Minirock

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Frauen im Minikleid (USA 1973)

Der Minirock ist ein als kurzer Rock geschneidertes Bekleidungsstück, dessen unterer Saum mehr oder weniger weit oberhalb des Knies der Trägerin endet.

In der Grundform historisch zu unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Kulturen als um die Hüfte gebundene Verhüllung der primären Geschlechtsmerkmale genutzte, für die ungehindert-beinfreie Bewegung praktische Bekleidung nicht unbekannt (siehe beispielsweise Lendenschurz oder Skort in der Sportbekleidung), wurde der als solcher benannte Minirock Anfang der 1960er Jahre in England von der Modedesignerin Mary Quant für die Damenmode neu kreiert. Zunächst in der Öffentlichkeit aufgrund einer erotisch interpretierten Signalwirkung skandalisiert, war er eines von mehreren prägenden Beispielen für die Popkultur und die Kleidermode der weiblichen Jugend der als „Westliche Welt“ bezeichneten Kulturen während der 1960er und 1970er Jahre. In der Gegenwart ist der Minirock – auch erweitert als Mini-Kleid – in unterschiedlichen Stil-Variationen neben den längeren Bekleidungsvarianten Midi (ungefähr Kniehöhe) und Maxi (ungefähr Knöchelhöhe) in der Alltagsbekleidung von säkular ausgerichteten Industriegesellschaften weitgehend etabliert, und wird hauptsächlich in den warmen Jahreszeiten getragen.

Der erste Minirock[Bearbeiten]

Der Minirock wurde durch den großen Erfolg der Deutschen Operette Der Zarewitsch von Lehar im Jahre 1932 in die Modewelt eingeführt. Getragen wurde der Minirock mit wadenhohen und hochhackigen Lederstiefeln von Nora Weindl. Ein nachweisliches Foto ist u. a. auch in dem 1934 erschienenen Buch Bunte Bilder – Deutsche Bühne veröffentlicht worden.

Der Minirock wurde wesentlich später von der britischen Modeschöpferin Mary Quant in die Modewelt wiedereingeführt. Erstmals wurde der aus Deutschland der frühen 1930er Jahre stammende und durch Mary Quant wiederentdeckte Minirock 1962 in der britischen „Vogue“ abgebildet. Schon drei Jahre später war das zunächst als skandalös empfundene Kleidungsstück zum weltweiten Verkaufsschlager avanciert. Der französische Modedesigner André Courrèges war für die Wiederentstehung des Minirocks mitverantwortlich. Mittlerweile gilt er neben Quant als einer der wichtigsten Modeschöpfer der 1960er Jahre.

Wahrnehmung[Bearbeiten]

Der Minirock wurde teils als Provokation oder als Ausdruck einer allgemeinen Respektlosigkeit wahrgenommen, teils aber auch als Zeichen eines neuen Selbstverständnisses und Selbstbewusstseins der sich von überkommenen Zwängen befreit fühlenden Frauen verstanden. Die neue Länge konnte sich in allen Gesellschaftsschichten durchsetzen. Selbst das britische Königshaus gab dem Trend nach und akzeptierte eine Länge von exakt sieben Zentimetern über dem Knie. Miniröcke gab es bald in allen Materialien, von edel bis billig, und sie wurden bei jeder sich bietenden Gelegenheit getragen. Selbst im Winter wurden Miniröcke angezogen. Die Strumpfindustrie zog bald nach und brachte statt Nylonstrümpfen Strumpfhosen auf den Markt, die die Beine ins richtige Rampenlicht rückten. Und auch steuerlich gab es einen Vorteil, denn der Minirock wurde zunächst aufgrund der eher kleinen Größe als Kinderkleidungsstück eingestuft. Auch Kleider wurden gemäß der Minirocklänge zu Minikleidern.

Anerkennung[Bearbeiten]

Mary Quant wurde für ihren Mut und ihre sinnlichen, jungen Kreationen 1966 mit dem „Order of the British Empire“ ausgezeichnet. Zur Verleihung im Buckingham Palace erschien sie im Minirock. Etwa im Sommer 1968 erreichte der Minirock seine maximale Popularität und 1969 (als „Mini-Mini“ oder „Mikrorock“)[1] die höchstmögliche Saumhöhe, wobei das Höschen zum öffentlich sichtbaren Bestandteil der Mode avancierte.

Modische Konsequenz[Bearbeiten]

Nur kurze Zeit später brachte die Modeindustrie den bodenlangen Maxirock als Kontrastprogramm auf den Markt. Die nächste Steigerung im Jahr 1971 konnten deshalb nur die Hot Pants („Heiße Höschen“) bringen, die aber in den folgenden Jahren ebenso wie der Mini- und Maxirock durch die Zunahme langer Frauenhosen an Bedeutung verloren. In der Antike waren Miniröcke auch als Männerröcke weit verbreitet, zum Beispiel in Ägypten und Griechenland. Heute noch gehören rote Miniröcke zur traditionellen Stammestracht der Massai-Männer.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bianca Lang, Tina Schraml, Lena Elster: Der Minirock. Die Revolution - Die Macher - Die Ikonen. Edel-Edition, Hamburg 2009, ISBN 978-3-941378-05-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Minirock – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ganz entspannt, Der Spiegel 33/1969, abgerufen auf Spiegel Online am 20. Januar 2011