Mikulčice

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Mikulčice
Wappen von Mikulčice
Mikulčice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Hodonín
Fläche: 1530 ha
Geographische Lage: 48° 49′ N, 17° 3′ O48.81805555555617.051944444444165Koordinaten: 48° 49′ 5″ N, 17° 3′ 7″ O
Höhe: 165 m n.m.
Einwohner: 1.951 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 696 19
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: Josef Helešic (Stand: 2007)
Adresse: Mikulčice 245
696 19 Mikulčice
Gemeindenummer: 586374
Website: www.mikulcice.cz

Mikulčice (deutsch Mikultschitz) ist ein Dorf mit 1.955 (2005) Einwohnern in der Region Jihomoravský kraj (Tschechien).

Mikulčice befindet sich 7 Kilometer südwestlich von Göding an der Grenze zur Slowakei. Das Dorf mit einer Fläche von 1530 Hektar liegt auf einer Meereshöhe von 164 m. In 623 Wohnungen leben knapp 2.000 Einwohner.

Drei Kilometer südöstlich des Dorfes befindet sich an der March (tschechisch Morava) in Mikkulčice-Valy die ehemalige Burganlage Morava, die im 9. Jahrhundert Mittelpunkt des Großmährischen Reiches war. Sie ist heute archäologisches Freilichtmuseum Nationaldenkmal Mikulčice-Valy.

Geschichte[Bearbeiten]

Mikulčice wird 1141 erstmals schriftlich erwähnt. Damals gehörte es der Großpfarrei Lundenburg an. In Mitte des Dorfes stand damals eine Friedhofskirche. Aus dem 12. und 13. Jahrhundert entdeckten Archäologen nicht nur Überreste von Häusern, sondern auch keramische Scherben. Das Dorf dürfte sich damals entlang einer Straße gezogen haben. Die Kirche der Himmelfahrt der Jungfrau Maria stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde erstmals 1353 erwähnt. Ein Jahrhundert später wird von einer Festung berichtet, die sich auf dem Hügel Kopec im südlichen Teil des Dorfes befunden haben soll.

Am 25. September 2007 wurde das Hauptgebäude der Gedenkstätte einschließlich der Forschungsräume und des Archivs durch einen Brand vernichtet.

Burganlage Morava[Bearbeiten]

Der Historiker Lubomír E. Havlík identifizierte anhand der archäologischen Befunde die Anlage in Mikulčice-Valy als die erste mährische Hauptstadt Morava (grad Morava), die nach 871 von Veligrad als neuer Hauptstadt abgelöst wurde.[2]

Die 30 bis 50 Hektar große Gesamtanlage erstreckte sich über einige Inseln des verzweigten Flusses March.

Die zentrale Anlage mit einer Begräbnisstätte und Wohnkomplexen dürfte etwa 10 Hektar eingenommen haben. Sie war von einem Holzwall mit einem Steinvorsatz umgeben, und war vom Flussbett zusätzlich geschützt. Das Ufer war durch mehrere Holzpalisaden befestigt. In die Akropole und die Vorburg boten mehrere Brücken, die einzelne Komplexe miteinander verbanden, sowie Tore Einlass.

In der Burganlage befanden sich ein steinerner Palast und eine Kirche, sowie weitere Steinbauten. Sie dienten wahrscheinlich der Führungsschicht. In der Kirche befanden sich einzelne Gräber. In der Akropole befanden sich des Weiteren Werkstätten und Wohngebäude von Handwerkern.

Die Vorburg war Heimat von Soldaten, Dienern und Handwerkern. Hier fanden auch Märkte statt, in denen die Handwerker mit ihren Produkten handelten und Bauern aus nah und fern ihre Erzeugnisse feilboten. Dabei war das Leben auf der Burg stark von der wirtschaftlichen Entwicklung der Umgebung abhängig. Schließlich mussten viele Personen ernährt und versorgt werden.

Vermutlich durch die Existenz dieser Festung wurden in der Nähe auch weitere Siedlungen angelegt, wovon archäologische Ausgrabungen entlang der Eisenbahnstrecke von Lundenburg nach Göding zeugen.

Die Burganlage war das Zentrum der politischen Macht der herrschenden Mojmiriden und ein bedeutendes Zentrum der kirchlichen Verwaltung. Davon zeugen neuere Entdeckungen von reich ausgestatteten handwerklichen Erzeugnissen, Waffen und luxuriösen sowie importierten Gegenständen. Ein interessanter Hinweis ist auch ein erhaltener Speiseplan, reich an Fleisch, Obst und Gemüse. Auch die Bildung erreichte in dieser Region ein hohes Niveau.

Die Bedeutung des Ortes, dessen Gründung vermutlich vor dem 8. Jahrhundert erfolgte, ging mit dem Untergang des Großmährischen Reiches und dem Einfall der Magyaren im 10. Jahrhundert verloren. Ein Teil der Bevölkerung aus der Vorburg siedelte sich in der Umgebung an. Einige der Herrscher durften vermutlich ihre Positionen behalten oder bekamen neue zugeteilt, ein großer Teil der Söldner, dürfte sich den Magyaren angeschlossen haben. Die Handwerker dürften auch ins Ausland ausgewandert sein, ein Großteil sicherlich nach Böhmen, in das Reich der Přemysliden. Bereits im 13. Jahrhundert war die Gegend nicht mehr besiedelt.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Fanoš Mikulecký (* 28. Juli 1912; † 23. März 1970 in Hodonín), Verleger, Musiker, Hörspielautor, Komponist
  • František Nosál (* 7. April 1879 in Těšice; † 29. August 1963 in Prag), Divisionsgeneral, Legionär
  • Pavel Vavrys (* 18. Dezember 1947), Maler, dessen Bilder in der Nationalgalerie Prag ausgestellt sind
  • Jaroslav Jurčák (* 17. Juni 1937), Bildhauer

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Mikulčice besteht aus den Ortsteilen

  • Mikulčice (Mikultschitz) - 303 Häuser, 918 Einwohner
  • Těšice (Tieschitz) - 320 Häuser, 988 Einwohner

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Havlík: Svatopluk, S. 34 u. 74-77.