Skandal

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Skandal (Begriffsklärung) aufgeführt.

Ein Skandal bezeichnet ein Aufsehen erregendes Ärgernis und die damit zusammenhängenden Ereignisse oder Verhaltensweisen. Das Wort ist im Deutschen seit dem Ende des 16. Jahrhunderts belegt. Es wurde aus dem gleichbedeutenden französischen scandale entlehnt, das auf das kirchenlateinische scandalum zurückgeht, dieses wiederum auf das griechische skandalon „Fallstrick, Anstoß, Ärgernis“.[1] Das abgeleitete Adjektiv skandalös mit der Bedeutung „ärgerniserregend, anstößig“ sowie „unerhört, unglaublich“ findet sich seit Anfang des 18. Jahrhunderts.[2]

Steffen Burkhardt zufolge ist Der Skandal – Skandalon – ein Kernbegriff des Alten Testaments. Das Skandalon bezeichne alles Böse, das von Gott wegführe. Das Konzept des Skandalons wurde gebraucht, um den moralischen Zusammenhalt und die Integrität der frühen christlichen Gruppen zu stärken und sich nach außen abzugrenzen. Wer sich nicht an die Regeln hielt, dem wurde suggeriert, er befinde sich auf dem Weg des Skandalons, also weg von Gott.[3]

Skandal wird häufig synonym zum Begriff Affäre verwendet. Affäre bezeichnet – neben der Liebesaffäre – heute vor allem als skandalös beurteilte Angelegenheit in Politik und Wirtschaft.[4] Der Begriff des Skandals kann demgegenüber ein breiteres Spektrum der öffentlichen Wahrnehmung ansprechen, beispielsweise auch einen Skandal innerhalb der Kunst.

Skandal und Gesellschaft[Bearbeiten]

Bei einem Skandal handelt es sich um eine (allgemeine) Entrüstung oder Empörung im Sinne eines moralischen Gefühls. Zu wissen, worüber sich eine Gesellschaft empört, lässt ablesen, wo und wie die überschrittenen Grenzen liegen. Insofern lassen sich über Skandale Rückschlüsse auf die jeweiligen Norm- und Wertvorstellungen bzw. Konventionen einer Gesellschaft ziehen.

Ein Vorgang, der in einem bestimmten Region oder einer bestimmten Gesellschaft einen Skandal hervorruft, muss dies nicht zwangsläufig auch in einer anderen bewirken. Was früher einen Skandal hervorgerufen hat, muss heute nicht wieder zu einem führen. Ein häufig genanntes Beispiel in diesem Zusammenhang ist der damalige „Skandal“ um den Film Die Sünderin in der Bundesrepublik Deutschland der frühen 1950er-Jahre. Die beiden schwedischen Skandalfilme Das Schweigen und 491 riefen in den 1960er die "Aktion Saubere Leinwand" auf den Plan und erlangten so kulturhistorische Bedeutung.

Skandal und Medien[Bearbeiten]

Skandale sind Ausdruck einer funktionierenden Öffentlichkeit und haben damit auch einen positiven Aspekt. Das weitgehende Fehlen von politischen Skandalen in der DDR gilt als Zeichen der Unterdrückung.[5] Skandalartige öffentliche Auseinandersetzungen, etwa um Theateraufführungen der 1950er und 1960er Jahre,[6] die Selbstverbrennung des Pfarrers Brüsewitz 1976, die Ausbürgerung Biermanns oder die Kaffeekrise in der DDR ab 1977 blieben Ausnahmen, die in engem Zusammenhang mit der DDR-Bürgern zugänglichen Berichterstattung in Westmedien stehen. Bei der Ausstellung Skandale in Deutschland nach 1945 wurden daher kaum DDR-Skandale betrachtet, was umstritten war.[7]

In der Regel bedingt ein Skandal eine allgemeine gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die heute überwiegend durch die Massenmedien erreicht wird. Bei der Aufdeckung von Skandalen und Vorgängen wie Korruption, Bestechung und persönlicher Vorteilsnahme von Amtsträgern in Politik und Wirtschaft spielen Medien und Journalismus, insbesondere als Investigativer Journalismus, eine bedeutende Rolle. Nicht zuletzt hieraus leitet sich die Rolle von Medien und Presse als Korrektiv und sogenannte „Vierte Gewalt“ ab.[8]

Da Medien und Presse auch an hohen Zuschauer-, Hörer- und Leserzahlen interessiert sind, kann es dazu kommen, dass einzelne Vorgänge über ihre Bedeutung hinaus „skandalisiert“ werden. Wo die Grenze zwischen „legitimer Empörung“ und „künstlicher Aufgeregtheit“ liegt, ist vom Betrachter und dessen sozialen, religiösen und politischen Hintergrund abhängig.

Skandalisierung geht oft einher mit Kommerzialisierung, Boulevardisierung bzw. Entertainisierung von Medieninhalten (siehe auch "Popkultur").

Ablauf[Bearbeiten]

Medienskandale beruhen auf einem tatsächlichen oder vermuteten Missstand. Sie verlaufen meist ähnlich:

  • In der Latenzphase wird ein Missstand bekannt; die Anzahl der Medienberichte zum Thema nimmt schlagartig zu. Die Protagonisten des Skandals werden vorgestellt. Die Phase endet mit einem
  • Schlüsselereignis. Dieses führt dazu, dass der Konflikt zu einem Skandal eskaliert. In der darauf folgenden Aufschwungphase werden weitere Fakten bekannt, die in eine Verbindung zum ersten Missstand gesetzt werden. Ist diese Ausweitung geglückt, beginnt die
  • Etablierungsphase. In dieser Phase erreicht der Skandal den Höhepunkt. Nun wird über die Schuld oder Unschuld der Protagonisten gerichtet; Konsequenzen werden gefordert. Zu Beginn der Abschwungphase knickt die skandalierte Person oder Organisation unter dem öffentlichen Druck ein und zieht Konsequenzen aus den Vorkommnissen (z.B. Rücktritt)
  • In der medialen Wahrnehmung ist der Konflikt damit gelöst. Die Intensität der Berichterstattung nimmt schnell ab.
  • In der Rehabilitationsphase wird die Ordnung des Gesellschaftssystems wieder hergestellt. Die Medien berichten nur noch vereinzelt. Mit den fünf Phasen entspricht der Aufbau eines Medienskandals weitgehend demjenigen eines antiken Dramas.[9]

Skandale und Affären[Bearbeiten]

Einige Skandale und Affären wurden zu feststehenden Begrifflichkeiten. Bezogen auf Wirtschaft und Politik können beide Begriffe als Wortbestandteil in diesbezüglichen Zusammensetzungen (Komposita) auftreten. So ist beispielsweise der Watergate-Skandal auch als Watergate-Affäre bekannt. Außerhalb von Wirtschaft und Politik wird in der Regel nur von „Skandal“, nicht aber von „Affäre“ gesprochen („Theaterskandal“, „Kunstskandal“, „Medikamentenskandal“, „Pflegeskandal“).

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Deutschland[Bearbeiten]

Kaiserreich, Weimarer Republik und NS-Zeit

  • Eulenburg-Affäre, 1907–1909. Gerichtsverfahren wegen homosexuellen Verhaltens und Verleumdungen.
  • Daily-Telegraph-Affäre, 1908. Ein Interview Wilhelm II. stürzt das Kaiserreich in eine tiefe Krise.
  • Zabern-Affäre, 1913–14. Unruhen im elsässischen Zabern, einem Truppenstandort, nachdem ein Soldat die elsässische Bevölkerung beleidigt hatte.
  • Osthilfeskandal, 1932/1933. Skandal um wirtschaftliche Unterstützungen für ostdeutsche Agrarregionen und ihre Veruntreuungen.
  • Wittorf-Affäre, 1928. Unterschlagungen durch einen Vertrauten des KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann.
  • Blomberg-Fritsch-Affäre, 1938. Von der NS-Führung inszeniert, um Oberkommando und Oberbefehl über die Wehrmacht zu übernehmen.

1960er

  • Contergan-Skandal, 1961–62. Nebenwirkungen des Medikaments Contergan an Ungeborenen schädigten eine große Zahl von Kindern.
  • Fibag-Affäre, 1961–62. Die Fibag (Finanzbau Aktiengesellschaft) sollte mit politischer Rückendeckung mehrere Tausend Wohnungen für die US-Armee bauen.
  • Starfighter-Affäre, ab 1962. Die Umstände der Beschaffung und die technischen Probleme mit dem Kampfflugzeug Lockheed F-104 „Starfighter“.
  • Spiegel-Affäre, 1962. Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel war aufgrund eines kritischen Artikels der Strafverfolgung wegen angeblichen Landesverrats ausgesetzt.

1970er

  • Bundesliga-Skandal, 1971. Aufgrund von manipulierten Punktspielen war es den Klubs Rot-Weiß Oberhausen und Arminia Bielefeld gelungen, in der 1. Bundesliga zu verbleiben.
  • Guillaume-Affäre, 1974. Ein engster Mitarbeiter des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt wird als DDR-Spion enttarnt.
  • Lauschaffäre Traube, 1977. Eine illegale Abhöraktion des Bundesamtes für Verfassungsschutz, die sich gegen den Atomphysiker Klaus Traube richtete.

1980er

  • Flick-Spendenaffäre, 1982. Verdeckte Parteispenden des Flick-Konzerns im Zusammenhang mit einem Entscheid des Bundeswirtschaftsministeriums.
  • Kießling-Affäre, 1984. Einem Bundeswehr-General wurde Homosexualität vorgeworfen, er wurde als Sicherheitsrisiko eingestuft und vorzeitig in den Ruhestand geschickt.
  • Barschel-Affäre, 1987. Vorkommnisse im Wahlkampf von Uwe Barschel vor der Landtagswahl, nach der er zum schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten gewählt wurde.

1990er

  • Schubladenaffäre, 1993. Zahlungen an Reiner Pfeiffer, den Auslöser der Barschel-Affäre von 1987.
  • Amigo-Affäre, 1993. Bestechungsvorwürfe gegen den damaligen Ministerpräsidenten von Bayern Max Streibl und andere bayerische Politiker.
  • GWG-Skandal, 1998. Ermittlungen gegen 1.300 Korruptionsverdächtige, davon 600 Amtsträger in Wuppertal, rund um Immobiliengeschäfte.
  • CDU-Spendenaffäre, 1999. Illegale Spendenpraxis der Partei in den 1990er-Jahren unter dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl.

2000er

  • Visa-Affäre, ab 2000. Missbrauchsfälle bei der Vergabe von Visa in verschiedenen deutschen Botschaften und Konsulaten.
  • Berliner Bankenskandal, 2001. Vorgänge um die landeseigene Bankgesellschaft Berlin.
  • Bonusmeilen-Affäre, 2002. Einzelne Bundestagsabgeordnete nutzten gewohnheitsmäßig ihre dienstlich angesammelten Bonusmeilen für Privatreisen.
  • Münchner CSU-Affäre, 2003. Eine Gruppe junger CSU-Mitglieder beeinflusste parteiinterne Wahlen.
  • RWE-Affäre, 2004. Der Vorsitzende der CDU-Arbeitnehmerorganisation erhält Zahlungen seines ehemaligen Arbeitgebers RWE.
  • Fußball-Wettskandal 2005 Manipulationen von Fußballspielen, die im Zuge der Ermittlungen gegen einen Schiedsrichter bekannt wurden.
  • VW-Korruptionsaffäre, 2005. Aus der Firmenleitung des Konzerns heraus erhielten Mitglieder des Betriebsrates besondere Zuwendungen.
  • Telekom-Bespitzelungsaffäre, 2008. Das Unternehmen ließ Telefondaten, Bankdaten und E-Mails von Mitarbeitern und Journalisten überwachen.
  • Liechtensteiner Steueraffäre, 2008. Die Liechtensteiner Steueraffäre ist der größte bisher in der Bundesrepublik Deutschland eingeleitete Komplex von Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung.
  • Fußball-Wettskandal 2009 Manipulationen von Fußballspielen auf internationaler Ebene.

2010er

  • Plagiatsaffäre Guttenberg, 2011 Karl-Theodor zu Guttenberg verliert seinen Doktortitel wegen Urheberrechtsverletzungen.
  • Nationalsozialistischer Untergrund. Bekanntgeworden 2011: Mordserie in den Jahren 2000 bis 2006 mit rechtsradikalem Hintergrund
  • Überwachungs- und Spionageaffäre , 2013 Affäre rund um die Spionage- und Überwachungstätigkeiten der National Security Agency (NSA) und anderer Nachrichtendienste, ausgelöst von den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden.

Österreich[Bearbeiten]

1960er

1970er

1980er

1990er

2000er

2010er

Frankreich[Bearbeiten]

Großbritannien[Bearbeiten]

Schweiz[Bearbeiten]

  • Fichenskandal, Anfang 1990er: Die Schweizer Regierung lässt „Karteikarten“ von über 900.000 Schweizer Bürgern anfertigen.
  • Borer-Affäre, 2002

USA[Bearbeiten]

International[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Bergmann, Bernhard Pörksen (Hrsg.): Skandal! – Die Macht öffentlicher Empörung. Halem, Köln 2009, ISBN 978-3-938258-47-7 (= Edition Medienpraxis, Band 6).
  • Frank Bösch: Öffentliche Geheimnisse. Skandale, Politik und Medien in Deutschland und Großbritannien 1880-1914. Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-58857-6 (= Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London, Band 65).
  • Steffen Burkhardt: Medienskandale. Zur moralischen Sprengkraft öffentlicher Diskurse, Halem, Köln 2006, ISBN 978-3-938258-27-9 (Zugleich Dissertation an der Universität Hamburg).
  • Rolf Ebbighausen, Sighard Neckel (Hrsg.): Anatomie des politischen Skandals. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-518-11548-0 (= Edition Suhrkamp Band 1548)
  • Hans Mathias Kepplinger: Publizistische Konflikte und Skandale, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2009; ISBN 978-3-531-16900-2 (= Theorie und Praxis öffentlicher Kommunikation. Band 2).
  • Petra Rösgen (Redaktion); Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): Skandale in Deutschland nach 1945, Kerber, Bielefeld / Leipzig 2007, ISBN 978-3-86678-106-1 (Begleitbuch zur Ausstellung im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, Dezember 2007 bis März 2008, im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Mai bis Oktober 2008).
  • Marc Polednik und Karin Rieppel: Gefallene Sterne. Aufstieg und Absturz in der Medienwelt. Klett-Cotta, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-608-94623-9.
  • Stefan Volk, Barbara Scherschlicht: Skandalfilme. Cineastische Aufreger gestern und heute. Schüren, Marburg 2011, ISBN 978-3-89472-562-4.
  • Skandalisierung (in) der Wissenschaft = Gegenworte. Hefte für den Disput über Wissen. Hrsg. von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft, Heft 29, Frühjahr 2013 (Schwerpunktheft zu Skandalen in der Wissenschaft, u. a. mit Beiträgen von Bernhard Pörksen über Skandale der Mediendemokratie, von Christian Demand über Skandale in der Kunst und von Andreas Urs Sommer über skandalöse Philosophie) [1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Etymologie nach Duden «Etymologie» – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989
  2. Bedeutungen von skandalös nach Duden «Etymologie» – Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, 2. Auflage, Dudenverlag, 1989
  3. 25. Februar 2010 Skandale, Macht und Medien: Betrachtungen zum Fall Käßmann Steffen Burkhardt auf evangelisch.de
  4. vgl. Lemma Affäre in Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage, 2002 [...] heute vorwiegend für "skandalöse Angelegenheit" (vor allem in Politik und Wirtschaft)
  5. Martin Sabrow (Hrsg.): Skandal und Diktatur. Formen öffentlicher Empörung im NS-Staat und in der DDR, Wallstein Verlag, Göttingen 2004; Frank Bösch: Politische Skandale in Deutschland und Großbritannien, Juni 2006, Das Parlament
  6. Adolf Dresen: Der Fall Faust (1968) – Der letzte öffentliche Theater-Skandal in der DDR, in: Freitag, 19. November 1999.
  7. „Skandale in Deutschland nach 1945” Neue Wechselausstellung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig
  8. „Ein Audio-Interview mit Claus Strunz, Chefredakteur Hamburger Abendblatt, über Investigativen Journalismus und die Aufdeckung von Skandalen“, pr-on-air.de, 11. Mai 2009
  9.  Steffen Burkhardt: Medienskandale. Zur moralischen Sprengkraft öffentlicher Diskurse. Köln 2006, S. 181ff.