Messer Group

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Messer Group GmbH
Messer Group - Gases for Life - Logo.svg
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1898
Sitz Bad Soden am Taunus, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 5.339 (2012)[1]
Umsatz 1.088 Mio. EUR (2012)[1]
Branche Chemie
Produkte Industriegase[2]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.messergroup.com
Die Hauptzentrale in Bad Soden am Taunus

Die Messer Group GmbH ist ein Industriegashersteller, der (Stand 2011) zu den 20 umsatzstärksten deutschen Chemieunternehmen gehört. Das Unternehmen ist in 30 europäischen und asiatischen Ländern sowie in Peru operativ tätig. Messer produziert Industriegase wie Sauerstoff, Stickstoff, Argon, Kohlendioxid, Wasserstoff, Helium, Schweißschutzgase, Spezialgase, medizinische Gase sowie viele verschiedene Gasgemische und ist Hersteller von Gaseproduktionsanlagen. Chief Executive Officer des Familienunternehmens mit Hauptsitz in Bad Soden am Taunus ist Stefan Messer, Enkel des Unternehmensgründers.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

1898 gründete der Student Adolf Messer (1878–1954) in Höchst am Main eine Werkstatt zum Bau von Acetylenleuchten und Acetylenentwicklern, also Apparaten zur Herstellung von Acetylengas aus Calciumcarbid. Wegen der Konkurrenz durch das Aufkommen der elektrischen Beleuchtung richtete das Unternehmen seine Produktion schon bald auf die Schweiß- und Schneidetechnik aus. Für das Autogenschweißen benötigt man ein Gemisch aus Acetylen und Sauerstoff, das bei hohen Temperaturen verbrennt. Zur Produktion dieser Gase baute Messer ab 1908 Luftzerlegungsanlagen zur Gewinnung von Sauerstoff, Stickstoff, Argon und anderen Edelgasen. Der Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 setzte der Expansion des Unternehmens im Ausland – Messer war mittlerweile in Westeuropa und Nordamerika präsent – ein vorläufiges Ende. Stattdessen musste das Unternehmen seinen Beitrag zur Kriegswirtschaft leisten.

Bis zum Ende des Krieges errichtete Messer für die Krieg führenden Stellen im Deutschen Reich sowie für das neutrale Ausland insgesamt 50 Flüssigsauerstoff-Anlagen einschließlich der nötigen Werkstätten zur Produktion von Sprengpatronen. Im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld der Nachkriegszeit konzentrierte sich Messer auf den Export. Im Jahr 1928 lieferte Messer Luftzerlegungsanlagen zur Stickstoffgewinnung nach Norwegen und Italien. Zu Beginn der 1930er-Jahre schloss das Unternehmen die Entwicklungsarbeiten an Vielflammen-Schweißbrennern ab (1930), nahm als erster Produzent von Autogengeräten den Bau von Elektroschweißmaschinen auf und begann 1932 mit der Produktion von umhüllten Lichtbogen-Schweißelektroden.

In der Zeit des Nationalsozialismus wuchs die Messer & Co. GmbH besonders mit der 1936 beginnenden Aufrüstung. Die Gesamtbelegschaft stieg in den Jahren von 1930 bis 1940 von 522 auf 1102 Personen an und der Gesamtumsatz verdoppelte sich fast. Das Unternehmen stellte im Zweiten Weltkrieg unter anderem Brennschneideanlagen für das Schweißen von Panzerkampfwagen her und lieferte Anlagen zur Gewinnung von Flüssigsauerstoff an die Heeresversuchsanstalt Peenemünde.

Seit Mitte der 30er-Jahre kooperierten der Verband für autogene Metallbearbeitung und der Deutsche Acetylenverein mit der Reichsgemeinschaft der wissenschaftlich-technischen Arbeit und der Deutsche Arbeitsfront, bevor beide Vereine 1942 in den Deutschen Verband für Schweißtechnik und Acetylen e.V. (DVSA) überführt wurden, der zur Reichsfachgruppe Chemie e.V. im NS-Bund Deutscher Technik gehörte.

1945 waren die Produktionsanlagen, darunter das Stammwerk in der Hanauer Landstraße in Frankfurt am Main, durch die Luftangriffe auf Frankfurt am Main weitgehend zerstört. Mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung begann der Wiederaufbau, so dass die Produktion 1947 wieder aufgenommen werden konnte. Die Erzeugnisse wie Schneidbrenner und die hierzu notwendigen Gase Azetylen und Sauerstoff wurden zum Beseitigen der Trümmer dringend gebraucht.[4] Ab 1949 entstanden neue Auslandsgesellschaften und Niederlassungen. Nach dem Tode des Unternehmensgründers 1954 übernahm sein Sohn Hans Messer (1925–1997) die Leitung der Adolf Messer GmbH. Das Unternehmen wuchs in den 1950er Jahren rasch und steigerte seinen Gesamtumsatz von 12,7 Mio. (1950) auf 49,5 Mio. Deutsche Mark (1960). Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Arbeiter von 761 auf 1328 und die Zahl der Angestellten von 240 auf 674 Personen. Expansionsmärkte innerhalb und außerhalb Europas konnten weiter ausgebaut werden.

1965 fusionierte die Adolf Messer GmbH mit der Knapsack Griesheim AG zur Messer Griesheim GmbH, an der die Farbwerke Hoechst mit zwei Dritteln und die Familie Messer mit einem Drittel beteiligt war. Hauptsitz des fusionierten Unternehmens blieb das Messer-Stammwerk an der Hanauer Landstraße. Zum Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit wurde der Bereich Industriegase, der mit etwa 70 Prozent zum Umsatz beitrug.

1993 schied Hans Messer aus der Unternehmensleitung aus. Da sich der Mehrheitseigentümer Hoechst ab 1994 auf die Geschäftsbereiche die Kerngeschäfte Pharma, Landwirtschaft und industrielle Chemie konzentrieren und seine Messer-Anteile verkaufen wollte, kam es zu Konflikten mit der Familie Messer. Ein geplanter Börsengang scheiterte, ebenso wie der Verkauf der Hoechst-Anteile an den Wettbewerber Linde AG. Die Sparte Schweiß- und Schneidetechnik wurde 1997 ausgegliedert und 1999 an eine Holding-Gesellschaft der Familie Messer verkauft. Aventis verkaufte 2001 ihre im Rahmen der Fusion von Hoechst übernommenen Messer-Anteile an zwei Investmentgesellschaften. Die Familie Messer übernahm 2004 diese Anteile und überführte das Unternehmen unter dem Namen Messer Group GmbH wieder komplett in Familienbesitz. Die Geschäfte der Landesgesellschaften in Deutschland, Großbritannien und den USA, wurden im Rahmen dieser Transaktion für rund 2,7 Mrd. Euro an Air Liquide veräußert und der Sitz der Holding nach Sulzbach im Taunus verlegt.[5][6]

Der Umsatz der Messer Group stieg bis 2006 auf 1,1 Mrd. Euro.[7] Seit Ende 2008 verkauft das Unternehmen wieder Industriegas in Deutschland, was ihm 2004 wegen einer Vereinbarung bezüglich eines Wettbewerbsverbotes anlässlich des Verkaufes des Deutschlandgeschäftes an Air Liquide vier Jahre lang untersagt war.[8] Die Messer Group ist heute in Europa, China, Vietnam[7] und Peru aktiv.[9]

Dachmarke "Part of the Messer World"[Bearbeiten]

Die Messer Group und die Messer Eutectic Castolin Gruppe verwenden im Industriegasegeschäft sowie bei Schweiß- und Schneidtechnik, die unter dem Namen Messer vertrieben wird die Dachmarke "Part of the Messer World". Folgende Unternehmen sind Teil der "Messer-World".[10]

Messer Gruppe[Bearbeiten]

Das Produktportfolio des Unternehmens reicht von Acetylen bis Xenon. Überdies entwickelt das Unternehmen Anwendungen für den Einsatz von Gasen in fast allen Industriebranchen, Medizin und Forschung.

ASCO Kohlensäure[Bearbeiten]

Die ASCO Kohlensäure AG produziert automatische Trockeneisproduktionsmaschinen, CO2-Produktions- und Rückgewinnungsanlagen, Trockeneisstrahlgeräte, CO2-Lagertanks, Flaschenabfüllanlagen, Verdampfer und weiteres CO2-Zubehör.

BIT Analytical Instruments[Bearbeiten]

Die BIT Analytical Instruments GmbH ist im Bereich diagnostischer und medizinischer Geräte tätig. Sie agiert ferner als Dienstleister im Bereich Auftragsentwicklung und -fertigung sowie After-Sale-Services von Geräten für medizinische und diagnostische Erstausrüster.

Castolin Eutectic[Bearbeiten]

Die Castolin Eutectic Group ist ein weltweit tätiges Unternehmen für Anwendungslösungen in den Bereichen Wartung, Reparatur und Verschleißschutz.

Messer Cutting Systems[Bearbeiten]

Die Messer Cutting Systems GmbH ist ein Anbieter von Technologien und Servicedienstleistungen für die metallverarbeitende Industrie. Neben Autogen-, Plasma- und Laserschneidanlagen bietet das Unternehmen passende Softwarelösungen für die auftragsbezogene Fertigung sowie anlagenzugehörige Umwelttechnik. Ergänzt wird das Leistungsspektrum mit Düsen, Brennern und Anlagen zum autogenen Schweißen, Schneiden, Löten und Wärmen.

Ausland[Bearbeiten]

Messer Austria ist seit 1969 ein Teil der Messer Group. Die Zentrale für Österreich ist in Gumpoldskirchen in Niederösterreich. Das Unternehmen ist noch an sechs weiteren österreichischen Standorten tätig und bietet 76 "Gase Center" genannte Verkaufsstellen. Messer Austria ist ein Nachfolgeunternehmen der bereits 1898 gegründeten und später in Hydroxygen GesmbH umbenannten Österreichisch-Ungarischen Sauerstoffwerke.[11]

Soziales Engagement[Bearbeiten]

Die 1978 von der Familie Messer gegründete Adolf-Messer-Stiftung[12] unterstützt die Forschung und Lehre von Wissenschaftlern, die durch herausragende Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Hierzu werden an der Technischen Universität Darmstadt[13] sowie an der Goethe-Universität Frankfurt[14] jeweils einmal jährlich Förderpreise vergeben.

Als Anerkennung für Hans Messers soziales Engagement gründete seine Ehefrau Ria Messer 2004 die Dr.-Hans-Messer-Sozialstiftung. Durch Spenden und Zuwendungen hilft sie Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, und unterstützt Pflege-Einrichtungen zur Behandlung unverschuldeter schwerer Krankheiten.[15] Die Landesgesellschaften unterstützten zum Beispiel das Ungarische Rote Kreuz und ein Kinderheim in der Tschechischen Republik.[16]

2009 wurde von der der Messer Group GmbH die Kampagne Höflich ohne Hände initiiert, um zu verdeutlichen, dass auf das sozial übliche Händeschütteln bei der Begrüßung verzichtet werden kann. Ziel des Verzichts auf den Händedruck ist es, die Ansteckungsgefahr durch Viren – z.. B. der Schweinegrippe – auf einfache und wirksame Weise zu verringern und so Pandemien vorzubeugen.[17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jörg Lesczenski: 100 Prozent Messer. Die Rückkehr des Familienunternehmens 1898 bis heute. Piper, München 2007, ISBN 978-3-492-05085-2.
  • Franz Lerner: Frankfurt am Main und seine Wirtschaft, Ammelburg-Verlag, Frankfurt am Main 1958
  • Ernst Koch: Ein Unternehmen im Wandel der Zeiten - Messer Griesheim, Messer Griesheim GmbH, Frankfurt am Main 1993

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Konzernabschluss zum 31. Dezember 2012 der Messer Group GmbH, veröffentlicht im Bundesanzeiger
  2. Markenhistorie im Deutschen MarkenmuseumAufgerufen am 8. März 2013
  3. Digitale Pressemappe der Messer Group GmbHAufgerufen am 8. März 2013
  4. Dokumentation des Wiederaufbaus in Frankfurt
  5. Flüssiggas-Geschäft in USA wird abgegebe: nAir Liquide verkauft Messer-Griesheim-Teile
  6. Übernahme von Messer Griesheim stärkt Position des Weltmarktführers für IndustriegaseAir Liquide bringt Linde in Bedrängnis
  7. a b Industrie Umsatz der Messer-Gruppe über einer Milliarde Euro
  8. Messer feiert das Comeback
  9. Industrie Messer peilt wieder die Umsatz-Milliarde an
  10. Historie der "Messer World" auf der Firmenwebsite abgerufen am 25. März 2013
  11. Inertisieren – was ist das? In: Brand Aus. Monatliche Zeitschrift des niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbandes, Ausgabe 10/2010.
  12. Internetauftritt der Adolf Messer StiftungAufgerufen am 13. März 2013
  13. Liste der wissenschaftlichen Preise an der TU DarmstadtAufgerufen am 13. März 2013
  14. Adolf-Messer-Stiftungspreis an der Goethe-Universität FrankfurtAufgerufen am 13. März 2013
  15. Stiftungszwecke der Dr. Hans Messer SozialstiftungAufgerufen am 13. März 2013
  16. Lexikon der deutschen Familienunternehmer, S. 569 ISBN 978-3-8349-1640-2
  17. Lächeln ist besser als jede Medizin - Internetpräsenz der Aktion Höflich ohne Hände Abgerufen am 11. November 2013