichzeitig oder zeitversetzt) Interaktionen mit dem Videospiel ausführen können. Hierzu gibt es verschiedene Techniken.

  • Netzwerkspiel: Die heute verbreitetste Technik ist der Zusammenschluss von mehreren separaten Computern bzw. Spielkonsolen über ein Rechnernetz (entweder Internet oder LAN). Jeder Spieler spielt hierbei an seinem eigenen Bildschirm.
  • Selber Bildschirm: Mit einer auf etwa vier Spieler begrenzten Anzahl ist das Spielen am selben Bildschirm möglich, entweder per Splitscreen oder auf einem gemeinsamen Spielfeldausschnitt.
  • Asynchrones Spiel: Bei unabhängig gespielten Spielzügen kann mittels Hotseat oder via E-Mail gespielt werden. Die Spieler können dabei ihre Spielzüge zu unabhängigen Zeiten entweder am selben Spielgerät ausführen oder sich die Spielzüge per E-Mail zusenden.

Als eine indirektere Art des Zusammenspiels kann der Leistungsvergleich über High Scores angesehen werden.

Bei Spielen mit mehreren menschlichen Teilnehmern besteht häufig die Gefahr, dass die anderen Mitspieler sich über die Regeln des Spiels hinwegsetzen (siehe cheaten).

Kategorien von Mehrspieler-Spielen[Bearbeiten]

Die Mehrspielerfähigkeit eines Computerspiels kann grob in eine der folgenden Kategorien eingeordnet werden. Die Kategorien sind dabei nicht vollständig trennscharf, bieten aber einen guten Anhaltspunkt für das zu erwartende Spielerlebnis[3]:

Zwei-Spieler-Spiele[Bearbeiten]

Diese Kategorie wird manchmal auch als Duell bezeichnet und beschreibt Spiele, in denen ausschließlich zwei Spieler mit- oder gegeneinander spielen. Spiele dieser Kategorie führen typischerweise zu intensiver sozialer Interaktion zwischen Menschen und erlauben ein genaues Kennenlernen des (spielerischen) Charakters des Mitspielers. Diese Spiele bieten als Wettkampf gespielt auch den fairsten Vergleich der Spielleistung, da (pseudo-)zufällige Einflüsse durch weitere Mitspieler ausgeschlossen sind. Die meisten Computerspiele der ersten Generation (bis etwa Ende der 1970er Jahre) fallen in diese Kategorie. Im Bereich der Strategiespiele ist diese Spielweise auch heute noch verbreitet. Sie entspricht der des Schachspiels bei den Brettspielen.

Multiplayer-Spiele[Bearbeiten]

Als (klassische) Multiplayer-Spiele werden Spiele bezeichnet, in denen mehr als 2 (und normalerweise nicht mehr als 20) Spieler mit- oder gegeneinander spielen. Zur Abgrenzung von den Massively Multiplayer Online Games wird das Spielen in einer nicht-persistenten Spielewelt und eine Begrenzung auf eine Spielerzahl angegeben, bei der sich (zumindest theoretisch) noch alle Mitspieler persönlich kennen können.[4] Diese Spiele werden üblicherweise in Freundeskreisen, auf LAN-Parties oder in kleineren Gruppen im Internet gespielt. Hierbei steht das Gruppenerlebnis im Vordergrund. Oftmals werden Teams gebildet, die eine hohe Abstimmung und Kooperation unter den Team-Mitgliedern erfordern, und damit eine soziale Interaktion in der Gruppe bewirken.

Massively Multiplayer Online Games[Bearbeiten]

In die Kategorie der Massen-Mehrspieler-Online-Gemeinschaftsspiele fallen Spiele, die ausschließlich online gespielt werden und bei denen eine große Anzahl von Mitspielern gleichzeitig mitspielen kann. Spiele dieser Kategorie finden meistens in persistenten Welten statt, die das jederzeitige Kommen und Gehen von Mitspielern ermöglichen. Durch diese Merkmale wird ein hoher Anonymisierungsgrad erreicht, der reale soziale Interaktion hemmt, dafür aber rollenspielerische Kommunikation begünstigt und Mitspieler dazu bewegen kann, auch extreme Rollen (z.B. Bösewicht, Außenseiter) anzunehmen, die in einer realen Mitspielerrunde eventuell zu sozialen Sanktionen führen könnten[5].

Mehrspieler-Modi[Bearbeiten]

Meistens konzentriert sich das Spielkonzept auf die kompetitiven, sportlich-spielerischen Elemente und vernachlässigt oft typische Einzelspieleraspekte, wie eine Geschichte oder die Atmosphäre. Es gibt klassische Mehrspieler-Modi, die sich je nach Genre des Spieles unterscheiden lassen:

Actionspiele
unterteilen sich in die gebräuchlichsten Modi:
  • Angriff/Search and Destroy: Gruppenbasierter Modus, in dem jede Mannschaft bestimmte Ziele erreichen muss bzw. die andere Mannschaft am Erreichen dieser Ziele hindern muss - auch bekannt unter anderen Namen wie zum Beispiel Assault
  • Capture the Flag: Es gibt zwei Mannschaften, die jeweils über eine Fahne verfügen. Zum Punkten muss die gegnerische Fahne entwendet und zur eigenen Fahne gebracht werden.
  • Deathmatch, auch als Zweikampf und Team-Deathmatch
  • Eroberung: Auf einer Karte sind Flaggen verteilt, die das Team einnehmen muss. Je mehr Flaggen das Team besitzt, umso schneller verringern sich die Tickets des gegnerischen Teams
  • King of the Hill: Als Einzelkämpfer oder als Mannschaft muss man ein bestimmtes Gebiet eine Zeit lang verteidigen
  • Koop-Modus: Mehrere Spieler können gemeinsam die Einzelspielerkampagne des Spieles spielen; Beispiel: Serious Sam
  • Last Man Standing: Jeder spielt gegen Jeden, der letzte überlebende Spieler gewinnt
  • Auf spezielle Actionspiele zugeschnittene Modi, wie beispielsweise Onslaught
  • Rush: Ein Team greift an und versucht Kisten zu zerstören um ins nächste Gebiet zu kommen, das andere Team versucht dies zu verhindern. (UT 2004) oder Race (Halo) nutzen Besonderheiten des jeweiligen Spieles aus.
Strategiespiele und Aufbauspiele
unterscheiden sich im Mehrspielmodus inhaltlich meistens kaum von ihren Einzelspielermodi, da die Computergegner in diesen Spielen üblicherweise ohnehin schon den gleichen Regeln folgen wie menschliche Spieler. Normalerweise werden hier einzelne voneinander unabhängige Gefechtsmissionen gespielt.
Rollenspiele
Herkömmliche Rollenspiele unterstützen meistens nur den kooperativen Spielmodus (Koop-Modus), erlauben den Spielern also nur die Möglichkeit, den normalen Einzelspieler-Modus gemeinsam zu spielen. Es gibt aber auch so genannte Massively Multiplayer Online Role-Playing Games (MMORPG), die speziell für den Mehrspieler-Modus über das Internet ausgelegt sind. Übliche Spielinhalte bei MMORPGs sind:
  • PvE, "Player versus Environment": Mehrere Spieler kämpfen gegen vom Computer gesteuerte Gegner.
  • PvP, "Player versus Player": Der Spieler kämpft gegen andere Spieler.
  • RvR, "Realm versus Realm" oder "Race versus Race": Dabei kämpfen ganze Rassen oder Fraktionen gegeneinander.
  • in Instanzen, abgeschlossenen Bereichen wie Dungeons, kämpft der Spieler gegen Gegner oder löst Aufgaben.

Sportspiele

Sportspiele ermöglichen die jeweilige Sportart gegen menschliche Mitspieler zu spielen. Vor allem Ballsport- und Kampfsportspiele lassen sich dabei leicht auf nur einem Bildschirm umsetzen, da hier normalerweise nur eine virtuelle Kamera benötigt wird, um beiden Spielern die relevante Spielsituation darzustellen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tristan Donovan, Replay: The History of Video Games, Yellow Ant, 2010, ISBN 0956507204
  2. Entstehungsgeschichte von Empire (englisch)
  3. Thorsten Quandt, Jeffrey Wimmer, Andreas Wolling, Die Computerspieler: Studien zur Nutzung von Computer Games, VS-Verlag für Sozialwissenschaften, 2008, ISBN 3531167030
  4. Jeffrey Wimmer, Maren Hartmann, Medienkommunikation in Bewegung: Mobilisierung - Mobile Medien - Kommunikative Mobilität, Springer VS, 2014, ISBN 3531193740
  5. Andreas Plundrich, Warum spielen Menschen World of Warcraft?, Grin Verlag Gmbh, 2013, ISBN 3640700945

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Wirsig: Das große Lexikon der Computerspiele. Schwarzkopf&Schwarzkopf Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89602-525-2.